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Test Schnullerketten: Halt dich fest!


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 1/2012 vom 30.12.2011

Die meisten Schnullerketten halten Babys Lieblingsaccessoire gut in Greifnähe und erfüllen alle Anforderungen. Einige fielen allerdings wegen gravierender Sicherheitsmängel auf. Ein Produkt ist deshalb nicht verkehrsfähig.


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Foto: mariusFM77/istockphoto.com

Plopp , da liegt der Schnuller im schwarzgrauen Schmodder auf dem Fußboden im öffentlichen Nahverkehr. Wieder zurück in den Mund stecken geht nicht, ohne auskommen aber gerade auch nicht. Das Geschrei ist groß. Wer mit einem Kind unterwegs ist, das seinen Schnuller liebt, der kann seinerseits schnell zum Fan von Schnullerketten werden.

In der ...

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... Vergangenheit kamen viele Eltern auf die naheliegende Idee, selbst eine Befestigung zu „basteln“, zum Beispiel aus Schnürbändern. Nachdem es mit solchen provisorischen Schnullerketten tödliche Unfälle gegeben hatte, haben Experten inzwischen umfangreiche Sicherheitsvorgaben entwickelt. Denn schon mit einfachen Details lassen sich Gefahren vermeiden, zum Beispiel, indem das Band nicht länger als 220 Millimeter ist, damit Kinder damit nicht an Gegenständen hängen bleiben und sich schlimmstenfalls erdrosseln können.

Wir wollten herausfinden, welche Schnullerketten so sorgfältig verarbeitet sind, dass sie einen hohen Sicherheitsstandard erfüllen und frei von Schadstoffen sind. Dazu haben wir 15 Produkte in die Labore geschickt.

ÖKO-TEST rät

► Schnullerbefestigungen nicht selbst basteln. Es gibt genug „sehr gute“ und „gute“ Produkte zur Auswahl, die babygerechten Sicherheitsanforderungen genügen.
► Wenn Sie bereits eine der Schnullerketten mit gravierenden Sicherheitsmängeln in Benutzung haben: Besser abmachen und im Geschäft reklamieren.
► Schnullerketten vor dem Gebrauch entsprechend der Anleitungen auf der Verpackung oder dem Etikett reinigen.

Mein Freund, der Schnullerbaum

Der älteste Schnullerbaum soll schon seit den 1920er-Jahren auf der dänischen Insel Thurø stehen, um Kindern den Abschied leichter zu machen. Einige Städte in Deutschland haben den Brauch aufgegriffen und Bäume in ihren Parks zur „Beschnullerung“ freigegeben. Auch etliche Kliniken, Kindergärten und Zahnarztpraxen haben Schnullerbäume ausgewiesen oder Nachbildungen aufgestellt. Der Vorteil: Hier können Kleinkinder sehen, dass andere ihren Schnuller auch schon abgegeben haben. Und es besteht die Möglichkeit, den alten Begleiter bei einem Familienausflug noch einmal zu besuchen

Foto: Norbert Kaiser/Wipipedia

Das Testergebnis

• Immerhin zehn Schnullerketten sind „gut“ oder „sehr gut“. Sie haben die harte Praxisprüfung tadellos bestanden, und auch in Bezug auf die Inhaltsstoffe ist fast alles in Ordnung. Anders die „ungenügenden“ Ausreißer von Müller Drogeriemarkt, Franck & Fischer und Käthe Kruse: Sie weisen Sicherheitsmängel auf.
• Bei den drei Schlusslichtern rissen im Test die Bänder am Befestigungsclip durch. Nach Schnullerhalternorm darf kein Teil brechen, reißen oder sich lösen. Wir wollten wissen, wie die Marktaufsicht mit solchen Produkten umgehen würde: „Die Ergebnisse sind im Einzelfall zu beurteilen“, antwortete die Fachabteilung aus dem in Nordrhein-Westfalen zuständigen Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales. Gegebenenfalls entspreche ein Produkt, bei dem das Band abreißt, nicht der DIN EN 12586, müsse dadurch aber nicht zwangsläufig gefährlich sein. „Entstehen jedoch kleine Teile, die in den Zylinder für kleine Teile nach EN 71 (Spielzeugnorm) passen, besteht ein gefährlicher Mangel.“ Wenn Teile so klein sind, dass sie in diesen Zylinder passen, besteht schlimmstenfalls Erstickungsgefahr, weil Kinder sie verschlucken können. Deshalb haben wir alle gelösten Teile auch noch nach Spielzeugnorm prüfen lassen. Und siehe da: Die durch das Reißen des Bandes losen Holzperlen der Beauty Baby Holzschnullerkette von Müller passen in den Zylinder. Da sie mit der Marienkäferfigur zwischen den bunten Perlen unserer Auffassung nach auch Spielzeugcharakter hat und daher diese Sicherheitsanforderung auf jeden Fall erfüllen muss, ist diese Schnullerkette klar nicht verkehrsfähig.
• Auch der untere Teil des durchgerissenen Stoffbandes des Franck & Fischer Monkey Soother Holder passt in den Kleinteilezylinder. Für Kleinteile aus textilen Materialien gilt jedoch nach EN 71 eine Ausnahme. Wir können also nicht sagen, ob ein Amt das Produkt nach diesem Ergebnis vom Markt nehmen würde. Gegen die neueste Fassung der Schnullerhalternorm von 2011 verstoßen der Franck & Fischer Monkey Soother Holder und auch die Käthe Kruse Schnullerkette Igel in unserem Test auf jeden Fall. Diese ist jedoch gesetzlich noch nicht verankert. Die Norm stellt in Bezug auf ablösbare Teile bewusst noch strengere Anforderungen als die Spielzeugnorm: Der bei der Käthe Kruse Schnullerkette abgerissene Holzknopf mit Metallclip passt nicht in den Spielzeugprüfzylinder, ist aber nach Schnullerhalternorm trotzdem zu klein.
• Etwas schwaches Material: Bei der Sigikid Schnullerkette Pirat ist zwar kein Teil durchgerissen. Aber das weiche Kunststoffteil, an dem der Schnuller befestigt wird, ist im Test eingerissen, kurz vor der höchsten geforderten Belastung. Für diese Schwäche des Materials gibt es Punktabzug.
• Gute Nachricht in puncto Inhaltsstoffe: Bei allen geprüften Schnullerketten sind die Farben speichel- und schweißecht. Weichmacher oder krebserregende Farbstoffe haben die Labore erfreulicherweise nicht gefunden. Das schlechteste Testergebnis Inhaltsstoffe ist das „ausreichende“ der Haba Schnullerkette Fido Fauch: Hier störten uns optische Aufheller und die krebsverdächtige Verbindung Naphthalin. Optische Aufheller können mit dem Schweiß auf die Haut gelangen und bei gleichzeitiger Sonneneinstrahlung allergische Reaktionen hervorrufen. Sie finden sich noch in sieben anderen Schnullerketten. Ein weiterer Kritikpunkt bei drei Produkten sind umstrittene halogenorganische Verbindungen.

So reagierten die Hersteller

Anbieter Franck & Fischer aus Dänemark erklärte, dass das in unserem Test gerissene Band aus Bio-Baumwolle inzwischen mit einem doppelten Faden gehäkelt werde, um es stärker zu machen. Die Chargennummer der neuen Produktion sei 0802-4.
Meike Rix

So haben wir getestet

Detailarbeit: Im Labor wurde gemessen, ob die Löcher in den Clips groß genug sind, um dadurch zu atmen.


Foto: Labor

Der Einkauf
Schnullerketten gibt es mit Plüschtierelementen, aus bunt lackiertem Holz mit Tier- oder Eisenbahnfigürchen oder auch ganz schlicht funktional als einfarbiges textiles Band mit Kunststoffclip. Wir haben ganz unterschiedliche Modelle eingekauft, die es in Drogeriemärkten, im Babyfachhandel und in Online-Spielwarenshops gibt. Zwischen 2,45 und 11,95 Euro kosten die Schnullerketten im Test.

Die Inhaltsstoffe
Ähnlich wie in Plüschtieren oder Holzspielzeug können in Schnullerketten alle möglichen Schadstoffe stecken und deshalb ist ein umfangreiches Prüfprogramm notwendig. So ließen wir die Labore auf bedenkliche Weichmacher, problematische Farbstoffe, antibakterielle Ausrüstungen und krebsverdächtige polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) testen. Bei den unlackierten Metallteilen ließen wir prüfen, ob sich Nickel löst.

Die Praxisprüfung
Bei den praktischen Sicherheitsanforderungen nach Schnullerhalternorm DIN EN 12586 von April 2011 geht es darum, dass Kinder sich nicht verletzen können, etwa durch Schnüre oder verschluckbare Kleinteile. Die Befestigung der Schnullerkette an der Kleidung wird 1.000-mal geöffnet und wieder geschlossen. Auch sonst soll sich so leicht nichts abreißen oder abbrechen lassen. Teile, die sich lösen, dürfen nicht durch eine Prüfform passen, die die Größe eines Kindermundes berücksichtigt. Bei solchen Teilen prüfte das Labor zusätzlich noch, ob sie auch in den Zylinder für Kleinteile nach der Spielzeugnorm EN 71 passten.

Die Bewertung
Produkte, die nicht verkehrsfähig sind, fallen in unseren Tests durch. Aber auch Babyprodukte mit Sicherheitsmängeln, zu denen die Überwachungsbehörden sich nicht äußern wollen, ohne das konkrete Produkt vorliegen zu haben, erhalten bei uns höchste Abwertungen. Ein Untersuchungsamt würde im Einzelfall entscheiden, ob der Hersteller das Produkt vom Markt nehmen muss. Wir als Test-Zeitschrift empfehlen Verbrauchern einfach, bei Babyprodukten keine Kompromisse einzugehen.