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TEST: Sanitär-Silikonfugenmassen: 11·2019 Riskante Schimmelstopper


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ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 110/2019 vom 24.10.2019

Schimmel im Bad? Kommt häufig vor. Vor allem in den Fugen haften Sporen. Pilzhemmer in Silikonfugenmassen sollen das verhindern. Doch die eingesetzten Fungizide sind nicht immer harmlos.


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Bildquelle: ÖKO-TEST Magazin, Ausgabe 110/2019

Alle reden vom Klimawandel. In deutschen Bädern bleibt das Klima indes beständig: überwiegend feucht, größtenteils warm, bisweilen stickig. Beste Verhältnisse also für ordentlichen Schimmelwuchs. Besonders in den Fugen, wo Reste von Shampoo und Seife kleben, finden die Sporen einen guten Nährboden. Zur Schimmelabwehr sind für Bad und WC gedachte Fugenmassen mit fungiziden, also pilzhemmenden, Wirkstoffen ausgerüstet. Wir ...

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... haben 19 weiße Sanitär-Silikonfugenmassen für Sie getestet.

Kein Produkt überzeugt völlig
Das Ergebnis: Ein vollends zufriedenstellendes Produkt gibt es nicht. Immerhin können wir Ihnen aber vier mit „gut“ empfehlen. Ansonsten herrscht viel Mittelmaß. Zwei Fugenmassen fallen mit „mangelhaft“ und fünf mit „ungenügend“ durch, darunter das teuerste Produkt, derPCI Silcoferm S Silikon-Dichtstoff Nr. 20 weiß.

Schimmelstopper mit Risiken
In unserem Test enthalten fast alle Produkte als Fungizid eine Verbindung aus der Stoffgruppe der Isothiazolinone. Diese werden in vielen Baustoffen, auch in Farben, als Konservierungsmittel oder als biozide Wirkstoffe eingesetzt. Isothiazolinone sind nicht nur ein Problem für Schimmelpilze, sondern auch für den Menschen: Sie können Augen und Haut reizen und Allergien auslösen. Ein besonders hohes sensibilisierendes Allergiepotenzial besitzt die chlorierte Verbindung Dichloroctylisothiazolinon. Sie steckt in sieben der getesteten Fugenmassen. Die nicht chlorierten Varianten Butylbenz- und Octylisothiazolinon sind weniger bedenklich, in zwei Produkten ist der Gehalt an Octylisothiazolinon niedrig und liegt unter unserer Abwertungsgrenze.

Der Anbieter Lugato setzt als einziger Silber zur Schimmelabwehr ein. Aber das ist keine gute Alternative. Denn es besteht die Gefahr, dass Bakterien resistent werden gegen diesen wichtigen Wirkstoff in der Medizin, die ihn wegen seiner keimtötenden Eigenschaften nutzt. Außerdem reichert sich Silber in der Umwelt an.

Giftige Katalysatoren
Nicht nur Fungizide sorgen dafür, dass das Testergebnis insgesamt mäßig ausfällt. Es gibt noch weitere Problemstoffe: In mehr als der Hälfte der Fugenmassen stecken erhöhte bis stark erhöhte Gehalte an zinnorganischen Verbindungen. Manche von ihnen stehen im Verdacht, das Immun- und Hormonsystem zu beeinträchtigen, fortpflanzungsgefährdend oder fruchtschädigend zu sein. Dioctylzinn ist in Textilien mit Hautkontakt oder Schuhen und Handschuhen verboten, wenn es eine bestimmte Konzentration überschreitet. Dibutylzinn in Produkten, die mit Lebensmitteln in Kontakt kommen. Außerdem bauen sich die Substanzen in der Umwelt meist nur schwer ab und sind wassergefährdend. Zinnorganische Verbindungen kommen im Herstellungsprozess als Katalysatoren zum Einsatz. Also als Stoffe, die die chemischen Reaktionen beschleunigen.

Schluderige Deklarationen
Für Allergiker ist es wichtig, genau zu wissen, welche Fungizide sie mit der Kartusche kaufen. In der EU ist deshalb die Nennung des konkreten Wirkstoffs auf der Verpackung verpflichtend. Der Anbieter Knauf gibt auf der Packung desKnauf Sanitär-Silicon, weiß den Stoff Dichloroctylisothiazolinon an. Diese Verbindung hat das Labor aber gar nicht nachweisen können, sondern analysierte die nicht chlorierte Verbindung Octylisothiazolinon. Bei den Produkten von Ardex und PCI Augsburg dagegen fehlt der für Isothiazolinone erforderliche Hinweis „Kann allergische Reaktionen hervorrufen.“

Damit der Gebrauch keine gesundheitlichen Schäden nach sich zieht, fordert ÖKO-TEST einige Sicherheitshinweise. Auslobungen wie „Berühren mit der Haut vermeiden“ begrüßen wir. Als Mindestanforderungen verlangen wir „Von Kindern fernhalten“ und „Für gute Belüftung sorgen“. Anbieter PCI Augsburg verzichtet gleich auf beide Hinweise.

Alles weiß – auch die Fugen. In einem sauberen, schimmelfreien Badezimmer macht das Baden gleich umso mehr Spaß.


Leere Versprechungen
Doch es gibt noch weitere Schluderigkeiten bei der Deklaration zu bemängeln – auch der Sorte falsche und leere Versprechungen: Bauhaus lobt sein ProduktProbau Sanitär-Silikon Eco, weiß als „zinnfrei“ aus. Das von uns beauftragte Labor wies darin jedoch einen stark erhöhten Gehalt an Dioctylzinn nach. Soudal lässt die Worte „keine Umweltgefahr“ auf die Kartuschen drucken. Davon kann jedoch bei einem mit einem Biozid ausgerüsteten Silikon keine Rede sein. Auf der Kartusche desselben Produkts heißt es denn auch unter „Entsorgung“ richtig: „biologisch nicht abbaubar“.

Ärgerlich für den Heim- oder Handwerker ist es, wenn die Deklaration verspricht, dass er weitere Informationen über ein technisches Merkblatt erhalte, dieses aber nirgendwo aufzufinden ist. Von 16 Produkten war das Datenblatt ohne Probleme im Internet abrufbar oder über den Händler erhältlich. Bei drei Silikonen – den MarkenPattex ,Boxer undFundamo – war es für das konkrete Produkt trotz Hinweis auf der Kartusche zum Zeitpunkt des Tests weder im Internet noch über den Händler erhältlich.

Eine gute Nachricht
Etwas Positives gibt es bezüglich der Inhaltsstoffe am Ende dann doch zu vermelden: Das von uns beauftragte Labor wies in keinem der Produkte die ebenfalls bedenklichen Fungizide Carbendazim, Tebuconazol und Zinkpyrithion nach. In unseren vorangegangenen Tests steckten die Stoffe noch in einigen wenigen Produkten, teilweise sogar zusätzlich zu den Isothiazolinonen. Auch das als Vernetzungsmittel eingesetzte Butanonoxim, das als krebserregend gilt, konnten die Chemiker in keinem Produkt analysieren.


@@„Wo zinnfrei draufsteht, sollte auch zinnfrei drin sein. Sonst ist die Deklaration sinnfrei.“


Frank Schuster , ÖKO-TEST-Redakteur

“Zinnfrei” und “keine Umweltgefahr”: Solche und weitere irreführende Auslobungen fanden wir auf den Kartuschen.


So haben wir getestet

Wir haben in Baumärkten und im Baustoffhandel 19 weiße Sanitär-Silikonfugenmassen eingekauft. Darunter finden sich bekannte Marken wiePattex undSoudal sowie Eigenmarken der Baumärkte. Die Preise reichen von weniger als 4 bis fast 15 Euro pro Kartusche.
Silikonfugenmassen enthalten häufig problematische Stoffe. Um die Fugen in Bad und Dusche vor Schimmelbefall zu schützen, sind sie mit pilztötenden (fungiziden) Wirkstoffen ausgerüstet. Isothiazolinone können beim Menschen Allergien auslösen, Carbendazim und Tebuconazol möglicherweise die Fortpflanzung gefährden, Zinkpyrithion gilt als leicht hautreizend. Als Katalysator fungieren häufig giftige zinnorganische Verbindungen in der Herstellung. Das unter anderem als Vernetzungsmittel eingesetzte Butanonoxim gilt als krebserregend.
Auch haben wir uns die Deklarationen auf die Nennung des konkreten fungiziden Wirkstoffs sowie die entsprechenden Warnhinweise näher angeschaut. Wir prüften auch, ob Sicherheitshinweise und das Verfallsdatum genannt und keine irreführenden Auslobungen aufgedruckt sind. Maßgeblich für das Gesamturteil ist das Testergebnis Inhaltsstoffe. Nach unserer Auffassung hohe Gehalte an problematischen Stoffen werten wir streng ab. Erhebliche Weitere Mängel, etwa unzureichende Deklarationen, verschlechtern das Gesamturteil.

RATGEBER

1

Ein voll und ganz zu empfehlendes Sanitär-Silikon gibt es nicht. Sie können aber zwischen vier „guten“ Produkten wählen, bei denen fast nur der Preis den Unterschied macht.

2

Der beste Schutz vor Schimmel: Nach dem Duschen oder Baden die Seifen- oder Shampoo-Rückstände mit klarem Wasser abspülen und die Fugen abtrocknen. Vor allem: gut durchlüften.

3

Rissige oder brüchige Silikonfugen bieten Schimmelsporen beste Voraussetzungen und sollten erneuert werden. Dies ist, je nach Beanspruchung, etwa alle fünf Jahre nötig. Den Zustand der Fugen regelmäßig überprüfen.

WISSEN: So erneuern Sie die Fugen

Alte Fugenmasse entfernen
Das alte Silikon mit einem Fugenmesser vorsichtig herausschneiden, ohne die Fliesen zu beschädigen. Wichtig: Die alte Fugenmasse auf voller Länge entfernen und alle Reste entfernen, sonst hält die neue Fuge nicht. Dafür gibt es spezielle Silikonentferner, die eine Stunde einweichen müssen. Danach sorgfältig reinigen, mit reinem Alkohol nachreiben und trocknen lassen.

Neue Fugenmasse einbringen
Zuerst ein Füllprofil (Rundschnur) einbringen, damit die Fugenmasse nur an den Rändern haftet und später Bewegungen mitmachen kann und nicht reißt. Die Fugenmasse zügig und nahtlos einarbeiten, dazu die Kartuschenspitze schräg anschneiden in Größe der Fuge. Mit sauberem Fugenglättwerkzeug glätten. Dazu kein Trenn- oder Spülmittel verwenden.

Weitere gute Tipps gibt die DIY (Do-It-Yourself) Academy unter diy-academy.eu. Im Suchfenster „Silikonfugen“ eingeben.


Foto: mphillips007/getty images

Foto: Guido Mieth/getty images

Fotos: Anja Wägele; ÖKO-TEST (2), Sergiy1975/getty images