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TEST Schnorchel-Sets für Kinder Abgetaucht


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 7/2015 vom 26.06.2015

Wollen Kinder die Unterwasserwelt erkunden, müssen sie gut schwimmen können und brauchen gutes Equipment. Ersteres können sie lernen, Letzteres schwer selbst beurteilen. Deshalb haben wir 15 Schnorchel-Sets im Labor prüfen lassen: Die besten drei Produkte sind „gut“, vier Schnorchelhilfen allerdings „ungenügend“.


Artikelbild für den Artikel "TEST Schnorchel-Sets für Kinder Abgetaucht" aus der Ausgabe 7/2015 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: BlueOrange Studio/Shutterstock

Freudiges Kinderlachen dringt durch das offene Fenster in die ÖKO-TEST-Redaktion. Draußen rennen, hüpfen und tollen die „Süßwasserpiraten“ über die kleine Spielwiese. Dass die quirlige Rasselbande, die im gleichnamigen Kinderladen betreut wird, nicht auf hoher ...

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... See ist, sondern auf Landgang rund ums Öko-Haus Arche, stört sie aber nicht.

Dass sich viele kleine Landratten ohnehin wohler fühlen, wenn sie festen Boden unter den Füßen spüren, hat einen simplen Grund: Viele von ihnen können nämlich nicht schwimmen. Laut einer Studie aus dem Jahre 2010 im Auftrag der Deutschen-Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) gilt nur etwa jedes zweite Kind zum Ende der Grundschule als sicherer Schwimmer.

„Ich glaube nicht, dass sich die Situation verbessert hat“, bedauert DLRG-Sprecher Achim Wiese. Auch die Forscher des Robert-Koch-Institutes attestieren Kindern in ihrem Kinder- und Jugendsurvey (KiGGS) eine geringe Schwimmfähigkeit und sehen aufgrund einer Nichtschwimmerquote von 15 Prozent bei den Sieben- bis Zehnjährigen dringenden Handlungsbedarf. Schließlich werden beim Schwimmen die Muskulatur gestärkt, die Ausdauerleistung gesteigert und motorische Fähigkeiten wie die Arm-Bein-Koordination trainiert. Gleichzeitig lassen sich im Schwimmbad spielend Ziele erreichen, die das Selbstbewusstsein der Kinder steigern können.

Zu denken sei da etwa an Distanztauchen: Wer die Strecke meistert, kann stolz auf sich sein. Vorausgesetzt die Kids haben einen langen Atem. Oder einen Schnorchel. Schnorcheln gilt als perfekter Einstieg in die Schönheit der Meere, die sich in vielen Urlaubsländern schon in direkter Strandnähe erkunden lässt. Unter Aufsicht ihrer Eltern können die Kleinen zunächst einmal am Ufer mit dem Gesicht unter Wasser kleine Muscheln aus dem Sand picken. Das sind Schmuckstücke, die sie wie kleine Schätze hüten. Das sind Abenteuer, von denen Kinder nach den Ferien stolz ihren Freunden und Klassenkameraden vorschwärmen. Dafür müssen sie aber einige kleine Tipps beachten.

Damit den jungen Schnorchlern in die Tauchermaske einlaufendes Wasser nicht die Sicht verdirbt, muss diese perfekt sitzen. Wie das geht? „Andrücken, durch die Nase einatmen, loslassen“, erklärt Uwe Hoffmann, Vizepräsident vom Verband Deutscher Sporttaucher (VDST), die einfache Formel für die passgenaue Maskengröße. „Fällt die Maske dabei vom Gesicht, ist sie zu groß oder für die Kopfform nicht geeignet.“ Wichtig sei außerdem ein gut sitzendes Kopfband, das sich auch unter Wasser gut und schnell einstellen lässt. Zudem sollte man gut an den Nasenerker greifen können, um den Druckausgleich unter Wasser vornehmen zu können. Da gewöhnliches Glas bei hohem Wasserdruck brechen und böse Verletzungen verursachen kann, sind Sicherheitsgläser vorgeschrieben – zu erkennen unter anderem an dem Hinweis „Tempered glass“

ÖKO-TEST rät

Besser etwas mehr Geld in die Hand nehmen: Unser Test bietet Ihnen drei „gute“ Alternativen.

Vertrauen Sie nicht auf Altersempfehlungen und Größenangaben wie XS oder S. Anprobieren oder wenigstens anhalten und schauen, ob das Set passt.

Stinkt das Produkt stark nach Plastik, besser gleich im Geschäft liegen lassen.

Gefährliche Atemluft

Überlange Schnorchel können Kindern und Erwachsenen gefährlich werden. Mediziner sprechen dabei von der „Pendelamtmung“. Mit dem Begriff bezeichnet man die Wiedereinatmung bereits ausgeatmeter Luft, erklärt der Notfallmediziner Claus-Martin Muth von der Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin (GTÜM). Diese Rückatmung birgt bei extrem langem Schnorcheln die Gefahr einer Kohlendioxidvergiftung, die zu ernsten Problemen und sogar zu einer tödlichen Bewusstlosigkeit führen kann. Eine weitere Gefahr: „Der Körper des Schnorchlers befindet sich unter Wasser, während durch die Atemhilfe der normale Luftdruck wirkt“, erklärt Muth. Es entsteht ein Druckunterschied zwischen der Atemluft, die an der Oberfläche 1 Bar entspricht, und dem Wasserdruck, der in der jeweiligen Schnorcheltiefe herrscht (plus 0,1 Bar pro Meter Tauchtiefe). Schon eine Druckdifferenz von mehr als 0,05 Bar könne nach kurzer Zeit zu Gesundheitsschäden führen. Um beide Gefahren zu minimieren, wird Kindern zu Schnorcheln kürzer als 35 cm geraten.

Ein Schnorchel Typ 1 darf laut der aktuell gültigen Norm „DIN EN 1972 Tauch-Zubehör - Schnorchel – Sicherheitstechnische Anforderungen und Prüfverfahren“ für Personen bis 1,50 Meter Körpergröße nicht länger als 35 Zentimeter sein. Bei größeren Personen darf er 38 cm nicht überschreiten (Typ 2). „Die Anwendung der Norm ist freiwillig“, erklärt Jens Bauch vom Deutschen Institut für Normung (DIN). „Wenn allerdings bei einem Schnorchel-Set mit dem Hinweis auf die Norm geworben wird, sind die Vorgaben einzuhalten.“ Sie gilt seit Juni 1997 als Ersatz für die veraltete DIN 7878 und enthält zum Beispiel die genauen Schnorchelmaße und Angaben zum sichtbaren Sicherheitsfarbstreifen am Schnorchelende.

VDST-Vize Hoffmann rät Kindern zu etwas kürzeren Schnorcheln, da so der Gefahr der Pendelatmung sowie Gesundheitsschädigungen aufgrund von Druckdifferenzen vorgebeugt werden könne (siehe Kasten). Zudem ist ein bequemes Mundstück wichtig. Rohre mit scharfen Abwinkelungen seien nicht empfehlenswert, da sie den Atemwiderstand erhöhen können. Außerdem sollte das Equipment natürlich frei von gesundheitsschädigenden Inhaltsstoffen sein.

ÖKO-TEST hat untersucht, wie es um die Qualität von Schnorchel-Sets steht. Wir kauften Sets für Kinder von 15 Anbietern und ließen sie in Laboren unten anderem auf hormonell wirksame Weichmacher (Phthalate), krebserregende polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) sowie auf giftige zinnorganische Verbindungen überprüfen.

Das Testergebnis

Finger weg von Billigheimern! „Wer billig kauft, kauft schlecht und zweimal!“ – das bestätigt sich in unserem aktuellen Test recht deutlich. Zwar schneiden zwei der günstigsten Sets mit dem Gesamturteil „befriedigend“ ab. Fünf von sieben Wasserspaßprodukten zwischen 7,99 bis 16 Euro gehen allerdings sang- und klanglos mit „mangelhaft“ oder schlechter unter. Drei teurere, mit „gut“ bewertete Schnorchelausrüstungen – das Beco Tauchermaske + Schnorchel Set Havanna (rot), das Cressi Kid Snorkeling Set Marea Vip Junior (gelb) und das Subgear Kinderset Spider (laguna-blau) – können Kindern hingegen viel Freude beim Entdecken der Unterwasserwelt bereiten.

Schnorchelabzeichen geben Sicherheit

Fotos (3): DLRG

Als „Otter“ und „Robbe“ dürfen sich Kinder bezeichnen, die ihre Schwimm- und Schnorchelfertigkeiten in den gleichnamigen Kursen des Verbands Deutscher Sporttaucher (VDST) bewiesen haben. Die Theorie umfasst jeweils vier Lerneinheiten. Bei den Übungen müssen mindestens 150 Meter geschnorchelt und zehn Meter (15 Sekunden) getaucht werden. Zudem müssen die Kinder 25 Meter einen etwa gleich schweren Partner durchs Wasser schleppen. Infos geben die im VDST angeschlossenen Tauchschulen, die auf www.vdst.de aufgelistet sind.
Kinder ab acht Jahren, die das Schwimmabzeichen in Silber haben, können das Deutsche Schnorchelabzeichen bei der Wasserwacht machen. Die Praxis ähnelt in etwa den VDST-Übungen. Außerdem lernen die Kinder, wie sie unter Wasser eine vollgelaufene Maske ausblasen und besprechen gesundheitliche Themen wie die Gefahr der Pendelatmung. Infos und Kontakte gibt’s auf www.wasserwacht.de. Das Schnorcheltauchabzeichen können Kinder ab zwölf Jahre bei der DLRG bekommen, sofern sie bereits das Bronze-Abzeichen (Freischwimmer) besitzen. Dieser Kurs ist etwas anspruchsvoller und dauert mit etwa einem halben Jahr auch etwas länger (Kompaktkurse je nach Angebot). Ziel ist es auch, die Kinder auf den Rettungsschwimmer vorzubereiten und ihnen die Basis zu liefern, falls sie später einmal richtig tauchen wollen. Deswegen werden in dem Kurs unter anderem eine längere Schwimm- und Tauchdistanz zurückgelegt, für den Rettungsfall die Technik der Herz-Lungen-Wiederbelebung vermittelt sowie die wichtigsten Unterwasserzeichen besprochen. Näheres dazu auf www.dlrg.de.

Schnorcheln ist für Kinder ein erlebnisreicher Spaß. Dafür muss ihre Ausrüstung sicher und schadstofffrei sein.


Foto: Ramona Heim/Shutterstock

Kein „sehr gut“! Die Bestnote erreicht kein Testprodukt. Der Grund: In sämtlichen Ausrüstungen hat ein beauftragtes Labor PVC/ PVDC/chlorierte Verbindungen nachgewiesen.
Luft anhalten! Beim Auspacken vor allem der fünf schlechtesten Produkte stieg sofort ein eindringlicher Plastikgestank in die Nase. In vier davon hat ein Labor PAK mit erhöhten Gehalten von mehr als 100 μg/kg nachgewiesen, davon mehrheitlich Naphthalin. Die Substanz hat sich in Tierversuchen als krebserregend erwiesen und wird verdächtigt, das Erbgut zu schädigen. Der Inhaltsstoff kann außerdem zu Kopfschmerzen und Übelkeit führen. Einen sogar stark erhöhten PAK-Gehalt enthielt das Bestway Junior Series Queste (blau).
DEHT als Ersatzweicher wurde in acht Produkten gefunden. Der Stoff gilt als Alternative zu bedenklichen Phthalat-Weichmachern. Zwar ist nicht genau erforscht, was er beim Menschen bewirkt. Trotzdem, oder besser deshalb, bewerten wir im Sinne des vorbeugenden Kinderund Verbraucherschutzes strenger. Immerhin sieben Produkte kommen ohne (alternative) Weichmacher aus.
Zinnorganische Verbindungen , die giftig sind oder auch Haut und Augen reizen können, waren in einer abwertungsrelevanten Menge nur im Zoggs Reef Explorer Junior (blau) enthalten. Hier wies ein Labor Dioktylzinn nach.
Vertrauen ist gut …! Die empfohlene Schnorchellänge für Kinder bis 1,50 Meter haben alle Anbieter eingehalten. Zwei Produkte fielen negativ auf, weil sie mit einer veralteten oder sogar zurückgezogenen DIN-Norm versehen sind. Ein Anbieter gibt in der Gebrauchsanweisung überholte Schnorchelmaße an. Auf dem Capt’n Sharky Schnorchel Set (blau) und dem Royalbeach Schnorchelset Tortuga, S für Kinder (gelb) wird zwar mit der aktuellen Norm geworben, allerdings fehlt in beiden Fällen die dann vorgeschriebene Angabe der Personengröße („Größenzuordnung“). Dass Eltern nicht eindeutig erkennen können, ob das jeweilige Set überhaupt für ihre Kinder geeignet ist, kritisieren wir bei insgesamt zwölf getesteten Equipments. Generelle Altersempfehlungen sind in unseren Augen nutzlos, weil Kopf- und Gesichtsform sowie Körpergröße trotz gleichen Alters immer individuell sind. Eine Größenzuordnung oder die exakten Angaben, wie sie die jeweils gültige Schnorchelnorm vorsieht, würden mehr Klarheit und Sicherheit schaffen.

So haben wir getestet

Der Einkauf

Unsere Einkäufer kauften 15 Schnorchel-Sets für Kinder zwischen 7,90 Euro und 32,50 Euro im normalen und im Online-Handel ein. In ihren Einkaufswagen landeten Tauchsport-Marken ebenso wie quietschbuntes Equipment von günstigen Anbietern.

Inhaltsstoffe und Deklaration

Wo PVC draufsteht, sind oft auch stinkende und krebsverdächtige polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), hormonell wirksame Phthalate oder bislang noch wenig erforschte Ersatzweichmacher sowie mitunter sogar giftige zinnorganische Verbindungen drin. Aber auch wenn PVC nicht deklariert ist, kann es im Equipment stecken, besonders im Atemrohr, das meist aus Plastik ist. Bei Produkten mit dem Hinweis auf die aktuelle Schnorchelnorm wurde kontrolliert, ob sie die Mindestangaben zum Farbsicherheitsstreifen oder zur Personengröße einhalten.

Dieses Spezialgerät scannt das Schnorchelrohr auf unerwünschte Schadstoffe.


Foto: Labor

Die Bewertung

Da viele Produkte in Online-Shops in der Rubrik Kinderspielzeug geführt werden oder auf ihrer Verpackung mit Aussagen wie „Junior“ oder „Kids“ direkt Kinder ansprechen, haben wir die Messlatte für gute Noten höher gelegt. Bei allen Produkten führten PVC/PVDC/ chlorierte Verbindungen zu Abwertungen, zudem Schadstoffe wie PAK und Ersatzweichmacher.