Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 6 Min.

TEST Shampoos gegen trockenes Haar: Steht doch!


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 11/2016 vom 27.10.2016

Der Winter lässt vielen Menschen buchstäblich die Haare zu Berge stehen. Shampoos mit spezieller Feuchtigkeitsformel können bedingt gegen die ungewollten statischen Aufladungen helfen. Im Test auf Schadstoffe schneiden acht Produkte mit „sehr gut“ ab und vier mit „gut“. Fünf fallen durch.


Artikelbild für den Artikel "TEST Shampoos gegen trockenes Haar: Steht doch!" aus der Ausgabe 11/2016 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: ÖKO-TEST Magazin, Ausgabe 11/2016

Wir hegen und pflegen sie und fürchten, dass sie eines Tages dünner werden oder ausfallen. Dabei sind Haare biologisch gesehen nichts weiter als totes Gewebe – Hautanhangsgebilde wie Finger- und Fußnägel, bestehend aus Faserproteinen (Keratin), Wasser, Mineralien, Fetten (Lipide) sowie dem farbgebenden Pigment Melanin. ...

Weiterlesen
Artikel 1,00€
epaper-Einzelheft 4,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von ÖKO-TEST Magazin. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 11/2016 von Leserbriefe. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Leserbriefe
Titelbild der Ausgabe 11/2016 von Nachwirkungen: Was unsere Tests bewirkt haben: Reaktionen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Nachwirkungen: Was unsere Tests bewirkt haben: Reaktionen
Titelbild der Ausgabe 11/2016 von Geld spenden: Inklusion muss laut sein: Mit dem Rolli aufs Festival. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Geld spenden: Inklusion muss laut sein: Mit dem Rolli aufs Festival
Titelbild der Ausgabe 11/2016 von Geld spenden: „Gnadenhof & Wildtierrettung Notkleintiere“Tierische Schützlinge. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Geld spenden: „Gnadenhof & Wildtierrettung Notkleintiere“Tierische Schützlinge
Titelbild der Ausgabe 11/2016 von Geld spenden „Grandhotel Cosmopolis“Wo Künstler auf Überlebenskünstler treff en. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Geld spenden „Grandhotel Cosmopolis“Wo Künstler auf Überlebenskünstler treff en
Titelbild der Ausgabe 11/2016 von TEST Honig: Von Bio-Bienchen und Bio-Blümchen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TEST Honig: Von Bio-Bienchen und Bio-Blümchen
Vorheriger Artikel
Meldungen
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Meldungen
aus dieser Ausgabe

... Und trotzdem: An manchen Tagen, insbesondere im Winter, scheinen die Hornfäden auf dem Kopf ein unheimliches Eigenleben zu entwickeln, wenn sie aus heiterem Himmel zu Berge stehen.

Für diesen „Struwwelpeter-Effekt“ gibt es jedoch eine rein physikalische Erklärung. Mangelt es Haaren an Fett und können sie nur wenig Luftfeuchtigkeit aus der Umgebung binden, neigen sie dazu, sich statisch aufzuladen. Schon geringe Reibungen, etwa durchs Kämmen, Rubbeln mit einem Handtuch, Überstreifen eines Pullis oder Absetzen einer Mütze, können die Frisur gen Himmel treiben. Je feiner, glatter und länger die Strähnen sind und je synthetischer die Stoffe, mit denen sie in Kontakt kommen, desto wahrscheinlicher „fliegen“ die Haare.

Dass das ungewollte Phänomen vor allem in den kälteren Monaten zu beobachten ist, liegt einerseits an den Talgdrüsen in der Kopfhaut. Bei sinkenden Temperaturen fahren sie die Produktion herunter. Dementsprechend weniger körpereigenes Fett gelangt an die Haare, was die Geschmeidigkeit und Leitfähigkeit beeinträchtigt. Andererseits kann der extreme Wechsel zwischen kalter Freiluft und warmer Heizungsluft die Struktur im Inneren schädigen.


Shampoos können dem Haar dauerhaft keine Feuchtigkeit zurückgeben


Die ständigen Temperaturschwankungen strapzieren die Hornfäden ungemein. Kommen weitere Stressfaktoren wie ausgiebiges Föhnen und Bürsten hinzu, steigt das Risiko, dass die äußere Schuppenschicht (Cuticula) aufbricht und die innere Faserschicht (Cortex) freilegt. Die ist maßgeblich für die Haareigenschaften, etwa für die Dicke, Lockigkeit und die Eigenfeuchte. Vor allem wenn Proteine durch Lücken in der Schuppenschicht aus der Faserschicht entweichen, wirke das Haar trocken, sagt Ansgar Bannert, stellvertretender Art Dirctor des Modeteams des Zentralverbandes des Deutschen Friseurhandwerks (ZDFH).

Prinzipiell entspricht dieser Vorgang dem natürlichen Alterungsprozess. Denn die Stoffe, aus denen sich die Faserschicht zusammensetzt, werden bereits über die Haarwurzel eingespeist. Tritt das Haar aus der Kopfhaut hervor, ist es praktisch fertig. Mit zunehmender Länge verhornt es stärker und die Lipid- und Wasseranteile nehmen ab. Daher ist es ein Irrglaube, dass Pflegeprodukte der Struktur dauerhaft Fett und Feuchtigkeit zurückgeben können.

ÖKO-TEST rät

• Die Reihenfolge der Inhaltsstoffe unter die Lupe nehmen: Shampoos gegen trockenes Haar sollten viele natürliche Fette und Öle enthalten. Ein guter Hinweis ist es, wenn diese auf den vorderen Plätzen der Deklarationsliste stehen.
• S ilikonfreie Shampoos bevorzugen: Silikone sorgen dafür, dass sich Haare zunächst glatt und geschmeidig anfühlen, tatsächlich trocknen sie sie aber aus.

„Haar ist von außen nicht mehr veränderbar, sondern nur noch reparierbar“, sagt Bannert. Vor diesem Hintergrund könnten Shampoos mit hohen Anteilen an natürlichen Fetten und Ölen nur unter Umständen dazu beitragen, dass Haare äußerlich geschmeidig bleiben und sich deswegen weniger statisch aufladen. Empfehlenswert seien etwa Produkte mit Panthenolen, Lanolin, Honig und Aloe vera.

ÖKO-TEST hat sich gefragt, was noch alles auf Schopf und Kopfhaut gelangt, wenn Menschen mit speziellen Shampoos gegen den „Struwwelpetereffekt“ zu Felde ziehen. Deshalb haben wir 22 Produkte gegen trockenes und strapaziertes Haar eingekauft und auf Schadstoffe prüfen lassen.

Das Testergebnis

Zweiklassengesellschaft. Die sechs naturzertifizierten Shampoos im Test schneiden allesamt mit „sehr gut“ ab – ebenso wie zwei nicht zertifizierte. Außerdem können wir vier weitere Produkte mit „gut“ empfehlen. Dahinter klafft eine Lücke: Fünf Shampoos sind „ausreichend“, ebenso viele „ungenügend“.
Teuer und gar nicht toll. Das Ogx Hydrating + Macadamia Oil Shampoo ist ein Produkt des amerikanischen Unternehmens Vogue International, wird aber von Ogx Beauty in Großbritannien hergestellt. Zum Preis von 7,95 Euro pro Flasche (385 ml) massieren sich Käufer fast die komplette Palette unserer Abwertungsparameter in die Haare: halogenorganische Verbindun- gen, Lilial, PEG/PEG-Derivate und Formaldehyd/-abspalter. Vor allem Letzteres geht überhaupt nicht. Formaldeyd ist eine krebserregende Substanz, weshalb „ungenügend“ noch schmeichelhaft ist.

5 Tipps gegen fliegende Haare


Unter der Dusche
■Weniger ist mehr. In der Regel dauert es 24 Stunden, bis sich der schweiß- und talghaltige Säureschutzfilm der Kopfhaut regneriert hat. Gerade im Winter braucht das Haar aber möglichst viel körpereigenes Fett, um geschmeidig zu bleiben. Mehr als drei Haarwäschen pro Woche sollten es deswegen nicht sein.
Nach dem Waschen
■In den kalten Monaten ist das Haar besonders stressanfällig. Föhnen, Glätten und starkes Trockenrubbeln sind deswegen nicht ratsam. Wer Zeit hat, sollte den nassen Schopf nur leicht mit einem Handtuch ausdrücken und den Rest der Luft überlassen.
Vor dem Spiegel
■Haare fliegen stark auf synthetische Materialien. Bürsten mit Naturborsten eignen sich deswegen eher zum Kämmen als solche mit Kunststoff borsten. Besser noch sind breitgezackte Holzkämme.
Im Wohnzimmer Vor allem auf Kunstfaserteppichen und anderen synthetischen Bodenbelägen sind Schuhe auch Kopfsache. Ledersohlen erden und neutralisieren die elektrische Ladung. Sie geben den Haaren damit einen Grund weniger, sich aufzustellen.
Im Notfall
Ist die Frisur schon außer Rand und Band, kann klares Wasser helfen. Einfach die Finger befeuchten und damit über die hochstehenden Strähnen streichen. Der Eff ekt ist natürlich nicht von Dauer, kann sich aber unter Umständen verlängern, wenn statt Wasser etwas Handcreme benutzt wird.

Künstlich animalisch. Vier nicht zertifizierte Testprodukte enthalten polyzyklische Moschus-Verbindungen und/oder die ihnen ähnelnde Substanz Cashmeran. Diese künstlichen Duftstoffe reichern sich im menschlichen Fettgewebe an und können möglicherweise Leberschäden verursachen. ■Schaumschläger. In 14 von 16 Shampoos ohne Naturkosmetiksiegel haben wir PEG/ PEG-Derivate gefunden. Die Tenside werden häufig als Schaumbildner und Reinigungsstoffe eingesetzt und sollen dafür sorgen, dass sich das Shampoo gleichmäßig im Haar verteilt. Jedoch können sie die Haut auch durchlässiger für Fremdstoffe machen.
Weitere Kritikpunkte. In fünf Shampoos wies ein Labor umstrittene halogenorganische Verbindungen nach. Viermal handelt es sich um Chlormethylisothiazolinon (CIT), das Hersteller als Konservierungsmittel einsetzen und das ein hohes Allergiepotenzial besitzt. Der umstrittene Duftstoff Lilial, auch in fünf Shampoos enthalten, hat sich in Tierversuchen als fortpflanzungsgefährdend erwiesen. Und im Guhl Feuchtigkeits-Aufbau Shampoo Babassu-Öl steckt der bedenkliche UV-Filter Ethylhexyl Methoxycinnamat.

So reagierten die Hersteller

Vogue International weist darauf hin, dass der Hinweis „enthält Formaldehyd“ laut EUKosmetikverordnung erst ab einem Gehalt von 0,05 Prozent freiem Formaldehyd verbindlich ist. Das Ogx Hydrating + Macadamia Oil Shampoo liege unter dieser Marke, weshalb die Flasche den Zusatz nicht trage. Das mag rechtskonform sein. Wir finden aber, dass Formaldehyd in gebundener und in freier Form nichts in Kosmetika zu suchen hat.

So haben wir getestet

Der Einkauf

Wir haben 22 Shampoos für trockenes Haar eingekauft, von denen sechs als Naturkosmetik zertifiziert sind. Das teuerste Produkt kostet fast 12 Euro pro 250 Milliliter, das günstigste ist in gleicher Menge bereits für 0,73 Euro zu haben. Unsere Bezugsquellen waren Drogeriemärkte, Kauf- und Reformhäuser, Naturwarenläden und Internetshops.

Die Inhaltsstoffe

Welche Schadstoffe können durch die Haare zur Kopfhaut vordringen? In Laboren haben wir alle Shampoos auf die Standardparameter unserer Kosmetiktests überprüfen lassen: allergisierende Duftstoffe, künstlichen Moschusduft, umstrittene halogenorganische Verbindungen, Formaldehyd/-abspalter. Wenn vorhanden, haben wir auch PEG/ PEG-Derivate und Ethylhexyl Methoxycinnamate erfasst.

Schlecht und schlechter: PEG/PEG-Derivate (oben) und Formaldehyd/-abspalter (unten).


Die Bewertung

Am strengsten waren wir bei Formaldehyd/-abspaltern. Formaldehyd gilt als krebserregend und stark allergisierend. Erhöhte Gehalte haben wir deswegen gleich mit vier Minuspunkten abgewertet. Jeweils zwei Noten Abzug gab es für umstrittene halogenorganische Verbindungen, Lilial, Ehtylhexyl Methoxycinnamate und erhöhte Gehalte an künstlichen Moschusdüften. PEG/ PEG-Derivate haben wir mit einem Minuspunkt belegt.

Fett gedruckt sind Mängel.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 190.
Anmerkungen: 1) Citral deklariert, aber im Labor nicht nachgewiesen. 2) Citronellol deklariert, aber im Labor nicht nachgewiesen. 3) Der Lilialgehalt liegt bei diesem Produkt unterhalb der Deklarationsgrenze für deklarationspflichtige Duftstoffe von mehr als 100 mg/kg, wir werten aber schon bei Nachweis ab. 4) Laut Hersteller ist das Produkt nicht mehr Bestandteil des Sortiments, weshalb lediglich noch Restbestände im Handel erhältlich sein könnten. Das Nachfolge-Produkt mit neuer Formel heißt Guhl Feuchtigkeits-Aufbau Tucuma + Öl + Hyaluron-Lipid-Komplex. 5) Im Produkt konnten keine polyzyklischen Moschus-Verbindungen nachgewiesen werden, aber die strukturähnliche Substanz Cashmeran. 6) Laut Hersteller ist für März 2017 ein Relaunch des Produkts geplant, das dann kein Butylphenyl Methylpropional (Lilial) mehr enthalten soll. 7) Laut Hersteller wird das Produkt seit 1. Oktober 2016 in einem neuen Design ausgeliefert. 8) Das Produkt enthält außer polyzyklischen Moschus-Verbindungen auch Spuren der strukturähnlichen Substanz Cashmeran.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Zur Abwertung um vier Noten führt: mehr als 10 mg/kg Formaldehyd/-abspalter. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) halogenorganische Verbindungen; b) Butylphenyl Methylpropional (in der Tabelle: Lilial); c) Ethylhexyl Methoxycinnamate; d) mehr als 10 mg/kg polyzyklische Moschus-Verbindungen: hier Galaxolid; e) mehr als 10 mg/kg Cashmeran. Zur Abwertung um eine Note führt: PEG/PEG-Derivate. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben.
Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter www.oekotest.de  Suchen „M1611“ eingeben. Einkauf: Juli und August 2016.

Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.


Foto: lekcej/iStock

Illustration: Designua/Shutterstock

Foto: ÖKO-TEST