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TEST Tierkrankenversicherungen: Tierisch kompliziert


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 7/2014 vom 27.06.2014

Krankheitsschutz gibt es auch für Haustiere. Tierhalter können ihren Hund oder ihre Katze versichern. Doch die Bedingungen sind schwer verständlich und haben viele Fallstricke. Zwischen den Anbietern gibt es zudem große Unterschiede.


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Foto: Ermolaev Alexander/©Shutterstock

Aus die Maus. „Die Axa Assistance hat Anfang 2012 ihre Tierkrankenversicherungen aus strategischen Gründen eingestellt“, teilte uns Geschäftsführerin Luiza Savu-Bürger mit. Ende 2012 wurden zum Ärger der Kunden alle Verträge gekündigt. Bei einem anderen Anbieter unterzukommen, ist schwer, denn die Assekuranzen sind bei der Aufnahme der ...

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... Tiere extrem wählerisch. Sie möchten nur gesunde Tiere versichern. Der Ausstieg der Axa aus dem Markt könnte mit unserem Mitte 2011 veröffentlichten Vorläufertest zusammenhängen. Damals hatte die Axa durchweg schlecht abgeschnitten. In die Marktlücke ist der Tiergarant-Versicherungsdienst gestoßen. Der Vermittler vertreibt seine Produkte unter dem Namen Petplan und ist für die niederländische Unigarant UVM Verzekeringsmaatschappij tätig. Das Marktpotenzial in Deutschland ist groß. „Wir gehen davon aus, dass weniger als fünf Prozent der in Deutschland lebenden Hunde und Katzen krankenversichert sind“, schätzt Agila-Vorstand Patrick Döring. Damit gibt es noch über zehn Millionen potenzielle vierbeinige Kunden. ÖKO-TEST hat 52 Tarife von sechs Anbietern für den Krankenschutz von Hunden und Katzen intensiv auf ihre Leistungsstärke geprüft. Auch die Uelzener Versicherung stellte sich in diesem Jahr erstmals dem Test. Geholfen hat uns die langjährige Tierärztin Marietta Bartels aus Düsseldorf, mit der wir ein Fallszenario aus der täglichen Tierarztpraxis entwickelt haben. Tiere sind immer Privatpatienten. Laut Expertin Bartels rechnen viele Kollegen in Großstädten den dreifachen Satz der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) ab. Die so entstehenden Gesamtkosten für den Tierhalter wurden daher als Basis der Analyse festgelegt und mit den Leistungen aus dem Versicherungsschutz verglichen. Im Testfall sind ein Hund und eine Katze zwei Jahre lang gesund. Lediglich Vorsorgeuntersuchungen fallen an. Außerdem werden die Tiere sterilisiert. Im dritten Jahr erwischt es die Vierbeiner dann richtig. Sie müssen aufwendig ambulant behandelt und zweimal unter Narkose operiert werden.


Viele Tierärzte berechnen den dreifachen Gebührensatz


ÖKO-TEST rät

• Gegen Krankheiten können Hunde und Katzen versichert werden. Ein Rundumschutz ist teuer. Preiswerter ist reiner Operationsschutz.
• Die volle Tierarztrechnung wird wegen Wartezeiten, Ausschlüssen, Abzügen, Selbstbeteiligungen und gedeckelter Versicherungssummen meist nicht gezahlt.
• Wer keine Versicherung hat, sollte regelmäßig etwas als Vorsorge für sein Tier zurücklegen.
• Für Hunde- und Pferdebesitzer ist eine spezielle Tierhalter-Haftpflicht unerlässlich. Schäden durch andere Kleintiere sind über die private Haftpflichtversicherung abgesichert.

Das Testergebnis

Einschränkungen im Kleingedruckten. Grundsätzlich gibt es bei Tierkrankenversicherungen Ausschlüsse, Wartezeiten, Selbstbeteiligungen, gedeckelte Versicherungssummen und unterschiedliche Leistungen. Das Kleingedruckte macht die Angebote zum Buch mit sieben Siegeln. Schutz gibt es zudem nur für gesunde Tiere. Werden später angeborene Krankheiten diag nostiziert, geht der Besitzer leer aus. Außerdem werden bestimmte Krankheiten zeitweilig oder ganz vom Schutz ausgeschlossen. Bei der Allianz gilt das immerhin für zwölf Erkrankungen 24 Monate lang.
Im schlechtesten Fall zahlen die Kunden drauf. In unserem Test gilt das für den Krankenschutz von Fressnapf bei Katzen und Hunden sowie für den Katzen-Voll-Schutz der Uelzener. Ursache sind die hohen Prämien, die Leistungen vollkommen auffressen. Während bei Fressnapf die magere Höchstleistung aus dem ersten Jahr von 500 Euro für Hunde und 250 Euro für Katzen nur ansteigt, wenn der Kunde ein Jahr leistungsfrei bleibt, leistet der Katzen-Voll-Schutz der Uelzener nur den einfachen Satz der GOT. Gleichzeitig verlangt der Versicherer die stolze Jahresprämie von 281 Euro. Bei den reinen OP-Versicherungen machen dagegen unsere Musterkunden mit allen Tarifen ein Plus.
13 Toptarife. Mit mehr als 45 Prozent Ersparnis liegen insgesamt zehn Krankenversicherungstarife und drei OP-Policen auf dem ersten Rang. Sie werden allesamt von der Agila und dem Tiergarant-Versicherungsdienst angeboten.

Die Tierkrankenversicherung ist „tierisch“ teuer. So verlangt die Agila für einen Schäferhund pro Jahr rund 935 Euro. In drei Jahren hat der Kunde somit einen Aufwand von rund 2.800 Euro. Für eine Freigängerkatze will die Agila in drei Jahren immerhin fast 1.200 Euro, die Uelzener nimmt rund 1.100 Euro – bei schlechteren Leistungen. Deutlich günstiger ist reiner Operationsschutz. Topschutz gibt es im OP-Kostenschutz Exklusiv der Agila für kleinere Hunde schon ab rund 230 Euro pro Jahr. Für alle Katzen gilt das beim Petplan OPKostenschutz des Tiergarant-Versicherungsdiensts schon für rund knapp 140 Euro.
Fallstricke: Die Uelzener wirbt in einer Broschüre für ihren Katzen-Voll-Schutz, der den zweifachen GOTSatz leistet, mit einem Beitrag von 74,85 Euro. Das liest sich im ersten Moment ganz gut. Doch es handelt sich um drei Monatsbeiträge. Das ist eine vollkommen unübliche Darstellung. Kunden, die über diese Klippe springen und dies nicht für einen Jahresbeitrag halten, kommen auf eine Summe von rund 300 Euro. Das gilt aber nur, wenn ein Vertrag auf zehn Jahre abgeschlossen wird. Für den üblichen Einjahresvertrag muss der Kunde hingegen 374 Euro blechen.
Feste Beitragssteigerungen: Dass Preise steigen, dürfte Tierliebhabern schon aus der privaten Menschen-Krankenversicherung bekannt sein. Doch die Tierkrankenversicherer haben eine feste Erhöhung verankert. Je nach Anbieter werden ab dem dritten oder siebten Jahr Mehrzahlungen fällig. Der Tiergarant-Versicherungsdienst kann die Prämien anpassen, wenn Hunde schwerer geworden sind. Daher verlangt er nach jeder Erkrankung die Angabe des Tiergewichts.
Kündigung im Schadenfall: Werden Tiere krank, kann der Versicherer den Vertrag nach dem ersten Schaden kündigen. Allein der Tiergarant-Versicherungsdienst verzichtet auf dieses Recht. Da der Versicherer aber nur Einjahresverträge anbietet, kann er am Ende des Jahres legal kündigen.
Gefährliche Schadensteuerung: Die guten Leistungen, die wir dem Tiergarant-Versicherungsdienst attestieren, stehen unter dem Damoklesschwert einer möglichen sehr negativen Schadensteuerung. So muss der Kunde Behandlungen, die über 750 Euro kosten, dem Vermittler vorher schriftlich anzeigen. Gleichzeitig hat Tiergarant das Recht, Kunden an einen anderen „Tierarzt zu verweisen, wenn berechtigte, fachliche Zweifel an der fachlichen Qualifikation des bisherigen Tierarztes bestehen“. Solche Eingriffe muss der Anbieter zwar nicht nutzen, er könnte es aber, um „Billigbehandlungen“ durchzuführen oder Kunden im Schadenfall sprichwörtlich Steine in den Weg zu legen.

Expertin

Tierärztin Marietta Bartels aus Düsseldorf, hat mit uns ein Fallszenario aus der täglichen Tierarztpraxis entwickelt.


Foto: Privat

Mit Kosten keine Erfahrung

„Die meisten Kunden haben mit den tatsächlichen Krankheitskosten keine Erfahrung. Sie selbst haben ja eine Kassenkarte.“

Anmerkungen: 1) Direktabrechnung über den Tierarzt, Geldanweisung innerhalb von acht Stunden nach Schadensmeldung. 2) Eine tierärztliche Untersuchung ist nicht Voraussetzung für den Vertragsabschluss, der Kunde muss lediglich Fragen zum Gesundheitszustand des Tieres beantworten. Einige Tierrassen sind nur bis zum fünften Lebensjahr versicherbar. 3) Die Fressnapf Tiernahrungs GmbH vermittelt die Verträge für die Agila-Versicherung. 4) Bei bestimmten Krankheiten gibt es eine längere Wartezeit von sechs statt drei Monaten, bis der Schutz gilt. 5) Die Erstattung wird ab dem fünften Geburtstag des Tieres von 80 auf 60 Prozent gesenkt. 6) Bei Zusendung von mehreren Rechnungen wird nur einmal der Selbstbehalt fällig. 7) Die Erstattung wird ab dem fünften Geburtstag des Tieres von 100 auf 80 Prozent gesenkt.
Legende: Tarife mit dem gleichen Rang sind nach Ersparnis in Prozent aufgeführt. Für das Ranking wurde der Leistungsumfang nach einem Modellfall bewertet. Dieser Modellfall wurde mithilfe der Tierärztin Marietta Bartels aus Düsseldorf entwickelt. Er repräsentiert ein rea listisches Leistungsfallszenario für drei Jahre.
Stand: Juni 2014.
Die Testmethode finden Sie unter www.oekotest.de  Suchen  „M1407“ eingeben.Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.