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TEST Sommerparfüms: Duftsprung


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 8/2010 vom 10.08.2010

Gerade im Sommer sind leichte und erfrischende Parfüms beliebt. Ob das der Grund ist, warum dieses Mal etliche Düfte nicht mit Pauken und Trompeten durchgefallen sind? Die Auswahl an „sehr guten“, „guten“ und „befriedigenden“ Parfüms ist auf jeden Fall größer geworden.


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Foto: photo alto

Nicht jeder mag Parfüm. Doch wer es einsetzt, schätzt seine belebende, betörende oder auch beruhigende Wirkung. Klar ist, dass das Geschäft mit dem Duft ausgesprochen lukrativ ist. Gut zwei Milliarden Euro gaben deutsche Frauen und Männer 2009 dafür aus. Wer sich das nicht vorstellen kann, braucht nur in einer großen ...

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Nicht jeder mag Parfüm. Doch wer es einsetzt, schätzt seine belebende, betörende oder auch beruhigende Wirkung. Klar ist, dass das Geschäft mit dem Duft ausgesprochen lukrativ ist. Gut zwei Milliarden Euro gaben deutsche Frauen und Männer 2009 dafür aus. Wer sich das nicht vorstellen kann, braucht nur in einer großen Parfümerie wie Douglas vorbeizuschauen: schön gestaltete Flakons so weit das Auge reicht, kleine Stehtischchen, vollgestellt mit den Probierfläschchen einer Parfümmarke und ihren zahlreichen Abkömmlingen, Regale mit Klassikern und Aktionsständer mit Lifestylemarken. Kurz – wen es in diese Welt der Düfte verschlägt, der kann schnell den Überblick verlieren. Auch fällt es schwer, einen aktuellen Trend auszumachen. Laut Zeitschriften sollen die neuen Parfüms ja nach Meeresbrise, Blumenwiese und Sonnenschein duften – doch was heißt das konkret?

Wir fragten eine, die es wissen muss: Ursula Wandel, Senior Parfümeurin bei Givaudan in Paris, dem weltweit führenden Unternehmen für Duftstoffe und Aromen. Und wurden doch nicht viel schlauer. „Grundsätzlich geht es in alle Richtungen“, sagt die Expertin. Das heißt, den einen großen Trend gibt es nicht? „Genau“, sagt Wandel. „Wenn man sich allerdings die Renner auf dem deutschen Markt anschaut, dann sind das immer Düfte mit einer floralen Grundnote.“ Aktuell kommen fruchtige und leicht süße Noten hinzu – das mögen deutsche Frauen. „Allerdings“, ergänzt die Parfümeurin, „darf es auch nicht zu schwer oder gar schwül werden. Der Duft muss immer natürlich bleiben.“

Abseits des Massenmarktes produziert die kleine Duftmanufaktur Florascent im badischen Karlsruhe. Seit zehn Jahren entstehen hier exklusive Naturparfüms, komplett aus natürlichen Rohstoffen. Jedes Produkt wird von Hand abgefüllt, verschlossen und in handgewickelte Rundhülsen verpackt – das Markenzeichen von Florascent. Der Kopf des Unternehmens ist Parfümeur Roland Tentunian. Seine Philosophie ist, der europäischen Parfümeurskunst des 17. Jahrhunderts mit modernen Methoden möglichst nah zu kommen. Konkret bedeutet das, Tinkturen aus der alkoholischen Extraktion von Pflanzen, Gewürzen und Blüten zu verwenden und teilweise auch selbst herzustellen. Hinzu kommen ätherische Öle, Blütenauszüge, Isolate aus Pflanzenextrakten und vieles mehr – zum Teil auch aus ökologischem Anbau. Insgesamt kann Tentunian aus einem Bestand von 600 Rohstoffen schöpfen. Ausdrücklich nicht dazu gehören polyzyklische Moschus-Verbindungen, synthetische Fixateure wie Diethylphthalat oder Farbund Konservierungsstoffe. Allergisierende Duftstoffe kann der Parfümeur allerdings nicht ganz ausschließen. „Nelkenöl, Rosenöl und Zitrusöl etwa sind unverzichtbare Bestandteile meiner Kompositionen und diese können Stoffe wie Eugenol, Citronellol oder Limonen enthalten.“ Auch Naturparfüms sollten daher maßvoll und bewusst angewendet werden, so seine Empfehlung.

Wir wollten genauer wissen, was in den aktuellen Parfüms steckt und haben 25 Parfüms, darunter zwei zertifizierte Naturkosmetikparfüms eingekauft und ins Labor geschickt.

Das Testergebnis

■ …ist vergleichsweise erfreulich ausgefallen. Denn im Unterschied zu den ÖKO-TESTs der vergangenen Jahre rasselt dieses Mal „nur“ weniger als die Hälfte der Produkte mit „mangelhaft“ oder „ungenügend“ durch. Mit acht „befriedigenden“ und drei „ausreichenden“ Düften ist hingegen das Mittelfeld deutlich breiter geworden. „Sehr gute“ Ergebnisse sind allerdings nach wie vor mit der Lupe zu suchen, und wenn, dann am ehesten im Bereich Naturkosmetik. So wie auch in diesem Fall.


Das Grundproblem bleibt: Etliche Parfüms enthalten allergieauslösende Duftstoffe


■ Trotz der guten Nachrichten stecken immer noch in deutlich mehr als der Hälfte der Parfüms Duftstoffe, die häufig Kontaktallergien auslösen. Sechs Produkte enthalten sogar einen oder mehrere der besonders potenten Allergene Eichenmoos, Baummoos, Isoeugenol und Cinnamal. Dabei fallen die PrestigemarkenPure DKNY EdP von Donna Karan undCristalle Chanel EdT besonders negativ auf, da sie gleich drei dieser Stoffe aufweisen. Weniger problematisch sind die Substanzen der Kategorie „Weitere Duftstoffe“, sie verursachen weitaus seltener Allergien und führen nicht zur Abwertung.

Was die Duftstoffanalysen noch zutage förderten: Nicht immer konnten sämtliche Stoffe im Labor nachgewiesen werden, die auf dem Produkt deklariert sind – wie bei den MarkenPure DKNY, QS by S.Oliver Female EdT undFlorascent Aqua Aromatica Thé Vert. Grund könnte sein, dass die Hersteller die Zusammensetzung ihrer Düfte gar nicht so genau untersuchen lassen, sicherheitshalber aber alle Duftstoffe angeben, die enthalten sein könnten und deklarationspflichtig sind.

■ In zehn Parfüms duften polyzyklische Moschus-Verbindungen und in einem zusätzlich Nitromoschus-Verbindungen. Bei diesen Substanzen handelt es sich jedoch nicht um den seltenen und daher teuren Sexuallockstoff des Moschushirsches, sondern um den billigen Ersatz aus dem Chemielabor. Das Problem ist, dass sich die Moschus-Verbindungen im Fettgewebe anreichern und Tierstudien zufolge die Leber schädigen können. Deklarationspflichtig sind sie allerdings nicht, weshalb man sie anhand der Verpackung nicht ausfindig machen kann. Hersteller müssen lediglich den Begriff Parfum oder Aroma angeben. Drei Produkte enthalten Cashmeran, das sich ebenfalls anreichern kann.


Deutlich seltener als sonst wurde gesundheitlich umstrittenes Diethylphthalat gefunden


■ Diethylphthalat (DEP) werten wir in vier Düften ab – das ist deutlich seltener als in vergangenen Tests. In Parfüms dient dieser Stoff als Vergällungsmittel für den eingesetzten Alkohol. Er beeinflusst auch die Duftentfaltung, indem er dafür sorgt, dass die Duftstoffe ihren Duft verzögert freigeben und der Riecheindruck länger anhält. DEP ist jedoch gesundheitlich umstritten, denn es kann von der Haut aufgenommen werden und ihren Schutzmechanismus verändern.


Viele Hersteller rüsten ihre Parfüms mit bedenklichen UV-Filtern aus


■ Noch immer stark verbreitet sind bedenkliche UV-Filter – rund zwei Drittel der getesteten Parfüms enthalten sie. Bei den eingesetzten Verbindungen handelt es sich um Ethyhexyl Methoxycinnamate und Benzophenone-3, die im Verdacht stehen, wie ein Hormon zu wirken, was in Tierversuchen nachgewiesen wurde. Bei anderen UV-Filtern wurde die Hormonwirkung lediglich in Zellversuchen gefunden. Welche UV-Filter das Parfüm jeweils schützen, muss der Hersteller deklarieren.

Unsere Empfehlungen

• Unbeschwert duften kann man nur mit den beiden zertifizierten Naturkosmetikparfüms von Farfalla und Laverana. Doch auch mit den „guten“ und „befriedigenden“ Düften hält sich die Belastung in Grenzen.

• Sommerparfüms mögen leicht und frisch sein, sie sollten trotzdem nicht in der Sonne angewendet werden. Und wenn, dann an lichtgeschützten Stellen, zum Beispiel hinter dem Ohr.

• Parfüms bewahrt man am besten dunkel und kühl auf. So halten verschlossene Flaschen mehrere Jahre. Angebrochene Duftwässerchen sollte man jedoch bald aufbrauchen.

So haben wir getestet

Der Einkauf
Beim Einkauf konzentrierten wir uns auf leichte, frische Düfte, wie sie in Parfümerien, Kaufhäusern und Naturwarenläden derzeit angeboten werden. Bei den meisten handelt es sich um Eau de Toilette (EdT) mit einem Parfümölanteil von vier bis acht Prozent. Einige Düfte sind noch leichter, darunter Körperpflegedüfte von Biotherm und Clarins sowie ein Eau de Cologne (EdC) aus dem Traditionsunternehmen 4711 in der Kölner Glockengasse. Ausgewählt haben wir allerdings eine Variante der modernen Serie4711 Acqua Colonia , und nicht das OriginalEcht Kölnisch Wasser. Eau de Cologne enthält drei bis fünf Prozent Parfümöl. Aus dem großen Angebot kauften wir Klassiker und Neuerscheinungen, nicht jedoch limitierte Düfte, die nur einen Sommer lang im Regal stehen.

Die Inhaltsstoffe
Parfüm besteht zu etwa 80 Prozent aus Alkohol und den darin gelösten natürlichen Duftstoffen aus ätherischen Ölen sowie den synthetisch hergestellten Duftstoffen. Die meisten Parfüms sind so angelegt, dass sich der Duft wie ein Film entfaltet. Den Anfang macht die leicht flüchtige Kopfnote. Daran schließt sich die Herznote an, die allmählich in den letzten Teil des Duftablaufs, die Basisnote, übergeht. Deren Duftbestandteile werden nur sehr langsam frei – was manchmal durch den Einsatz von chemischen Fixateuren unterstützt wird. Ein solcher Stoff ist zum Beispiel umstrittenes Diethyl phthalat (DEP), das auch zur Vergällung von Alkohol eingesetzt wird und sich im Labor bestimmen lässt. Im Mittelpunkt der Analysen standen zudem die 26 laut Gesetz deklarationspflichtigen Duftstoffe, von denen mehrere hochgradig allergen wirken. Auch die ebenfalls duftenden polyzyklischen Moschus-Verbindungen sowie die verwandte Substanz Cashmeran wurden überprüft. Beide können sich im Fettgewebe anlagern und schädliche Wirkungen haben.

Die Bewertung
Ein Parfüm mag gut riechen, es sollte jedoch möglichst frei von gesundheitlich belastenden Stoffen sein. Besonders streng bewertet ÖKO-TEST stark allergene Duftstoffe wie Eichenmoos, Baummoos, Cinnamal und Isoeugenol, stark erhöhte Gehalte von DEP, polyzyklische Moschus-Verbindungen sowie bedenkliche UV-Filter.

Sommer, Sonne und Parfüm

Düfte entfalten sich im Sommer intensiver, sie können allerdings auch schneller verfliegen. Am besten eignen sich daher Parfüms mit zitronigen, grünen, aquatischen oder blumigen Noten – außerdem leichte Düfte mit geringeren Parfümkonzentrationen wie Eau de Toilette oder Eau de Cologne. Parfüm sollte allerdings nicht dort aufgetragen werden, wo es direkt mit der Sonne in Kontakt kommt, warnt die Dermatologin Professor Silvia Schauder aus Göttingen. „Grund sind Furocumarine aus dem Bergamotteöl, das nach Sonnenbestrahlung zu bräunlichen, lang anhaltenden Verfärbungen der Haut führen kann.“ Die großen Hersteller würden heutzutage zwar auf geringere Gehalte achten, um eine solche Pigmentierung zu vermeiden. Darauf kann man sich bei Parfüms von dubiosen Quellen allerdings nicht verlassen, so Schauder.

Foto: soschoenbistdu/Fotolia.com