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Test-Serie Standlautsprecher: Zu Hause willkommen


Stereoplay - epaper ⋅ Ausgabe 9/2018 vom 10.08.2018

Sonus fabers neue Sonetto schlagen endlich die Brücke zwischen Einsteiger- und High-End-Modellen. Und werden wieder ganz in Italien gefertigt.


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Bildquelle: Stereoplay, Ausgabe 9/2018

Edle Oberflächen, spannende Formen, perfekte Verarbeitung: Wenn es einen Lautsprecherhersteller gibt, der besonders für äußere Qualitäten seiner Werke bekannt ist, dann ist es wohl Sonus faber aus dem norditalienischen Vicenza. So stellten die Italiener bei ihrem deutschen Distributor Audio Reference auf der diesjährigen HIGH END gleich eine ganze Serie vor, die die Lücke zwischen der Venere und der Olympica mehr als würdevoll schließen soll. Sie hört auf den ...

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... klangvollen Namen „Sonetto“ und verweist auf die im italienischen Mittelalter erfundene Form des „klingenden Gedichts“, die auch gern zu frühen Musikaufführungen rezitiert wurde.

Konzept und Einordnung

Die Balance zwischen menschlicher Stimme und Instrumenten war denn auch für Chefentwickler Paolo Tezzon der wesentliche Antriebspunkt bei der Abstimmung der neuen Serie. Das Flaggschiff-Modell der neuen Linie hört auf die römische Nummerierung VIII und ist zugleich die größte von drei Standboxenmodellen. Das Konzept folgt der klassischen Philosophie einer Drei-Wege-Box mit Spezialistentreibern für Hoch-, Mittel- und Tiefton, wobei von Letzterem drei Stück in Parallelschaltung verwendet werden.

Das ermöglicht zum einen mit 18 cm Korbdurchmesser kleinere Subwoofer und damit eine durchgehend schmale Schallwand, die dem Mittelhochton zugutekommt. Zum anderen gelten kleine Bassmembranen aber subjektiv auch als besonders reaktionsschnell, was Tezzon noch einmal durch die Wahl einer sehr leichten Aluminiummembran und einer kleinen Schwingspule unterstreicht. Die ebenfalls aus schwarz beschichtetem Aluminium gehaltene Staubschutzkalotte stabilisiert die Konuskonstruktion und sorgt auch bei höheren Hüben für verwindungssteife Bewegungen.


Die Sonetto VIII vereint modernste Chassis-Technik und Klangabstimmung mit dem Flair eines italienischen Manufakturprodukts.


Das Trio spielt bis 270 Hertz hinauf und mit Unterstützung des im Metallfuß verborgenen Downfire-Bassreflexrohrs bis (gemessene) 26 Hertz hinunter. Eine gewisse Diskrepanz zum – übertrieben konservativ angegebenen – Wert im Prospekt ist bei einer solchen Konstruktion durchaus normal, denn Bodenbeschaffenheit und Einstellung der Spikes im weit auslegenden Metallfuß bestimmen auch die tatsächliche Bassabstimmung und erlauben im realen Raum ein gewisses Tuning-Potenzial.

Oben Leder, unten Metall: Die Grundform der Sonetto ist ein ganz besonderer Hingucker, der Boden trägt den Reflex.


Natur und Technik

Die Mittelhochtoneinheit folgt völlig anderen Prinzipien und soll unter dem klangvollen Namen „Voice of Sonus faber“ eher Musikalität und Sanftheit ermöglichen. Zu diesem Zweck wird die 15-cm-Membran des Mitteltöners aus einer heterogenen Mischung aus verschiedenen Zellulose- und Naturfasern gepresst, um ihr jegliche Färbungs- oder Resonanzneigung zu nehmen und sie auf der anderen Seite möglichst leicht zu machen. Wie bei den höher positionierten Serien, zum Beispiel der Olympica, üblich, ersetzt ein mittig auf den Polkern geklebter Dämpfungs-Plug die übliche Konstruktion aus Staubschutzkalotte und nach vorn geschlossenem Schwingspulenträger.

Diese dem „Kraftpapier“ nicht unähnliche Mitteltönermembran muss bis 3000 Hz hinauf spielen und ist damit für die allermeisten Klangfarben und Formate allein verantwortlich. Darüber übernimmt eine Gewebekalotte, die das ungewöhnlich große Maß von 29 Millimetern aufweist. Damit diese nicht in der obersten Frequenz in Partialschwingungen aufbricht, ist die beinahe halbkugelförmige, federleichte Kalottenmembran in der Mitte durch eine nadelähnliche Konstruktion fixiert, die sich nach vorn zu einem Schallkegel verbreitert. Das führt zu einer Bewegungscharakteristik, die einem Ringstrahler ähnelt, und soll entsprechend fein aufgelösten Hochton in den Raum abstrahlen.

Auf die Schönheit

Alle Töner sind jeweils mit ihrem Korb in einem Gummiring eingefasst, was zusammen mit der leicht gebogenen und schmalgehaltenen Schallwand eine harmonische Abstrahlung ohne Kantenreflexionen fördern soll. Auch zu diesem Zweck wurde das Gehäuse mit einer Lautenform ersonnen, das eine angeschrägte Seitenwand neben der Schallwand ermöglicht.

Die Formgebung hebt auch die Stabilität der Konstruktion an und verhindert durch den nach hinten spitz zulaufenden Gehäuserücken zueinander parallele Wände und damit stehende Wellen. Das gilt auch für die vertikale Gehäusedimension, allerdings ist das von außen nicht ersichtlich: Da Mittel- und Hochtöner in einer getrennten Kammer Platz mit einer schräg verbauten Trennungswand finden, werden auch in der großen Basskammer stehende Wellen deutlich verringert. Dieser Effekt wird noch dadurch verstärkt, dass die drei Basstreiber annähernd in mittlere Einbauhöhe gerückt wurden und Resonanzen deshalb im Vergleich zu einer Positionierung ganz oben oder ganz unten kaum anregen könnten.

Doch natürlich darf und soll das Gehäuse auch die typisch italienischen Werte der Ästhetik transportieren: Die alternativ in schwarzem oder weißem Lack erhältliche Sonetto wirkt in der Echtholzoberfläche mit horizontaler Maserung besonders edel, gerade weil sie eher dem Trend einer natürlichen Holzoberfläche folgt als dem bei Sonus faber früher üblichen Klavierlack. Das Tüpfelchen auf dem italienischen „i“ ist die Bespannung der oberen Boxenseite mit echtem Leder.

Der Tieftöner kombiniert einen sehr kleinen Schwingspulendurchmesser mit Überhang-Wickelung und kurzem Magnetspalt. Die großzügige Hinterlüftung der Zentrierung verhindert Kompressionsneigung auch bei großen Hüben.


Die Gewebekalotte wird durch eine Kegelspitze mittig festgehalten, was Partialschwingungen der Kuppelmitte verhindert. Der Doppelkegel davor dient einer Harmonisierung des Abstrahlverhaltens und unterdrückt Interferenzen.


Triumphmarsch auf Italienisch

Mit Verdis Chor beim Triumphmarsch aus „Aida“ (dirigiert von Riccardo Muti, EMI) trumpfte die Sonus faber sofort auf: nicht nur mit typisch italienischen Charaktereigenschaften wie Stimmschmelz und musikalischem Schwung, sondern auch mit einem beeindruckend weit in Breite und Tiefe gestaffelten Raum, der den Zuhörer sofort in die riesige Mailänder Scala versetzte. Ihr gelang dabei das Kunststück, die Aufnahme durchhörbar und transparent darzustellen wie ein Studiomonitor, aber ihr zugleich jegliche historische Dichte und Schärfe zu nehmen. Alle so unterschiedlich bestückten Frequenzbereiche arbeiteten dabei herausragend harmonisch zusammen, insbesondere der zunächst etwas schlank tönende, aber tiefe Bass.

Dass die Sonetto zunächst untenrum nicht so zulangte, war der Aufstellung geschuldet: Auf dem hochflorigen Teppich geht die Wirkung des Reflexes verloren, selbst wenn die Spikes herausgedreht sind. Aufs Laminat gestellt, erweiterte sich dann auch der Tiefgang in beeindruckende Dimensionen, und Paul Simons „Graceland“ bekam einen knackig-treibenden Rhythmus im Tiefbass, der sich hervorragend in die schwungvoll- dynamische Vorstellung des Mittelhochtons einreihte. Paul Simons Stimme stellte sie dabei wunderbar tief in den Raum und gab ihr einen besonderen Schmelz mit auf den Weg, als habe er zumindest als zweite Staatsbürgerschaft die italienische angenommen.

Etwas weniger reüssierte sie bei Trentemöllers „Chronicles“, die die Sonus zwar auf den Punkt vom Timing her traf, die Kickbass-Orgien aber bei hohen Pegeln nicht so sauber darstellen konnte. Von bassstarker elektronischer Musik abgesehen, spielte sie sich aber äußerst vielseitig hervor und verband nicht nur bei Cecilia Bartolis „Opera proibita“ italienisches Temperament mit audiophilen Tugenden von Raum und Auflösung.