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TEST: UNDER-STATEMENT


FMT Flugmodell und Technik - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 27.12.2019

Schon mal auf Wolke 7 geschwebt? Als RC-Segelflieger tun wir das ja ständig, wenn nicht gerade darauf, so doch darunter – und manchmal auch innendrin, aber dann nur ganz kurz, gell? Nun kommt Hacker Motor mit dem Gleitschirm Cloud 0.5. Was soll das denn für eine halbe Wolke sein?


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Bildquelle: FMT Flugmodell und Technik, Ausgabe 1/2020

Para-RC Cloud 0.5 von Hacker Motor

Endlich für alle?

Mich hat der Para-Virus ja schon lange gepackt. Aber nicht immer teilen andere Modellflieger meine Vorlieben. Und das hängt nicht nur damit zusammen, dass ihnen die nötige Einstellung fehlt, sondern oft auch mit dem völligen Unverständnis für den Preis eines solchen Geräts. Denn ...

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... RC-Gleitschirme können schon mal den Gegenwert eines Mittelklasse-GFKSeglers kosten. Komischerweise werden da die Preise meist akzeptiert, obwohl in beiden Fällen hohe Produktions- und Arbeitskosten anfallen. Schließlich kann man vernünftige Voll-GFK-Modelle – und Gleitschirme – nicht mit vollautomatischen Maschinen am Fließband herstellen. Da ist alles nach wie vor Handarbeit. Mit dem Para-RC Cloud 0.5 – einem preisgünstigen Komplett-Fertig-Modell, das dennoch sehr gute Flugleistungen haben soll – könnte sich die Akzeptanz ändern. Das muss ich ausprobieren!

Was kommt denn da?

Der kleine Karton wirkt leicht unterdimensioniert für einen Gleitschirm, aber tatsächlich passt alles rein, was beim Set ohne Sender versprochen wird: Eben der Gleitschirm, verpackt in einer Tüte mit Verschluss und der gesamte Rucksack samt Motor, Regler, Servos, Beleuchtung…

Kurz, bis auf den Antriebsakku und die Fernsteuerung ist das Ganze komplett. Man programmiert die Sache, hängt den Schirm ein und es kann losgehen. Ich musste nur noch meine üblichen Goldstecker gegen die bereits angebrachten EC-Stecker tauschen und den Empfänger im Rucksack verstauen. Schaumstoff hält ihn dort am Platz und schützt ihn auch etwas. Die Kabel haben da ebenfalls Platz, die Antennen lassen sich sauber innen verlegen und ein Vario würde auch noch reinpassen. Aber halt, wie programmiert man eigentlich einen Gleitschirm?

So bekommt man ihn, den Cloud 0.5 als ARF-Modell. Noch den Schirm anhängen, Empfänger und Akku rein und fertig.


Rauf die Ärmchen

Da gibt es verschiedene Möglichkeiten – und es hängt vom verwendeten Sender ab. Mit dem praktischen Para-Modul von Hacker geht man allen Schwierigkeiten aus dem Weg. Einstecken, eventuell noch etwas trimmen und schon kann es losgehen. Und zwar auch mit einem einfachen Sender. Sobald der verwendete Sender einen V-Leitwerks- oder Delta-/Elevon-Mischer hat, ist er auch ohne Para-Modul einigermaßen gleitschirmtauglich. Zumindest der Cloud 0.5 fliegt nämlich auch, wenn man nur diesen Mischer aktiviert. Die Ärmchen gehen dann zwar beim Steuern gegensinnig und das Anbremsen beim Landen hat etwas wenig Servoweg, es geht aber.

Besser ist natürlich ein komfortablerer Sender, der zumindest Servowegeinstellungen und eventuell auch Kurvenmischer zulässt. Wer keinen Kurvenmischer hat, begrenzt die Servowege beim Steuern (Querruder) so, dass zwar der Arm voll nach unten geht, in dessen Richtung man steuern will, der andere Arm aber nicht nach oben. Der perfekte Weg ist die Kombination aus Elevon-/Deltamischer und Kurvenmischer; denn damit kann man sowohl die Arme beim Steuern gezielt so mischen, dass sie nur in die Steuerrichtung nach unten gehen – und das Anbremsen in der unteren Hälfte des Höhenrudersticks den vollen Servoweg bekommt. Für Jeti zeige ich das im Folgenden Schritt für Schritt, schließlich ist nicht jeder mit Kurvenmischern vertraut.

Der Jeti-Weg zum Glück

Hier kommt jetzt keine Anleitung zum Finden des eigenen Ich und der persönlichen Mitte durch die Lehre des großen und erleuchteten Jeti, sondern eine ganz banale Schritt-für- Schritt-Programmieranleitung. Und so oder ähnlich geht es dann auch mit anderen Anlagen (und anderen Gleitschirmen). Eigentlich ist es ganz einfach. Das Ziel ist, dass Folgendes passiert: Knüppel links, nur linker Arm muss runtergehen; Knüppel rechts, nur rechter Arm geht runter. Höhenruderstick nach unten, beide Arme gehen nach unten. Höhenruderstick nach oben: nichts passiert. Und los geht‘s:
1) Wie immer einen neuen Modellspeicher anlegen, in den Grundeinstellungen zwei Querruder und kein Leitwerk eingeben. Servos zuordnen.
2) Servowege auf Maximal. Und falls die Bewegungsrichtung nicht korrekt ist, umpolen (Wegumkehr).
3) Delta-Elevon-Mischer aktivieren und Höhe auf 100%, Quer auf 100% einstellen.
4) Bei beiden Servos komplett die Mitte verschieben (+200%, -200%), damit wir den vollen Weg nur in eine Richtung (nach unten) haben.
5) Servolimit jeweils auf 100%, damit die Servos nur nach unten gehen (ich musste ein Servo etwas trimmen, damit beide genau gleich waren, dann Limit entsprechend anpassen).
6) Man kann zusätzlich Weg herausholen, wenn man im Expo-Menü den Weg erhöht (maximal 125%). Das war‘s schon.

Mustermischer als Download

Wem das jetzt immer noch zu kompliziert ist, der kann zumindest für Jeti meinen Mischer haben, den ich für den Cloud 0.5 verwende. Da ist sogar noch eine Funktion drauf, die den Schirm hinten leicht nach unten zieht – eine Thermikstellung sozusagen, die ich auf den linken Seiten-Drehregler gelegt habe und damit gezielt leicht anbremsen kann. Außerdem sind Sicherheitsfunktionen drauf (wie der Motor-Aus-Schalter) und Schalterstellungen, die beim Einschalten des Senders „off“ sein müssen (Motor, Gas, Thermikstellung). Diese Programmierung ist zu der meiner großen Gleitschirme identisch. Und auch Hacker bietet einen Mustermischer als Download an, von dem es demnächst eine neue Version geben wird. Bitte jedoch immer bedenken, dass die von mir programmierten Schalter- und Knüppelbelegungen nicht mit Euren übereinstimmen könnten.

Auf diesem Board sind die Servos, der Regler und die Beleuchtung verdrahtet.


Das LED-Board verfügt über einen eigenen Ein-Aus-Schalter, kann aber durch den Stecker links komplett deaktiviert werden.


Cloud 0.5 – ein gewaltiges Understatement

Womit wir bei der Frage von ganz oben angekommen sind, was das für eine halbe Sache sein soll, der Gleitschirm mit der 0.5 im Namen. Den eines ist der Cloud 0.5 ganz sicher nicht: eine halbe Sache. Die 0.5 bezieht sich nämlich – wie bei Gleitschirmen oft üblich – auf die Fläche des Schirms. Und diese beträgt beim Cloud 0.5 eben „nur“ einen halben Quadratmeter. Das macht diesen Paraglider natürlich kompakt und leicht, denn mit nur 385 g Abfluggewicht ist er schon sehr leicht gegenüber den kiloschweren großen Brüdern mit ihren teils über ein bis zwei Quadratmetern Segelfläche. Dennoch ist er ein vollwertiger Gleitschirm und garantiert kein Spielzeug, wie manche Gleitschirmfans mutmaßten.

Schon beim ersten Flug war mir gleich klar, dass der Cloud 0.5 erstaunliche Flugeigenschaften hat: Aus der Schachtel ohne jegliche Veränderungen startete ich ihn problemlos aus der Hand – und er stieg sofort und flog mit nur leichten Trimmkorrekturen geradeaus. Das habe ich so bei noch keinem Gleitschirm erlebt, denn üblicherweise muss man doch eine Menge montieren und einstellen. In diesem Fall stimmt also die Bezeichnung ARF definitiv.

Fliegt wie ein Großer

Das war‘s aber noch nicht, denn der kleine Kerl geht mit der Standardmotorisierung heftig ab. Kein Wunder, denn das Schub-Gewichts- Verhältnis liegt bei etwa 1:1. Es handelt sich sozusagen um einen Hotliner in Paragliderform. Die Power würde aber nichts nützen, wenn der Cloud 0.5 sie nicht umsetzen könnte. Kann er aber. Natürlich darf man nicht mit Vollgas steigen, das geht mit keinem Gleitschirm, aber es ist schon erstaunlich, welchen Anstellwinkel man diesem Gleitschirm zumuten kann. Selbst die besten Gleitschirme, die ich bisher getestet habe, schaffen in dieser Diziplin nicht mehr. Daraus folgt, dass man sehr schnell auf Höhe kommt.

Das ist der empfohlene 3s-1.800er Akku. Wenn Gewicht gewünscht ist, gehen auch größere Exemplare.


Gibt man doch mal spaßeshalber Vollgas, kippt der Schirm aber nicht etwa hintenüber. Sondern er macht, was ein Hotliner-Schirm halt so macht, nämlich einen sauberen Looping. Ich bin total verblüfft. Und so gehen auch waagerechte Steilkurven oder Achten problemlos. Und das Schöne dabei ist: Man muss nur die Knüppel loslassen – und der Cloud 0.5 beruhigt sich gleich wieder. So etwas nennt man gutmütig.

Und in der Thermik?

Dafür taugt er aber in der Thermik nichts, oder? Weit gefehlt. Beim ersten Flug entdeckte ich weit vorne am Hang zwei Milane, die sich abmühten, in der Minimalthermik der vorhandenen Inversionswetterlage Höhe zu gewinnen. Ich flog zügig zu den beiden (ja, das ging zügig) und tatsächlich machte der Cloud 0.5 dort ein paar Meter Höhe. Mehr war nicht drin – und auch die Milane gaben bald auf. Aber man muss keinen akademischen Grad haben, um zu verstehen, dass dieser kleine Schirm bei besserer Thermik gut steigen wird. Wer hätte das gedacht?

Tuning: Steuerleinen

Eigentlich muss man am Cloud 0.5 nichts verändern. Aus der Schachtel heraus fliegt er wunderbar. Es fehlt weder an Leistung noch an Beweglichkeit. Aber wir wären keine gestandenen Modellbauer, wenn wir nicht noch irgendetwas drehen wollten. Und ein bisschen geht tatsächlich. So war mir beim Fliegen aufgefallen, dass die hinteren Leinen (also die Steuer- und Bremsleinen) vor allem bei Gegenwind deutlich nach hinten durchhingen. Das ist durchaus Absicht, denn gerade der Einsteiger erhält dadurch eine Art Expo. Damit fliegt der Schirm um die Knüppel- Mittelstellung ruhig, weil es eine Weile braucht, bis die Leinen straff sind und man steuern kann. Der Anfänger wird diesen für ihn positiven Effekt gar nicht bemerken, der erfahrene Paragliderpilot es dagegen gerne etwas knackiger haben wollen: Also kann man die Steuerleinen einfach etwas verkürzen oder die Servoarme einen Zacken weiter unten einhängen. Mit dieser einfachen Justierung reagiert der Schirm nicht nur schneller, sondern dank der besseren Ausnutzung des Servoweges auch stärker, das ist vor allem bemerkbar beim Bremsen. Dabei sollte man aber sachte vorgehen, denn sobald man schon im Normalflug die Hinterkante herunterzieht, fliegt der Schirm ständig gebremst, was er aber nicht soll.

Mit Dreiblatt-Luftschraube

Der Motor zieht mit der Standardluftschraube rund 12 A. Mehr braucht kein Mensch, denn damit macht man ja wie erwähnt schon Loopings aus dem Stand. Aber egal, wir sind hier die Oberoptimierer und ändern etwas, einfach weil es geht. Und es geht mehr als einfach: Hacker bietet nämlich eine Dreiblatt- Luftschraube (5×4,5“) an, die den Regler und Motor zwar bis an seine Grenze auslastet (etwa 20 A), aber bei Gleitschirmen fliegt man ja äußerst selten mit Vollgas. Und wenn, dann höchstens für ein paar Sekunden im Kunstflug. Mit dieser Luftschraube gibt man aber bei gleicher Steigleistung weniger Gas – und dadurch wird der Gleitschirm leiser, der Sound angenehmer. Was nicht schadet, denn Motor-Paraglider sind generell nicht gerade superleise. Als Kompromiss gibt es noch eine etwas breitere Zweiblattluftschraube (auch 5×4,5“), die etwa 15 A zieht und damit zwischen den beiden erwähnten Varianten liegt. Na also, geht doch!

So wird der Schirm eingehängt: die Hauptleinen außen, die Steuerleinen (weiß) innen an den Servoarmen.


Gewicht- bzw. Akku-Tuning

Auch mit dem Gewicht kann man noch arbeiten. Denn RC-Gleitschirme setzen sich gegen Wind besser durch, wenn sie etwas mehr auf die Waage bringen. Wir brauchen beim Cloud 0.5 aber nicht unbedingt reinen Ballast, denn der empfohlene Standardakku Hacker Eco-X 3s1p mit 1.800 mAh kann problemlos durch Exemplare mit bis zu maximal 2.400 mAh (etwa der Power-X 2400) ersetzt werden, solange sie noch in den Akkuhalter im Rucksack passen.

Mit letzterem LiPo hätte man immerhin gut 60 g mehr an Lebendgewicht. Umgekehrt kann man bei Minimalwind und schlapper Thermik auch kleinere Akkus verwenden. Das war‘s jetzt aber, was mir zum Tuning so einfällt. Alle diese Maßnahmen sind im Normalfall komplett unnötig. Aber das ist noch lange kein Grund, sie nicht doch mal auszuprobieren, gell!

Mein Fazit

Der Cloud 0.5 wird nicht nur flugfertig und zu einem attraktiven Preis geliefert, er kann direkt aus der Schachtel heraus ohne weitere Einstellarbeiten praktisch alles, was sonst nur weitaus größere Gleitschirme können. Damit ist er nicht nur für Einsteiger attraktiv, sondern wird auch erfahrenen Paragliderpiloten großen Spaß machen. Durch sein winziges Packmaß kann man ihn auch immer dabei haben. Egal ob im Rucksack, auf dem Rücksitz eines Kleinstwagens oder in der Satteltasche eines Fahrrads. Bei mir passt er sogar neben einem Segler in meinen normalen Wanderrucksack – und in die meisten Seglerrucksäcke sowieso. In den Bergen bin ich also in Zukunft für alle Eventualitäten gerüstet. Und selbst in einer größeren Halle sollte man damit fliegen können. Super! Ach ja, mit der serienmäßigen, superhellen und abschaltbaren Beleuchtung kann man sogar in der Dämmerung fliegen.