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TEST Tomatenmark - Da sehen wir rot


ÖKO-TEST Ratgeber Kinder und Familie - epaper ⋅ Ausgabe 9/2021 vom 09.09.2021

TEST TOMATENMARK

Artikelbild für den Artikel "TEST Tomatenmark - Da sehen wir rot" aus der Ausgabe 9/2021 von ÖKO-TEST Ratgeber Kinder und Familie. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

RATGEBER

1

Schimmelpilzgifte „stark erhöht“ heißt es ausgerechnet in drei Bio-Produkten. Das Tomatenmark von Alnatura, Dm Bio und Ener Bio (Rossmann) lassen Sie besser im Regal. Zum Glück gibt es vier „sehr gute“ Bio-Alternativen.

2

Günstig muss nicht schlecht sein: Drei preiswerte konventionelle Produkte schneiden „sehr gut“ ab. Das Markenprodukt von Cirio hingegen ist als einziges „ungenügend“.

3

Sie wollen Ihr Tomatenmark lieber selber machen? Wir verraten Ihnen wie: Auf oekotest.de „Tomatenmark“ in die Suche eingeben.

So schön einfach, so schön praktisch: Tomatenmark ist aus der schnellen italienischen Küche nicht wegzudenken. Gut, dass fast die Hälfte der 20 getesteten Produkte Pizza, Lasagne und Minestrone noch ein bisschen besser machen. Blöd, dass in fast der gesamten anderen Hälfte ...

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... Schimmelpilzgifte in einer Höhe stecken, die wir als „erhöht“ oder sogar „stark erhöht“ bewerten.

„Fast jedes zweite Produkt hat ein Problem mit Schimmelpilzgiften – höchste Zeit, dass die EU nicht nur laxe Richtwerte, sondern gesetzliche Grenzwerte festlegt.“

Johanna Michl, ÖKO-TEST-Redakteurin

Klingt eklig? Ist es. Aber Ekel ist hier nicht das größte Problem. Bei den im Test entdeckten Schimmelpilzgiften handelt es sich um Alternariatoxine, speziell um Alternariol und Tenuazonsäure (TeA). Beide stellen ein mögliches Gesundheitsrisiko dar (siehe nebenstehenden Kasten). Jetzt sollte man meinen: Wenn das so ernst ist, dann gibt es auch Grenzwerte. Dann tut die Politik etwas dagegen. Von echten Grenzwerten ist die Politik allerdings noch weit entfernt. Die EU-Kommission plant gerade „Richtwerte“, nach denen Unternehmen sich, wie der Name schon sagt, richten können – oder eben auch nicht. Für das „oder eben auch nicht“ haben sich vier Hersteller entschieden. In den Bio-Produkten von Alnatura, Dm und Rossmann stecken Alter nariatoxine in einer Höhe, die die geplanten Richtwerte für verarbeitete Tomatenprodukte überschreiten. Am stärksten belastet und damit als einziges Produkt im Test „ungenügend“ ist das Cirio Tomatenmark doppelt konzentriert, das sogar beide Richtwerte, also die für Alternariol und TeA, deutlich übersteigt. „Supercirio“ nennt sich das Produkt auf der Verpackung – so viel Selbstbewusstsein sollte man sich leisten können.

Verbotenes Pestizid

Unser zweiter Kritikpunkt: In fünf Produkten stecken Spuren von besonders bedenklichen Pestiziden. Kauflands Eigenmarke K-Classic ist diesbezüglich am stärksten belastet. In dem Tomatenmark hat das von uns beauftragte Labor neben dem bienentoxischen Imidacloprid auch das in Deutschland bereits verbotene Chlorfenapyr nachgewiesen.

Bella España

Jetzt zur Herkunft. Die meisten Produkte schmücken sich in den italienischen Nationalfarben, viele Hersteller schreiben zudem auf die Verpackungen, dass sie nur Tomaten aus Italien verwenden. Weil das zieht. Weil wir Verbraucherinnen und Verbraucher Wert drauf legen, dass unser Olivenöl, unsere Spaghetti und eben unser Tomatenmark aus Bella Italia stammen. Die Firmen profitieren von dieser Verbrauchererwartung. Und das ist völlig legitim – wenn die Tomaten wirklich aus Italien stammen. Das haben wir per Isotopenanalyse untersuchen lassen. Zudem haben wir die Hersteller gebeten, uns die Lieferkette transparent nachzuweisen. Das Ergebnis: Tatsächlich kommen fast alle Tomaten aus Italien. In drei Fällen deutet die Analyse allerdings auf die Herkunft Spanien oder Marokko hin. Bei dem Lidl-Produkt Freshona ist das ein Problem: Es hat auf der Verpackung die italienischen Nationalfarben abgedruckt. Das ist laut einer EU-Verordnung nur erlaubt, wenn die Tomaten tatsächlich aus Italien stammen oder auf der Verpackung steht, dass dem eben nicht so ist. Daran ändern auch die Lieferdoku-mente, die Italien als Herkunft nachweisen, wenig. Denn die zeigen nur, dass ein Teil der Tomaten aus Italien stammt.

WISSEN

Alternaria … was?

Was sind Alternariatoxine?

Alternariatoxine sind Gifte von Schimmelpilzen. Schwärzepilze der Gattung Alternaria produzieren sie, daher der Name.

Wo sind die drin?

Auf Pflanzen sind Alternariatoxine ziemlich weit verbreitet – sie können etwa in Nüssen, Getreide, Gewürzen, Obst und Gemüse wie eben Tomaten stecken.

Was machen die?

Im Test haben die von uns beauftragten Labore zwei Formen entdeckt: Alternariaol und Tenuazonsäure (TeA). Beide sind bedenklich, Alternariol aber noch einmal mehr: Es wirkt „in vitro genotoxisch“, hat also in Zellstudien das Erbgut geschädigt. TeA hat in Tierversuchen die Bildung körpereigener Proteine gehemmt, was erst einmal harmlos klingt, aber zu Organschäden führen könnte.

Die Arbeitsbedingungen auf den Feldern in Süditalien sind hart. In der sengenden Hitze arbeiten viele Migranten, oft illegale, für einen Hungerlohn. Sie leben teils in Gettos ohne fließend Wasser und Strom. Wir wollten von den Herstellern wissen, ob sie sich wenigstens um bessere Arbeitsbedingungen bemühen. Dafür sollten sie die Lieferkette offenlegen – denn nur, wer weiß, wo seine Tomaten herkommen, kann auch etwas bewirken. Zudem sollten sie uns mit Zertifikaten und Auditberichten, die sich an internationalen Sozialstandards orientieren, überzeugen. In unserem Test Passierte Tomaten (ÖKO-TEST Magazin 5/2021) hatte das die Hälfte der (oft identischen) Hersteller verschlafen. Für das Tomatenmark sind nun alle aufgewacht und haben uns die Nachweise geschickt. Immerhin!