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TEST SEIFENSTÜCKE: Das gute alte Stück


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ÖKO-TEST Ratgeber Kosmetik und Wellness - epaper ⋅ Ausgabe 6/2022 vom 09.06.2022

SEIFENSTÜCKE

RATGEBER

1 Seifen am Stück sind eine preisgünstige Handhygiene: „Sehr gute“ Seifenstücke gibt es schon ab 23 Cent pro 100 Gramm.

2 Händewaschen mit kaltem Wasser entfettet die Haut weniger. Es macht die Hände genauso sauber wie Waschen mit warmem Wasser.

3 Seifen sind basisch und verschieben den pH-Wert der Haut. Gesunde Haut reguliert sich von selbst wieder. Bei sehr häufigem Händewaschen lieber ein Syndet verwenden.

Artikelbild für den Artikel "TEST SEIFENSTÜCKE: Das gute alte Stück" aus der Ausgabe 6/2022 von ÖKO-TEST Ratgeber Kosmetik und Wellness. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

S chonseit Jahrtausenden waschen sich die Menschen mit Seife. Und traditionelle Rezepturen sind wieder gefragt – die Aleppo-Seife in unserem Test ist eine davon. Die groben, graugrünen Blöcke werden in der syrischen Stadt Aleppo noch heute wie im 7. Jahrhundert hergestellt: In großen Bodenkesseln siedet Olivenöl mehrere Tage unter Zugabe von Wasser, Sodaasche und Lorbeeröl, bevor die Paste aushärtet. Dabei passiert das, was sich Verseifung nennt und was noch immer das ...

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... Prinzip jeder Seifenherstellung ist. Die 36 Seifen in unserem Test sind zumeist bunter und haben ein paar mehr Zutaten als die Aleppo-Seife. Aber auch sie basieren auf Neutralfetten wie Palmöl oder Rindertalg, die durch Zusatz von Lauge zu Seifenmolekülen reagieren. Diese sind dann in der Lage, fettigen Schmutz an Wasser zu binden.

Bestnoten nicht nur für Naturkosmetik

Händewaschen mit dem guten alten Seifenstück: Das ist aus unserer Sicht eine super Sache. Nicht nur weil wasserfreie Kosmetik sich ökologisch bezahlt macht. Auch an den Inhaltsstoffen der Stückseife haben wir wenig auszusetzen. 18 Produkte schneiden mit „sehr gut“ ab, 11 mit „gut“. Damit landen gut drei Viertel aller Seifen im grünen Bereich. Darunter sind zehn von zwölf Naturkosmetikseifen, aber auch etliche konventionelle Produkte.

Bei den übrigen Seifen ist die Parfümierung unser größter Kritikpunkt. Zu den problematischen Duftstoffen gehören Cinnamal und Isoeugenol, die wir als besonders potente Allergene einordnen. Drei Seifen enthalten sogar künstliche Moschusdüfte wie Galaxolid (HHCB) oder Cashmeran: die Stücke der Marken Palmolive, Nesti Dante und Maja Classic. HHCB breiten sich über das Abwasser in der Umwelt aus, bedrohen Gewässer und reichern sich im Gewebe von Mensch und Tier an.

Kein Lilial mehr

Der problematische Duftstoff Butylphenyl Methylpropional, besser bekannt unter dem Namen Lilial, ist inzwischen nicht mehr dabei. Lilial hatte sich im Tierversuch als fortpflanzungsschädigend erwiesen, und die EU hat die Substanz im vergangenen Jahr als CMR-Stoff der Kategorie 1B eingestuft. Seit März 2022 ist der Einsatz von Lilial verboten.

Gesunde Haut verträgt basische Seife

Seifen besitzen in der Regel einen basischen pH-Wert zwischen 8 und 11 und verschieben damit den leicht sauren pH-Wert der Haut nach der Handwäsche. Das unterscheidet sie von sogenannten Syndets, die optisch gleich aussehen können, aber mit syn thetischen Tensiden reinigen. Diese waschaktiven Substanzen wurden erst im vorigen Jahrhundert erfunden und lassen sich pH-hautneutral einstellen. Für gesunde Haut stellt die basische Seife kein Problem dar. Denn die Haut kann ihren pH-Wert selbst regulieren. Eine Stunde nach dem Waschen mit Seife liegt er wieder bei pH-hautneutralen 5,5.

Ein Manko einiger Seifen im Test ist dagegen, dass die Hersteller noch häufig Phosphonate einsetzen: Sie sind biologisch schwer abbaubar und Kläranlagen können diese Stoffe nur schlecht zurückhalten.

Naturkosmetik punktet mit Bio-Palmöl

Die Herstellung von Palmöl und Palmkernöl steht in der Kritik, denn häufig wird für ihren Anbau Regenwald vernichtet. Gleichzeitig sind diese Rohstoffe in der Produktion von waschaktiven Substanzen schwer verzichtbar – ob es nun um Tenside oder Seifen geht. Auch in unserem Test basiert mehr als die Hälfte der Seifen auf „Sodium Palmate“, also verseiftem Palmöl. Fast alle Naturkosmetikseifen im Test punkten immerhin mit Palmöl aus Bio-Anbau oder verzichten gleich komplett darauf, wie beispielsweise die Aleppo Seife der Marke Finigrana. Sie ist übrigens auch das einzige Produkt im Test ohne Parfüm. Was zeigt: Auch sehr alte Rezepturen können „sehr gut“ sein.

„Weniger Abfall im Badezimmer geht ganz einfach: Statt Plastikspender kann wieder die gute alte Seife aufs Waschbecken.“

Heike Baier ÖKO-TEST-Redakteurin

WISSEN

Feste versus flüssige Seife

Hygienisch

Für das Händewaschen im eigenen Haushalt sind Seifenstücke allemal hygienisch genug. Es stimmt zwar, dass sich auf ihnen mehr Bakterien ansammeln. Doch Studien haben gezeigt, dass diese nicht auf den nächsten Nutzer übertragen werden, sondern mit dem Schaum im Abfluss verschwinden.

Ökologisch

Besser für die Umwelt sind Stückseifen – schon deshalb, weil bei ihnen weniger Wasser und damit Volumen verpackt und transportiert werden muss: Das Forschungsprojekt Innoredux schätzt, dass eine Handwäsche mit festem Stück 0,24 Gramm Seife benötigt, bei Flüssigseife ist es mit 1,45 Gramm das Siebenfache.

Innoredux vergleicht auch die Umweltbelastung verschiedener Verpackungslösungen von Seife: Dabei verursachte der im Projekt untersuchte Faltkarton einer festen Seife 25-mal weniger klimarelevante Emissionen als der Pumpspender einer flüssigen Seife; der Rohstoffaufwand des Kartons lag sogar um das 33-Fache niedriger. Interessant dabei: Der Papierwickler einer festen Seife schnitt sowohl beim Klimawandel als in Sachen Rohstoffaufwand etwas schlechter ab als die Faltschachtel, denn er benötigte mehr Transportverpackung.

So haben wir getestet

Wir haben 36 Seifen eingekauft, darunter zwölf Naturkosmetikprodukte. Die Produkte sind als Seife, Cremeseife, Pflegeseife, Körperseife, Pflanzenölseife, Stückseife oder Naturseife ausgelobt und kosten zwischen 0,23 und 8,90 Euro pro 100 Gramm. Im Labor haben wir überprüfen lassen, ob die Seifen umstrittene oder bedenkliche Inhaltsstoffe enthalten wie halogenorganische Verbindungen, Formaldehyd/-abspalter und problematische Duftstoffe. Untersucht wurde auch der Gehalt an Diethylphthalat (DEP), das als Träger für Duftstoffe eingesetzt werden kann, jedoch den Schutzmechanismus der Haut beeinflusst. Anhand der Deklaration der Inhaltsstoffe prüften wir, ob PEG/PEG-Derivate, BHT, synthetische Polymere/ Silikone oder Paraffine enthalten sind.

Auch auf das Vorhandensein von Phosphonaten checkten wir die Liste der Inhaltsstoffe. Phosphonate und PVC in der Verpackung verschlechtern jeweils das Testergebnis Weitere Mängel. Fotos: Anja Wägele; New Africa/Shutterstock