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TEST Schneeanzüge für Kleinkinder: Schlitterpartie


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 11/2015 vom 30.10.2015

Mittelprächtig: Von den 15 untersuchten Schneeanzügen für Kleinkinder waren die meisten „befriedigend“ oder „ausreichend“. Grund sind – wie so häufig in Textilien – Chemikalienrückstände aus Produktion und Ausrüstung.Von Daniel Waldschik


Artikelbild für den Artikel "TEST Schneeanzüge für Kleinkinder: Schlitterpartie" aus der Ausgabe 11/2015 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: picture alliance/blickwinkel/E. Hummel

Spätestens wenn die ersten Schneeflöckchen herabrieseln, kramen Eltern für ihre lieben Kleinen den windund wetterfesten Schneeanzug aus der vergangenen Wintersaison heraus.

Glück gehabt, wenn er noch passt. Schließlich wachsen Kleinkinder ruck, zuck aus ihren Sachen heraus – und dann muss schleunigst ein neuer her. Bei der ...

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... Fülle an Modellen kann der Neukauf für Eltern leicht zur Schlitterpartie werden. Das Teil soll schließlich nicht nur trocken und warm halten, sondern auch noch gut aussehen, Bewegungsfreiheit bieten und praktisch sein. Insbesondere wenn es darum geht, die Kleinen schnell und ohne Geschrei wetterfest zu verpacken.

Nicht wenige Eltern holen sich vor einem Kauf Rat in ihren sozialen Netzwerken oder in Elternforen im Internet: „Welcher Schneeanzug ist gut? Was könnt Ihr empfehlen?“ oder „Ist teuer gleichzeitig besser? Genügt auch ein billiger Anzug?“ Und während die einen empfehlen, ein günstiges Modell zu kaufen, da Kleinkinder schnell wachsen und sich ein teurer Anzug somit nicht lohnt, berichten andere gleich, dass sie keinen Unterschied zwischen Marken- und Nicht-Markel-urodukten festgestellt hätten. Wenn es dann an die Themen Wärmeisolation und Wasserdichtheit geht, sind die Meinungen gespalten: „Ich ziehe mein Kind nach dem Zwiebelprinzip an. Dann ist es nicht so schlimm, wenn etwas Feuchtigkeit durchdringt“, schreibt eine Mutter in einem Internetforum für Kleinkinder. „Kauft Imprägnierspray und sprüht den Schneeanzug vorher ein“, empfiehlt sinngemäß eine andere.


Sogar manche Hersteller raten von einer nachträglichen Imprägnierung ab


Letzteres ist ganz sicher die schlechtere Lösung. Denn Imprägniersprays enthalten in der Regel Treibgase und weitere bedenkliche Inhaltsstoffe, etwa fluorhaltige Chemikalien. Selbst Siegfried Lange, Vizepräsident des Textilreinigungl-uerbands NRW, warnt: „Schneeanzüge für Kinder präventiv zu imprägnieren, sehe ich äußerst kritisch. Besonders dann, wenn das in der Wohnung oder im Keller bei geschlossenen Fenstern gemacht wird.“ Bereits abgetragene Kinderschneeanzüge nachzuimprägnieren, empfiehlt Lange ebenso wenig. Sogar einige Hersteller, deren Produkte im Test landeten, bestätigten auf Nachfrage, dass eine nachträgliche Imprägnierung ihres Produkts nicht notwendig sei.

ÖKO-TEST wollte wissen, was alles in Schneeanzügen steckt und hat 15 Modelle für Kinder zwischen zwei und drei Jahren in die Labore geschickt. Untersucht wurden die Textilien auf gesundheitsschädliche Stoffe. Weil die Schneeanzüge beim Waschen ihre Farbe behalten sollen und nicht auf andere Textilien abfärben dürfen, haben wir sie zudem einem aufwendigen Materialtest unterzogen.

Das Testergebnis

Uncool! Sechs Produkte sind „befriedigend“, fünf „ausreichend“, drei „mangelhaft“ und eins ist „ungenügend“ – und das, obwohl alle Modelle den Materialtest überwiegend sehr gut bewältigt haben. Doch im Schadstofftest erwiesen sich die Overalls als Schmuddelkinder.
Atemwege schützen! In drei Modellen wurden Formaldehyl-uengen gefunden, die ÖKO-TEST so nicht akzeptiert und deshalb streng abwertet. Im Einzelnen waren das der Meru Ringebu Overall, princess, blue/midnight navy, der Finkid Pikku Winter, navy/fire sowie der Jakl-u Schnee-Overall robust, seeblau. Formaldehyd wird zur Ausrüstung der Schneeanzüge eingesetzt, es ist ein stechend riechendes Gas, das schon in geringen Mengen die Schleimhäute reizt und Allergien auslösen kann.
Die Etikette waren bei 14 Produkten ein Abwertungsgrund. Darin stecken optische Aufheller (Weißmacher), die die Haut der Kinder reizen können und die Umwelt belasten. Ärgerlich: Ohne optische Aufheller mit möglichem Hautkontakt hätten 13 Modelle eine Note besser abgeschnitten. Nicht in einem Etikett, dafür aber in der Füllung, wurden optische Aufheller im H&M Wattierter Schneeanzug, dunkelgrau gefunden. Weil hier ein direkter Hautkontakt unwahrscheinlich ist, wirkt sich der Mangel nicht auf das Testergebnis Inhaltsstoffe aus.
Gift im Dutzend. Das toxische Halbmetall Antimon, das zur Produktion von Polyesterfasern oder als Flammhemmer eingesetzt wird, löste sich im Test mit einer Schweißlösung aus zwölf Produkten – bei elf davon aus der Wattierung. Nur der Finkid Pikku Winter, navy/ fire war völlig frei davon. Allerdings ist dieses Modell auch nicht wattiert, sondern mit einem dickeren Fleecefutter ausgestattet.
Sieben auf einen Streich. Ein nach unseren Maßstäben zu hoher Wert an halogenorganischen Verbindungen (AOX) vermasselte acht Schneeanzügen eine bessere Bewertung. Viele AOX gelten als allergieauslösend, manche erzeugen Krebs, fast alle reichern sich in der Umwelt an. Immerhin sieben Modelle sind frei von halogenorganischen Substanzen.
Farbe bekennen! Die Overalls mussten sich in einer umfangreichen Materialprüfung beweisen: Getestet wurde, ob sie nach dem Waschen ge- mäß Pflegeetikett auf andere Materialien wie Baumwolle oder Polyamid abfärben. Außerdem wurde ihre Reibechtheit im nassen und trockenen Zustand geprüft und natürlich dürfen sie auch nicht ihre Farbe verlieren, wenn Kleinkinder mal am Kragen- oder Ärmelstoffzuzeln (Speichel-/ Schweißtest). Diese Textilchecks haben fast alle Produkte sehr gut gemeistert. Aus dem Vaude Kids Suricate Overall II, hydro blue löste sich im Speichel-/Schweißtest Farbe aus dem Futterstoff.

So reagierten die Hersteller

Brands4kids und dieKids Fashion Group (SteiffSchneeanzug mit Handschuhen, dunkelblau) teilten mit, dass ihre Produkte bewusst ohne Produktauslobungen bezüglich funktioneller Eigenschaften verkauft werden. Das Steifl-urodukt sei „ausschließlich ein wärmender Baby-Schneeanzug“. Brands4Kids schrieb, dass „der Babyanzug für mildes Wetter geeignet ist und kein Schneeanzug, wie Sie formulieren“. Das sollte der Hersteller den Vertreibern klarmachen, die die Textilien unmissverständlich als Schneeanzüge anpreisen.
Bonprix bestätigte uns den Nachweis von PVC/PVDC/ chlorierte Verbindungen in einem im Jahr 2014 produzier- ten chargengleichen Modell (Größe 80). Sämtliche Restbestände seien umgehend aus dem Sortiment genommen worden. Die Modelle der noch erhältlichen Charge enthielten aber kein PVC/PVDC/ chlorierte Verbindungen. Das Gegengutachten liegt vor. Allerdings wurde mit einer von unserer Untersuchung abweichenden Methode gemessen.
Sanetta schrieb zu den optischen Aufhellern, die in einem Etikett und der Wattierung steckten: „In dem vorliegenden untersuchten Schneeanzug ist der optische Aufheller in der Wattierung enthalten. Leider haben wir bis dato noch keinen Lieferanten gefunden, der uns die Wattierung in der gewünschten Stärke ohne optischen Aufheller liefern kann.“ Sanetta setze die Substanz nur noch dort ein, „wo die Farbe Vollweiß von den Endverbrauchern gewünscht“ werde.
■ Globetrotter, Lizenznehmer der Marke Meru, antwortete stellvertretend fürKonsortium Eurofamily und bemängelte den Formaldehydwert. Ein eigener Test sei negativ gewesen. Das Gegengutachten liegt vor. Das von ÖKO-TEST beauftragte Labor hält an seinen Ergebnissen fest. Verantwortlich für die Abweichung könnten die untersuchten Mischproben sein: Wir haben drei Anteile prüfen lassen, Globetrotter vier. Dazu der Vertreiber: „Ja, natürlich kann es daran liegen, dass unsere Mischprobe aus vier Teilen bestand. Da das Method Detection Limit (MDL) bei 16 mg/kg lag, kann eine kleine Abweichung in der Probenentnahme schon zu unterschiedlichen Ergebnissen führen.“
Jako-O äußerte sich ebenfalls zu Formaldehyd (übrigens der höchste im Test gefundene Wert): „Der von Ihnen festgestellte Formaldehydwert von 25 mg/kg liegt weit unter dem Grenzwert der Öko-Tex Standard 100 Anforderungen (300 mg/kg ohne Hautkontakt und 75 mg/kg mit Hautkontakt).“ Das stimmt so nicht. Jako-O beruft sich auf die hier nicht geltende Produktklasse II. Wir haben das Produkt in der Größe 92/98 erworben, die laut Größentabellen Kindern im Alter von zwei bis drei Jahren passt, und damit Textilien für Kleinkinder sind. Für diese gilt Öko-Tex-Produktklasse I mit einer ganz klar geregelten Formaldehydgrenze von kleiner 16 mg/kg.

Schlittenfahren macht Kindern Freude. Wenn sie frieren, ist der Spaß allerdings schneller vorbei, als er in Fahrt kommt.


Foto [M]: Ullrich Böhnke/ÖKO-TEST;David De Lossy/Photodisc/Thinkstock

ÖKO-TEST rät

Teuer schützt nicht vor schlechter Qualität: Der Schneeanzug, für den wir im Handel den zweithöchsten Preis bezahlt haben, gehört zu den schlechtesten im Test.

Fast alle Anzüge wurden abgewertet, weil sie optische Aufheller im Etikett enthalten. Dieses Problem können Sie schnell lösen: Etikett einfach heraustrennen.

Packen Sie Ihre Zwerge nach dem Zwiebelprinzip ein: Sollte Feuchtigkeit durchdringen, ist die Haut geschützt. Wird ihrem Kind zu warm, können sie Kleidungsstücke ausziehen.

So haben wir getestet

Der Einkauf
Der Bedarf an Schneeanzügen für Kleinkinder orientiert sich am Einsatzzweck. Entsprechend unterschiedlich sind die Ansprüche an die Overalls. Wir haben deswegen nach unterschiedlichen Modellen Ausschau gehalten: Dicker gefüttert, flauschiges Innenfutter oder beschichtetes Obermaterial – insgesamt 15 Produkte in den Größen 80 bis 98 umfasst unsere Testpalette. Die Preisspanne reichte dabei von 42,50 bis 160 Euro.

Die Schadstoffprüfung
Im Kampf gegen Feuchtigkeit werden häufig die Nähte verschweißt. Darin – aber auch an anderen Stellen – können PVC/ PVDC/chlorierte Verbindungen stecken. Weil die meisten Modelle aus Polyester gefertigt sind, haben wir sie auf Antimon getestet. Außerdem wurden die Schneeanzüge unter anderem auf bedenkliche Weichmacher und Ersatzweichmacher, halogenorganische Verbindungen und auch auf optische Aufheller untersucht.

Der Materialtest
Ein Kleidungsstück soll beim Waschen nicht abfärben oder ausbleichen. Außerdem sollte es die Farbe behalten, wenn ein Kind mal den Ärmel- oder Kragenstoffin den Mund nimmt. Dafür haben wir die Modelle mehreren Farbechtheitsprüfungen unterzogen.

Weitere Mängel
Optische Aufheller stecken nicht nur in Materialien mit Hautkontakt, sondern auch in der Wattierung, mit der ein Hautkontakt eher unwahrscheinlich ist. Außerdem haben wir die Angabe der Stoffe laut EU-Verordnung Nr. 1007/2011 überprüft.

Die Bewertung
Schadstoff- und Materialtest machen jeweils 50 Prozent der Gesamtnote aus. Wir werten ab, wenn ein Produkt in den Echtheitsprüfungen die Mindestansprüche nicht erfüllt. Da aber Schadstoffe absolut nichts in Kleinkindnähe zu suchen haben, kann das Gesamtergebnis nicht besser als das Testergebnis Inhaltsstoffe sein.

Den eigenen Schneeanzug mit dem Namen des Kindes zu markieren ist praktisch. Doch häufig stecken in den weißen Etiketten optische Aufheller.


Foto: ÖKO-TEST

Aufs Imprägnieren verzichten

Üblicherweise dienen als Imprägnierstoffe nämlich per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) – auch Fluorcarbonharze genannt. Diese weisen zwar Wasser, Schmutz und Öl gut ab. Untersuchungen haben allerdings gezeigt, dass besonders längerkettige PFC Menschen und Umwelt schädigen: Einige von ihnen, darunter das lange gebräuchliche PFOS (Perfluoroctansulfonsäure), wirken fortpflanzungsgefährdend, sind extrem langlebig und reichern sich im Körper an. Der Stoffist seit Juni 2008 verboten. Andere fluorhaltige Chemikalien wie PFOA (Perfluoroctansäure) stehen auf dem Prüfstand.
Industrie und Hersteller steigen deshalb auf kürzerkettige PFC um, zum Beispiel C6, die weniger kritisch seien. Deren Folgen für den Menschen sind aufgrund der Studienlage noch nicht genau abschätzbar. Für die Umwelt allerdings schon. „Kürzerkettige PFC haben ein höheres Potenzial, ins Grund- und Trinkwasser zu gelangen“, erklärt Dr. Christoph Schulte vom Umweltbundesamt. Die PFC gelangen unter anderem beim Waschen in das Abwasser und in die Kläranlage. Dort werden die Stoffe kaum von den Klärschlämmen absorbiert und gelangen in Oberflächengewässer und die Trinkwasseraufbereitung.
Das Verbraucher PFC-haltige Sprays erkennen, ist schwierig. Die Inhaltsstoffe sind nicht verboten und müssen nicht deklariert werden. Da viele Hersteller die Kritik an den Chemikalien seit Jahren kennen, bieten einige mittlerweile PFC-freie Mittel an.