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TEST STABMIXER: IM HANDUMDREHEN


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 11/2017 vom 26.10.2017

Pürierstäbe sind die quirligen Geschwister der Standmixer. Schnell griffbereit und eingesetzt, schnell gespült und weggepackt. Verrichten sie ihre Arbeit aber auch sicher und zuverlässig? Die Hälfte der zwölf getesteten Geräte schon.


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Bildquelle: ÖKO-TEST Magazin, Ausgabe 11/2017

Joao Dietze muss gar nicht hinschauen. Wie automatisch greift er in die Ecke des Edelstahltischs in der Restaurantküche. Ein Stabmixer steht dort in einem kleinen Rührbecher bereit. Das Profigerät kommt im Minutentakt zum Einsatz. Chefkoch Reiner Erdt vom Landgasthof „Zur Krone” im hessischen Hüttengesäß gibt seinem Auszubildenden ruhige, klare Anweisungen. „Mix bitte ...

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... schnell den Crêpeteig, anschließend brauche ich die Spinatfarce für die Hähnchenbrust.” Zwei Handgriffe, bei beiden kommt der „Zauberstab” zum Einsatz. Zwischendurch wird er kurz und intensiv im Wasserbad durchgespült. „Wir nutzen ihn ganz automatisch”, erklärt Erdt, der im Schatten der jahrhundertealten Ronneburg östlich von Frankfurt vor allem regionale Spezialitäten serviert. In seiner Küche legt er Wert auf robustes Werkzeug. „Nach zwei Jahren macht aber auch der beste Stabmixer schlapp”, weiß er aus Erfahrung. Das Gerät sei schließlich im Dauereinsatz.

Das sieht man seinem aktuellen Quirl auch an. Der Edelstahlschaft hat deutliche Dellen, das einst geringelte Kabel ist schon lange ausgeleiert vom ständigen Hin- und Herziehen. Kabel muss sein, schnurlos ist nicht. „Akkus? Können Sie vergessen”, sagt Erdt. Die hielten niemals einen ganzen Arbeitstag durch. Denn auf die Kraft der Geräte kommt es an. Die aber muss wohl dosiert werden.

Genannte Farce zum Beispiel: Die Hähnchenbrust, die wenig später kurz angebraten bei geringer Temperatur im Backofen liegt, wird mit einer Fleisch-Spinat- Füllung versehen – püriert mit dem Stabmixer. „Gehe ich da mit zu vielen Umdrehungen ran, wird das Fleisch zu heiß, das Eiweiß gerinnt und verliert die Bindefähigkeit.” Daher: niedrige Geschwindigkeit, dafür einen Augenblick länger. Fehlt aber die Leistung, schneiden die Messer das Fleisch nicht ordentlich. Es wird eher zerrupft. Das ist ebenfalls schlecht für die Bindung.

Babybrei, Pesto, Gemüsesuppe: „Das sollte auch ein Stabmixer für den Hausgebrauch können”, sagt Chefkoch Reiner Erdt.

Homogen und fein: Gute Stabmixer sind vielseitig und praktisch. Vom Pesto über Babybrei und Gemüsesuppe bis zum Süßkartoffelpüree und zur Fleischfarce: Sie bekommen alles klein.


„Auch Nüsse sollte ein Stabmixer zerkleinern können”, definiert Azubi Joao Dietze seine Ansprüche an professionelles Arbeitsgerät. Schafft es das nicht, überhitzt es oder werden die Klingen stumpf, tauge es nicht. So viel dürfe auch der Laie erwarten. Unter diesen Prämissen haben wir zwölf Stabmixer der unteren und mittleren Preisklasse aufwendigen Praxistests unterzogen. Außerdem haben die Labore überprüft, ob die Geräte schadstofffrei sind.

DAS TESTERGEBNIS

Guter Mix: Sechs der zwölf Geräte können wir mit dem Gesamturteil „gut” empfehlen. Aber nicht alle halten unseren Tests stand. Schlechte Ergebnisse in der Praxisprüfung, bedenkliche Inhaltsstoffe, umweltschädliche Materialien: Ein Stabmixer fällt mit „ungenügend”, einer mit „mangelhaft” durch.

Brockig: Ganz hinten landet der Ok. Stabmixer OSB 112. Noch „ausreichend” ist er bei den Inhaltsstoffen, aber ganz und gar „ungenügend” bei Sicherheit und Handhabung sowie beim Mixen. Brockiger Babybrei, stückige Gemüsesuppe und ganze Pinienkerne im Pesto, außerdem ein Totalausfall bei der Dauerprüfung: Unserer Ansicht nach ist das günstigste Modell im Test in der heimischen Küche nicht zu gebrauchen.

Keine lange Leitung: Einige Modelle bieten nur wenig mehr als einen Meter Kabel. Die Geräte werden aber an der Arbeitsplatte, in der Spüle und auf dem Herd eingesetzt. Ständiges Umstecken oder das Hantieren mit Verlängerungskabeln ist uns zu umständlich, daher ziehen wir Punkte ab. Auch unpraktisch: Wenn der Mixfuß nicht in die Spülmaschine darf, das Gerät zu schwer ist.

Kaputt: Zwei der zwölf Stabmixer machten in unserem Dauertest schlapp. Der Kenwood Stabmixer HB615 und der Ok. Stabmixer OSB 112 strichen jeweils schon so frühzeitig die Segel, dass wir auch für den Hausgebrauch Zweifel an der Haltbarkeit hegen. Statt 4.000 Testzyklen schaffte der Kenwood 319 Durchläufe, der Ok.gar nur 295.

„Der Preis allein macht keinen guten Stabmixer. Das billigste Gerät fällt glatt durch, nicht alle teuren halten, was ihr hoher Preis verspricht. Für rund 30 Euro aber gibt es gute Qualität.”

Stephan Kümmel, ÖKO-TEST-Redakteur, schwingt zu Hause gerne Kochlöffel und Stabmixer.


• Nehmen Sie das Gerät vor dem Kauf in die Hand, um zu schauen, ob Sie gut damit zurecht kommen.

• Direkt nach dem Mixen lassen sich Stabmixer am leichtesten reinigen. Einfach die Püriereinheit in einem Becher mit warmem Wasser kurz laufen lassen.

• Wenn Sie Gemüsesuppe vorkochen, warten Sie mit dem Pürieren, bis Sie die Suppe wieder erwärmen. Bereits gemixte Suppen brennen beim Wiedererhitzen leichter an als stückige.

Abgeschmiert: Bei vier Geräten entdeckte das beauftragte Labor Chlorparaffine in der verwendeten Testflüssigkeit. Die Industrie setzt diese Stoffe Metallbearbeitungsölen zu. In der Umwelt werden Chlorparaffine kaum abgebaut. Im Gegenteil: Sie reichern sich im menschlichen Körper an, sind bereits in der Muttermilch nachgewiesen worden. Allerdings fehlt noch die breite Datenbasis zu möglichen Gesundheitsrisiken. Kurzkettige Chlorparaffine gelten als krebserregend, mittelkettige – die in den Stabmixern stecken – stehen zumindest im Verdacht. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) überarbeitet gerade ihre Empfehlungen zur Stoffgruppe. Die Neubewertung mit wahrscheinlich deutlich strengeren Grenzwerten wird 2019 erwartet. Wir werten den Nachweis von Chlorparaffinen im Migrat des Clatronic Stabmixer SM 3638, Korona Stabmixer 23520, Ok. Stabmixer OSB 112 und WMF Kult X Stabmixer aus Gründen des vorbeugenden Verbraucherschutzes ab, auch wenn sich die Substanz nach mehrmaligem Mixen abgebaut hat.

Feuer und Flamme: Im Clatronic und Korona sowie im Krups Perfect Mix 9000 Stabmixer HZ3001 steckt die als Flammschutzmittel bekannte phosphororganische Verbindung Triphenylphosphat. Der Stoff ist möglicherweise hormonell wirksam und nachweislich schädlich für die Umwelt. Die Europäische Chemikalienagentur ECHA bewertet Triphenylphosphat gerade neu, das Ergebnis wird noch 2017 erwartet. Bromierte Flammschutzmittel auf den Platinen werten wir unter Weitere Mängel ab.

SO REAGIERTEN DIE HERSTELLER

Wir haben die Hersteller unter anderem nach den Reparaturmöglichkeiten der Geräte gefragt.Philips antwortet erstaunlich offen: „Im Rahmen unserer Servicepolitik reparieren wir defekte Produkte oder wir tauschen sie aus. Das von Ihnen ausgewählte Modell wird ausgetauscht, da der Wert des Produktes nicht im wirtschaftlichen Verhältnis zu den Reparaturkosten steht.” Die Lohnkosten in Europa seien zu hoch, um ein solches Gerät wirtschaftlich reparieren zu können – anders als etwa in China.

SO HABEN WIR GETESTET

DER EINKAUF

Wir haben zwölf Stabmixer der unteren und mittleren Preisklasse eingekauft. Dabei wählten wir stets das Basismodell ohne zusätzlichen Schnickschnack. Uns kommt es auf das Ergebnis einzig und allein der Pürierstäbe an. Gezahlt haben wir zwischen 16,99 Euro und 69,99 Euro. Der Krups Perfect Mix kommt schon in der Grundausstattung mit einem zusätzlichen Multizerkleinerer daher.

DIE PRAXISPRÜFUNG

Wie homogen ist die Suppe, wie sämig der Babybrei, wie geschmeidig das Pesto? Aber auch: Wird der Griff heiß, wenn ich mixe? Kann ich schwere Geräte überhaupt bequem benutzen? Und reicht das Kabel von der Steckdose bis zur Herdplatte? All diese Fragen hat unsere Praxisprüfung – nach strengen Laborkriterien – beantwortet.

DIE INHALTSSTOFFE

Wir haben die Stabmixer auf umstrittene Chloparaf fine testen lassen, die die Industrie als Hilfsstoffe einsetzt. Dazu kommen Weichmacher, phosphor organische Verbindungen und weitere bedenkliche Stoffe, die erfahrungsgemäß im Kunststoff stecken könnten.

DIE BEWERTUNG

Ganz grundsätzlich gilt: Mixt ein Pürierstab nicht ordentlich, können wir ihn nicht empfehlen. Das ist bei den Geräten unsere erste Prämisse. ÖKO-TEST lässt die beauftragten Labors aber auch überprüfen, ob mit dem Stab womöglich Unerwünschtes ins Essen oder an die Haut kommt. Befürchten wir Schaden für Gesundheit oder Umwelt, gibt es Punktabzug

Große Käsestücke, ganze Pinienkerne: So sollte ein Pesto alla Genovese denitiv nicht aussehen.



Foto: Magone/getty images

Foto: zefirchik06/getty images

Foto: Anja Wägele

Foto: Labor