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TEST Schokomüsli: Hallo meine Süßen!


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 9/2015 vom 28.08.2015

Einst als gesunde Mahlzeit aus der Taufe gehoben, folgen Müslis längst dem Trend vieler Frühstückscerealien: Sie werden zur Süßigkeit aufgepeppt. Im Test fallen fast alle Schokomüslis mit einem hohen Zuckergehalt auf. Von Frank Schuster


Artikelbild für den Artikel "TEST Schokomüsli: Hallo meine Süßen!" aus der Ausgabe 9/2015 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: ÖKO-TEST Magazin, Ausgabe 9/2015

Wenn sich die weiße Milch über die braunen Schokostückchen ergießt, beginnt manch ein Morgenmuffel, egal ob groß oder klein, zu strahlen. Andere am Frühstückstisch rümpfen verständnislos die Nase: Schokolade im Müsli – was soll das denn?

Fertig verpackte Schokomüslis stehen seit Ende der 1970er-Jahre in den Ladenregalen. Der Hersteller, der es nach eigenen Angaben erstmals ...

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... in größeren Mengen auf den Markt brachte, war die Firma Kölln. Das Elmshorner Unternehmen wirbt auf den Packungen seines Müsli Schoko mit dem Aufdruck „Das Original”.

Grund für die Neukreation sei damals die Vorliebe vieler Verbraucher gewesen, Haferflocken und Milch gerne mit Kakao zu mischen. Doch was hat Schokolade überhaupt in der wegen ihrer Ballaststoffe geschätzten Vollwertkost zu suchen? Was den reinen Kakao betrifft, dürften Müslipuristen gerade noch ein Auge zudrücken.

Aber Schokolade enthält ja vor allem sehr viel Fett und Zucker. Der hohe Anteil von oft um die 25 Prozent macht aus den Schokmüslis denn auch eher eine Süßigkeit als ein gesundes Frühstück. Der Gesamtzuckergehalt kann 30 Prozent erreichen. Ernährungsexperten warnen vor solch hohen Dosen, nicht nur wegen gesundheitlicher Probleme wie Übergewicht und Karies. Hinzu kommt noch: Zucker suggeriert kurzzeitig ein Sättigungsgefühl, macht aber zugleich regelrecht unersättlich.

Man verlangt immer mehr und gibt gleich noch ein paar Löffel von der süßen Speise hinzu. Gut für die Hersteller, schlecht für den Verbraucher. Schokomüslis enthalten von wenigen Ausnahmen abgesehen keine Trockenfrüchte, die in anderen Müslis für Süße sorgen. Viele werben gar mit dem Aufdruck „ohne Rosinen”. Der Zucker kommt hauptsächlich durch die Schokolade hinein. Für eine noch höhere Süße greifen viele Hersteller auch zu Honig oder anderen Zuckerquellen wie Dextrose, Glukosesirup, Fruktose, Gerstenmalz, Maismalz oder Invertzuckersirup. Als wäre das alles nicht schon genug: Mandeln und Haselnüsse werden oft als Krokant oder karamellisiert beigemischt.

Da sich Schoko-im Gegensatz etwa zu Früchtemüslis kaum als gesundes Nahrungsmittel bewerben lassen, treten viele Hersteller die Flucht nach vorn an. Mit Aufdrucken wie „Mit 25 Prozent Schokolade!” unterstreichen sie den hohen Gehalt. Meist wird der Kakao in Form von kleinen Plättchen aus Vollmilch-oder Zartbitterschokolade beigegeben.

Ansonsten zeigen sich die Hersteller sehr kreativ und mischen „Reisgrieß extrudiert mit Kakaoüberzug”, „Schokomonde und-sterne”, Schokocornflakes, -röllchen oder „Chocolate Boons” bei. Häufig kommt noch Kakaopulver hinzu, was die Milch in der Schüssel schön braun werden lässt. Manche Hersteller verkaufen den Kakao als regelrechten Glücklichmacher, mit Werbeaussagen wie: „versüßt das Aufstehen” (Rapunzel Mond & Sterne Müsli) oder „bewirkt ein Glücksgefühl, das in Hochstimmung versetzen kann” (Brüggen Gourmet Schoko Müsli). Nicht nur Schokolade und Zucker sorgen für Kalorien.


Schokomüslis haben den Frühstückstisch von Erwachsenen erobert


Häufig enthalten Schokomüslis auch noch zusätzliche Fette und Öle, insbesondere die Knuspervarianten, in denen die Getreide mit Öl, Fett, Honig oder Zucker zu Klumpen vermischt gebacken werden. Diese erreichen mit 15 bis 24 Prozent Fettgehalt die höchsten Werte, in anderen Schokomüslis liegt der Anteil bei 8 bis 14 Prozent – für Müslis immer noch relativ hoch. Es ist also nur konsequent, wenn die Hersteller ihre Crunchy-Mixe wie eine Süßigkeit als „knusperige Knabberei zwischendurch” anpreisen.

Eine Kindernahrung sind Schokomüslis schon lange nicht mehr. Längst haben sie den Frühstückstisch vieler Erwachsener erobert. Ausnahmen wie die von Rapunzel richten sich zwar mit aufgemalten Eichhörnchen explizit an Kinder. Doch ansonsten fällt die Aufmachung eher traditionell (Kölln) bis seriös (Brüggen) oder auch mal trendig bis stylish (Mymuesli Schokomüsli) aus.

ÖKO-TEST hat 20 Schokomüslis eingekauft und sie unter die Lupe genommen.

„Ich will mehr!” Zucker sorgt dafür, dass es meist nicht bei nur einem Nachschlag bleibt.


Foto: imago/Westend61

Das Testergebnis

■ Zu viel Zucker: Mehr als die Hälfte der Müslis erreicht die Note „befriedigend” und schlechter, eines ist „mangelhaft”, zwei sind gar „ungenügend”. Abwertungen gab es vor allem für den Gesamtzuckergehalt, der in 16 von 20 Produkten viel zu hoch liegt. Ab 18 Prozent gibt es Minuspunkte. Ein 50-Gramm-Schälchen Müsli mit dieser Dosis enthält bereits neun Gramm Zucker (das sind drei Stück Würfelzucker) und damit schon zehn Prozent der von der EU definierten Referenzmenge der täglichen Zufuhr. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) fordert, die tägliche Aufnahme von Zucker auf weniger als 50 Gramm zu reduzieren. ƒ Aromen zugesetzt: 10 der 20 Produkte enthalten zugesetzte Aromastoffe, darunter Vanillin. Aromen haben in Lebensmitteln nichts zu suchen, der Geschmack sollte aus den Müslizutaten kommen.
■ Mineralöle gefunden: In neun Produkten analysierten unsere Labore erhöhte Mengen an Mineralöl aus gesättigten Kohlenwasserstoffen (MOSH), in einem Fall war der Wert stark erhöht. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) kann MOSH im Körper gespeichert werden und zu Schädigungen der Leber und der Lymphknoten führen. Die Substanz kann über Schmieröle, die bei der maschinellen Ernte oder Produktion eingesetzt wurden, in die Lebensmittel gelangen, oder auch über Verpackungen aus Altpapier oder Plastik auf Mineralölbasis. Eine mögliche Quelle sind aber auch Farben von bedruckten Papier-und Kartonverpackungen. Dieses Problem ist den Herstellern schon länger bekannt, weshalb sie an einer Optimierung der Schutzfolie arbeiten, welche die mit einem Umkarton verpackten Müslis zusätzlich umschließt.
■ Spuren von Pestiziden, darunter Glyphosat: Frei von Rückständen an Pestiziden und Wachstumsregulatoren waren die sechs Produkte aus biologischem Anbau. In allen anderen waren Spuren vorhanden, in acht Fällen auch von Glyphosat. Das weit verbreitet gegen Unkräuter gespritzte Totalherbizid ist umstritten. Im März stufte es die Internationale Krebsforschungsagentur IARC in Lyon als „wahrscheinlich krebserregend für den Menschen” ein. Bevölkerungsstudien wiesen auf krebserregende, erbgutschädigende und fruchtbarkeitsmindernde Wirkungen hin. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sieht indes nur „sehr begrenzte Hinweise” und damit keine Veranlassung, das Spritzmittel aus dem Verkehr zu ziehen. Die von uns beauftragten Labore fanden zwar jeweils nur Spuren einzelner Pestizide, in einem Fall waren es aber gleich sechs verschiedene. Niemand kann garantieren, dass Mehrfachrückstände harmlos sind. Deshalb wertet ÖKO-TEST auch Spuren ab, wenn fünf oder mehr Wirkstoffe nachgewiesen wurden.
■ Mehr Ballast! Schoko hin oder her: Wer Müsli isst, erwartet Ballaststoffe. Wegen hoher Getreideflockenanteile mit bis zu 73 Prozent sollten auch Schokomüslis das Kriterium erfüllen, mit dem nach EU-Richtlinie für nährwertbezogene Angaben ein Lebensmittel als „ballaststoffreich” bezeichnet werden darf, nämlich ab einem Gehalt von sechs Prozent. Zwei getestete Müslis erreichen jedoch Werte von unter sechs Prozent: Kellog’s Knusper Müsli mit Vollmilchschokolade, ein kalorienreiches Knuspermüsli mit relativ geringem Haferflockenanteil von 45 Prozent, sowie 3 Pauly Schoko Müsli, ein glutenfreies Allergikerprodukt auf Basis von Cornflakes.

So reagierten die Hersteller

■ Verbesserte Folie: Die Firma De-Vau-Ge Gesundkostwerk Deutschland teilte uns mit, dass sie für das für Aldi Süd produzierte Knusperone Schoko Müsli, in dem unsere Labore nur relativ geringe Mengen MOSH fanden, seit 6. Juli auf eine acrylbeschichtete OPP-Barrierefolie umgestellt habe, um eine Migration von außen zu verhindern.
■ „Unter den Grenzwerten”: Kaufland, Anbieter des K-Classic Knusper Müslis, in dem erhöhte MOSH-Werte gefunden wurden, verwies auf den aktuellen Entwurf der Mineralölverordnung. Die von uns analysierten Zahlen lägen unter den dort genannten Grenzwerten. ÖKO-TEST bewertet MOSH jedoch aus Gründen des vorbeugenden Verbraucherschutzes strenger.
■ Ölfreie Farben: Brüggen, Hersteller des bei Aldi Nord erhältlichen Gletscherkrone Premium Knusper Müsli Triple Choc, das ebenfalls erhöhte MOSH-Werte aufwies, nannte mögliche andere Eintragsquellen. Einen Übergang aus der Verbundfolie schloss die Firma aus, da „nur mineralölfreie und migrationsarme Farben” verwendet würden. Aber schon bei der Ernte würden „Öle als Schmiermittel beweglicher Teile eingesetzt”.

Fett gedruckt sind Mängel.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 156.
Anmerkungen: 1) Laut Anbieter wird künftig auf die Auslobung „keinen Zucker als einzelne Zutat zugesetzt” auf der Verpackung verzichtet. Aktuell ist Zucker einzeln deklariert, er stamme aber „ausschließlich” aus der Schokolade. 2) Laut Anbieter ist die Packung inzwischen leicht verändert: Die Deklaration ist nun zweisprachig deutsch/französisch und der Aufdruck „ohne Rosinen” abgeändert in „mit Vollmilchschokolade – au chocolat au lait”. 3) Laut Hersteller ist die bislang verwendete OPP-Folie seit 6. Juli auf eine acrylbeschichtete OPP-Barrierefolie umgestellt, um eine Migration von Mineralöl (MOSH) von außen in das Müsli auszuschließen; das von uns beauftragte Labor hatte Spuren von MOSH gefunden. 4) LautAnbieter wird ab der Charge mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum Juni 2016 kein Aroma mehr verwendet. 5) Laut Anbieter beträgt der Ballaststoff gehalt, der nicht auf der Verpackung deklariert ist, 7,2 g pro 100 g. 6) Laut Anbieter ist der Kakao seit der Charge mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum 1. April 2016 Fairtrade-zertifiziert.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) ein stark erhöhter Gehalt an Mineralöl (MOSH) von mehr als 2 bis 4 mg/kg; b) Zusatz von Eisen. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein erhöhter Gesamtzuckergehalt (mind. 18 Prozent); b) geringer Ballaststoff gehalt (weniger als 6 g pro 100 g); c) Zusatz von Aromen (in der Tabelle: natürliches Aroma, Aroma: Vanillin, Aroma); d) ein erhöhter Gehalt an Mineralöl (MOSH)von mehr als 0,5 bis 2 mg/kg; e) fünf bis zehn Pestizide in Spuren nachgewiesen; f) Zusatz von Vitaminen, sofern nicht bereits für den Zusatz von Eisen um zwei Noten abgewertet wurde.
Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter www.oekotest.de → Suchen → „M1509” eingeben.
Einkauf der Testprodukte: Juni 2015.
Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

ÖKO-TEST rät

• Auch die „sehr guten” und „guten” Müslis aus unserem Test nicht täglich essen! Vor allem Kinder sollten sich gar nicht erst an den süßen Geschmack gewöhnen. Am besten ist selbst gemacht: Getreideflocken, Nüsse, Milch – und ganz viel Obst.
• Die Bio-Produkte sind zwar etwas teurer als konventionell hergestellte Produkte. Dafür können Sie aber sicher sein, dass beim Anbau des Getreides keine Pestizide verwendet werden.
• Wer auf eine kakaohaltige Zutat nicht verzichten möchte, kann ein paar Flocken seiner Lieblingsschokolade hineinraspeln.

So haben wir getestet

Der Einkauf

Wir haben 20 Schokomüslis eingekauft. Die Zutaten von sechs davon stammen aus zertifiziertem biologischem Anbau, die restlichen sind konventionelle Produkte sowie Eigenmarken von Discountern und Supermärkten.

Die Inhaltsstoffe

Wir haben die Müslis unter anderem auf Rückstände von Pestiziden und Wachstumsregulatoren sowie Mineralöle und Schimmelpilzgifte analysieren lassen. Mineralöle können über die bedruckten Papier-und Kartonverpackungen in die Müslis gelangt sein oder aber auch über Schmieröle, die in der Produktion eingesetzt wurden. Schimmelpilzgifte können schon beim Wachstum auf dem Feld oder aber auch bei der Zwischenlagerung von Getreide entstehen.

Spuren von sechs Pestiziden fanden unsere Labore im „3 Pauly Schoko Müsli”.


Foto: ÖKO-TEST

Die Bewertung

Wer Müsli kauft, erwartet gesunde Nahrung. In vielen getesteten Produkten ist der Gesamtzuckergehalt jedoch mit bis zu 29 Prozent so hoch, dass die Grenze zur Süßigkeit überschritten ist. Dass es auch besser geht, beweisen vier Bio-Produkte mit Anteilen von sechs bis zwölf Prozent. Abwertungen gab es auch, wenn der Ballaststoff gehalt zu niedrig liegt oder Aromen, Vitamine oder das Spurenelement Eisen zugesetzt sind.


Foto: Valerii Dekhtiarenko/Fotolia