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TEST Tapetenkleister: Ich kleb dir eine


ÖKO-TEST Ratgeber Bauen und Wohnen - epaper ⋅ Ausgabe 94/2014 vom 09.05.2014

Auch Tapezieren will gelernt sein. Für tatkräftige Heimwerker haben wir Tapetenkleister auf problematische Inhaltsstoffe und ihre praktischen Eigenschaften untersuchen lassen. Das Ergebnis: Sie kleben gut, aber es gibt auch einiges auszusetzen.


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Foto: Gary Houlder/Digital Vision/Thinkstock

Endlich ist der Mietvertrag unterschrieben.

Eine bezahlbare Altbauwohnung, das war der Traum von Lena und Patrick. Dass sie renovierungsbedürftig ist, nehmen sie gerne in Kauf.

Verschlissene Blümchentapeten an den Wänden, ein in die Jahre gekommener Teppichboden…Das junge Paar ist froh, dass sie die erste gemeinsame ...

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... Wohnung nach ihren Wünschen gestalten können.

Doch ganz so einfach ist es für die Do-ityourselfer dann doch nicht.

Schnell tut sich die erste Hürde auf: Die alten Tapeten gehen schwer runter, das treibt sie fast zum Wahnsinn. Und dann bröckelt da noch an einigen Stellen der Putz. Zum Glück ist Papa erreichbar, mit jahrzehntelanger Erfahrung als Heimwerker, der Bescheid weiß: Der Untergrund muss glatt sein, bevor sie mit dem Tapezieren loslegen können, also müssen alle Löcher geschlossen und die Unebenheiten glatt gespachtelt werden.

Die Wahl fällt auf Raufaser, die ist preiswert und praktisch. Über Farben kann man später noch entscheiden. Patrick fährt nach der Arbeit in den Baumarkt.

Zusammen mit anderen Hobbyhandwerkern hastet er an endlosen Regalfluchten vorbei auf der Suche nach Tapeten, Kleister, Tapezierbürste und den anderen notwendigen Utensilien. Das kostet Zeit, da er sich nicht auskennt. Endlich: das Kleisterregal. Er greift hastig ein Markenprodukt, ein Universalkleister – da kann eigentlich nichts schiefgehen. Auf jeden Fall ist der Kleister für Raufaser geeignet, das ist die Hauptsache. Uff, die zweite Hürde ist genommen.

Die nächste folgt: Zu Hause angekommen, prüft Lena die Einkäufe und liest die Anleitung: Stark saugende Untergründe mit Tiefengrund vorbereiten oder vorkleistern? Die Fragezeichen auf Patricks Gesicht sprechen Bände. Soll er am nächsten Morgen noch mal zum Baumarkt fahren und eine Grundierung besorgen? Aber die muss trocknen, sagt ihm der gesunde Menschenverstand.

Dann müssten sie das Tapezieren noch einmal verschieben. Das wirft den ganzen Zeitplan durcheinander. Also entscheiden sich die beiden ganz pragmatisch, die Wand vorzukleistern. Die Menge an Kleister müsste dafür ja wohl reichen.

ÖKO-TEST rät

■ Wichtig ist, dass der Kleister langsam und gleichmäßig eingestreut und gleichzeitig gerührt wird, sonst bilden sich Klumpen, die kaum noch aufzulösen sind.
■ Den Kleister wie angegeben aufquellen lassen, für die weitere Verarbeitung die Angaben des Tapetenherstellers beachten. In der Regel sollte die Wand vorgekleistert oder grundiert werden, weil sie sonst zu viel Kleber aufsaugt. Kleisterflecken noch im feuchten Zustand entfernen.
■ Immer nur so viel Kleister anrühren, wie auch gebraucht wird. Dann benötigt man keinen Kleister mit Konservierungsmitteln. Eine angebrochene Packung nicht aufbewahren, weil sich die Inhaltsstoffe entmischen können.

Am nächsten Morgen geht’s los: Tapeziertisch aufgebaut, alle Hilfsmittel bereitgelegt. Nun kann der Kleister angerührt werden, in zwei Eimern, denn der Kleister für das Vorkleistern muss stärker verdünnt werden. Patrick, der schnell zur Sache kommen will, kippt den Inhalt der Schachtel in einem Rutsch in den ersten Eimer Wasser. Er rührt. Doch die Klumpen, die sich gebildet haben, lösen sich nicht auf.

An der vierten Hürde wäre das Projekt fast gescheitert. Durch den erneuten Notruf an Papa kann es jedoch erfolgreich fortgesetzt werden: Er kommt und hilft den beiden. Neuer Kleister muss angerührt und der misslungene Versuch in einem Behältnis im Hausmüll entsorgt werden. So einfach, wie manche glauben, ist Tapezieren also nicht.

Damit Sie nicht wahllos einen Tapetenkleister aus dem Regal greifen, hat ÖKOTEST zwölf verschiedene, für Raufaser geeignete Produkte eingekauft und einem Praxistest unterzogen. Und wir wollten auch wissen, ob neben den üblichen Klebestoffen – Zellulose und Stärke – auch problematische Stoffe eingesetzt werden.

Das Testergebnis

■ Unterm Strich sind die meisten Tapetenkleister in Ordnung. Vier schneiden sogar mit „sehr gut“ ab – weder am Kleister selbst noch an der Deklaration ist hier groß etwas auszusetzen.
■ In vielen Tapetenkleistern konnten unsere beauftragten Labore Konservierungsmittel/ Fungizide nachweisen. Eingesetzt werden beispielsweise quartäre Ammoniumverbindungen, die Haut und Schleimhäute reizen und die Augen schädigen können. Wenn die Haut nicht ganz intakt ist, können die Substanzen auch in den Körper gelangen und möglicherweise weiteren Schaden anrichten. Auch die nachgewiesenen Glykole, meist 2-Phenoxyethanol, haben eine leichte biozide Wirkung. Laut Aussagen einiger Hersteller sind damit Vorprodukte wie das eingesetzte Kunstharz konserviert. Andere Hersteller setzen den Stoff primär als Lösungsvermittler und Filmbildungshilfsmittel ein.

■ In etlichen Produkten wurden Isothiazolinone als Konservierungsmittel gefunden, die ein geringeres sensibilisierendes Potenzial als die chlorierten Verbindungen aus dieser Gruppe haben, weshalb wir sie nicht abwerten.
■ Unsere Praxistester waren mit den Klebeeigenschaften der untersuchten Produkte vollauf zufrieden. Allen Produkten wurde „sehr gutes“ Kleben attestiert. Dennoch hatten sie am Kleister einiges auszusetzen. Schwierig zu verarbeiten war das Metylan NP Power Granulat plus, das einzige Granulat im Test. Es ließ sich schwer anrühren, war sehr zäh und schlecht zu verteilen. Wie die Firma Henkel mitteilte, bestehe der Vorteil gegenüber Pulver darin, dass das Granulat quasi staubfrei sei und sich die Inhaltsstoffe nicht wie bei den pulvrigen Kleistern entmischen könnten, sondern stabil blieben – das sei vor allem für Profis ein Plus. Auch bei einigen anderen Kleistern war die Konsistenz nicht ganz optimal, dann aber eher zu dünn.

Fett gedruckt sind Mängel.

Glossar: siehe Seite 162. Anmerkungen: 1) Produkt ist als „Qualität für Handwerker“ ausgelobt. 2) Laut Anbieter/Hersteller ist das Produkt nicht für die Verarbeitung in einem Tapeziergerät vorgesehen. 3) Anleitung: keine oder sehr knappe Tapezieranleitung. 4) Laut Anbieter ist das ansonsten unveränderte Produkt unter dem Namen Toom Spezial-Kleister erhältlich; der Preis beträgt nunmehr 0,18 Euro pro Quadratmeter. 5) Kleister: Konsistenz zäh/schwierige Verteilung. 6) Konservierungsmittel/ Fungizide: mehr als 1.000 mg/kg Glykole. 7) Anleitung: keine Angaben zur Resteentsorgung. 8) Deklarationsmangel: kein Hinweis für Isothiazolinon-Allergiker. 9) Deklarationsmangel: keine Angabe zu Inhaltsstoffen. 10) Konservierungsmittel/ Fungizide: Benzalkoniumchlorid und mehr als 100 mg/kg Didecylmethylammonium. 11) Kleister: Konsistenz etwas dünn. 12) Kleister: keine Angabe zur Haltbarkeit.

Legende: Produkte mit gleichem Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils eine Note: a) quartäre Ammoniumverbindungen wie Benzalkoniumchlorid und/oder mehr als 100 mg/kg Didecylmethylammonium; b) mehr als 1.000 mg/kg Glykole (Ethylenglykole).

Unter dem Testergebnis Praxistest führt zur Abwertung um drei Noten: Konsistenz zäh/schwierige Verteilung.

Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) keine Angaben zur Resteentsorgung; b) sehr knappe Tapezieranleitung; c) keine Angabe zur Haltbarkeit von angerührtem Kleister; d) Konsistenz etwas dünn. Unter dem Testergebnis Deklaration führen zur Abwertung um jeweils eine Note: a) keine Angaben zu Inhaltsstoffen; b) kein Hinweis für Allergiker bei isothiazolinonhaltigen Produkten. Das Testergebnis Praxistest setzt sich zu gleichen Teilen aus den drei aufgeführten Einzelergebnissen Anleitung, Kleister und Klebeeigenschaften zusammen. Das Gesamturteil setzt sich zusammen aus dem Testergebnis Inhaltsstoffe (40 %), dem Testergebnis Praxistest (40 %) und dem Testergebnis Deklaration (20 %). Es kann nicht besser sein als das Testergebnis Inhaltsstoffe.

■ Nur auf wenigen Packungen finden sich Angaben, wie lange der angerührte Kleister haltbar ist: ein beziehungsweise drei Tage bei Produkten der Naturfarbenhersteller Livos und Auro, in denen keine Konservierungsmittel nachweisbar waren, und sieben Tage bei Metylan Spezial von Henkel.
■ Für Tapetenkleister gibt es leider keine Regelungen oder Empfehlungen, dass Isothiazolinone für Allergiker deklariert werden sollten – ganz im Gegensatz zu Farben und Lacken, wo sogar eine Hotline für Allergiker angegeben wird, wie es der Verband der deutschen Lackindustrie und der Blaue Engel fordern. Warum Tapetenkleister anders behandelt wird, ist für ÖKO-TEST unverständlich, das müsste geändert werden.

Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter www.oekotest.de Suchen „N1494“ eingeben.

Bereits veröffentlicht: ÖKO-TEST Handbuch Bauen für 2013. Aktualisierung der Angaben, sofern die Anbieter Produktveränderungen mitgeteilt haben oder sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat.

Preisberechnung: basiert auf dem kleinsten Produktangebot und beinhaltet nicht das Vorkleistern.