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TEST Schwarzer Tee: Bittere Ernte


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 9/2015 vom 28.08.2015

In den Teeanbaugebieten arbeiten insbesondere Frauen unter katastrophalen Bedingungen. Viele Anbieter in unserem Test konnten oder wollten nicht belegen, dass sie sich um faire Löhne und menschenwürdige Verhältnisse bemühen. Zudem sind viele der untersuchten Schwarztees übermäßig mit problematischen Stoffen belastet. Von Birgit Hinsch


Test Schwarzer Tee

Artikelbild für den Artikel "TEST Schwarzer Tee: Bittere Ernte" aus der Ausgabe 9/2015 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: ÖKO-TEST Magazin, Ausgabe 9/2015

Pflückerinnen mit großen Körben inmitten sattgrüner Teesträucher, im Hintergrund sanfte Hügelketten – so wird der Anbau und die Ernte von Tee in der Werbung gern dargestellt. Mit der Realität haben diese Bilder wenig zu tun. Ganz im Gegenteil: Der Teeanbau ...

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... ist ein besonders krasses Beispiel für die Ausbeutung und Armut von Menschen, die ehemals kolonial geprägte Güter herstellen.

Nach einem Bericht der Sustainable Trade Initiative (IDH) waren 2010 weltweit dreizehn Millionen Menschen im Teeanbau und der Teeverarbeitung beschäftigt. Dabei wird der größte Teil in China, Indien, Kenia und Sri Lanka produziert. Der Ursprung der Teekulturen geht auf erste Pflanzungen in China zurück. Im 18. Jahrhundert waren es vor allem britische Kaufleute, die den Tee für sich entdeckten und erste Plantagen in Indien und Sri Lanka – damals Ceylon – anlegten. Heute wird Tee in mehr als 50 Ländern angebaut.

Schaut man sich an, wie der Teeanbau organisiert ist, dann findet man sowohl Plantagenwirtschaft als auch kleinbäuerliche Strukturen. Laut der IDH-Analyse hat sich der traditionelle Plantagenan-bau vor allem in Indien gehalten, während in Kenia und Sri Lanka primär kleinbäuerlich produziert wird. Dort stammen rund zwei Drittel des Tees von Kleinbauern. Die Arbeit im Teegarten ist extrem anstrengend und zeit intensiv. Gemeint ist insbesondere die Ernte der Teeblätter, die in den klassischen Anbaugebieten Indiens oder Sri Lankas noch immer Handarbeit ist. Vor allem Frauen arbeiten als Pflücker, während Männer Aufseher sind oder Tätigkeiten wie Düngen, Roden oder die Wartung von Maschinen übernehmen.

Weil die frisch geernteten Teeblätter umgehend in die Fabrik geschafft werden müssen, um Qualitätsverluste zu vermeiden, ist Eile angesagt. Aber nicht nur das: Die Frauen arbeiten auch deshalb im Akkord, weil ein Großteil ihres Lohns von der Erntemenge abhängt, die sie am Ende des Tages abliefern. Das Geld, das sie dafür erhalten, ist gering und übersteigt manchmal noch nicht einmal die von der Weltbank definierte Grenze für extreme Armut von 1,25 US-Dollar pro Tag.


Das Pflücken der Teeblätter ist extrem anstrengend und zeitintensiv


„Die Lohnsituation auf Teeplantagen ist insgesamt ein riesiges Problem”, sagt Benjamin Luig, Agrar-und Ernährungspolitischer Referent des katholischen Hilfswerks Misereor, der sich intensiv mit der sozialen Situation in Teeanbaugebieten befasst.

„Traditionell werden Löhne in West Bengal – wozu auch die Region Darjeeling gehört – zwischen Arbeitgebern und parteinahen Gewerkschaften verhandelt, die Ergebnisse haben mit einem existenzsichernden Lohn aber nichts zu tun”, sagt Luig. So habe man sich im Februar auf einen Lohn von aktuell 122,50 Rupien pro Tag geeignigt, der mit umgerechnet 1,90 US-Dollar immer noch sehr niedrig ist.

Kleinere, unabhängige Gewerkschaften kritisieren die Vereinbarung massiv, so der Experte. „Sie fordern auf Basis eines für Haushalte berechneten Nahrungsmittelbedarfs einen Mindestlohn von 322 Rupien pro Tag – das sind 4,95 US-Dollar.” Weiterhin dürften zusätzliche Sachleistungen nicht auf mehr als 25 Prozent des Lohnes angerechnet werden.

Doch genau das beschreibt ein weiteres Problem. So hat Indien 1951 ein Gesetz erlassen, das Plantagenbesitzer verpflichtet, ihren Beschäftigten ein ganzes Bündel an Zusatzleistungen unentgeltlich zur Verfügung zu stellen – angefangen von Unterkünften, medizinischer Versorgung, Kinderhorten und Grundschulen bis hin zu vergünstigten Lebensmitteln, Brennmaterial und Trinkwasser. Laut dem Bericht der IDH gehören diese Dienstleistungen in allen traditionellen Anbaugebieten aber zunehmend der Vergangenheit an. Einer der Gründe sei der Preisver- fall für Tee, der dazu führe, dass Löhne durch den Abzug von Zusatzleistungen klein gerechnet würden. Das trifft besonders die Pflückerinnen und ihre Familien, die dadurch immer stärker in einen Teufelskreis aus Armut und Abhängigkeit geraten.

In einer 2014 veröffentlichten Studie haben Misereor und die Menschenrechtsorganisation FIAN International eine derartige Praxis in Indien, Malawi und Sri Lanka festgestellt. Weitere typische Menschenrechtsverletzungen waren sexuelle Belästigung, mangelnder Arbeitsschutz, insbesondere beim Sprühen von Pestiziden, Überstunden sowie die Bekämpfung und Unterminierung von Gewerkschaften.

Auch Formen von Mangelernährung wurden beobachtet. Wir wollten wissen, was Teehersteller tun, um die Menschen in den Ursprungsländern zu unterstützen, und haben 30 schwarze Tees eingekauft. Alle Tees wurden im Labor auf Schadstoffe untersucht. Parallel erhielten die Anbieter einen Fragebogen zum Teeanbau und den Arbeitsbedingungen.

Das Testergebnis Teeanbau und Transparenz

■ Keine Angaben, fehlende Nachweise. Es wäre falsch, zu behaupten, die Teebranche kümmere sich gar nicht um die Situation auf den Plantagen. Sonst hätten vermutlich keine 26 Anbieter Antworten geschickt. Qualität und Verwertbarkeit der Unterlagen waren jedoch höchst unterschiedlich. Wurden keine oder unklare Angaben gemacht oder keine überprüfbaren Nachweise geliefert, führte dies grundsätzlich zu einem „ungenügenden” Urteil. Überzeugen konnten vor allem Produkte, die mit den Labeln der anerkannten Organisationen Fairtrade, Rainforest Alliance, Naturland und UTZ ausgelobt sind.

■ Lieferantenkodizes allein nicht ausreichend. AndereAnbieter führten zum Teil Unternehmensgrundsätze, Lieferantenkodizes oder den Verhaltenskodex des Deutschen Teeverbandes als Nachweis für ihre Anstrengungen ins Feld. Diese Papiere sind jedoch reine Abkommen unter Geschäftspartnern, keines sieht eine unabhängige, externe Kontrolle vor. Absichtserklärungen allein reichen jedoch nicht aus. Im schlechtesten Fall sind sie das Papier nicht wert, auf dem sie stehen.
■ Glaubensfragen und Betriebsgeheimnisse. Dass sich teils auch Teeanbieter einfach auf die Aussagen ihrer Lieferanten verlassen, reicht aus unserer Sicht nicht – selbst wenn einige von ihnen angeben, regelmäßig auf den Plantagen vor Ort zu sein. So gibt beispielsweise Anbieter Rauf Tee an, sein Produkt enthalte 30 Prozent Tee von UTZ-oder Rainforest-Alliance-zertifizierten Plantagen – entsprechende Zertifikate habe er aber nicht. Teeanbieter Hanseatic Modern Food und einige andere verweisen auf den unterzeichneten Codex des Deutschen Teeverbandes, woraus sich quasi von selbst „die Einhaltung von Arbeitsnormen” ergäbe. Alles andere seien Betriebsinterna, die man aus Wettbewerbsgründen nicht zur Verfügung stellen könnte. Auch Bio-Anbieter Dennree verweist auf datenschutzrechtliche Gründe, weshalb er das Fairtrade-Zertifikat des Teegartens, von dem der Dennree South India Schwarztee komme, nicht zur Verfügung stellen könne. Warum der Tee dann nicht das Label der Organisation trägt, können wir nicht nachvollziehen. Zum Verständnis: Wir haben die streng vertrauliche Behandlung der eingereichten Unterlagen selbstverständlich zugesichert.
■ Label bieten Orientierung. Mit den acht eindeutig gelabelten Tees sind Verbraucher am ehesten auf der sicheren Seite. Diese Label basieren allesamt auf der Einhaltung sozialer und ökologischer Standards wie die Zahlung gesetzlicher Mindestlöhne, die Umsetzung internationaler Kernarbeitsnormen (ILO), das Recht auf Versammlungsfreiheit, die Abschaffung von Zwangsarbeit oder das Verbot von Kinderarbeit. Nicht erlaubt ist zudem der Einsatz international geächteter hochgiftiger Pestizide. Für die Aussage, dass Zusatzleistungen tatsächlich zusätzlich gewährt und nicht vom Lohn abgezogen werden, verlangten wir einen gesonderten Nachweis. Produkte, die nur 30 Prozent zertifizierte Ware enthalten, erhielten Abwertungen für den nicht zertifizierten Anteil.
■ Auch ohne Label in Ordnung. Die Tees von Lebensbaum und Tee Gschwendner tragen keines der anerkannten Label, können jedoch trotzdem per Zertifikat nachweisen, dass ihre Tees zu 100 Prozent aus nachhaltigem Anbau stammen. Allerdings blieb Anbieter Tee Gschwendner eine eindeutige Aussage zum Verbot hochgiftiger Pestizide schuldig. Ebenso fehlte ein Nachweis, dass die Aussage, Zusatzleistungen würden kostenlos und unabhängig von der Lohnzahlung gestellt, tatsächlich zutrifft.
■ Mindestpreis nicht bewertet. Anders als für Kaffee und Kakao geht der garantierte Fairtrade-Mindestpreis in diesem Test nicht in die Bewertung ein. Der Grund: Nicht für alle Anbauregionen und Qualitäten sind entsprechende Mindestpreise festgelegt. So fehlt ein solcher beispielsweise für die Region Darjeeling. Nach Aussage von Fairtrade International habe Darjeelingtee meist Premium-und Bio-Qualität und erziele ohnehin hohe Preise. Mindestpreise könnten in diesem Fall sogar zu Preisdumping für hohe Qualitäten führen.

Der Lohn eines Pflücktages reicht oft nicht zu viel mehr als einem mickrigen Einkommen, das kaum das Nötigste abdeckt.


Foto: imago/imagebroker/puchinger

Das Testergebnis Inhaltsstoffe

■ Knapp die Hälfte durchgefallen. Jede Menge Grenzwertüberschreitungen für An thrachinon, ein türkischer Tee, der gar nicht hätte verkauft werden dürfen, sowie weitere Problemstoffe in einzelnen Produkten – das ist das bittere Fazit aufseiten der Inhaltsstoffe. Aber es gibt auch positive Ergebnisse. So sind acht Tees komplett unbelastet, darunter die Hälfte aus konventioneller Produktion.

Handgepflückter Tee gilt als besonders hochwertig. Für ein Kilo Darjeeling werden 12.000 Blätter benötigt.


Foto: TransFair e.V. / Santiago Engelhardt

■ Anthrachinon im Tee. Dass Tee mit diesem Stoff belastet sein kann, weiß man seit etwa einem Jahr. Seit längerem bekannt ist jedoch der Einsatz in der Papierherstellung. Als sich in Tierversuchen aber herausstellte, dass Anthrachinon auf Niere und Leber krebserregend wirken kann und sich dies auch für den Menschen nicht ausschließen lässt, wurde Anthrachinon für Papier verboten. Die Teebranche bemühte sich daraufhin, Papierverpackungen auf Anthrachinon-freie Materialien umzustellen. Das führte aber nur teilweise zu geringeren Gehalten. Die weitere Recherche ergab, dass der Stoff auch bei der unvollständigen Verbrennung fossiler Brennstoffe entsteht und über die Abluft von Trocknungsanlagen auf den Tee übergehen kann. In den Teefabriken hat man seither begonnen, auch diesen Eintragspfad zu verschließen – gelungen ist dies offenbar noch nicht in Gänze. Die nachgewiesenen Gehalte über dem Grenzwert liegen aber noch im Rahmen, sodass alle Tees diesbezüglich verkehrsfähig sind. Anthrachinon löst sich nur schlecht im Aufguss. Es ist jedoch unklar, wie sich geringe Mengen auf Dauer auswirken.
■ Viele Pestizide. Den Vogel schießt Öztürk Tee Yaprak Filiz Cayi Schwarzer Tee ab: Er enthält 20 verschiedene Rückstände, darunter zwei Stoffe in so hohen Mengen, dass gesetzliche Grenzwerte überschritten sind. In einem Fall wird obendrein die erlaubte Messtoleranz geknackt, sodass das Produkt als nicht verkehrsfähig zu beurteilen ist.
■ Giftige Pflanzenstoffe. Fünf Tees enthalten größere Mengen an Pyrrolizidinalkaloiden. Dahinter verbergen sich teils erbgutschädigende Stoffe, die nicht aus den Teeblättern stammen, sondern natürlicherweise in Wildpflanzen vorkommen. Handgepflückter Tee sollte diese Stoffe ei-gentlich nicht enthalten, aber vielleicht waren Erntemaschinen im Einsatz. Da diese Stoffe wasserlöslich sind, gehen Experten davon aus, dass sie vollständig im Tee landen.
■ Noch mehr Verbrennungsrückstände. Im Meßmer Darjeeling, Beutel und Windsor-Castle Orange Pekoe Tea, lose wies das Labor eine deutliche Belastung mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) nach. Auch diese lösen sich schlecht im Aufguss. Trotzdem sollten hohe Gehalte vermieden werden. Wir werten in Anlehnung an einen in der Schweiz geltenden Toleranzwert für die PAKSubstanz Benzo(a)pyren ab.
■ Zu viel Aluminium. Kaum jemand weiß, dass die Teepflanze das derzeit viel diskutierte Aluminium anreichert. Unsere Versuchsreihe von Aufgüssen der Testprodukte ergab, dass Beuteltees gut doppelt so viel Aluminium freisetzen wie die losen Produkte. Im PG Tips, Beutel erreicht die Menge sogar mehr als die Hälfte der tolerierbaren Aluminiumaufnahme, wenn man davon vier Tassen am Tag trinkt.

So reagierten die Hersteller

Mehrere Hersteller weisen darauf hin, dass die Ursachen für Anthrachinon im Tee weiterhin nicht vollständig aufgeklärt seien. Die Teekampagne schickte Gutachten für die Ernte 2015, die belegen, dass der Grenzwert eingehalten wird.

Fett gedruckt sind Mängel.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 156.
Anmerkungen: 1) Laut Mitteilung handelt es sich bei dem Anbieter um ein staatliches Unternehmen, das den Tee von 200.000 unabhängigen Farmern bezieht. Die Preise für den Tee lege das türkische Landwirtschaftsministerium fest, man zahle daher weder Löhne noch gebe es ILO-Standards für den Teeanbau in der Türkei. Das Verbot hochgiftiger Pestizide belegt unter anderem die eingereichte Fair-For-Life-Zertifizierung des Unternehmens. 2) Laut Anbieter soll das Produkt voraussichtlich bis Ende 2015 auf Rohware aus UTZ-zertifiziertem Anbau umgestellt werden. Der Anbieter verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass mit dem One World Bio Fairtrade Darjeeling u. dem One World Bio Fairtrade Earl Grey Schwarztee bereits Fairtrade-zertifizierte Produkte angeboten werden. 3) Laut Anbietergutachten konnte in den beiden für dieses MHD verwendeten Chargen lediglich Acetamiprid in Gehalten deutlich unter der gesetzlichen Höchstmenge nachgewiesen werden. Das von uns beauftragte Labor hatte einen Gehalt über der Höchstmenge nachgewiesen. Anthrachinon wurde laut Anbietergutachten in geringeren Gehalten von knapp über dem EUHöchstgehalt nachgewiesen. 4) Laut Anbietergutachten wurden in den beiden für dieses MHD verwendeten Rohstoffchargen insgesamt fünf Rückstände nachgewiesen. 5) Laut Anbieter wurde das Produkt aus dem Sortiment genommen. 6) Laut Anbietergutachten wurden in dem Rückstellmuster drei Pestizide nachgewiesen. 7) Laut Anbieter wurde das Produkt nach Fairtrade-Standards bzw. zusätzlich nach Fairtrade-Standards (Gepa) zertifiziert; Belege wurden jeweils vorgelegt. 8) Weiterer Mangel: PVC/PVDC/ chlorierte Verbindungen in der Verpackung. 9) Laut Anbieter enthält das Produkt Tee von Plantagen, die UTZ Certified oder Rainforest Alliance zertifiziert sind (Aldi Nord: ca. 40 %; Rauf Tee: ca. 30 %) entsprechende Zertifikate legten die Anbieter nicht vor. 10) Laut Anbieter stammt das Produkt von einer Bio-und Fairtrade-zertifizierten Plantage; Belege für die Fairtrade-Zertifizierung legte der Anbieter nicht vor. 11) Laut Anbieter stammt das Produkt von drei Plantagen, die laut vorgelegten Belegen UTZ-, Rainforest-Allianceu./ o. Fairtrade-zertifiziert sind.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils fünf Noten: a) ein Gehalt an Anthrachinon, der die gesetzliche Rückstandshöchstmenge von 0,02 mg/kg überschreitet; b) ein Pestizidgehalt, der die gesetzliche Rückstandshöchstmenge überschreitet. Zur Abwertung um vier Noten führt: ein Gehalt an Pyrrolizidinalkaloiden (in der Tabelle „stark erhöht”), der zu einer Überschreitung des vom Bundesinstitut für Risikobewertung empfohlenen Tagestoleranzwerte von 0,42 μg für einen 60 kg schweren Menschen (0,007 μg/kg Körpergewicht) führt. Zugrunde gelegt wurde eine Tagestrinkmenge von vier Tassen (800 ml) u. ein Teebeutel pro Tasse bzw. 1,6 g Tee pro Tasse (loser Tee) sowie die Annahme, dass die gesamte Menge an Pyrrolizidinalkaloiden in den Tee übergeht. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) ein Gehalt an Pyrrolizidinalkaloiden (in der Tabelle „erhöht”), der zu einer Ausschöpfung von mehr als 50 Prozent des vom Bundesinstitut für Risikobewertung empfohlenen Tagestoleranzwertes von 0,42 μg für einen 60 kg schweren Menschen (0,007 μg/kg Körpergewicht) führt (Annahmen wie oben); b) ein Aluminiumgehalt im Teeaufguss, der zu einer Ausschöpfung von mehr als 50 Prozent der tolerierbaren wöchentlichen Aufnahme (TWI) von 1 mg/kg Körpergewicht für einen 60 kg schweren Men-schen führt. Zugrunde gelegt wurde eine Tagestrinkmenge von vier Tassen (800 ml), zubereitet mit einem Teebeutel pro Tasse; c) ein Pestizidgehalt, der über 50 Prozent der gesetzlichen Rückstandshöchstmenge erreicht, wenn diese bei 0,02 mg/kg oder höher liegt (in der Tabelle „stark erhöht”); d) ein Perchloratgehalt über dem EUReferenzwert für Tee (in der Tabelle „Perchlorat”); e) ein Gehalt an Benzo(a)pyren, der zu einer Überschreitung des Toleranzwertes für diese PAK-Verbindung von mehr als 50 μg/kg führt (in der Tabelle „PAK”), festgelegt in der Fremd-u. Inhaltsstoff verordnung der Schweiz (2014); f) zehn bis 15 in Spuren nachgewiesene Pestizide. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein Pestizidgehalt, der über 10 bzw. über 20 Prozent der gesetzlichen Rückstandhöchstmenge erreicht, wenn diese bei 0,1 mg/kg oder höher bzw. bei 0,05 bis 0,1 mg/kg liegt (in der Tabelle „erhöht”); b) fünf bis neun in Spuren nachgewiesene Pestizide.
Unter dem Testergebnis Teeanbau u. Transparenz führen zum Abzug von jeweils 1,25 Punkten: a) die Zahlung des gesetzlichen Mindestlohnes ist nicht verpflichtend oder keine Angabe/kein Nachweis hierzu; b) Abzüge vom Lohn für Unterkünfte, Brennmaterial oder Lebensmittel („in-kind-payments”) sind möglich oder keine Angabe/kein Nachweis hierzu; c) ILO-Kernarbeitsnormen werden nicht eingehalten oder keine Angabe/kein Nachweis hierzu; d) hochgiftige Pestizide (nach WHO 1 A u. 1 B, Stockholmer u. Rotterdamer Konvention, Dirty-Dozen-Liste von PAN) sind nicht verboten oder keine Angabe/unklare Angabe/kein Nachweis hierzu. Für Produkte, die die Kriterien unter a), c) u. d) teilweise erfüllen, erfolgt die Bewertung unter Berücksichtigung der jeweils deklarierten Erfüllung der Kriterien (hier: 30 Prozent UTZ-oder Rainforest Alliance zertifiziert). Die Punkte führen wie folgt zur Abwertung: 4,5 bis 5,0 Punkte-> „ungenügend”; 3,5 bis 4,49 Punkte-> „mangelhaft”; 2,5 bis 3,49 Punkte-> „ausreichend”; 1,5 bis 2,49 Punkte-> „befriedigend”; 0,5 bis 1,49 Punkte-> „gut”; 0 bis 0,49 Punkte-> „sehr gut”.
Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um eine Note: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung. In das Gesamturteil gehen die Testergebnisse Inhaltsstoff e und Teeanbau/Transparenz zu jeweils 50 Prozent ein. Das Gesamturteil kann nicht besser sein als das Testergebnis Inhaltsstoff e. Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter www.oekotest.de → Suchen → „M1509” eingeben.
Einkauf der Testprodukte: Juni 2015.
Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt.
Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

ÖKO-TEST rät

• So richtig genießen lässt sich Tee nur, wenn er unbelastet ist und unter fairen Bedingungen angebaut wird. Die Bio-Marken Gepa und Lebensbaum erfüllen dies mit Bravour. Mit kleinen Abstrichen zu empfehlen sind Lipton Yellow Label Tea und Teekanne Indische Teemischung Schwarzer Tee FBOP.
• Lose Tees bevorzugen. Das bedenkliche Metall Aluminium löst sich stärker aus den feineren Qualitäten, wie sie in Beuteltees verarbeitet sind. Hochwertige Blatttees sind zudem handgepflückt, was die Gefahr giftiger Pflanzenstoffe mindert.

Die wichtigsten Akteure für einen besseren Teeanbau

Rainforest Alliance Certified (RA) basiert auf der Einhaltung ökologischer, sozialer und ökonomischer Standards; diese gehen auf das Sustainable Agriculture Network (SAN) zurück. Schwerpunkte sind der Arbeits-und Umweltschutz. Im Teesektor ist RA seit 2006 aktiv. Da die drei größten Teeproduzenten Unilever, Tata Tea und Twinings das System nutzen, ist es am bedeutendsten. 2011 waren rund 8,8 Prozent der weltweiten Teeproduktion RA-zertifiziert. UTZ und Fairtrade kommen jeweils auf ein bis zwei Prozent. RA hat mit fairem Handel aber nichts zu tun.

UTZ Certified ist eine Produzentenorganisation, die erst kürzlich mit Programmen für Tee startete. UTZ kümmert sich um eine verantwortungsvolle Rohstoff beschaff ung und Produktion, insbesondere für Unternehmen, die große Mengen benötigen. Der Fokus liegt auf der Verbesserung von Produktivität, Effizienz und Qualität. Auch soziale und Umweltaspekte sind Teile des Standards. UTZ bietet über einen aufgedruckten Produktcode die Möglichkeit, den Tee bis zur Plantage zurückzuverfolgen. UTZ ist ebenfalls kein Fairhandels-Label.

Fairtrade setzt sich von seinen Grundsätzen her für die Verringerung von Armut und eine nachhaltige Produktion ein. Dabei geht es insbesondere darum, benachteiligten Produzenten und Arbeitern neue Möglichkeiten für die Vermarktung ihrer Produkte zu eröff nen. Ziel ist eine Veränderung der Wertschöpfungsketten, basierend auf Partnerschaft, Transparenz und Respekt aller beteiligten Akteure. Kleinbauern und Plantagenarbeiter profitieren zudem von der Fairtrade-Prämie, die für jedes Kilo Tee zusätzlich gezahlt wird und Gemeinschaftsprojekten zugute kommt. Einen weiteren Zuschlag gibt es für Fairtrade-Produkte mit Bio-Zertifizierung.

Naturland ist nicht nur ein ökologischer Anbauverband, sondern verlangt im Rahmen seiner Sozialrichtlinien auch die Einhaltung und Überprüfung grundlegender Arbeitsund Menschenrechte. Tee gehört seit 25 Jahren zu den wichtigsten Produkten mit Naturland-Zertifizierung. Kommt die Auslobung Fair hinzu, dann erfüllen diese Produkte zusätzlich die Fairtrade-Kriterien.

Ethical Tea Partnership (ETP) ist eine nicht kommerzielle Vereinigung von international tätigen Teeproduzenten. Sie ist keine Labelorganisation, sondern setzt sich durch Monitoringprozesse für eine Verbesserung der Lebens-und Arbeitsbedingungen auf den Mitgliedsplantagen ein. Ein weiteres Ziel ist die Vorbereitung der Plantagen auf Zertifi-zierungen durch Fairtrade, Rainforest Alliance oder UTZ. Im Test verwies die Firma Genuport darauf, dass der Twinings Pure Darjeeling zu 100 Prozent von ETP-Plantagen käme, weitergehende Dokumente wolle man aber nicht zur Verfügung stellen.

So haben wir getestet

Der Einkauf

In den Test aufgenommen wurden 30 nicht aromatisierte Schwarztees. Das Testfeld reicht dabei von preisgünstigen Discountermarken bis hin zu hochpreisigen Produkten, etwa von Twinings oder Tee Handelskontor Bremen. Auf dem Einkaufszettel standen außerdem Bio-Tees, fair gehandelte Produkte sowie einige Tees aus türkischen und Asia-Läden.

Die Inhaltsstoffe

Tee neigt dazu, Schadstoffe anzureichern. Die Produkte wurden daher auf eine Vielzahl an problematischen Stoffen untersucht, darunter Rückstände von Pestizidanwendungen und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), die sich während des Trocknungsprozesses auf dem Tee ablagern können. Im Fokus stand insbesondere Anthrachinon, ein als krebserregend eingestufter Stoff, der in Papierverpackungen oder der Abluft von Trocknungsanlagen enthalten sein kann. Weil Anthrachinon schlecht wasserlöslich ist, gehen eher nur geringe Mengen in den Aufguss über.

Teeanbau und Transparenz

Von den Anbietern wollten wir wissen, was sie tun, um menschenwürdige Arbeits-und Lebensbedingungen in den Teegärten zu fördern. Unser Fragenkatalog, den wir den Anbietern schickten, deckt grundlegende Eckpunkte ab, etwa ob zumindest der gesetzliche Mindest-lohn gezahlt wird oder ob es Lohnabzüge gibt, etwa für Zusatzleistungen wie Unterkünfte, medizinische Versorgung oder Trinkwasser. Solche Dienstleistungen werden auf Plantagen üblicherweise kostenlos zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus fragten wir nach der Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen und ob hochgiftige Pestizide verboten sind. Die gemachten Angaben sollten durch Zertifikate, Einkaufsdokumente und Ähnliches belegt werden.

Die Bewertung

In der Gesamtschau können wir nur wenigen Produkten gute Ergebnisse bescheinigen. Unter den Inhaltsstoffen führen vor allem Überschreitungen von Grenzwerten – etwa für Anthrachinon – zu ungenügenden Urteilen. Unter dem Testergebnis Teeanbau und Transparenz hagelt es Punktabzüge für fehlende Angaben und Nachweise.

Experte

Mindestlöhne oftmals nicht existenzsichernd


Foto: privat

„Formal haben Zertifizierungen vieles verbessert. Doch es gibt Graubereiche, die sich per Audit nicht so einfach überprüfen lassen, etwa wenn Arbeiterinnen in ihrer Würde herabgesetzt werden oder die Diskriminierung von Migranten. Das Hauptproblem: Löhne, die national als Mindestlohn anerkannt werden, sind oftmals nicht existenzsichernd. In dieser Hinsicht sollten auch Zertifizierer noch nachbessern. So sind existenzsichernde Löhne beispielsweise für Rainforest Alliance derzeit kein Thema.”

Benjamin Luig, Experte für Agrar-und Ernährungspolitik bei Misereor


Foto: imago/Westend61