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TEST Therapeutische Säuglingsnahrung: Überflüssig


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 9/2011 vom 26.08.2011

Dreimonatskoliken, Blähungen, Spucken, Durchfall – all diese Unpässlichkeiten können Babys zu schaffen und Eltern Sorgen machen. Die Industrie bietet Spezialnahrungen an. Doch deren Nutzen ist alles andere als belegt. Hinzu kommen noch Fettschadstoffe, in einigen Produkten stecken gentechnisch veränderte Substanzen.


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Foto: stockbyte

Die ersten Rülpser im Leben gehen als Bäuerchen durch. Babys befreien sich damit von überschüssiger Luft, die sie beim Trinken an der Brust oder aus dem Fläschchen mit der Milch verschluckt haben. Bliebe die Luft im Magen-Darm-Trakt, käme es zu schmerzhaften Blähungen. Eltern ...

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Die ersten Rülpser im Leben gehen als Bäuerchen durch. Babys befreien sich damit von überschüssiger Luft, die sie beim Trinken an der Brust oder aus dem Fläschchen mit der Milch verschluckt haben. Bliebe die Luft im Magen-Darm-Trakt, käme es zu schmerzhaften Blähungen. Eltern können ihrem Sprössling das Bäuerchen erleichtern, indem sie ihn auf den Arm nehmen, über die Schulter schauen lassen und ihm dabei sanft auf den Rücken klopfen.

Am besten legt man sich dabei ein Spucktuch über die Schulter. Denn mit der Luft bringt das Baby zumeist auch ein wenig Milch wieder mit hoch – es spuckt. Dieses Aufstoßen und Spucken ist ein völlig normaler Vorgang, der keinen Anlass zur Sorge geben muss, solange das Baby angemessen wächst und gedeiht. Der Schließmuskel des Magens erlaubt es, dass immer ein wenig Milch zurück in die Speiseröhre fließt. Diese ist bei Säuglingen aber so klein, dass ihr Fassungsvermögen überschritten und die Milch wieder ausgespuckt wird.

Nur bei sehr, sehr wenigen Säuglingen liegt eine behandlungsbedürftige Refluxerkrankung vor. Wenn die Kleinen nicht mehr genügend an Gewicht zulegen, weil sie zu viel Milch ausspucken, kann eine angedickte Flaschennahrung sinnvoll sein. Diese soll, das verkünden die Anbieter entsprechender Produkte auf den Verpackungen, besser im Magen des Säuglings verweilen und so den Rückfluss der Nahrung in die Speiseröhre und damit das Spucken vermindern.

In Verkehr gebracht werden diese Erzeugnisse als diätetische Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke. Laut Diät-Verordnung dienen sie „der ausschließlichen oder teilweisen Ernährung von Patienten mit eingeschränkter, behinderter oder gestörter Fähigkeit zur Aufnahme, Verdauung, Resorption, Verstoffwechslung oder Ausscheidung gewöhnlicher Lebensmittel (…) oder der Ernährung von Patienten mit einem sonstigen medizinisch bedingten Nährstoffbedarf (…)“.

Die Industrie nutzt dies, um mit einer ganzen Reihe von sogenannten therapeutischen Säuglingsnahrungen Geld zu verdienen. So finden ob der Bauchschmerzen, der Koliken, des vielen Spuckens oder des Durchfalls ihres Babys besorgte Eltern schon in den Drogerieregalen neben herkömmlicher Säuglingsnahrung eine Reihe von Spezialnahrungen. Der Umweg über den Arzt ist scheinbar überflüssig.

Doch nützt das alles auch was? Haben die Mittel ihre Wirksamkeit in handfesten klinischen Studien bewiesen? ÖKO-TEST hat zwölf Säuglingsnahrungen eingekauft, die Hersteller um die Zusendung von Studien gebeten und diese von einem Kinderarzt und Ernährungsexperten begutachten lassen. Zudem haben wir die Deklaration prüfen lassen und Labore mit der Analyse problematischer Inhaltsstoffe beauftragt. Elf Produkte werden als diätetische Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke angeboten, eines nennt sich „Diätetisches Lebensmittel für Säuglinge auf Ziegenmilchbasis“. Alle Produkte sind laut Deklaration für Säuglinge von Geburt an oder ab der ersten Woche geeignet.

Das Testergebnis

Vernichtend: Kein Produkt erreicht auch nur ein „ausreichendes“ Gesamturteil. Die Produkte erfüllen allesamt nicht die Anforderungen an eine Säuglingsnahrung beziehungsweise an ein diätetisches Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke. Für etliche Spezialnahrungen liegen entweder keine belastbaren klinischen Daten vor oder der Nutzen ist zweifelhaft.
Fragwürdige klinische Bedeutung: Auch eine erhöhte Spuckneigung ist zunächst einmal nicht behandlungsbedürftig. Daher ist der Einsatz bei gesunden Säuglingen nicht sinnvoll. Lediglich unter ärztlicher Aufsicht bei Säuglingen mit schwerer Refluxkrankheit oder bei drohender Unter ernährung können sie eingesetzt werden, damit weniger Nahrung durch Erbrechen verloren geht. Zudem ist die Wirkung angedickter („AR-“)Nahrungen von fragwürdiger klinischer Bedeutung: Zwar lässt sich statistisch unter den AR-Nahrungen weniger Aufstoßen und Spucken feststellen, doch es sind im Schnitt nur geringfügige 0,6 Spuckereien täglich weniger.

Heilnahrung ist bei Durchfall fehl am Platze. Die beiden Heilnahrungen bei Durchfall Humana Plus HN und Milupa Milumil enthalten nur wenig oder keine Lactose. Das Humana-Erzeugnis ist zudem mit Ballaststoffen (Prebiotika und Bananenpulver) angereichert. Beide sollen den Stuhl rasch normalisieren. Nur: Bei Durchfall geht es primär darum, den Flüssigkeitsverlust auszugleichen, zum Beispiel mit speziellen Glucose-Elektrolyt-Lösungen, um dann mit der normalen Kost fortzufahren. Kinderärztliche Fachgesellschaften sprechen sich gegen die Verwendung von Spezialnahrungen bei Durchfall aus: Sie sind überflüssig und ohne Nutzen.
Sojaprodukte nur in begründeten Fällen verwenden. Nahrungen auf Basis von Sojaprotein bei Kuhmilchunverträglichkeit hält die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) zwar für geeignet, allerdings nur in begründeten Fällen und nach Rücksprache mit dem Arzt. Damit kommen Sojanahrungen infrage bei der seltenen angeborenen Lactoseintoleranz, bei veganer oder koscherer Lebensweise oder wenn eine Ernährung mit Formelnahrungen zur Behandlung von Kuhmilchallergie nicht praktikabel ist. Für die Ernährung gesunder, gestillter Säuglinge sind Sojanahrungen jedoch nur zweite Wahl nach den bevorzugten Kuhmilchnahrungen. Als Nachteile von Sojaproteinisolaten gelten das enthaltene Phytat, das die Aufnahme von Eisen und Zink verringern kann, und die Unsicherheit bezüglich der biologischen Wirkungen von Phytoöstrogenen. Zudem rät die DGKJ, Sojanahrungen nicht in den ersten sechs Lebensmonaten zur Therapie von Nahrungsmittelallergien einzusetzen. Alle drei Produkten auf Sojabasis enthalten gentechnisch veränderte Bestandteile. Die Toleranzgrenze von 0,9 Prozent Gen-Soja wurde nicht überschritten, sodass der Anteil auch nicht kenntlich zu machen war.
Auch bei Blähungen nicht sinnvoll. Gegen Verstopfung und Blähungen beziehungsweise gegen lactosebedingte Dreimonatskoliken, Blähungen und Durchfallerkrankungen werden die Spezialnahrungen Milupa Aptamil Comfort und Nestlé Beba Sensitive angeboten. Beide enthalten partiell gespaltene Eiweiße aus Kuhmilch und weisen einen verringerten Lactosegehalt auf. Jedoch ist bislang der Nutzen für das Auftreten von Blähungen durch eine verringerte Zufuhr von Milchzucker nicht belegt. Beide Produkte werden nach Auffassung unseres Gutachters für milde Magen-Darm-Beschwerden ausgelobt, was nicht der Absicht des Gesetzgebers bei der Definition eines Lebensmittels für besondere medizinische Zwecke entspricht.
Ziegenmilch erfüllt nicht die Anforderungen. Nach derzeit geltendem europäischem Recht erfüllt die Bambinchen Säuglingsnahrung auf Ziegenmilchbasis, 0–6 Monate nicht die Anforderungen an eine Säuglingsnahrung. Denn sie entspricht von ihrer Aufmachung her einer Säuglingsanfangsnahrung, für die als Proteinquellen nur Kuhmilchproteine, Proteinhydrolysate und Sojaproteinisolate zugelassen sind, nicht aber Ziegenmilch. Bislang fehlt der Nachweis, dass Ziegenmilch, insbesondere als alleinige Eiweißquelle, für die Ernährung von Säuglingen sicher und geeignet ist. Zudem gibt es keine belastbare kontrollierte Studie, die einen Nutzen einer Ziegenmilchnahrung für die Vorbeugung oder aber die Therapie von Kuhmilcheiweißallergie oder -unverträglichkeit belegen würde.
Bedenkliche Fettschadstoffe: Ein großes Problem ist der in den Produkten nachgewiesene Fettschadstoff 3-MCPD-Fettsäureester. Daraus freigesetztes 3-MCPD hat in Tierversuchen die Nierenkanälchen verändert. Die tolerierbare tägliche Aufnahmemenge (TDI) für 3-MCPD überschreiten alle analysierten Werte, die Humana Plus SL und die Novalac AR sogar um mehr als das Zehnfache. Obgleich ein TDI-Wert für 3-MCPD nur für Erwachsene, nicht jedoch für Säuglinge existiert, und sich der Wert auf eine lebenslange Aufnahme bezieht, haben wir hier strenge Maßstäbe angelegt, weil die Spezialnahrungen prinzipiell zur ausschließlichen Ernährung geeignet sind und von Geburt an oder ab der ersten Woche gefüttert werden können.
Lausige Deklaration: Anbieter Humana hebt auf allen drei getesteten Produkten hervor, sie seien „ohne Konservierungs- und Farbstoffe sowie Aromen (lt. Gesetz)“. Das ist zwar rechtlich zulässig, aber eine unnötige Werbung mit Selbstverständlichkeiten. Bei Milupa (Aptamil Comfort und Aptamil AR Anti-Reflux) hapert’s an der Berechnung des Niacingehaltes in der fertigen Milch, der Wert steht in keinem logischen Zusammenhang zum angegebenen Niacingehalt im Pulver.

So reagierten die Hersteller

Die Firma Blauer Planet , Anbieter der Bambinchen Säuglingsnahrung auf Ziegenmilchbasis, schrieb uns, man befinde sich momentan „kurz vor der endgültigen EU-Zulassung des Produktes, die auf Grund ausnahmslos positiver Studien im nächsten Jahr erfolgen wird. Die Studienergebnisse dürfen wir Ihnen aber aus rechtlichen Gründen erst Mitte nächsten Jahres zukommen lassen.“ Ein entsprechender Antrag liegt der EFSA tatsächlich vor, bis zum 31. März 2012 soll darüber entschieden sein. Schließt sich die Europäische Kommission der Einschätzung des Herstellers an, könnte eine Zulassung von Säuglingsnahrungen auf Ziegenmilchbasis für gesunde Säuglinge möglich sein. Damit wäre dann auch bestätigt, dass Ziegenmilch eine sichere und effektive Nahrungsquelle für nicht gestillte, gesunde Säuglinge ist. Zum jetzigen Zeitpunkt ist dies aber nicht der Fall. Unsere Experten bezweifeln sogar, dass das Produkt verkehrfähig ist. Bambinchen wird unter der Verkehrsbezeichnung „Diätetisches Lebensmittel für Säuglinge auf Ziegenmilchbasis“ in den Verkehr gebracht, ergänzt um die Angabe „bis zum vollendeten 6. Monat“; konkrete Angaben hinsichtlich der Eignung als Ernährung bei Stoffwechselstörungen wie zum Beispiel einer Kuhmilchproteinallergie erfolgen nicht. Das von ÖKO-TEST mit der Deklarationsprüfung beauftragte Labor würde das Produkt nach der Definition in § 1 der Diät-Verordnung als Säuglingsanfangsnahrung einordnen. Für Säuglinsanfangsnahrungen dürfen als Proteinquellen aber keine anderen als Kuhmilchproteine, Proteinhydrolysate und Sojaproteinisolate verwendet werden. Ziegenmilch ist somit als Proteinquelle für Säuglingsanfangsnahrung nicht zugelassen. Insofern stelle sich die Frage, ob ein deklarations- und bestimmungsgemäß als Säuglingsanfangsnahrung einzusetzendes Produkt, das nicht den Anforderungen der Diät-Verordnung an eine Säuglingsanfangsnahrung entspricht, unter einer alternativen Verkehrsbezeichnung als verkehrsfähig zu beurteilen ist.

■ Professor Berthold Koletzko schreibt in seinem Gutachten: „Hier handelt es sich um eine für Säuglinge konzipierte Nahrung, die in der Zusammensetzung der Nährstoffe den Anforderungen an Säuglingsnahrungen entspricht, jedoch auf der Grundlage von Ziegenmilch hergestellt wurde. Die europäische Gesetzgebung (Richtlinie 2006/141/EG) akzeptiert Ziegenmilcheiweiß nicht als Grundlage für eine Säuglingsnahrung. Säuglingsnahrung darf in Europa nur auf der Grundlage von Kuhmilcheiweiß bzw. Sojaeiweißisolat hergestellt und vertrieben werden. Die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) hat in Stellungnahmen in den jahren 2004 und 2005 gefolgert, dass die Datenlage zur Dokumentation der Sicherheit und eines normalen Wachstums mit einer Säuglingsnahrung auf Ziegenmilchbasis nicht ausreicht.“
■ Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat auf die Frage, warum dieses Produkt im Verkehr sein darf, geantwortet: „Das Produkt ist bereits in den 1990er Jahren als diätetisches Lebensmittel angezeigt worden. Zu dieser Zeit (und bis 9. Oktober 2010) stand in der Anlage 8 (zu § 4a Abs. 1) der Diätverordnung „sonstige Lebensmittel für Säuglinge und Kleinkinder“. Aus diesem Grund handelt es sich bei dem Produkt nicht um eine Säuglingsanfangsnahrung. (…) Wenn dieses Produkt heute neu angezeigt werden würde, dann würde es vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit geprüft werden, da es nicht mehr unter die Anlage 8 in der aktuellen Fassung – „Getreidebeikost und andere Beikost für Säuglinge und Kleinkinder“ – fallen würde.“

ÖKO-TEST rät

■ Die getesteten Spezialnahrungen bleiben am besten da, wo Sie sie finden: im Ladenregal.
■ Für Säuglinge mit nachgewiesener Kuhmilchallergie gibt es spezielle Nahrungen mit Aminosäuremischungen oder hochgradig hydrolysiertem Eiweiß. Dazu zählen Aptamil Pregomin, Aptamil Pregomin AS und Aptamil Pepti von Milupa, Alfaré und Althera von Nestlé sowie Neocate von Nutricia. Diese können vom Arzt verordnet werden und sind erstattungsfähig.
■ Schreiambulanzen bieten Eltern Hilfe bei echten Schreibabys. Adressen beim Kinderarzt, in der Kinderklinik oder beim Jugendamt erfragen.

Die Behörden schlafen

„Es ist unerträglich, dass die Überwachungsbehörden in Deutschland bei fortlaufenden Gesetzesverstößen nicht eingreifen. Produkte werden im Einzel- und Versandhandel als, Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke‘ verkauft, ohne dass sie die vorgeschriebenen Anforderungen erfüllen, und ohne dass die von der Gesetzgebung vorgesehene ärztliche Aufsicht sichergestellt ist.“

Professor Berthold Koletzko , Kinderklinik der Universität München

So haben wir getestet

Der Einkauf
Den Großteil der Spezial-, Heil- und milchfreien Nahrungen haben wir in Drogerien und großen (Bio-)Supermärkten eingekauft. Von den Fachgesellschaften empfohlene Formelnahrungen, die der Arzt zur Therapie einer gesicherten Kuhmilchproteinallergie verordnen kann, haben wir nicht berücksichtigt.

Die Begutachtung
Mit einer gutachterlichen Stellungnahme haben wir Professor Berthold Koletzko beauftragt. Er leitet die Abteilung Stoffwechsel und Ernährung am Dr. v. Haunerschen Kinderspital des Klinikums der Universität München und ist unter anderem Vorsitzender der Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin. Er ist vor allem der Frage nachgegangen, inwieweit die Auslobungen auf den Produkten durch Studien gedeckt sind und somit ein Nutzen für den Säugling zu erwarten ist.

Die Inhaltsstoffe
Da die Säuglingsnahrungen mit verarbeiteten pflanzlichen Fetten angereichert werden, haben wir die Schadstoffe 3-MCPD- und Glycidylester analysieren lassen. Daraus freigesetztes 3-MCPD hat in Tierversuchen die Nieren geschädigt. Wegen des zunehmenden Anbaus von Gen-Soja haben wir die auf sojabasierten Säuglingsnahrungen auf gentechnisch verändertes Material untersuchen lassen.

Foto: picsfive/Fotolia.com

Die Bewertung
Solange vollmundig Versprechungen nicht mit handfesten Studien untermauert sind, kann in der Begutachtung durch den Experten kein besseres Urteil als „mangelhaft“ stehen. Und ist doch ein Nutzen erkennbar, dann sollte gerade Säuglingsnahrung frei von bedenklichen oder umstrittenen Inhaltsstoffen sein.