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Test & Technik Plattenspieler: Sprechen wir über Perfektion


Stereoplay - epaper ⋅ Ausgabe 7/2020 vom 11.06.2020

Technics feiert sein 55-jähriges Jubiläum. Und beschenkt (nicht nur) sich selbst mit einem Sondermodell einer Analog-Ikone: Der SL-1210GAE Limited Edition ist weltweit auf 800 Stück limitiert.


Falls Sie hinter dieser Story mehr Begeisterung spüren sollten als es sich für Tester gehört (die ja objektiv und unemotional schlicht ihre Arbeit machen sollten), dann liegen Sie goldrichtig. Denn diese kleine Geschichte über einen großen „alten“ Plattenspieler wurde für uns auch zum Lehrstück über Laufwerke, ihren Klang – und ihren Preis. Achtung: Falls Sie auf ironische Nebenbemerkungen stoßen, gelten die ganz ...

Artikelbild für den Artikel "Test & Technik Plattenspieler: Sprechen wir über Perfektion" aus der Ausgabe 7/2020 von Stereoplay. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Stereoplay, Ausgabe 7/2020

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... bestimmt nicht dem Technics SL-1210GAE.

Eine Nadelbeleuchtung!

Es gibt mindestens einen stereoplay-Tester, der bei den ersten Umdrehungen dieses Direkttrieblers sofort anflng, gedanklich den Kontostand zu checken. Der Grund ist ebenso profan wie unerwartet und treibt einem alten Plattenspiele-rofi die Tränen in die Augenwinkel: Der Technics besitzt eine Nadelbeleuchtung! Ausfahrbar!

Was im DJ-Bereich vermutlich ebenso normal wie unbedingt nötig ist, haben die Erbauer monströser, superteurer und zig Kilo schwerer Metallgebirge in der High-End-Szene noch nie fertiggebracht. Meine Güte, was hätten wir in drei Jahrzehnten Tonabnehmerjustage für eine Nadelbeleuchtung gegeben! Ein Königreich für eine Nadelbeleuchtung!

Komplettpaket!

Technics bringt dieses Sondermodell zum Jubiläum als Limited Edition im Komplettpaket auf den Markt. Nur 800 Stück werden gebaut. Basierend auf dem Grand Class SL-1200G, wird der 1210GAE nur mit schwarz eloxiertem, sogenanntem „Hairline“-Finish des Chassi-berteils und serienmäßig mit einem speziellen Tonabnehmer von Nagaoka geliefert. Für ein einheitliches Bild sorgen der ebenfalls schwarze Magnesiu-onarm und schwarze Bedientasten.

In Japan unter Einhaltung hoher Standards handgefertigt, wird der Plattenspieler schließlich oben rechts auf dem Chassis mit einer Seriennummerplakette versehen. Doch das ist noch nicht alles, was den Newcomer vom üblichen Modell unterscheidet: Vier selbstverständlich fein höhenverstell bare Dämpfungsfüße mit Zin-ruckgussgehäuse sollen durch eine Füllung mit einem weichen, gelartigen Material externe Vibrationen abhalten, übrigens ein Feature, über das auch das Laufwerks-Topmodell von Technics, der SL-1000R, verfügt.

Als weitere Spezialität am SL-1200GAE ist die blaue Stroboskopbeleuchtung zur Drehzahlkontrolle nun abschaltbar, in abgedunkelter (DJ-)Umgebung sicherlich angenehm, im heimischen Wohnzimmer wohl ebenfalls eine Option. Und mit dem letzten serienmäßigen Extr-eature des Technics, dem Tonabnehmer, zäumen wir nun quasi das Pferd von hinten auf.

Aus- und einfahrbar: Helles weißes Licht beleuchtet bei Bedarf das Aufsetzen der Nadel. Äußerst praktisch auch bei Justagearbeiten!


Der runde Drehschalter oberhalb der Start/Stop-aste ist gleichzeitig der Hauptschalter


MM-Tonabnehmer!

Nagaokas JT-1210, entwickelt im Teamwork mit Technics, dürfte für Kenner der Materie als ungewöhnlich gelten. Das mit gut sechs Gramm ungewohnt leichte MM-System besitzt einen zarten Bor-Nadelträger, kommt mit 15 Millinewton Auflagekraft aus und weist einen elliptischen Nadelschliff auf; die Abtastfähigkeit dieses Tonabnehmers ist sehr hoch, abgeschlossen wird wie üblich mit 47 Kiloohm. Rein mechanisch ist das JT-1210 womöglich weniger robust als das so mancher DJ gewohnt ist, unserem Eindruck nach liefert der Tonabnehmer aber deutlich präziseren, viel höher aufgelösten und stimmigeren Klang ab als die gerne ein wenig simpel gestrickten MM-Profisysteme mit ihren fingerdicken Nadelträgern.


„Der SL-1210GAE wird in Japan handgefertigt, wobei hohe Standards die beste Qualität gewährleisten.“


Magnesium-Tonarm!

Der in Retro-Manier s-förmig gebogene Technics-Arm mit seinem höchst präzisen kardanischen Schräglager und Magnesiu-rmrohr ist ja inzwischen ein alter Bekannter, der klanglich sträflich unterschätzt wird. Seine Höhenverstellung stellt nicht nur vernünftige Feinmechanik (statt primitiver Schaftklemmschrauben) dar, sondern lässt auch andere Tonabnehmer und insbesondere andere Headshells zu; die freie Auswahl garantieren hier zwei Zusatzteile für das Gegengewicht, die, kleiner Faux Pas, silberfarben statt schwarz aus- fielen. Übrigens, die Ablage des ausgeschwenkten Armrohres ist rutschfest und tut deshalb, was sie soll, davon darf sich so mancher Edeltonarm eine Scheibe abschneiden. Die Tonarmlager sind völlig spielfrei, der Lift reagiert präzise, die Skala des Gegengewichts stimmt bis aufs zehntel Gramm. Beeindruckend.

Vierschicht-Chassis!

18 Kilogramm: Das mehrschichtige Chassis (bereits in der stereoplay 5/2016 detailliert beschrieben) weckt mit seiner Solidität vollstes Vertrauen: Schwergewichtiger Gummi, eine Kunststoffmischung („Bulk Moulding Compound“) und eine zehn Millimeter starke Deckplatte aus Aluminium ergänzen sich zu einem sprichwörtlich mausetoten Unterbau, den nichts aus der Ruhe bringen wird. Unser Tipp: Lassen Sie die Haube weg, sie vibriert nur mit; ein Staubschutztuch (Freaks nehmen leichte Seide) reicht auch.

Der Plattenteller – sein Antritt ist so stark, dass er mit drei Schrauben auf dem Motor sitzt – ist ein glänzendes, hochgenaues, völlig abgedämpftes Stück japanischer Fertigungsakribie mit Kautschukdämpfung an der Unterseite und Messingdeckplatte auf dem Alugusszentralkörper. Der Rund lauf ist perfekt, Höhenschlag existiert nicht. Dieser Teller wird im Werk individuell geprüft und ausgewuchtet, was den Gleichlauf bestimmt nicht verschlechtert. (Es gibt übrigens dürre Alu-Plattenteller, die den Höhenschlag der Platte mit eigenem Höhenschlag ausgleichen wollen. Leider immer an der falschen Stelle. Und es gibt MDF-Chassis, bei denen die Dosenlibelle an jeder Stelle etwas anderes anzeigt.)

Die wunderbar einfache Höhenverstellung des Magnesium-Tonarmes ist vorbildlich gelöst und in Sekunden zu bewerkstelligen.


Diese Nagaoka-Spezialität gibt es nur in Verbindung mit dem Technics SL-1210GAE: Nagaoka-MM-Tonabnehmer JT-1210.


Der SL1210 GAE bietet auch die 78er-Drehzahl für Singles. Der Mittelpuck dafür lagert in einer Chassis-Vertiefung hinten links.


Rastmoment?

Durch seinen eisenkernlosen Stator besitzt der Technics-Direktantriebsmotor kein Rastmoment. Dieses bei Elektromotoren unerwünschte Phänomen entsteht durch die genuteten Statoren oder genutete Anker und führt zu schwankendem Drehmoment, vor allem bei langsam laufenden Antrieben. Genau das ist im Fall eines Plattenspieler-Direktantriebs ja äußerst unerwünscht, man möchte ja einen kraftvollen Antrieb mit jeder Menge gleichbleibendem Drehmoment, kann dies aber wegen der kleinen Drehzahl nicht völlig aus der Schwungmasse gewinnen. Regelungstechnologie aus, man höre und staune, Blu-ray-Spielern ergänzt schließlich den famosen Technics-Motor, der sich auch messtechnisch glänzend bewährt. Dass sich unter dem Plattenteller nicht nur Feineinstellungsoptionen für Servicetechniker, sondern auch eine USB-Buchse für Updates der ausgefuchsten Regelungstechnik befinden, sollte jedem zu denken geben, der glaubt, ein schwachbrüstiges Synchronmotörchen, ein Gummiriemen und ein schwerer Teller wären der Weisheit letzter Schluss in puncto Plattenspielerantrieb.

Drehmoment!

Wer mithilfe eines Microfase-üchleins die Schallplatte putzt, profitiert zum ersten Mal vom muskulösen Antriebssystem des SL-1210GAE: Die Drehzahl bleibt nämlich stoisch konstant, mithilfe der „Reset“-Taste schicken wir danach des DJs liebstes Kind, den Drehzahlschieberegler, in Rente. Und, ja, das Stroboskop machen wir auch aus und die Nadelbeleuchtung natürlich an…

Das Jubiläumsmodell scheint sofort zu spüren, worum es jetzt geht und schaltet in den HiF-odus: Souverän, ruhig, mit profunder Autorität und tiefschwarzem Hintergrund rotiert der Technics so gelassen wie ein 50-Kilo-Masselaufwerk, aber mit besserem Motor. Das Laufgeräusch des Nagaoka in der Rille darf man dabei getrost unter null verbuchen, die vernünftige elliptische Nadel sieht, anders als „scharfe“ Schliffe, ihren Job nicht darin, auch das kleinste Staubkörnchen in einen großen Knacks zu verwandeln.

Der Technics steht für Ruhe, eine felsenfest gefügte, große Abbildung mit enormer Tiefe und tonaler Ausgeglichenheit; die, ja, manchmal nervös wirkende Spritzigkeit von Leichtba-iementrieblern kennt der SL-1210GAE nicht einmal vom Hörensagen. Wie viel Dynamik, tiefe Emotionalität und echte Faszination sich hier wirklich aufzubauen vermag, merkt man deshalb erst im Laufe einiger Plattenseiten; dies ist kein Blender und kein Haudrauf, sondern ein wunderbares No-nonsense-Werkzeug zum intensiven Musikgenuss. Und darüber hinaus für DJs viel zu schade! Übrigens: Das Nagaoka ist weit besser, als es selbst verwöhnte High ender vermuten würden. Und Tonabnehme-asteln ist ja möglich. Sogar mit Beleuchtung!