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TEST Schlafsäcke Wir gehen an die Decke


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 5/2012 vom 27.04.2012

Ein Schlafsack gehört zur Grundausrüstung für Camper, Wanderer und Naturliebhaber. Das mobile Bett leistet aber auch für Gäste oder die Übernachtungsparty gute Dienste. Doch was in vielen Säcken so drinsteckt, kann echte Albträume auslösen!


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Foto: Greg Epperson/istockphoto.com

Camping ist vielen deutschen Familien die liebste Art, Urlaub zu machen. Denn zum einen bedeutet Camping auch in Zeiten topausgestatteter Zeltplätze noch immer eine Spur von Freiheit, Abenteuer, Naturverbundenheit und Leben unter freiem Himmel. Auf der anderen Seite hat man beim Camping aber auch das sichere Gefühl, selbst im ...

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Camping ist vielen deutschen Familien die liebste Art, Urlaub zu machen. Denn zum einen bedeutet Camping auch in Zeiten topausgestatteter Zeltplätze noch immer eine Spur von Freiheit, Abenteuer, Naturverbundenheit und Leben unter freiem Himmel. Auf der anderen Seite hat man beim Camping aber auch das sichere Gefühl, selbst im entlegensten Zipfel Portugals noch ein kleines Stück eigene Scholle unter den Füßen zu haben. Das können der perfekt abgezäunte Wohnmobilstellplatz mit Sitzgarnitur und Planschbecken sein – oder auch nur vier Quadratmeter Zelt.

Egal für welche Art der Unterbringung man sich entscheidet: ein Schlafsack gehört fast immer dazu. Und selbst wer dem Leben im Freien überhaupt nichts abgewinnen kann, wird sich spätestens dann einen Schlafsack zulegen, wenn die Bettwäsche auf der Gästecouch der Freunde schon mehr als einmal keinen richtig frischen Eindruck mehr gemacht hat.

Kein Wunder also, dass Schlafsäcke echte Bestseller sind: Sage und schreibe 1,8 Milliarden Euro wurden im Jahr 2010 mit Outdoorartikeln umgesetzt. Das sind rund 22 Euro pro Bundesbürger. Nach Bekleidung, Schuhen und Rucksäcken sind Schlafsäcke das umsatzträchtigste Outdoorprodukt.

Auf Schlafsäcke sollte man sich in jeder Situation verlassen können: Über die Außentemperaturen, für die Schlafsäcke geeignet sind, informieren die Hersteller durch Angaben, die einer Norm entsprechen müssen. Über Aussehen, Preis und Ausstattung entscheiden Geschmack, Geldbeutel und Verwendungszweck.

Bleiben noch die Inhaltsstoffe: Kann man sich in die Schlafsäcke so richtig schön einkuscheln, ohne sich vor bedenklichen Inhaltsstoffen gruseln zu müssen? Das haben wir am Beispiel von 15 Schlafsäcken untersucht, die sich für die meisten Zwecke eignen – außer vielleicht für Extremexpeditionen. In spezialisierten Laboren wurden sie auf Herz und Nieren geprüft.

Das Testergebnis

Große Namen, große Probleme: Mehr als jeder zweite Schlafsack schneidet mit der Note „ungenügend“ ab. Darunter auch Topmarken wie Ajungilak, Jack Wolfskin und Vaude. Nur zweimal konnten wir überhaupt die Note „befriedigend“ vergeben. Ärgerlich ist das vor allem, weil Outdoorhersteller ihre Produkte gerne so darstellen, als seien sie in der heilen Natur zu Hause. In Wahrheit scheinen sie direkt aus einem Chemiewerk zu kommen.
Zu viel krebserregende Farbstoffe im Bundeswehrschlafsack. In Stoffteilen des Bundeswehrschlafsacks von Feuchter fand das von uns beauftragte Labor den krebserzeugenden Farbstoff pAminoazobenzol. Und zwar mehr als gesetzlich zulässig ist. Demnach hätte er gar nicht verkauft werden dürfen, selbst wenn es ein vor Jahren hergestellter Schlafsack ist, ergab eine Nachfrage beim Chemischenund Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) in Freiburg. Denn in Armeeshops verkaufte, ausgemusterte Produkte müssen trotzdem, wenn sie heute verkauft werden, den gesetzlichen Vorgaben genügen. Auch in der Kordel des Kompressionssacks des VaudeSchlafsacks steckt zu viel von diesem Farbstoff. In diesem Fall ist das CVUA allerdings der Ansicht: Der Schlafsack ist verkehrsfähig, die Kordel allerdings nicht. So oder so: Bei einem anständigen Schlafsack sollten unserer Meinung nach alle Teile in Ordnung sein!
Giftige Zinn-Verbindungen in den meisten Produkten. Stoffe wie Dibutylzinn und Tributylzinn bauen sich in der Umwelt nur schwer ab. Vermutlich genügen schon sehr kleine Mengen, um das Immunund Hormonsystem des Menschen durcheinanderzubringen. Umso bedenklicher, dass solche Stoffe in den meisten Schlafsäcken nachgewiesen werden konnten.
Gefährliche Weichmacher: Bei weichen, gummiartigen Kunststoffen, etwa bei Reißverschlussgriffen oder Aufdrucken, können Phthalate im Spiel sein. Dabei handelt es sich um Chemikalien, die Plastik geschmeidig machen, aber im Verdacht stehen, Organe zu schädigen und wie ein Hormon zu wirken. Bestimmte Stoffe sind daher in Spielzeug verboten. PhthalatWeichmacher wie das problematische DEHP fanden die beauftragten Labore in den Schlafsäcken von Ajungilak und Royal Beach.
Wasserabweisende Ausrüstung auf Kosten der Umwelt: Die Schlafsäcke von Deuter, Ajungilak und Wehncke sind mit Fluorverbindungen behandelt, damit Wasser abperlt. Ob das unbedingt nötig ist, ist fraglich. Denn mit den von uns ausgewählten Schlafsäcken wird man bestimmt nicht bei extremen Expeditionen im Regen übernachten. Fest steht aber, dass perfluorierte Verbindungen, wie sie auch bei wasserabweisenden Jacken eingesetzt werden, ein großes Umweltproblem sind: Einmal hergestellt, verschwinden sie praktisch nie wieder aus der Umwelt. Heute sind sie überall nachweisbar, sogar in den Organen von Eisbären hat man Fluorverbindungen gefunden!


Im Schlafsack erlaubt: Kunststoffe, die wie ein Hormon wirken können


So reagierten die Hersteller

Simex Sport schickte uns ein Schreiben mit der Ankündigung, das Schreiben „bei einer übermäßigen negativen Beurteilung“ zu veröffentlichen. Der Hersteller weist in seinem Brief unter anderem darauf hin, dass alle Werte weit unter den gesetzlichen Vorschriften liegen und der Dibutylzinngehalt sogar die Anforderungen des Ökotex 100 Standards erfülle. Trotzdem sei es das Ziel von Simex Sport, zinnorganische Verbindungen in Zukunft ganz zu vermeiden.
Salewa kündigte an, die halogenorganischen und phosphororganischen Verbindungen umgehend mit den Lieferanten zu besprechen und bei zukünftigen Produktionen zu verhindern. Man werde auch prüfen, ob optische Aufheller nötig sind, „oder ob wir ein schönes Weiß auch ohne die Aufheller erreichen“.

Fett gedruckt sind Mängel
Abkürzungen: n. u. = nicht untersucht, weil sich dieser Parameter durch die Zusammensetzung des Produktes erübrigt.Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 140.
Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: PVC/PVDC/chlorierte Kunststoff e in der Verpackung. 2) Laut Anbietergutachten enthält die Kordel des Kompressionssacks bei einem Produkt der gleichen Charge kein p-Aminoazobenzol. 3) Enthält außerdem den weiteren Weichmacher Diethylhexyladipat (DEHA). 4) Blei in der mitgelieferten Unterlage. p-Aminoazobenzol in einer Mischprobe aus Trägermaterial von Reißverschluss und Paspel. p-Kresidin in einer Mischprobe aus Einfassband, Kordel, Füllung gelb, Futter schwarz und Klettverschluss.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoff e führt zur Abwertung um fünf Noten: mehr als 30 mg/kg verbotene aromatische Amine (p-Aminoazobenzol, p-Kresidin). Zur Abwertung um jeweils vier Noten führen: a) ein Gehalt von mehr als 10.000 mg/kg des in Kinderspielzeug und Babyartikeln verbotenen Phthalat-Weichmachers Diethylhexylphthalat (DEHP) und/oder des
Phthalat-Weichmachers Diisobutylphthalat (DiBP); b) ein stark erhöhter Gehalt von mehr als 250 μg/kg Dibutylzinn (DBT). Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führt: a) ein erhöhter Gehalt von mehr als 25 bis 250 mg/kg Dibutylzinn (DBT) und/oder mehr als 250 bis 2.500 μg/kg weiterer zinnorganischer Verbindungen; b) ein stark erhöhter Gehalt von mehr als 1.000 mg/ kg phosphororganischer Verbindungen. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) optische Aufheller; b) ein erhöhter Gehalt von mehr als 10 bis 1.000 mg/kg phosphororganischer Verbindungen, c) halogenorganische Verbindungen, die nicht auf Fluor basieren; d) PVC/PVDC/chlorierte Kunststoff e im Produkt; e) mehr als 1 mg/kg Antimon im Eluat (nur untersucht bei Produkten mit Kunstfaserfüllung); f) eine antibakterielle Ausrüstung auf Basis von Silber; g) perfluorierte Verbindungen und/oder deren Abbauprodukte (wurden analysiert in einem als „wasserabweisend“ oder „nimmt keine Feuchtigkeit auf“ beworbenen
Schlafsack); h) ein Bleigehalt von mehr als 1.000 mg/kg. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um eine Note: PVC/PVDC/chlorierte Kunststoff e in der Verpackung. Das Testergebnis basiert auf dem Testergebnis Inhaltsstoff e. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note.Einkauf der Testprodukte: Januar bis Februar 2012.
Testmethoden undAnbieterverzeichnis finden sie unter www.oekotest.de → Suchen → „M1205“ eingeben.Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlages dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden

Kompakt

Wo kommen eigentlich die Daunen für den Schlafsack her?
Das haben wir die Hersteller der drei mit Daunen gefüllten Produkte im Test gefragt. Denn Daunen können grundsätzlich aus problematischen Quellen wie dem Lebendrupf oder der Stopfleberproduktion stammen. Der Hersteller des Marmol-uchlafsacks schickte uns unter anderem eine Erklärung eines Daunenlieferanten mit Produktionsstätten in Taiwan und China, der versichert, dass die von ihm verkauften Daunen weder aus Lebendrupf noch aus der Stopfmast kämen. Entsprechende Erklärungen der Vorlieferanten lägen ihm vor. Auch Globetrotter berief sich auf eine Selbsterklärung des Lieferanten. Die Firma The North Face blieb uns bis zuletzt eine Erklärung schuldig. Aus der Branche ist aber auch zu hören, dass es zur Herkunft der Daunen keine hundertprozentige Sicherheit gebe. Die Tierschutzorganisation Vier Pfoten bestätigt das – so kann kaum ein Verwender von Daunen tatsächlich entlastet werden; und keiner belastet, solange er nicht auf „frischer Tat“ ertappt wird.

Damit der Schlafsack lange hält …
■ Den Schlafsack nur zum Transportieren in den Kompressionssack stopfen, und nicht zusammenrollen oder falten und dann in die Hülle schieben. Denn so werden bestimmte Teile des Schlafsacks immer wieder beansprucht – und reißen irgendwann.
■ Zur Lagerung den nicht benötigten Schlafsack in einem alten Bettbezug aufbewahren. Wer Platz hat: Den Schlafsack frei aufhängen.
■ Vorsicht beim Waschen: Schlafsäcke können ein Vielfaches ihres Gewichts an Flüssigkeit aufsaugen und dann beim Anheben an ihrem eigenen Gewicht zerreißen! Besser lässt man Schlafsäcke reinigen. Es gibt sogar professionelle Reinigungen, die auf Schlafsäcke spezialisiert sind.
■ Den Sack regelmäßig gut auslüften.

So haben wir getestet

Der Einkauf
Die Schlafsäcke haben wir in Fachgeschäften, Sportabteilungen sowie über Versandhäuser gekauft. Außerdem im Test: ein Bundeswehrschlafsack, den wir über einen Händler für Armeeartikel bezogen. Dabei haben wir sowohl Produkte mit Daunen- als auch mit Kunstfaserfüllung getestet. Preislage: rund 35 bis 240 Euro. War eine Temperatur angegeben, haben wir uns für Schlafsäcke mit einer Komforttemperatur von um die null bis fünf Grad Celsius entschieden, die sich für alle üblichen Urlaubszwecke eignen.

Ein Schlafsack kann eine Menge an Schadstoffen enthalten. Was genau, zeigt sich im Labor.


Foto: Jens Ottoson/Fotolia.com

Die Inhaltsstoffe
In spezialisierten Laboren haben wir die Schlafsäcke auf eine Reihe von Schadstoffen testen lassen. Meist sind das Stoffe, die von den Herstellern ganz bewusst eingesetzt werden, um dem Produkt besondere Eigenschaften zu geben. So können bestimmte Farbstoffe krebserregende aromatische Amine abspalten. Für elastische Kunststoffteile setzen Hersteller manchmal Weichmacher ein, die in Kinderspielzeug sogar verboten sind. Perfluorierte Verbindungen werden aufgesprüht, damit Wasser abperlt.

Die Bewertung
Bei Produkten, in denen mehr krebserregende Amine gemessen wurden, als erlaubt, ist der Fall klar: Das Produkt ist nicht verkehrsfähig und bekommt die Note „ungenügend“. Aber auch bei Produkten, die völlig gesetzeskonform sind, können sich Mängel so weit aufsummieren, dass am Ende die Note „ungenügend“ steht.

ÖKO-TEST rät

•Finger weg von Produkten, die als „wasserabweisend“ oder ähnlich beworben werden. Hier werden in aller Regel umweltschädliche Fluorverbindungen eingesetzt.
•Bei der Herstellung von Schlafsäcken ist viel Chemie im Spiel. Überlegen Sie daher, ob es wirklich alle zwei Jahre ein neues Modell sein muss.