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TEST Sanitär-Silikonfugenmassen: Kleiner Dichtblick


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 2/2011 vom 28.01.2011

Silikonfugenmassen sind üblicherweise stark mit Schadstoffen belastet. Nach diesem Test können wir Ihnen jedoch einige Produkte empfehlen, die zumindest weniger problematisch sind. Bezüglich der Verbraucherinformation liegt allerdings noch vieles im Argen.


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Sie krönt jede Ecke im Badezimmer und alle Anschlüsse von Badewanne, Dusche, Waschtisch und WC und ist ein notwendiges Übel: die Silikonfuge in Weiß, Grau oder in anderen Farben. Die Fugenmasse soll in erster Linie abdichten, aber auch Fugen und ungenaue Anschlüsse kaschieren. Sie muss elastisch sein, um Bewegungen bis zu einem ...

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Sie krönt jede Ecke im Badezimmer und alle Anschlüsse von Badewanne, Dusche, Waschtisch und WC und ist ein notwendiges Übel: die Silikonfuge in Weiß, Grau oder in anderen Farben. Die Fugenmasse soll in erster Linie abdichten, aber auch Fugen und ungenaue Anschlüsse kaschieren. Sie muss elastisch sein, um Bewegungen bis zu einem gewissen Grad aufzunehmen, sonst wird die Fuge undicht.

Zum Ärgernis wird sie, wenn sich auf ihr in der feuchtwarmen Luft des Badezimmers Schimmelpilzsporen ausbreiten. Denn die finden auf dem organischen Material mit Seifen- und Shampooresten einen prima Nährboden. Besonders viele Angriffsmöglichkeiten für die Sporen sind gegeben, wenn die Fugenmassen Schwachstellen zeigen, sich schon leicht ablösen oder wenn sie nicht satt und kontinuierlich aufgetragen sind. Die perfekte Fuge auszubilden, ist gar nicht so einfach, und selbst so mancher Handwerker liefert nicht immer ein Meisterstück ab.

Die Hersteller wollen der Schimmelpilzbildung vorbeugen, in dem sie den Silikonfugenmassen fungizide Wirkstoffe zufügen. Aber das ist auch nicht die Lösung, denn die waschen sich mit der Zeit aus. Und diese Stoffe sind leider auch für den Menschen nicht ganz unproblematisch. Manche Hersteller werben mit einer pilzhemmenden Wirkung, andere verschweigen sie. Strittig ist die Frage, in welchen Fällen es sich um eine anmeldepflichtige biozide Ausrüstung handelt.

Wenn die Fugen erst mal schwarz und voll mit Schimmelsporen sind, wollen viele Bewohner selbst zur Tat schreiten, die alte Fugenmasse auskratzen und eine neue einspritzen. In Internetforen diskutieren sie ausgiebig darüber, wie man das am besten bewerkstelligt. Mit oder ohne Silikonentferner? Manuell mit Cuttermesser oder mit einem speziellen „Fugenhai“? Welches Silikon nimmt man für welchen Zweck? Wie streicht man die Dichtmasse am besten glatt? ÖKO-TEST gibt Ihnen dazu einige Tipps (siehe Kasten).

Damit Sie wenigstens wissen, inwieweit sich in den Kartuschen bedenkliche oder umstrittene Inhaltsstoffe verbergen, haben wir 18 verschiedene weiße Sanitär-Silikonfugenmassen in die Labore geschickt. Die Chemiker prüften auch, inwieweit sich Teile der Masse mit der Zeit verflüchtigen und deshalb wahrscheinlich mit billigen Stoffen gestreckt wurden.

Das Testergebnis

■ Obwohl in unserem Test immer noch viele Silikonfugenmassen durchfallen, zeigt das Ergebnis doch Alternativen auf. DasCeresit Sanitär Silikon von Henkel ist Spitzenreiter und auch dasProbau Sanitär-Silikon kommt im Gesamt urteil noch auf „gut“, vier weitere Dichtmassen sind immerhin noch „befriedigend“.


Erfreulich: In etlichen Silikonen spielen giftige zinnorganische Verbindungen keine Rolle mehr


■ Die Hauptkritik an Silikonfugenmassen be zieht sich auf hormonell wirk same zinnorganische Verbindungen, die als Katalysator eingesetzt werden. Lange Zeit gab es dazu keine Alter native. Jetzt konnten unsere Labore in acht Fällen nur noch Spuren dieser bedenklichen Chemikalien nachweisen. In anderen Produkten bewegt sich die Konzentration dagegen im Grammbereich, das ist immens viel, wenn man bedenkt, dass unser Labor kleinste Mengen von einem Millionstel Gramm nachweist. Am auffälligsten ist derPCI Silcoferm S Sili kon-Dichtstoff mit mehr als 2,5 Gramm pro Kilogramm Dioctylzinn. Mit der beson ders problematischen Ver bin dung Dibutylzinn ist dasRaco fix Fugen-Silicon von Sopro am höchsten belastet.
■ Das zweite große Thema sind Fungizide, die verhindern sollen, dass die Silikonfugen im Bad schimmeln und sich Schimmelpilzsporen in der Raumluft verteilen. Diese nur vorübergehende Wirkung wird teuer erkauft, denn die Fungizide sind meist auch für den Menschen nicht ganz harmlos. In drei neutral vernetzten Fugenmassen wird die äußerst problematische Substanz Carbendazim eingesetzt, die im begründeten Verdacht steht, sowohl erbgutverändernd, fortpflanzungsgefährdend als auch krebserregend zu sein. Die amerikanische Umweltorganisation „Friends of the Earth“ zählt sie zu den „filthy four“, zu den vier schmutzigsten, also schlimmsten Pestiziden. Greenpeace listet die Verbindung auf der Schwarzen Liste der EU-Pestizide nur wenig besser auf Rang 8. Die Mengen in den Fugenmassen werden von den Herstellern so dosiert, dass die Produkte nicht als „giftig“ gekennzeichnet werden müssen, aber ein Risiko sind sie allemal. Auch Tebuconazol steht im Verdacht, die Fortpflanzung zu gefährden, Thiabendazol ist umweltgefährlich eingestuft und wird in der Schwarzen Liste der Pestizide von Greenpeace sogar kritischer als Tebuconazol angesehen.
■ In mehr als der Hälfte der Silikonfugenmassen, in der Regel in sauer vernetzten, werden als Konservierungsmittel/ Fun gi zide Isothiazolinone einge setzt, die Allergien auslösen können. Das trifft vor allem auf die chlorierten Verbindungen wie Dichlorisothiazolinon zu. Die nicht chlorierten Verbindungen, hier Octylisothiazolinon, haben ein geringeres sensibilisierendes Potenzial, müssen aber ab einer Konzentration von 0,05 Prozent als „reizend“ deklariert werden. Die Hersteller gestalten die Rezepturen so, dass sie knapp unter dieser Grenze bleiben.


Drei Massen enthalten das problematische Fungizid Carbendazim, auch die anderen sind nicht ohne


■ Bedenkliche Phthalatweichmacher wurden im Gegensatz zu früheren Tests nicht mehr nachgewiesen. Die Hersteller set-zen mittlerweile alternative Weichmacher wie DEHT und DiNCH ein, die allerdings noch nicht hinreichend erforscht sind. Laut Obi wird der Weichmacher als Trägermaterial zur sicheren Dosierung von Octylisothiazolinon eingesetzt.


Einige Silikone sind von minderer Qualität und mit flüchtigen Erdölprodukten gestreckt


■ Fast alle Produkte sind unzureichend deklariert. Ledig lich Hersteller Henkel hat die von ihm produzierten Produkte als Biozidprodukte registrieren lassen, dabei sind mehr als die Hälfte der Silikonfugenmassen „pilzhemmend“ oder ähnlich ausgelobt. ÖKOTEST ist der Meinung, dass der Verbraucher über die in der Rezeptur eingesetzten Konservierungsmittel und Fungizide informiert werden sollte. Dadurch werden auch Isothiazolinonallergiker gewarnt. Dies fordert auch derBlaue Engel für emissionsarme Dichtstoffe – für Farben und Lacke ist das schon lange gang und gäbe.
■ Bestehen die Silikonfugenmassen wirklich aus Silikon oder werden sie mit Erdölprodukten gestreckt? Wir ließen prüfen, wieviel der Masse sich bei Wärme verflüchtigt. Bei Verlusten von mehr als 30 Prozent kann man davon ausgehen, dass das Material gestreckt wurde. In der Praxis geht der Prozess nur viel langsamer. Besonders schlecht schnitt das relativ billigeSilikon E ab, aus dem fast die Hälfte entwich. Damit verschlechtern sich auch die Gebrauchseigenschaften: Die Fugenmassen schrumpfen, bekommen Risse und haften nicht mehr gut. Solche Massen sind auch anfälliger gegen Schimmelpilze, die sich gerade an den Schwachstellen der Fuge gerne ansiedeln. Im Vergleich zum vergangenen Test fanden unsere Einkäufer jedoch weniger minderwertige Billigpro dukte am Markt.

So reagierten die Hersteller
Hersteller Henkel hat uns mitgeteilt, dass er die Verschlusskappe (Endkappe) aufgrund des Bleigehalts umgehend geändert hat und seit Januar 2011 ein anderes Material einsetzt. Das nachgewiesene Dibutylzinn imSista Schimmel Blocker Aktiv Silikon sei nicht Bestandteil der Formulierung, da das Produkt gezielt mit einem Titankatalysator ausgerüstet sei. Die Rücksprache mit dem Rohstofflieferanten habe ergeben, dass die Ursache in einer technisch bislang nicht vermeidbaren Verunreinigung liegt, an deren Vermeidung der Rohstofflieferant aber intensiv arbeite.

Fett gedruckt sind Mangel.
Abkürzungen: DEHT = Diethylhexylterephthalat. DiNCH = Diisononylcyclohexan-1,2-dicarboxylat. Dichlorisothiazolinon = Dichloroctylisothiazolinon.
Glossar: Erlauterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 158.
Anmerkungen: 1) Rote Verschlusskappe (Endkappe) enthalt Blei. Laut Hersteller sind die Kappen seit Anfang Januar 2011 geandert. Zur besseren Unterscheidung seien diese zunachst nicht eingefarbt, spater wurden sie wieder auf rot umgestellt. 2) Kein Verfallsdatum angegeben. 3) Bedenkliche Anwendungsempfehlung „mit dem Finger glatten“.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe fuhrt zur Abwertung um vier Noten: ein stark erhohter Gehalt von mehr als 2.500 μg/kg Dibutylzinn oder mehr als 25.000 μg/kg andere zinnorganische Verbindungen. Zur Abwertung um drei Noten fuhrt: Carbendazim. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten fuhren: a) ein erhohter Gehalt von mehr als 250 bis 2.500 μg/kg Dibutylzinn oder Tributylzinn, falls nicht schon ein stark erhohter Gehalt von Dibutylzinn oder anderen zinnorganischen Verbindungen abgewertet wurde; b) Tebuconazol; c) Thiabendazol; d) mehr als 20 mg/kg Formaldehyd/-abspalter. Zur Abwertung um jeweils eine Note fuhren: a) mehr als 1.000 mg/kg der alternativen Weichmacher DEHT oder DiNCH; b) Dichlorisothiazolinon; c) mehr als 200 mg/kg nicht chlorierte Isothiazolinone, hier Octylisothiazolinon. Unter dem Testergebnis Gewichtsverlust fuhrt zur Abwertung um zwei Noten: mehr als 30 bis 50 Prozent fluchtige Bestandteile. Unter dem Testergebnis Weitere Mangel fuhrt zur Abwertung um zwei Noten: Fungizider Wirkstoff/Konservierungsmittel nicht deklariert. Zur Abwertung um jeweils eine Note fuhren: a) kein Verfallsdatum erkennbar; b) bedenkliche Anwendungsempfehlung „mit dem Finger glatten“; c) Blei in der Verpackung (in der Verschlusskappe). Das Gesamturteil setzt sich zu 70 % aus dem Testergebnis Inhaltsstoffe und zu 30 % aus dem Testergebnis Gewichtsverlust zusammen. Ein Testergebnis Weitere Mangel, das „befriedigend“ oder „ausreichend“ ist, verschlechtert das Testergebnis Inhaltsstoffe um eine Note.
Testmethoden: Zinnorganische Verbindungen: ETOH, Na-DDTC, NaBET4, Hexan, GCAED. Fungizider Wirkstoff/Konservierungsmittel; LC-DAD nach Extraktion mit Methanol und Aluminiumsulfat. Isothiazolinone: Homogenisieren des Probenmaterials; Extraktion mit Acetonitril im Ultraschallbad; Filtration des Extrakts durch Membranfilter; Trennung, Identifizierung und Quantifizierung mittels HPLC/DAD bei unterschiedlichen Wellenlangen. Phthalate/Weichmacher/antimikrobiell wirkende Substanzen/phenolische Verbindungen: GC/MS nach Extraktion und Derivatisierung. Halogenorganische Verbindungen: 1) Wasserdampfdestillation, Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehaltes; 2) Reinigung der Proben mit Kieselgel, Extraktion mit Essigester; Verbrennung des Extraktes im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts. Formaldehyd/-abspalter: Wasserdampfdestillation nach Zusatz von verdunnter Schwefelsaure, Analyse des Destillats mittels Acetylacetonverfahren, UV-Spektroskopie. Aromatische Kohlenwasserstoffe: Headspace-GC/MS. PVC/PVDC/ chlorierte Kunststoffe/Blei: Rontgenfluoreszenzanalyse. Anteil fluchtige Bestandteile: 61. Mitteilung „Bundesamt fur Risikobewertung“ S. 365, gravimetrisch, 24 Stunden bzw. 72 Stunden Lagerung bei 110 °C, Berechnung des Anteils fluchtiger Substanzen in Prozent, arithmetischer Mittelwert aus zwei Proben, kaufmannisch gerundet. Steht bei Analyseergebnissen „nein“, bedeutet das „unterhalb der Nachweisgrenze“ der jeweiligen Testmethode.
Einkauf der Testprodukte: September – Oktober 2010.
Anbieterverzeichnis: siehe www.oekotest.de

Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schrift liche Genehmigung des Verlages dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

Kompakt

Was sind Silikonfugenmassen?
Silikonfugenmassen bestehen aus Kunststoffen auf Silikonbasis. Grundlage von Silikon ist Silicium, das sich gern mit Sauerstoff verbindet. Diese Eigenschaft wird für die Silikonfugenmasse genutzt, denn die Produkte sollen erst an der Luft zu einem elastischen Gummi härten. Bei den üblichen Rezepturen wird außerhalb der Kartusche ein dafür vorgesehener Stoff abgespalten, an dessen Stelle sich dann Sauerstoff anlagern kann. Je nach Art dieses Stoffs unterscheidet man sauer und neutral vernetzte Silikonfugenmassen. In Gang gesetzt wird die Reaktion üblicherweise mit zinnorganischen Verbindungen als Katalysator. Als Alternative bietet sich vor allem Titan an, das aber nicht für alle Rezepturen geeignet ist.

Welche Arten gibt es?
Diesauer – mit Essigsäure – vernetzten Silikone erkennt man am typischen Essiggeruch während der Aushärtungsphase. Nachteil: Sie sind nicht für alle Materialien geeignet: Sie haften nicht auf mineralischen, porösen Untergründen und bringen Metalle zum Rosten. Ansonsten haften sie sehr gut und sind lange haltbar. Ausgerüstet werden sie in der Regel mit (Chlor-)Isothiazolinonen, wobei die chlorfreien höher konzentriert werden müssen und sich schneller auswaschen.

Dieneutral – meist mit Alkohol – vernetzten Silikone sind universeller einsetzbar und meist auch teurer. Hier wird allerdings das problematische Carbendazim als Fungizid eingesetzt.

Wasserbasierte Rezepturen sind noch relativ neu und unterscheiden sich deutlich. Die Silikone sind hier in Wasser emulgiert, das bei der Trocknung verdunstet. Weil es keine Vernetzung gibt, sind auch keine Katalysatoren notwendig. Die wasserbasierten Silikone sollen für den Heimwerker in der Anwendung von Vorteil sein: einfache Reinigung mit Wasser, leichte Anwendung, fehlerverzeihend und korrigierbar, da die Masse nur langsam härtet.

Tipps zum Verfugen

Alte Fugenmassen entfernen
Die alten Fugenmassen werden mit einem Messer, entweder mit einem Cuttermesser oder einem speziellen Fugenmesser, herausgeschnitten und die Reste vorsichtig mit einer Klinge abgeschabt, sodass Fliesen und Sanitärobjekte nicht beschädigt werden. Die Wirksamkeit von speziellen Silikonentfernern ist umstritten.

Neu verfugen
Der Untergrund muss fett- und ölfrei sein, am besten man reinigt ihn mit Spiritus oder Waschbenzin. Kartuschenspitze auf die benötigte Breite abschneiden, ein schräger Schnitt erleichtert das Einbringen. Durch das Abkleben der Ränder mit einem Kreppband lassen sich überlappende Reste leichter entfernen. Mit ruhiger Hand zügig und nahtlos einspritzen, sodass die Fugenmasse nur die beiden Kanten berührt. Sie soll weniger tief als breit sein. Danach glätten, dabei unbedingt Kontakt mit der Haut vermeiden. Am besten eignet sich ein spezieller Fugenglätter. Mit Gummihandschuhen wird die Haut geschützt.

Foto: Alexander Rochau/Fotolia.com

Giftiges Fungizid

Wolfgang Reuter, ForCare, Fachbüro für Toxikologie und nachhaltige Entwicklung


„Nach meiner Ansicht gehört Carbendazim so schnell wie möglich die Zulassung entzogen. Ein Stoff mit solch einer Häufung sehr kritischer Eigenschaften gehört nicht in die offene Anwendung.“

So haben wir getestet

Der Einkauf
Unsere Einkäufer klapperten die Baumärkte auf der Suche nach weißen Sanitär-Silikonfugenmassen ab. Sie fanden sowohl Markenprodukte wie auch Eigenmarken der Baumärkte mit unterschiedlichen Rezepturen. Die meisten der 18 Testprodukte sind sauer vernetzt, einige auch neutral, drei Dichtmassen sind wasserbasiert. In einigen Fällen machen die Hersteller jedoch keine Angaben.

Inhaltsstoffe
Das Härten der weichen Masse an der Luft erfolgt üblicherweise durch eine chemische Reaktion, die durch einen Katalysator in Gang gesetzt wird. In der Vergangenheit wurden dazu ausschließlich zinnorganische Verbindungen eingesetzt. Diese Stoffe stehen im Verdacht, wie ein Hormon zu wirken. In unseren Tests 2004 und 2007 zeichnete sich ein Hoffnungsschimmer ab, in einzelnen Produkten waren nur geringe Mengen nachweisbar. Die Hersteller hatten einen alternativen Katalysator – wahrscheinlich Titan – eingesetzt. Allerdings war die Entwicklung 2007 eher rückläufig. Deshalb waren wir sehr gespannt, wie der aktuelle Stand ist. Das gilt auch für die in die Kritik geratenen, hormonell wirksamen Weichmacherphthalate, die in der Vergangenheit noch eingesetzt wurden. Umstritten ist auch der Einsatz von fungiziden Wirkstoffen in Sanitär-Silikonfugenmassen. Diese Stoffe sind auch für den Menschen gesundheitlich nicht unbedenklich. Je nach Rezeptur und Art der Vernetzung werden unterschiedliche Verbindungen eingesetzt, die zum Teil Allergien auslösen oder Haut und Schleimhäute reizen können, teilweise aber noch gefährlicher sind. Auch in Fachkreisen ist die Frage strittig, inwieweit die Fugenmassen aufgrund der eingesetzten Fungizide Biozidprodukte sind, die registriert werden müssten. Dann wären die Stoffe und ihre Konzentration auf der Verpackung zu nennen mit eventuell erforderlichen Warnhinweisen. Biozid hin oder her – ÖKO-TEST ist der Meinung, dass Fungizide und Konservierungsmittel im Sinne des Verbraucherschutzes auf jeden Fall auf der Verpackung exakt benannt werden sollten. Deshalb haben wir die Deklaration unter die Lupe genommen und auch auf andere Angaben geachtet.

Gewichtsverlust
Silikonfugenmassen müssten gemäß ihrem Namen überwiegend aus Silikon bestehen. Silikon ist aber recht teuer, weshalb manche Hersteller das Material auch mit billigeren Erdölprodukten strecken, die sich im Laufe der Zeit verflüchtigen. Im Labor verkürzten unsere Tester den Prozess, indem sie die Dichtmassen über 72 Stunden erwärmten und trockneten. Auf diese Weise gasen flüchtige Verbindungen rasch aus.

Die Bewertung
Zinnorganische Verbindungen in großen Konzentrationen bewerten wir sehr streng. Auch für gesundheitlich problematische Fungizide gibt es Minuspunkte, wobei wir den Wirkstoff Carbendazim besonders kritisch sehen. Dieser hat in Heimwerkerprodukten nichts zu suchen. Nicht chlorierte Isothiazolinone haben ein geringeres sensibilisierendes Potenzial als die chlorierten Verbindungen, weshalb wir sie erst ab höheren Konzentrationen abwerten. Dabei orientieren wir uns an den Maximalgehalten, die derBlaue Engel für andere Isothiazolinonverbindungen vorsieht. In Bezug auf die Qualität der Silikonmasse halten wir mehr als 30 Prozent flüchtige Bestandteile für nicht akzeptabel. Allerdings gewichten wir die Inhaltsstoffe stärker als den Gewichtsverlust. Außerdem können schlechte Noten im Testergebnis Weitere Mängel das Testergebnis Inhaltsstoffe verschlechtern. Hier kritisieren wir unter anderem Deklarationsmängel.

Unsere Empfehlungen

■ Schimmelbildung lässt sich vermeiden: Seifenrückstände nach dem Baden und Duschen beseitigen, die Fuge abtrocknen und den Raum gut lüften.
■ Zum Glattstreichen der Fugenmassen geeignete Glättwerkzeuge verwenden, auf keinen Fall den bloßen Finger. In den Dichtmassen stecken Substanzen, die hautreizend und ätzend sind, und möglicherweise noch größere gesundheitliche Risiken bergen.
■ Beim Einkauf darauf achten, für welche Untergründe die Fugenmassen geeignet sind. Vor allem die sauer vernetzten Silikonmassen sind nicht für jede Anwendung geeignet.