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TEST: Silikonschnuller: Nuckeln ohne Schadstoffe


ÖKO-TEST Ratgeber Kinder und Familie - epaper ⋅ Ausgabe 9/2017 vom 14.09.2017

Gute Nachrichten: In unserem aktuellen Test Silikonschnuller bekommen zwölf Produkte sehr gute Noten. Den Praxistest haben alle ausnahmslos bestanden. Auch Belastungen der Sauger mit krebsverdächtigem Naphthalin sind bei den Schnullern im Test kein Thema mehr.


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Foto: Qwasyx/iStock/Thinkstock

Gibt man das Wort „Schnuller” in eine große Internet-Suchmaschine ein, so liefert diese innerhalb von Sekunden 3.150.000 Ergebnisse. Dort gibt es alles, von alltäglichen Elternfragen, über den Onlineshop, der Schnuller mit Bärten und Scherzzähnen verkauft, bis hin zu Berichten über einen Teeniestar, der angeblich mit ...

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... Schnuller im Mund gesichtet wurde. Bei den meisten Eltern dürfte Letzteres nicht mehr als ein müdes Kopfschütteln auslösen, plagen sie sich doch eher mit der Frage, ob sie ihrem Baby überhaupt einen Beruhigungssauger geben sollen und ab wann eine spätere Kieferfehlstellung beim Kind programmiert ist. Auch die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt und Weg zur Schnullerentwöhnung beschäftigt Eltern.

Aleyd von Gartzen, Beauftragte für Stillen und Ernährung des Deutschen Hebammenverbandes, ist nicht grundsätzlich gegen Schnuller: „Er sollte aber erst eingesetzt werden, wenn die erste Zeit des Kennenlernens und des Einfindens in das Stillen vorüber ist.” Eine genaue Angabe dazu zu machen, wie lang diese „erste Zeit” dauert, sei schwierig, weil das von Kind zu Kind variiere. Aber lieber sollten Eltern von Babys, die gestillt werden, in den ersten vier bis sechs Wochen auf den Schnuller verzichten, rät von Gartzen. „Durch den Schnuller können Probleme beim Stillen verstärkt werden, etwa wenn ein Kind Schwierigkeiten hat, die Brust zu finden.”


„Durch den Schnuller können Probleme beim Stillen verstärkt werden”


Ein frühzeitiger Schnullergebrauch könne dazu führen, dass gerade in den ersten Wochen nicht häufig genug gestillt würde. Häufiges Stillen in diesem Zeitraum sei jedoch sehr wichtig, um die Milchproduktion gut in Gang zu bringen. Darüber hinaus warnt die Stillbeauftragte davor, dass die Schnullergabe nicht zum Automatismus werde: „Man sollte darauf achten, dass man eher zu anderen Beruhigungsmaßnahmen greift: Körperkontakt, Tragen oder Singen zum Beispiel.” Persönliche Zuwendung sei immer besser.

Doch von Gartzen hat Verständnis für Mütter, die den Sauger einsetzen, weil sie mal in Ruhe etwas machen wollen: „Es geht ja darum, beide Interessen zu be- rücksichtigen, von Mutter und von Kind.” „Die Empfehlung, gar keinen Schnuller zu geben, ist sehr akademisch. Kinder dürfen auch Kinder sein”, sagt Professor Paul-Georg Jost-Brinkmann, Leiter des Arbeitsbereichs Kinderzahnmedizin an der Charité Berlin. Er rät allerdings dazu, möglichst kiefergerechte – flachere und breitere – Sauger zu verwenden, da sie die Zunge nicht so weit nach unten drängen wie kirschförmige Sauger. Der Zahnmediziner erklärt: „Die normale Lage der Zunge im Ruhezustand ist oben am Gaumen. Hat das Kind einen Schnuller im Mund, wird die Zunge aus ihrer Ruheposition verdrängt.” Beim Saugen drückten die Wangen aber gegen die Zähne und weil die Zunge als Widerstand im Oberkiefer fehle, bewegten sich die Zähne irgendwann auf den Schnuller zu. Das klingt nach der viel befürchteten Fehlstellung.

Foto: Maxx-Studio/Shutterstock

Doch der Zahnexperte beruhigt: „Was bis zum vollendeten dritten Lebensjahr geschieht, ist weitgehend reversibel.” Wichtig sei, dass Eltern den Schnuller spätestens am dritten Geburtstag entsorgen. Manche Experten empfehlen das sogar schon bis zum zweiten Geburtstag. Dass die Schnullerentwöhnung nicht immer einfach ist, weiß Jost-Brinkmann aus eigener Erfahrung: Seine Söhne haben alle einen Schnuller benutzt und einer habe sich tatsächlich schlecht trennen können, sodass es einige schlaflose Nächte gegeben habe, erinnert sich der dreifache Vater.

Doch bevor die Entwöhnung Thema wird, geht es Eltern erst einmal darum, welche Beruhigungssauger sie unbesorgt kaufen können. Damit Sie wissen, mit welchen Schnullern Sie auf der sicheren Seite sind, haben wir 13 gängige Schnullermodelle eingekauft, auf Schadstoffe untersucht und zudem einem Praxistest unterzogen, um festzustellen, ob sie den Belastungen des Alltags standhalten.


„Die Empfehlung, gar keinen Schnuller zu geben, ist sehr akademisch”


Das Testergebnis

Stabil und sauber: Den Praxistest haben alle 13 untersuchten Silikonschnuller bestanden und auch bei den Inhaltsstoffen haben alle mit „sehr gut” abgeschnitten. Wir ließen die Schnuller auf krebsverdächtige polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und eine Reihe von anderen möglichen Problemstoffen untersuchen wie Schwermetalle, zinnorganische und flüchtige Verbindungen im Saugteil. Und wir können Entwarnung geben: Nur ein Produkt verpasst das Gesamturteil „sehr gut”, weil wichtige Gebrauchs-und Warnhinweise fehlen.

Kein Naphthalin im Nuckel: Schnuller aus Silikon werden auch deshalb gerne gekauft, weil das Material als besonders rein, also schadstofffrei gilt. In unserem Test Silikonschnuller von 2012 war jedoch gut ein Drittel der untersuchten Schnuller mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) verunreinigt, namentlich mit der krebsverdächtigen Verbindung Naphthalin. Im aktuellen Test überschreitet keiner der Sauger mehr unsere strenge Abwertungsgrenze von 100 Mikrogramm pro Kilogramm.

Beißtest bestanden. Im Praxistest simulierte das Labor Alltagsbelastungen, denen Schnuller standhalten müssen.

Die Untersuchung auf Durchstichfestigkeit, Beißfestigkeit und Reißfestigkeit gemäß DIN-Norm (EN 1400) haben alle getesteten Schnuller erfolgreich überstanden. Bei diesen Untersuchungen geht es darum, das Risiko zu verringern, dass Teilchen des Saugers abreißen oder sich lösen, wenn das Kind etwa auf dem Schnuller herumkaut, statt nur daran zu saugen.

Zu wenig Warnhinweise . Nach der DIN-Norm DIN EN 1400 gehören eine Reihe von Warnhinweisen sowie weitere Anweisungen für die Benutzung auf die Verpackung oder in die Packungsbeilage von Schnullern. Dazu gehören Benutzungshinweise wie: „Tauchen Sie das Saugteil nie in süße Substanzen oder in Medikamente. Ihr Kind könnte Karies davon bekommen.” Und wichtige Warnhinweise, zum Beispiel: „Kontrollieren Sie den Schnuller vor jedem Gebrauch. Ziehen Sie den Schnuller in alle Richtungen. Werfen Sie ihn bei ersten Anzeichen von Beschädigungen oder Mängeln sofort weg.”

Bei unserer Bewertung orientieren wir uns an der Norm, unabhängig davon, ob sie auf der Schnullerpackung angegeben ist oder nicht. Die Packungsbeilagen sind erfreulich vollständig. Nur beim Mollis Beruhigungssauger mit Ring, Größe 2, gelb/ türkis, auf dessen Verpackung kein Hinweis auf die Norm steht, fehlten zahlreiche Warn-und Benutzungshinweise. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel gab es dafür von uns zwei Noten Abzug. Insgesamt reichte es aber auch für dieses Produkt noch für ein „gutes” Gesamturteil.

Fett gedruckt sind Mängel.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 222.
Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung 2) Mehr als zwei Warn-/Gebrauchshinweise fehlen. 3) Nach Angabe des Anbieters wurden die Motive mittlerweile durch neue ausgetauscht. Ansonsten sei der Artikel unverändert. 4) Es gibt inzwischen ein Nachfolgemodell mit veränderter Form.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt . Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: das Fehlen von mehr als zwei Warn-/Gebrauchshinweisen nach DIN EN DIN EN 1400:2014-07. Zur Abwertung um eine Note führt: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Praxisprüfung sowie ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend” ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Bei Schnullern, die im Doppelpack angeboten werden, wurde der Stückpreis berechnet und kaufmännisch gerundet.
Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter oekotest.de → Suchen → „N1709” eingeben.
Bereits veröffentlicht: ÖKO-TEST-Magazin 6/2017. Aktualisierung der Testergebnisse/Angaben, sofern sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat.
Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

Schnullerentwöhnung – gefährlicher Ratschlag

Foto: imago/Westend61

Tipps zur Schnullerentwöhnung gibt es viele, doch manche können Kinder in Gefahr bringen. So kursiert in diversen Onlineforen die Empfehlung, einfach ein kleines Stück von der Spitze des Saugers abzuschneiden, weil dadurch das Sauggefühl beeinträchtigt werde. Anke Sachtleben, zuständige Projektmanagerin im DIN-Normenausschuss Sicherheitstechnische Grundsätze (NASG), hält nichts von diesem Vorschlag: „Dass man einen Schnuller zerstört, davon rate ich entschieden ab, gerade in Hinblick darauf, dass das Baby an Kleinstteilen ersticken könnte.” Sie verweist auf den Warnhinweis, der gemäß DIN EN 1400 in jeder Schnullerpackung zu finden sein muss: „Kontrollieren Sie den Schnuller vor jedem Gebrauch. Ziehen Sie den Schnuller in alle Richtungen. Werfen Sie ihn beim ersten Anzeichen von Beschädigungen oder Mängeln direkt weg.”
Zum Glück gibt es auch zahlreiche ungefährliche Tipps zur Schnullerentwöhnung. Wichtig ist es, das Kind rechtzeitig darauf vorzubereiten, sodass es zum vorher festgelegten Zeitpunkt möglichst freiwillig seinen Schnuller abgibt. Als Anreiz kann ein kleines Geschenk dienen, das etwa von der „Schnullerfee” gebracht wird, oder ein gemeinsamer Ausflug zum nächstgelegenen Schnullerbaum, auf den das Kind seinen Schnuller hängen kann. Wer möchte, kann zur Vorbereitung des Schnullerabschieds inzwischen sogar auf eine kleine Auswahl an Kinderbüchern zurückgreifen, die sich damit befassen.

ÖKO-TEST rät

■ Erst wenn es mit dem Stillen klappt, sollte man dem Baby einen Schnuller anbieten.
■ Flachere und breitere Schnuller sind kiefergerechter. Veränderungen durch das Schnullern in den ersten drei Lebensjahren gelten als reversibel. Vereinbaren Sie beizeiten einen Termin mit der Schnullerfee.