Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 6 Min.

TEST Strukturierte Vliestapeten: Weichmacher an weißer Wand


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 4/2020 vom 26.03.2020

In unserem Test lassen zwei Vliestapeten die Konkurrenz hinter sich: Sie enthalten kaum bedenkliche Substanzen und sind gut zu verarbeiten. Acht Marken sind dagegen der Mühe nicht wert.


Artikelbild für den Artikel "TEST Strukturierte Vliestapeten: Weichmacher an weißer Wand" aus der Ausgabe 4/2020 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: imago images / Panthermedia

RATGEBER

1

Die Vliestapete der Bauhaus-Marke Atlantis hat das beste Preis-Leistungs-V erhältnis im Test. Auch das teurere Produkt Architects Paper von A.S. Création ist empfehlenswert. Beide sind zum Überstreichen gedacht.

2

Wer nicht nachstreichen will, muss Kompromisse eingehen. Das „befriedigende“ Stabilox Robustvlies lässt sich sehr gut handhaben und deckt besser als andere.

3

Bevorzugen Sie ...

Weiterlesen
Artikel 2,00€
epaper-Einzelheft 4,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von ÖKO-TEST Magazin. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 4/2020 von ÖKO-TEST Gemeinsam besser: GEMEINSAM BESSER. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
ÖKO-TEST Gemeinsam besser: GEMEINSAM BESSER
Titelbild der Ausgabe 4/2020 von ÖKO-TEST Ökologie im Ausland: ÖKOLOGIE IM AUSLAND. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
ÖKO-TEST Ökologie im Ausland: ÖKOLOGIE IM AUSLAND
Titelbild der Ausgabe 4/2020 von Chemie in Outdoor-Kleidung: Giftfrei auf den Gipfel. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Chemie in Outdoor-Kleidung: Giftfrei auf den Gipfel
Titelbild der Ausgabe 4/2020 von Chemie in Outdoor-Kleidung: INTERVIEW: „Mikroplastik wird uns noch lange beschäftigen“. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Chemie in Outdoor-Kleidung: INTERVIEW: „Mikroplastik wird uns noch lange beschäftigen“
Titelbild der Ausgabe 4/2020 von Outdoorsport: Kommt die Natur unter die Räder?. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Outdoorsport: Kommt die Natur unter die Räder?
Titelbild der Ausgabe 4/2020 von TEST MÜSLIRIEGEL: Happs!. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TEST MÜSLIRIEGEL: Happs!
Vorheriger Artikel
Urlaub zu Fuß: Das Ziel ist der Weg
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Kurz & klar
aus dieser Ausgabe

... beim Kauf Tapeten mit der Auslobung „PVC- und phthalatfrei“.

Vliestapeten machen es uns leicht: Wir streichen den Kleister auf die Wand – nicht auf die Tapete – und bringen die Bahnen darauf an. Unser Test zeigt: Viele Vliestapeten sind tatsächlich gut zu handhaben. Doch teils bringen die Tapeten Schadstoffe in die eigenen vier Wände. Deshalb empfehlen wir unterm Strich nur zwei von 14 Produkten. Vier landen im Mittelfeld, die übrigen acht sind „ungenügend“.

Problematischer Weichmacher

Wesentliches Problem: In sechs Produkten steckt Diisononylphthalat (DINP), teilweise zu mehr als zehn Prozent. Der Weichmacher kann ausdünsten und in den Hausstaub übergehen. DINP ist in Spielzeug und Babyartikeln, die von Kindern in den Mund genommen werden können, verboten – wegen des Verdachts, hormonell zu wirken. Auch wenn die Auswirkungen auf die Fortpflanzung nicht sicher nachgewiesen sind, hat der Phthalat-W eichmacher aus unserer Sicht auch in Vliestapeten nichts verloren.

In vier Produkten stecken sogenannte Ersatzweichmacher. Über deren gesundheitliche Unbedenklichkeit liegen aus unserer Sicht noch nicht ausreichend Informationen vor, deshalb werten wir auch Ersatzweichmacher ab.

In nahezu allen Tapeten mit Weichmachern kritisieren wir auch umweltschädliche chlorierte Verbindungen. Das ist kein Zufall: Anbieter setzen Phthalate und Ersatzweichmacher ein, um Kunststoffe wie PVC weich zu machen. Die drei geprägten Vliestapeten im Test kommen ohne Weichmacher aus. In allen getesteten Tapeten hat das beauftragte Labor umstrittene halogenorganische Verbindungen nachgewiesen.

Viele Vertreter dieser Stoffgruppe reichern sich in der Umwelt an, viele gelten als allergieauslösend, manche können Krebs erzeugen.

Mit der von uns angewandten Methode lässt sich die genaue halogenorganische Verbindung nicht eindeutig bestimmen.

Wir meinen aber, dass Verbraucherprodukte grundsätzlich frei von solchen Verbindungen sein sollten. In vier Produkten bemängeln wir zudem Dibutylzinn aus der Gruppe der zinnorganischen Verbindungen.

Es steht unter anderem im Verdacht, die Fortpflanzung zu gefährden.

Immerhin: Keine der untersuchten Tapeten gast flüchtige organische Verbindungen (VOC) aus. VOC tragen erheblich zur Belastung der Raumluft bei.

Tapezieren klappt häufig gut

Schade, dass die Tapeten so viele Schadstoffe enthalten. Denn tapezieren lassen sich die meisten recht gut. Das zeigte der Praxistest von Malermeister Peter Hoffmann.

Einige Punkte stören den Fachmann aber: Zum einen lassen sich bei der Hälfte der Tapeten die Bahnen etwas schwer an die vorigen anschließen. Zum anderen geben die Anleitungen teils zweifelhafte Tipps, etwa, dass man einen konischen Nahtroller verwenden soll. Der kann aber leicht zu irreparablen Druckstellen führen.

Stattdessen wäre ein Hinweis angebracht, wie mit Kleisterflecken umzugehen ist (siehe Tipps links).


„PVC und Weichmacher – das muss nicht sein. Der Markt bietet genügend Alternativen.“


Jörg Döbereiner ÖKO-TEST-Redakteur


So tapeziert der Fachmann

Peter Hoffmann, Malermeister und Berufsschullehrer


Untergrund vorbereiten

Er sollte trocken sein, sauber, glatt und ohne farbliche Schattierungen. Dazu spachtle ich, schleife und bringe weißen Tapetengrund oder eine glatte Vliestapete (Malervlies) auf.

Tapezieren

Die Bahnen schneide ich auf die gewünschte Höhe plus 15 Zentimeter zu. Den Spezial- oder Vliestapetenkleister trage ich satt mit dem Farbroller auf die Wand auf, immer nur eine Bahn im Voraus. Die Bahn lege ich von oben ins Kleisterbett ein und drücke sie blasenfrei an. Dabei leistet mir ein Tapezierwischer oft bessere Hilfe als eine Moosgummiwalze. Kleisterflecken entferne ich sofort mit weichem, feuchten Tuch. Zum Schluss kürze ich den Übersatz am unteren Rand, entweder mit Cutter und Beschneidelineal oder mit einer Tapetenschere.

Untergrund scheint durch die Tapete

Ein weiterer Kritikpunkt des Profi-Testers: Einige Vliestapeten decken nicht gut genug ab. Im Test markierte Peter Hoffmann den Untergrund jeweils mit Bleistiftstrichen.

Die Tapeten der Marken Pocoline, Profitan und Toom ließen die Striche besonders deutlich durchscheinen. In diesen Fällen hält unser Fachmann einen Anstrich für notwendig. Für einige andere Tapeten empfiehlt er ihn zumindest.

Überhaupt, der Untergrund: Für Vliestapeten sollte er möglichst glatt und homogen sein. Viele Anbieter weisen darauf hin, mit pigmentiertem Tapetengrund vorzustreichen oder ein Malervlies anzubringen.

Das halten auch wir für sinnvoll, um gute Ergebnisse zu erzielen.

Eine andere Möglichkeit: die Vliese nach dem Tapezieren überstreichen. Fünf Produkte im Test – darunter die beiden „guten“ – sind aus unserer Sicht sogar erkennbar dafür vorgesehen. Die Anbieter machen entsprechende Angaben auf der Verpackung oder in der Anleitung. Bei diesen Produkten haben wir deshalb nicht bewertet, ob der Untergrund durchscheint oder ob Kleisterflecken auftauchen. Andere deklarieren lediglich „überstreichbar“ oder gehen gar nicht näher auf diese Frage ein.

Ärgerlich, wenn Verbraucher erst nach dem Tapezieren merken, dass sie ihre Tapete auch noch überstreichen müssen. Um Ihnen das zu ersparen, geben wir Infos zum Überstreichen für jedes getestete Produkt direkt in der Tabelle.

Sollen die Tapeten später wieder runter, lassen sich zumindest solche mit glatter Rückseite wieder leicht trocken abziehen.

Das ergab eine Prüfung unseres Praxistesters.

Dieses Ergebnis fließt aber nicht in unsere Bewertung ein.

Wir haben getestet

So haben wir getestet

Wir haben 14 weiße, strukturierte Vliestapeten eingekauft, von Markenherstellern wie A.S.
Création, Erfurt, Erismann und Rasch, außerdem Eigenmarken von Bau- und Möbelmärkten. Wir fanden nur wenige Tapeten, die als PVC- oder phthalatfrei ausgelobt sind, dafür viele mit dem französischen Siegel A+ (Émissions dans lʼair intérieur). Wie viele flüchtige organische Verbindungen (VOC) aus den Produkten ausgasen, ließen wir prüfen. Außerdem untersuchten die Labore, ob die Struktur mithilfe von chlorierten Verbindungen wie PVC hergestellt ist und ob die Wandbeläge problematische Weichmacher und andere bedenkliche oder umstrittene Hilfsstoffe enthalten.
Der Maler- und Lackierermeister Peter Hoffmann von der Berufsschule (August-Bebel-Schule) in Offenbach testete, wie gut die Vliestapeten an die Wand zu bringen sind.
Er prüfte auch Angaben auf den Produkten und ob farbliche Schattierungen des Untergrunds durchschlagen. Schadstofffreie Innenräume sind für uns das Wichtigste. Deshalb beruht die Endnote auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Weitere umweltbelastende Stoffe oder eine nur „befriedigende“ Praxisprüfung können sie verschlechtern.

WISSEN: Was genau sind eigentlich Vliestapeten?

Vliestapeten bestehen aus Zellstoff- und synthetischen Textilfasern (meist Polyester), die mit einem polymeren Bindemittel gefestigt sind. Die meisten Tapeten in unserem Test erhalten ihre Struktur durch eine aufgeschäumte Kunststoffmasse. Das ist häufig PVC, aber auch Acryl kommt in Frage. Oft enthalten diese geschäumten Tapeten hohe Anteile an Weichmachern. Daneben sind auch geprägte Vliestapeten auf dem Markt. Sie sind daran erkennbar, dass die Prägung auf die Rückseite der Tapete durchschlägt. Dagegen ist die Rückseite einer beschichteten beziehungsweise geschäumten Tapete glatt. Für die Tapezierbarkeit macht das keinen Unterschied. Für die Materialien schon: Die geprägten Tapeten in unserem Test enthalten kein PVC und keine Weichmacher. Automatisch besser als geschäumte sind sie aber nicht. Denn in ihnen können andere problematische Stoffe stecken. Einige weiße strukturierte Vliestapeten sind zum Überstreichen gedacht, andere sind Fertigtapeten. Daneben gibt es auf dem Markt zahlreiche farbige Mustertapeten, bei denen es sich ebenfalls um Vliestapeten handelt. Alle Bahnen im Test haben die Standardbreite von 53 Zentimetern. Die Längen variieren zwischen zehn und 15 Metern.

Fett gedruckt sind Mängel.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 158.
Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: optische Aufheller. 2) Auf der Homepage des Herstellers trägt das Produkt den Namenszusatz „Eco“. Dieser steht jedoch nicht auf der Rolle. 3) Der Hersteller empfiehlt als Tapeziergrund unter anderem auch ein Malervlies (Patent Vlies Makulatur). In diesem Fall ist nicht zu erwarten, dass der Untergrund durchschlägt. Falls die Grundierung nur mit einem pigmentierten Tapetengrund erfolgt, kann der Untergrund leicht durchschlagen; dann ist ggf. ein Überstreichen empfehlenswert. 4) Laut Anbietergutachten enthält das Produkt eine geringere Konzentration an Dibutylzinn unter unserer Abwertungsgrenze. Allerdings wurde eine andere Methode verwendet.
Legende: Produkte mit gleichem Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis
Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um vier Noten: mehr als 10.000 mg/kg des Phthalat-Weichmachers Diisononylphthalat (DINP).Zur Abwertung um zwei Noten führt: mehr als 100 bis 1.000 μg/kg Dibutylzinn (DBT). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) halogenorganische Verbindungen; b) mehr als 1.000 mg/k g eines oder mehrerer Ersatzweichmacher (hier: DiNCH, DEHT, Acetyltributylcitrat, Diethylenglykoldibenzoat); c) mehr als 10 bis 1.000 mg/kg der phosphororganischen Verbindung TBEP.
Die Mängel der Praxisprüfung werden mit Minuspunkten bewertet. Anleitung: kein Hinweis zum Entfernen von Kleisterflecken, falls ein Anstrich nicht zwingend vorgeschrieben ist = 5 Minuspunkte; keine Empfehlung für eine Grundierung = 5 Minuspunkte; keine Angabe des Werkzeugs zum Andrücken = 3 Minuspunkte; zweifelhafte Empfehlung („ggf.“ bzw. „evtl.) eines konischen Nahtrollers, dessen Verwendung laut Einschätzung unseres Praxistesters nicht sinnvoll ist = 1 Minuspunkt. Handhabung: Nahtanschluss etwas schwierig = 5 Minuspunkte. Ergebnis: Untergrund kann (im Falle von farblichen Schattierungen des Untergrunds) deutlich durchschlagen und Anstrich unbedingt notwendig, aber laut Deklaration nicht vorgesehen = 5 Minuspunkte; Untergrund kann (im Falle von farblichen Schattierungen des Untergrunds) durchschlagen und Anstrich empfehlenswert, aber laut Deklaration nicht vorgesehen = 3 Minuspunkte ; Untergrund kann (im Falle von farblichen Schattierungen des Untergrunds) durchschlagen bzw. deutlich durchschlagen und Anstrich empfehlenswert bzw. notwendig, wenn der Anbieter die Tapete zumindest als „überstreichbar“ ausgelobt hat = 2 Minuspunkte. Notenschlüssel Praxisprüfung: Weniger als 5 Minuspunkte = sehr gut; 5 bis 10 Minuspunkte = gut; mehr als 10 Minuspunkte = befriedigend.
Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um jeweils eine Note: a) PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen im Produkt; b) optische Aufheller.
Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ ist, verschlechtert das Testergebnis Inhaltsstoffe um eine Note. Ein Testergebnis Praxisprüfung, das „befriedigend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter oekotest.de/M2004.
Einkauf der Testprodukte: November 2019.
Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen
keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.


Fotos: Anja Wägele; privat; Peter Hoffman