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TEST SCHNULLERKETTEN: ER GEHÖRT ZU MIR


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 8/2018 vom 26.07.2018

Schnullerketten verhindern, dass der Nuckel in den Schmutz fällt oder gar verschüttgeht. Aber hält die Kette? Oder gefährdet sie das Baby sogar? Die meisten Produkte im Test können wir empfehlen.


Artikelbild für den Artikel "TEST SCHNULLERKETTEN: ER GEHÖRT ZU MIR" aus der Ausgabe 8/2018 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: LucaLorenzelli/getty images

In der Schweiz sagt man Nuggi, in Österreich Duttel, in Sachsen Nubbel. Doch überall tritt das gleiche Problem auf: Fällt der Schnuller dem Baby aus dem Mund, landet er häufig im Dreck – auf dem fusseligen Teppich, dem staubigen Feldweg oder dem schmierigen Boden der Straßenbahn. Wie gut also, dass es Schnullerketten gibt. Doch die kleinen, praktischen Helferlein können ihre ...

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... Tücken haben: Immer wieder stellen die Überwachungsbehörden gravierende Sicherheitsmängel an Schnullerketten fest. So tauchen sie häufig im Schnellwarnsystem Rapex auf, durch das die Europäische Union über potenziell gefährliche Verbrauchsgüter informiert. Im vergangenen November etwa gab es einen Rückruf für eine Schnullerkette mit Spielfigur der Firma Selecta. Es bestand Bruchgefahr. Zudem konnten sich verschluckbare Kleinteile lösen. An den Befestigungsteilen anderer Schnullerketten fehlten die von der europäischen Norm DIN EN 12586 vorgeschriebenen Ventilationslöcher. Solche Löcher sind wichtig, weil sie im Notfall Leben retten: Landet ein Clip mit Holzteil in Babys Schlund, dann sorgen die Löcher dafür, dass das Kind weiteratmen kann. Dass es für so eine einfache Sache wie eine Schnullerkette überhaupt eine Norm gibt, hat einen traurigen Hintergrund. In früheren Jahren bastelten viele Eltern selbst eine Befestigung und wählten dabei eine zu lange Kette oder Schnur. Es kam zu tödlichen Unglücksfällen, bei denen sich Kinder mit Schnullerketten strangulierten.


Verschluckbare Kleinteile, fehlende Ventilationslöcher: Schnullerketten können Sicherheitsrisiken bergen.


ÖKO-TEST RÄT

► Fast alle Schnullerketten im Test sind sicher, viele schadstofffrei. Wir können diese genormten Industrieprodukte rundum empfehlen. Wer selbst basteln will, muss viele Sicherheitsaspekte beachten.
► Nuckelhalter niemals mit Schnüren verlängern. Beschädigte Produkte auf keinen Fall weiterverwenden.
► Schnullerketten vor dem ersten Gebrauch und später regelmäßig reinigen.

Schlaf, Kindlein, schlaf: Ein Schnuller beruhigt und kann Schreiattacken verhindern. Ist er jedoch ständig verfügbar, fördert dies den Dauergebrauch. Der schadet der Kieferentwicklung.


Foto: Elena Stepanova/Shutterstock

Im Jahr 1999 trat die Schnullerhalternorm in Kraft. Sie legt die Höchstlänge der Kette auf 22 Zentimeter fest. Da der Halsumfang von Babys und Kleinkindern bis zum Alter von zwei Jahren im Durchschnitt 24 Zentimeter beträgt, stellen genormte Ketten für sie keine Strangulationsgefahr mehr dar.

German Frank, Obmann des zuständigen Arbeitskreises am Deutschen Institut für Normung (DIN), sieht in der Einführung der Norm und der Begrenzung der Länge denn auch einen großen Erfolg: „Seitdem wurden keine tödlichen Un fälle mehr gemeldet“, sagt der Experte. Genormte Produkte seien in der Regel sicher. Vom Selberbasteln rät der Sicherheitsfachmann eher ab. Auch wenn der Do-it-yourself-Trend durchs Internet eine Renaissance erlebe. Denn wer eine sichere Kette herstellen möchte, müsse sich sehr genau mit den in der Norm dargelegten Sicherheitsaspekten beschäftigen. „Keine leichte Materie“, räumt der Obmann ein. Kritisch sieht er auch den aktuellen Trend, eine individuelle Namensschnullerkette in Auftrag zu geben. Dabei entsteht der Name des Kindes aus Buchstabenwürfeln. „Bei doppelten oder längeren Vornamen kann dann auch die Kette zu lang werden“, sagt German Frank.

Wir haben 15 Schnullerketten eingekauft und in die Labore geschickt. Uns interessierte, ob die Produkte Schadstoffe enthalten und ob sie die wichtigen Sicherheitsanforderungen erfüllen.


Namensschnullerketten mit Buchstabenwürfeln liegen im Trend. Wer sie in Auftrag gibt, sollte unbedingt auf die Länge achten.


DAS TESTERGEBNIS

Insgesamt erfreulich. 11 von 15 Schnullerketten können wir empfehlen. Achtmal vergeben wir das Gesamturteil „sehr gut“, dreimal „gut“. Leider gibt es auch einen „ungenügenden“ Totalausfall mit einem Sicherheitsrisiko.
Erstickungsgefahr. Der Clip, mit dem sich die Haba Schnullerkette Glücksbringer an der Babykleidung befestigen lässt, besitzt keine Ventilationslöcher. Das ist ein gravierender Sicherheitsmangel. Die Schnul lerhalter-Norm DIN EN 12586 verlangt an den Befestigungselementen von Schnullerketten solche Notlöcher. Die Clips befinden sich ganz außen an der Kette. Stopft das Baby sie sich in den Mund, können sie in den Schlund geraten und die Atmung behindern. Duch die Ventilationslöcher kann das Baby im Notfall weiteratmen. Ist der Durchmesser des Clips kleiner als 42,7 Millimeter wie bei dem Haba- Produkt, schreibt die Norm mindestens zwei kreisförmige Ventilationslöcher mit einem Durchmesser von vier Millimetern oder mindestens ein einziges Loch mit einem Durchmesser von 12 Millimetern vor. Mediziner gehen davon aus, dass ein Loch mit einem Durchmesser von 3 bis 3,5 Millimetern lebenserhaltend sein kann. Eine Aussparung ermöglicht im Notfall nicht nur das Weiteratmen, sondern erleichtert auch den Zugriff mit einem medizinischen Instrument, um das festsitzende Stück aus dem Rachen herauszubekommen. Fehlende Löcher stellen in jedem Fall ein großes Sicherheitsrisiko dar. Wir haben deshalb auch die zuständige Aufsichtsbehörde informiert. Sie hat angekündigt, der Sache nachzugehen und tätig zu werden.

Keine Kettenreaktion. Die 14 anderen Produkte im Test haben die Praxisprüfung mit Bravour bestanden. Keine Kette ist zu lang, alle sind reißfest, nirgends lösen sich Kleinteile, die das Baby verschlucken könnte. Zum Vergleich: In unserem vorigen Schnullerketten-Test im Januar 2012 riss an drei Produkten bei den Stabilitätsprüfungen das Band, und es lösten sich verschluckbare Kleinteile.


Ventilationslöcher ermöglichen im Notfall das Weiteratmen.


Da färbt nichts ab. Die Laborexperten überprüften die Farben an den Textilbestandteilen, darunter Bänder und Spieltiere. Sie waren allesamt speichelund schweißecht. Die Materialien färben also nicht ab, auch wenn das Baby daran nuckelt oder die Stoffe in seinen schwitzigen Händen hält.
Heavy-Metal-Rassel. Im Disney Baby Schnullerhalter Winnie the Pooh, rot der Firma Simba Toys wies das Labor Blei nach. Das giftige Schwermetall steckt zwar nur in den Rasselkügelchen im Innern des Bärenkopfs. Babyprodukte sollten aber generell frei von giftigen Stoffen sein.
Überflüssig. In fünf Produkten analysierten die Chemiker optische Aufheller. Die unnötigen Weißmacher steckten häufig in Textilbestandteilen wie Bändern, Etiketten und Garnen. Sie können sich lösen und mit dem Schweiß auf die Haut gelangen. Einige können im Zusammenspiel mit Sonnenlicht allergische Reaktionen verursachen.
Reizendes Lösungsmittel. In der Haba- Schnullerkette analysierte das beauftragte Labor das Lösemittel Acetophenon. Acetophenon ist als augenreizend eingestuft.
Allergierisiko. In fünf Produkten wies ein Labor umstrittene halogenorganische Verbindungen nach. Sie können aus Farben oder Bleichmitteln stammen. Viele halogenorganische Verbindungen gelten als allergieauslösend.

ÖKO-TEST

„Selbermachen ist nicht immer besser. Schnullerketten müssen vor allem sicher sein.“

Frank Schuster , ÖKO-TEST-Redakteur


Foto: Anja Wägele

SCHNULLER RAUS
► Dauernuckeln gefährdet eine gesunde Kieferund Zahnentwicklung. Deshalb sollte die Kette samt Schnuller auch nicht den ganzen Tag lang an der Kleidung des Kindes befestigt sein. Die ständige Verfügbarkeit verleitet zum Dauergebrauch.
► Zahnmediziner empfehlen, den Schnuller spätestens zum dritten Geburtstag abzugewöhnen. Noch besser: schnullerfrei am zweiten Geburtstag.

Foto: imago/Jochen Tack

Fett gedruckt sind Mängel.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 142.
Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung. 2) Optische Aufheller mit Hautkontakt (hier: Stoffband, Etikett). 3) Optische Aufheller mit Hautkontakt (hier: Stoffband). 4) Optische Aufheller mit Hautkontakt (hier: Stoffband, Stickgarn, bedrucktes Etikett). Weiterer Mangel: optische Aufheller ohne Hautkontakt (hier: Einlagen). 5) Optische Aufheller mit Hautkontakt (hier: Stoffband, Stickgarn). 6) Optische Aufheller mit Hautkontakt (hier: Klettverschluss, Nähgarn, bedrucktes Etikett). Weiterer Mangel: optische Aufheller ohne Hautkontakt (hier: Füllung).
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt.
Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils eine Note: a) optische Aufheller mit Hautkontakt; b) halogenorganische Verbindungen; c) mehr als 90 mg/kg Blei; d) mehr als 50 mg/kg Acetophenon.

SO HABEN WIR GETESTET

Der Einkauf
Schnullerhalter gibt es in Form von Textilbändern oder als Ketten aus bunt lackierten Holzteilchen. Wir haben 15 Modelle in Drogeriemärkten, im Fachhandel und in Onlineshops eingekauft. Sie kosteten zwischen 1,85 und 9,99 Euro.

Die Inhaltsstoffe
Die Labore untersuchten die Schnullerketten auf giftige Schwermetalle, bedenkliche Weichmacher, krebsverdächtige polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, problematische Farbstoffe, halogenorganische Verbindungen und optische Aufheller. Unlack¡erte Metallteile ließen wir darauf testen, ob sich Nickel löst.

Die Praxisprüfung
Wir haben alle Produkte auf Grundlage der Schnullerhalternorm DIN EN 12586 und der Spielzeugnorm EN 71 testen lassen. Diese definieren Standards, um Risiken, etwa durch zu lange Schnüre, verschluckbare Kleinteile oder fehlende Ventilationslöcher, zu vermeiden. Um die Stabilität zu prüfen, haben die Experten im Praxislabor die Clips 1.000-mal geöffnet und wieder geschlossen. Zudem haben sie geprüft, ob die Materialien bei Speichel- oder Schweißeinwirkung abfärben.

Die Bewertung
Gravierende Sicherheitsrisiken werten wir streng ab. Ein Produkt, das Erstickungsgefahren birgt, kann nicht besser als „ungenügend“ sein. Für Schadstoffe wie Blei und Acetophe- non, optische Aufheller oder halogenorganische Verbindungen gibt es auch Notenabzug.

Lebensrettend: Gerät der Clip versehentlich in den Rachen des Kindes, ermöglichen Ventilationslöcher das Weiteratmen.


Foto: ÖKO-TEST