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TEST: Stück für Stück


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ÖKO-TEST Ratgeber Kosmetik und Wellness - epaper ⋅ Ausgabe 6/2021 vom 10.06.2021

TEST Feste Shampoos und Haarseifen

Artikelbild für den Artikel "TEST: Stück für Stück" aus der Ausgabe 6/2021 von ÖKO-TEST Ratgeber Kosmetik und Wellness. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

RATGEBER

1 Für mehr Schaum die Haarwaschstücke direkt über das feuchte Haar reiben und danach mit den Händen shampoonieren. 

Feste Haarwaschmittel sind ergiebig: Ein Stück kann – je nach Größe – für ebenso viele Haarwäschen reichen wie zwei Flaschen Shampoo. 

Seifen und feste Shampoos immer trocken lagern – in einer Schale mit Löchern oder in einem aufgehängten Netz.

Sie sind Minimalisten durch und durch: Den neuen Haarwaschmitteln ohne Wasser sieht man auf den ersten Blick an, dass sie sich an eine neue Generation von Verbraucherinnen und Verbrauchern wenden. Denn auf den dekorativen Schachteln steht vor allem, was nicht drin ist. Ohne Silikon, ohne Parabene, ohne tierische Bestandteile, so heißt es da häufig. Ohne Konservierungsstoffe und Plastikflasche kommen sie sowieso durchweg aus – denn wo kein Wasser ist, da muss wenig haltbar gemacht und nichts ...

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... abgefüllt werden. Also alles bestens mit den neuartigen Waschstücken? Um das zu erfahren, haben wir 25 Produkte auf ihre Inhaltsstoffe getestet: Neunmal Haarseife und 16-mal festes Shampoo. Der Unterschied: Haarseifen enthalten in der Regel hauptsächlich klassische Seife als waschaktive Substanz und haben einen basischen pH-Wert. Feste Shampoos waschen mit naturnahen oder synthetischen Tensiden, und ihr pH-Wert ist meist sauer eingestellt (siehe nebenstehenden Kasten).

Ergebnis: ohne Tadel 

Von 25 Waschstücken erhielten 24 die Note „sehr gut“ – bei diesem tadellosen Ergebnis können wir das „ohne“ in den Zutatenlisten dick unterstreichen. Auch wenn acht Produkte gar kein Naturkosmetiksiegel tragen, verzichten selbst sie auf die meisten Substanzen, die wir in konventionellen Sham-poos so häufig kritisieren: In keinem einzigen Waschstück fanden sich Silikone, ebenso wie synthetische Polymere, Parabene oder PEG/PEG-Derivate. Das ist nicht selbstverständlich – denn theoretisch könnten auch in einem festen Stück Haarwaschmittel alle möglichen umstrittenen Zusätze stecken, die häufig in den flüssigen Varianten zu finden sind. Aber offenbar sprechen die Hersteller der Trendprodukte eine ganz bestimmte Klientel an, bei der das Bewusstsein für Zero Waste mit dem Wunsch nach einer nachhaltigen und reizstoffarmen Zutatenliste einhergeht.

„Sehr gute Haarwaschstücke gibt es mit und ohne Naturkosmetikzertifizierung.“

Sauer macht lustiger

Haarseifen enthalten klassische Seifen: Das sind Öle und Fette mit Laugen verkocht. Im Gegensatz zu festen Shampoos, die mit moderneren Tensiden waschen, sind Haarseifen alkalisch bzw. basisch. Seife kann sich mit Kalk verbinden, diese Rückstände können sich am Haar anlagern. Eine „saure Rinse“ schafft Abhilfe. Sie verschiebt den pH-Wert wieder in den sauren Bereich, entfernt Rückstände und hilft dabei, das Haar wieder glatt zu machen.

Für die Rinse einen Liter kaltes Wasser plus ein bis zwei Esslöffel Zitronensaft oder Apfelessig über das gewaschene Haar geben. Nicht nachspülen. Schade nur, dass nicht alle Anbieter von Haarseifen in unserem Test auf diesen Trick hinweisen. Ein Hersteller lobt sein Produkt auf der Vorderseite sogar als Shampoo aus; dass Seife im Produkt steckt, erfährt man erst beim Blick ins Kleingedruckte.

Umstrittener Duft 

Lediglich in puncto Parfümierung taucht ein üblicher Verdächtiger auf, und wir ziehen bei einem Produkt Noten ab. Die Sementes Natur-Haarseife mit Pracaxi Öl ist gleich mit zwei künstlichen Moschusdüften parfümiert: Galaxolid und das hautreizende Tonalid reichern sich beide im Fettgewebe von Tier und Mensch an, gelten als gewässergefährdend und sind schlecht biologisch abbaubar.

Der Freiburger Regenwaldladen, der die Sementes-Serie produzieren lässt und vertreibt, schreibt uns, man habe schon vor drei Jahren mit dem brasilianischen Partner vereinbart, die ursprünglichen synthetischen Duftstoffe gegen natürliche Varianten auszutauschen. Doch die nun eingesetzten künstlichen Moschusdüfte stammen definitiv nicht aus den natürlichen Rohstoffen, die das Unternehmen über seine eigentlich lobenswerten Fairtrade-Projekte im brasilianischen Regenwald einsammeln lässt.

Gut gemeint reicht nicht 

Das Beispiel ist bezeichnend für die neue Produktgruppe der festen Haarwaschmittel: Denn hier tummeln sich auch einige kleine Firmen, die es an Kontrollen anscheinend fehlen lassen oder ihre Produkte ungenau und nicht ganz professionell deklarieren. Im Produkt des Regenwaldladens stecken unerwünschte künstliche Duftstoffe, zudem fehlt eine vorgeschriebene Chargennummer. Für diese Deklarationsmängel vergeben wir unter dem Testergebnis Weitere Mängel ein kleines Minus.

Ist das jetzt Naturkosmetik? 

Gerade jene Waschstücke, die nicht als Naturkosmetik zertifiziert sind, nutzen ihre Verpackung häufig umso offensiver, um den Kunden mitzuteilen, auf welche Problemstoffe sie verzichten oder ob sie zum Beispiel Bio-Rohstoffe einsetzen. Umgekehrt praktizieren viele der Naturkosmetikprodukte echtes Understatement: Außer ihrem winzig gedruckten Siegel gibt es keinerlei Hinweis, dass auch bei ihnen weder Silikone noch Parabene noch Mikroplastik drin sind. Klar: Eine Naturkosmetikzertifizierung garantiert das. Aber: Auch nichtzertifizierte Produkte können in Ordnung sein. Manche kleinen Hersteller können sich eine Zertifizierung womöglich nicht leisten und verwenden dennoch gute Inhaltsstoffe. Gerade unter den Haarseifen sind einige, die hauptsächlich natürliche Öle einsetzen, manche sogar in Bio-Qualität.

Eine Frage der Tenside 

Tenside in zertifizierter Naturkosmetik sind nicht unumstritten, denn sie kommen nicht natürlich vor, sondern werden durch chemische Prozesse hergestellt – wenn auch im Falle der Naturkosmetik aus natürlichen Rohstoffen. In festen Shampoos stecken bis zu 80 Prozent Tenside. Als sehr hautverträgliche Varianten gelten Kokosund Zuckertenside wie Sodium Cocoyl Glutamate oder Coco Glucoside, die allerdings kostspielig sind und nicht besonders gut schäumen. Am anderen Ende des Spektrums befindet sich Natriumlaurylsulfat (Bezeichnung auf der Zutatenliste: Sodium Lauryl Sulfate). Es steht als aggressives, hautreizendes Tensid in der Kritik, ist jedoch günstig und schäumt sehr gut. In unserem Test kommt Natriumlaurylsulfat lediglich in den Shampoos der Marken N.A.E. und Lush vor.

Aber: Auch hinter dem Tensid Sodium Coco Sulfate, das in fast jedem zweiten der von uns getesteten Haarwaschmittel steckt und als deutlich milder gilt, kann sich bis zu 50 Prozent des aggressiven Natriumlaurylsulfats verbergen. Beide Tenside sind übrigens auch in zertifizierter Naturkosmetik erlaubt.

Fett gedruckt sind Mängel. 

Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 128. 

Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: Das Produkt ist auf der Vorderseite als Shampoo deklariert, auf der Rückseite steht Haarseife. Laut Anbieter handelt es sich um eine Haarseife. 2) Citral deklariert, aber im Labor nicht nachgewiesen. 3) Laut Anbieter trägt das Produkt aufgrund der Kriegssituation in Syrien übergangsweise nicht das Naturkosmetiksiegel Ecocert. Laut der BNN-Sortimentsrichtlinie versichert der Hersteller und Importeur der Seifen, dass seit 2008 sämtliche eingesetzten Inhaltsstoffe und Herstellungsschritte unverändert zum Ecocert-Standard sind. 4) Laut Anbieter enthält das Produkt ab der Charge L .003/20 keine künstlichen Duftstoffe mehr, es habe ein neues Verpackungsdesign und eine Charge auf der Verpackung. 5) Weiterer Mangel: keine Chargennummer auf dem Produkt angegeben. Diese Angabe ist laut Artikel 9 Absatz 1 Buchstabe e der Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 vorgeschrieben. 6) Laut Anbieter ist für die nächsten Chargen eine Namensänderung geplant (von „Shampoo“ zu „Haarseife“). 7) Laut Anbieter erhält das Produkt ab Juni einen neuen Namen, ein anderes Packmittelformat, einen neuen EAN-Code und eine neue INCI-Inhaltsstoffliste.

Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt.

Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um zwei Noten: mehr als 10 mg/kg polyzyklische Moschusverbindungen („künstlicher Moschusduft“); Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um jeweils eine Note: a) ein für den Verbraucher verwirrender Produktname (Vorderseite: „Shampoo“; Rückseite: „Haarseife“); b) keine Chargennummer auf der Verpackung.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „gut“ ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die von den Herstellern versprochenen Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben.

Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter oekotest.de/N2106 Bereits veröffentlicht: ÖKO-TEST Magazin 9/2020 und Jahrbuch Kosmetik für 2021. Aktualisierung der Testergebnisse/ Angaben, sofern die Anbieter Produktänderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat. Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.