Lesezeit ca. 5 Min.
arrow_back

TEST Tiefkühlhimbeeren: Beeren stark


Logo von ÖKO-TEST Magazin
ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 12/2020 vom 26.11.2020

Frei von bedenklichen Pestiziden und Krankheitserregern: Die Mehrheit der Tiefkühlhimbeeren im Test ist „sehr gut“. Nur die Produkte von Eismann und Lidl fallen mit problematischen Substanzen auf.


TEST: JOHANNA MICHL

RATGEBER

1 Bio-Himbeeren werden ohne synthetische Pestizide angebaut und schonen damit die Öko-Systeme in den Anbauregionen.

2 Tiefkühlhimbeeren vor dem Verzehr für zwei Minuten aufkochen lassen. Dann haben Noro- und Hepatitis-A-Viren keine Chance. Das ist besonders wichtig, wenn Schwangere, Kleinkinder, Senioren oder kranke Menschen davon essen.

3 Selbst gekochte Marmelade aus Tiefkühlfrüchten ...

Artikelbild für den Artikel "TEST Tiefkühlhimbeeren: Beeren stark" aus der Ausgabe 12/2020 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: ÖKO-TEST Magazin, Ausgabe 12/2020

Weiterlesen
Artikel 2,00€
epaper-Einzelheft 5,99€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von ÖKO-TEST Magazin. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1050 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 12/2020 von Gut durch den Alltag: GUT DURCH DEN ALLTAG. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Gut durch den Alltag: GUT DURCH DEN ALLTAG
Titelbild der Ausgabe 12/2020 von ÖKO-TEST WIRKT. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
ÖKO-TEST WIRKT
Titelbild der Ausgabe 12/2020 von GEMEINSAM BESSER. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
GEMEINSAM BESSER
Mehr Lesetipps
Blättern im Magazin
EXTRA Geschenke · Einkaufen: Nachhaltiger klicken
Vorheriger Artikel
EXTRA Geschenke · Einkaufen: Nachhaltiger klicken
ÖKO-TEST-Festtagsmenü: Lecker, lecker Bruderhahn!
Nächster Artikel
ÖKO-TEST-Festtagsmenü: Lecker, lecker Bruderhahn!
Mehr Lesetipps

... schmeckt wunderbar frisch und aromatisch.

Foto: ElenaVah/Shutterstock

Ob heiß, auf Eis oder als Schicht in der Mascarpone-Spekulatius-Creme: Himbeeren sind eine feine Köstlichkeit und geben Festtagsdesserts das gewisse Etwas. Tiefgekühlte Früchte eignen sich für Weihnachtsdesserts bestens. Denn Tiefkühlhimbeeren werden nach der Ernte schnell schockgefrostet, sodass sowohl die Form als auch die Vitamine in den empfindlichen Früchten weitgehend erhalten bleiben. Sie sind außerdem – qua Gesetz – frei von Zusatzstoffen wie Konservierungsmitteln, Aromazusätzen, Zucker oder Süßstoffen.

Trotzdem haben es Tiefkühlbeeren schon in die Negativschlagzeilen gebracht. So haben Behörden schon häufiger Produktwarnungen herausgegeben, weil Beeren mit Krankheitserregern verunreinigt waren. Zuletzt rief im August der Discounter Lidl einen Beerenmix wegen Noroviren zurück. Auch Krankheitsausbrüche mit dem Gelbsucht-(Hepatitis-A-)Erreger gehen auf verunreinigtes Tiefkühlobst zurück. Himbeeren können außerdem mit Pestiziden belastet sein sowie mit Rückständen von Desinfektionsmitteln. Um herauszufinden, welche Tiefkühlhimbeeren rundum in Ordnung sind, haben wir 16 Produkte aus biologischem und konventionellem Anbau auf diese möglichen Probleme hin untersuchen lassen.

Top-Ergebnis

Elf Himbeermarken sind tadellos und bekommen von uns das Gesamturteil „sehr gut“. In keinem der 16 getesteten Produkte hat das Labor Noro- oder Hepatitis-A-Viren gefunden und alle waren frei von den Desinfektionsmittelrückständen Chlorat und Perchlorat. Vier konventionelle Marken fielen jedoch negativ durch den Mix an gefundenen Pestiziden auf. Zwei davon schnitten insgesamt noch mit „gut“ ab. Die Eismann Himbeeren und die Himbeeren von Lidl sind dagegen nur „befriedigend“, weil in dem Mix besonders bedenkliche Substanzen enthalten waren.

Bedenkliche Gifte

In den Eismann Himbeeren hat das Labor Spuren des Pestizids Acetamiprid nachgewiesen. Weil der Wirkstoff für Bienen giftig ist, hat beispielsweise Frankreich Acetamiprid bereits 2018 verboten. In Deutschland ist der Einsatz des Stoffes derzeit noch erlaubt. Die Himbeeren von Lidl enthielten Spuren von Captan. Captan ist als krebserregend in Kategorie 2 eingestuft, das heißt, es muss laut Chemikalienrecht (CLP-Verordnung) mit dem Warnhinweis „kann vermutlich Krebs erzeugen“ versehen werden. Immerhin: Der festgestellte Gehalt in den Lidl-Himbeeren ist so gering, dass für den Verbraucher keine akute Gefahr besteht. Er liegt, wie auch der Acetamiprid-Gehalt im Eismann-Produkt, bei einem geringen Bruchteil des gesetz lichen Höchstwertes. Sicherer für Landwirte, Umwelt und Verbraucher wäre es dennoch, ganz auf den Einsatz zu verzichten.


„Bedenkliche Pestizide wie Acetamiprid und Captan sollten nach heutigem Kenntnisstand schlicht gar nicht mehr eingesetzt werden.“


Meike Rix ÖKO-TEST-Redakteurin


Unerwünschte Pestizidcocktails

Auch die weiteren analysierten Pestizidgehalte liegen im Spurenbereich. Das ist eine gute Nachricht. Doch neben der Höhe einzelner Messwerte spielt auch die Anzahl der Spritzgifte im Produkt eine Rolle. Mögliche gesundheitliche Risiken durch Wechselwirkungen sind nämlich kaum erforscht. Auch über das Zusammenwirken der Stoffe in den Öko-Systemen an Land und in den Gewässern der Anbauregionen ist wenig bekannt. Produkte, in denen Spuren von insgesamt mehr als vier Einzelsubstanzen steckten, haben von uns daher einen Minuspunkt bekommen. Das betrifft die Frosta Himbeeren, die K-Classic Erntefrische Himbeeren von Kaufland, die Eismann Himbeeren und die Himbeeren von Lidl. In Letzteren war mit neun Einzelsubstanzen der größte Pestizidcocktail zu finden.

Mangelhafte Verpackungsinfo

Die Soto Spezialitäten Bio Himbeeren sind wie alle Bio-Produkte im Test in Sachen Inhaltsstoffe picobello. Dass sie insgesamt dennoch nur mit „befriedigend“ abschneiden liegt nicht am Inhalt, sondern an Mängeln auf der Verpackung. Denn hier verwischte das Mindesthaltbarkeitsdatum und war nicht mehr zu lesen.

Meistens aus Serbien

Wir haben bei den Anbietern nachgefragt, woher die Himbeeren stammen und um welche Sorten es sich handelt. Alle neun konventionellen Produkte und drei Bio-Produkte sind demnach von der Sommersorte Willamette und stammen aus Serbien, dem zweitgrößten Himbeeranbauland Europas. Der größte Exporteur, Polen, ist im Test nur bei den Bio-Beeren vertreten. Hier sind auch die Anbauländer Ukraine und Bulgarien dabei sowie weitere robuste und aromatische Himbeersorten neben Willamette.

Können im Tiefkühlobst Corona-Viren sein?

„Bisher gibt es keine Hinweise zu Infektionsketten von SARS-CoV-2 über den Verzehr von Lebensmitteln, inklusive tiefgekühlter Lebensmittel“, schreibt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) auf seiner Internetseite. Entwarnung geben die Risikobewerter aber auch nicht. Die bisher bekannten Coronaviren SARS und MERS könnten bei minus 20 Grad Celsius bis zu zwei Jahre im gefrorenen Status infektiös bleiben, so das BfR. Und auch SARSCoV- 2 hätte in einer Studie auf gefrorenem Fleisch nach drei Wochen nur wenig von seiner Infektiosität eingebüßt. Sicherer ist es, die Himbeeren vor dem Verzehr durch zu erhitzen.

So haben wir getestet

Wir haben 16 Tiefkühlhimbeeren aus Bio-Läden, Discountern und Vertrieben für Tiefkühllebensmittel eingekauft. Die Preisspanne für 500 Gramm Himbeeren reicht dabei von 1,19 Euro bis 6,65 Euro. Von den 16 Produkten sind sieben in Bio-Qualität.
Tiefkühlbeeren haben in der Vergangenheit für Krankheitsausbrüche durch Noroviren und Hepatitis-A gesorgt. Daher ließen wir die Himbeeren auf diese Kranheitserreger prüfen. Das von uns beauftragte Labor untersuchte die Tiefkühlfrüchte zudem auf mehr als 500 Pestizide sowie auf Perchlorat und Chlorat. Letztere können als Rückstände von Desinfektionsmitteln in Lebensmittel gelangen können.
Wir prüften außerdem, ob die wichtigsten Informationen auf der Verpackung zu finden und lesbar waren. Plastikverpackungen ließen wir auf umweltbelastende PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen untersuchen.

Fotos: Anja Wägele; Valentina Razumova/Shutterstock (2)

Fett gedruckt sind Mängel.
Abkürzungen: MHD = Mindesthaltbarkeitsdatum.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 158.
Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: Werbung mit Selbstverständlichkeit („Kein Zusatz von Aromen und Süßungsmittel“ oder „Ohne Farb- und Konservierungsstoffe“). 2) Weiterer Mangel: kein dauerhaftes und unverwischbares MHD am Produkt angebracht. Laut Anbieter war bei der Charge nur ein schwaches Verwischen zu beobachten. Bei anderen Chargen seien die Mindesthaltbarkeitsdaten komplett unverwischbar angebracht. 3) Laut Anbieter werden alle Verpackungen des Natural Cool Obstes nach und nach auf eine 4-Sterne-bio-based- Folie umgestellt, welche zu mindestens 80 % aus nachwachsenden Rohstoffen bestehe. Außerdem biete der Anbieter dem Handel parallel auch alle Obstsorten in Faltschachteln ohne Barriereschicht aus Plastik an. 4) Laut Anbieter wird das Herkunftsland zukünftig auf der Verpackung direkt angegeben sein. Laut einem chargengleichen Anbietergutachten sind nur drei statt acht Pestizide in Spuren nachgewiesen worden. Laut Anbieter habe der Lieferant der Himbeeren bestätigt, dass sechs der von unserem beauftragten Labor bestimmten acht Pestizide während der unterschiedlichen Entwicklungsstadien beim Himbeeranbau eingesetzt werden. Die anderen beiden Pestizide könnten durch Abdrift eines benachbarten Brombeerfeldes in die Himbeeren gelangt sein. 5) Laut Anbietergutachten wurde Acetamiprid in chargengleichem Produkt nicht gefunden. Das Vorhandensein der anderen vier Pestizide in Spuren wurde bestätigt. 6) Laut Anbieter werden neben der Sorte Willamette auch die Sorten Polana, Polka, Heritage und Lulin verwendet. Außerdem sei die Deklaration der Verpackung ab November 2020 geändert. Unter anderem ändere sich die Verkehrsbezeichnung zu „Bio-Himbeeren tiefgefroren“ und die Herkunftsländer seien dann Polen und Bulgarien.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt.
Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils eine Note: a) ein als besonders bedenklich eingestuftes Pestizid in einem Spurengehalt von mehr als 0,010 mg/kg (hier: Acetamiprid, Captan); b) 5 bis 9 Pestizide in Spuren.
Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um vier Noten: ein nicht dauerhaft angebrachtes, leicht verwischbares Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD), welches gleichzeitig auch als Charge dient. Zur Ab- wertung um eine Note führt: Werbung mit Selbstverständlichkeiten (hier: „Kein Zusatz von Aromen und Süßungsmittel“ oder „Ohne Farb- und Konservierungsstoffe“). Steht bei konkret benannten Analysenergebnissen „nein“ bedeutet das „unterhalb der Bestimmungsgrenze“ oder „unterhalb der Nachweisgrenze“ der jeweiligen Testmethode.
Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ oder „ausreichend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „mangelhaft“ oder „ungenügend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um zwei Noten. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „gut“ ist, verschlechtert das Gesamturteil nicht.

Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter oekotest.de/M2012
Einkauf der Testprodukte: August 2020.
Preise können aufgrund der befristeten Mehrwertsteuersenkung geringfügig abweichen.

Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.


Fotos: Anja Wägele; Valentina Razumova/Shutterstock (2); Heavenman/Shutterstock Illustrationen: noun project