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TEST Schaumfestiger: Für Bausch und Bogen


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ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 1/2021 vom 28.12.2020

Schaumfestiger sollen Fülle und Halt ins Haar zaubern, und das bitte möglichst anhaltend. Dazu nutzen die meisten Produkte im Test synthetische Kunststoffe auf Erdöl-Basis. Acht Schäume verzichten darauf.


ÖKO-TEST

RATGEBER

1

„Sehr gut“ schneiden in diesem Test nur die acht Styling-Schäume mit Naturkosmetik- Zertifikat ab.

2

Je nach Haarlänge eine nuss- bis apfelgroße Menge ins handtuchtrockene, noch feuchte Haar geben. Mit dem Kamm oder den Fingern verteilen und einkneten

3

Lufttrocknen oder Föhnen – beides geht. Für extra viel Volumen Haare einfach über Kopf föhnen.

Artikelbild für den Artikel "TEST Schaumfestiger: Für Bausch und Bogen" aus der Ausgabe 1/2021 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: ÖKO-TEST Magazin, Ausgabe 1/2021

Wo vorher feines Spaghettihaar hing, soll ...

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... nachher eine imposante Löwenmähne wallen? Derlei Erwartungen können schon entstehen bei dem, was Hersteller auf ihre Schaumfestiger schreiben: Mal wird dort ein „Push-up-Effekt“ versprochen, mal ein „Wow-Volumen“, mal ist ganz unverblümt von „48 Stunden Anti-Platt“ die Rede. Eines ist klar: Ein Schaumfestiger soll der Natur ein wenig auf die Sprünge helfen. Wir wollten wissen, wie viel schädliche Chemie dabei im Spiel ist und haben 28 Styling-Schäume getestet. Von der Discounter- Eigenmarke bis zum Naturkosmetik- Schaum.

Schäume bauschen mit Kunstharzen

Klassenbeste, Mittelfeld, Sitzenbleiber: Bei den Styling-Schäumen in unserem Test ist alles dabei. Auf die Note „sehr gut“ schafften es dieses Mal nur die acht Naturkosmetik- Schäume. Alle konventionellen Produkte dagegen arbeiten mit synthetisch erzeugten Polymeren. Diese Kunstharze umhüllen jedes einzelne Haar und sorgen dafür, dass die Frisur fixiert wird und die einzelnen Haare auf Abstand bleiben.


„Teuer gleich gut? Der konventionelle Haarschaum im Test mit dem höchsten Preis war auch der mit den meisten Notenabzügen.“


Victoria Pfisterer ÖKO-TEST-Redakteurin


Mit der nächsten Haarwäsche werden die meist aus Erdöl hergestellten Polymere zumindest teilweise wieder ausgespült, gelangen in Klärschlämme oder schlüpfen durch die Kläranlagen in Flüsse und Meere. Viele von ihnen bauen sich dort sehr langsam wieder ab – mit unbekannten Folgen für die Umwelt. Wir haben dafür eine Note abgezogen, und deshalb schneidet kein konventionelles Produkt besser als „gut“ ab.

Acht Schäumen, die außerdem Polyethylenglycole und deren Abkömmlinge enthalten, sind nur „ausreichend“. Diese PEG/PEG-Derivate dienen unter anderem zur Schaumbildung, haben aber den Nachteil, dass sie die (Kopf-) Haut durchlässiger machen können für Fremdstoffe.

Löwenmähne mit Moschusduft

Die rote Karte sehen vier Marken-Produkte am Ende der Tabelle: Drei davon enthalten Düfte und Duftcocktails, die wir als bedenklich für Mensch und Umwelt einstufen. Sie fallen mit „ungenügend“ durch. Beim Garnier Fructis Style XXL Volumen Schaumfestiger riecht die Löwenmähne nach dem künstlichen Moschusduft Galaxolid. Über das Abwasser bedroht er Gewässer, er reichert sich in Wasserlebewesen und im menschlichen Fettgewebe an.

Zwei Schäume kombinieren Galaxolid noch mit weiteren bedenklichen Duftstoffen: Der Pantene Pro-V Schaumfestiger Volumen Pur enthält zusätzlich das allergieauslösende Hydroxycitronellal, das John Frieda Volume Lift Mousse den Duftstoff Lilial. Lilial ist in der EU seit Mai offiziell als Gefahrstoff der Kategorie 1 B eingestuft: Es kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen und steht im Verdacht, das ungeborene Kind zu schädigen. Der Styling- Schaum der britischen Marke John Frieda ist damit nicht nur das teuerste unter den konventionellen Produkten, sondern auch das mit den meisten Notenabzügen.

Polymere auf natürlicher Basis: ein ökologischer Kompromiss

Anders als die konventionellen Schaum- Festiger machen die meisten Naturkosmetik- Schäume keine konkreten Aussagen zum Grad ihres Halts. Die Stärken dieser Produkte liegen wohl eher in einem natürlichen Look als in einer bombenfesten Frisur. Weil synthetische Polymere weitestgend draußen bleiben müssen, stylen die Produkte mit Stoffen aus der Natur. Beispiel Schoenenberger: Hier soll die Kieselsäure aus dem hausgepressten Zinnkrautsaft verdickend auf dünnes Haar wirken; Bier erzeuge Volumen, Glanz und durch seinen Malzanteil eine „leicht festigende Wirkung“. Schoenenberger schreibt uns aber auch ganz unumwunden: „Eine Festigungsabstufung wie bei konventionellen Schaumfestigern können wir mit unseren Wirkstoffen nicht erzielen.“

Anders dagegen die Marken Bioturm und Alverde, die mit dem „starkem Halt“ ihres Schaumfestigers und im Fall von Alverde auch mit der Härtegrad-Ziffer 3 werben. Es zeigt sich, dass beide mit Filmbildnern auf natürlicher Basis arbeiten: Bioturm verwendet dazu das aus Mais hergestellte Polymer Sodium Polyitaconate, der Wirkstoff im Alverde-Schaum ist das natürliche Polymer Chitosan. Beide Polymere sind nach den Regeln der Naturkosmetik-Siegel Cosmos und Natrue zugelassen. Ganz unumstritten dürfte das innerhalb der Verbände nicht sein und auch wir finden, sie bewegen sich damit – vor allem mit Blick auf das Polyitaconat - in einen Graubereich hinein. Weil Polyitaconat jedoch als gut biologisch abbaubar gilt und Chitosan auch natürlicherweise vorkommt, haben wir uns gegen einen Notenabzug entschieden - und beobachten die Forschung dazu weiterhin kritisch.

So haben wir getestet

Wir haben 28 Schaumfestiger eingekauft, darunter acht zertifizierte Naturkosmetikprodukte sowie 20 konventionelle Festiger. Eigenmarken von Drogerien, Supermärkten und Discountern sind ebenso vertreten wie Marken namhafter Kosmetikhersteller. Die Preise der Schaumfestiger liegen zwischen 67 Cent und 18 Euro pro 200 Milliliter.

Die Liste der Inhaltsstoffe haben wir daraufhin überprüft, ob sie bedenkliche oder umstrittene Bestandteile wie PEG/ PEG-Derivate oder umweltbelastende Kunststoffverbindungen enthält. Darüber hinaus ließen wir die Schaumfestiger in verschiedenen Laboren auf problematische Duftstoffe, kritische Konservierungsmittel und Formaldehyd/-abspalter untersuchen.

Die Schadstoffe bewerten wir unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe, das maßgeblich für das Gesamturteil ist. Es kann sich verschlechtern, wenn Hersteller synthetische Polymere einsetzen. Diese haben wir unter dem Testergebnis Weitere Mängel berücksichtigt und abgewertet.

SCHON GEWUSST?

Vorsicht, Flecken!

Vorsicht ist geboten, wenn größere Mengen Haarschaum mit heller Kleidung oder Handtüchern in Kontakt kommen. Denn Polyquaternium-Verbindungen, wie sie auch in vielen der konventionellen Haarschäume unseres Tests vorkommen, können hässliche Flecken ausbilden, die erst nach dem Waschen sichtbar werden. Einfaches Mittel dagegen: Ein dunkles Handtuch zum Schutz um die Schultern legen.

11,26 Millionen

… Frauen in Deutschland verwenden mindestens ein Mal pro Woche einen Schaumfestiger, ermittelte das Institut für Demoskopie Allensbach. Das entspricht etwa jeder dritten Frau in der Altersgruppe über 14 Jahren.

Mit oder ohne Gas

Die Naturkosmetik-Schäume kommen aus Pumpspendern und sind deshalb nicht ganz so feinporig wie die konventionellen Produkte in den Treibgasflaschen. Bei Letzteren werden Treibgase wie Propan, Butan und Isobutan verwendet. Anders als FCKW schädigen sie die Ozonschicht nicht, sind aber leicht entzündlich.

Haltegrad: Pi mal Daumen

Viele Styling-Schäume drucken eine Ziffer auf die Flasche, die beschreiben soll, wie stark ihr Halt ausfällt. Bei den Produkten in unserem Test liegen diese Ziffern zwischen 3 und 5 und wir haben sie in der Tabelle im Namensfeld mit aufgeführt. Mehr als eine grobe Orientierung geben diese „Haltegrade“ jedoch nicht. Denn auf Nachfrage bei den Herstellern sowie dem Industrieverband Körperpflegeund Waschmittel (IKW) stellt sich heraus: Letztlich ermittelt jedes Unternehmen selbst die Einstufung für sein Produkt. Allgemeingültige Vorgaben oder gar unabhängige Prüfungen gibt es dafür nicht. Dazu passt, dass jeder Hersteller die Haltgrade etwas anders übersetzt: Beim einen Produkt steht Ziffer 5 zum Beispeil für „extra starker Halt“, beim anderen für „ultra starker Halt“.


Foto: iprogressman/getty images

Foto: Katja Fiebrich

Illustration: alya_haciyeva/Shutterstock