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TEST Unfallversicherungen für Kinder: Notnagel für den Ernstfall


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 7/2013 vom 01.07.2013

Unfallschutz für Kinder ist preisgünstig. Abgesichert ist nicht nur die Invalidität nach einem Unfall. Die Versicherung bietet auch Zusatzleistungen wie kosmetische Operationen.


Artikelbild für den Artikel "TEST Unfallversicherungen für Kinder: Notnagel für den Ernstfall" aus der Ausgabe 7/2013 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: Hemera Technologies/©Thinkstock

J ährlich müssen rund 1,7 Millionen Kinder, die jünger als 15 sind, nach Unfällen ärztlich behandelt werden, stellt die Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) „Mehr Sicherheit für Kinder“ aus Bonn fest. Die wirkliche Zahl der Unfälle ist sogar deutlich größer. So würden beispielsweise im Heim- und Freizeitbereich Bagatellverletzungen gar nicht erfasst, während dies im Schulbereich längst üblich ist. ...

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J ährlich müssen rund 1,7 Millionen Kinder, die jünger als 15 sind, nach Unfällen ärztlich behandelt werden, stellt die Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) „Mehr Sicherheit für Kinder“ aus Bonn fest. Die wirkliche Zahl der Unfälle ist sogar deutlich größer. So würden beispielsweise im Heim- und Freizeitbereich Bagatellverletzungen gar nicht erfasst, während dies im Schulbereich längst üblich ist.

Vor allem für Kleinkinder bergen moderne Entwicklungen neue Unfallgefahren. So warnte die BAG Eltern aktuell vor „Liquid Capsules“, bunten Waschkissen, die gerade den Markt erobern. Das mit einer dünnen Folie ummantelte Flüssigwaschmittel wird in die Trommel der Maschine gegeben, die Folie löst sich im Wasser auf und setzt so das Waschmittel frei. „Die Caps enthalten hochkonzentrierte Stoffe, die die Gesundheit kleiner Kinder gefährden können“, sagt Martina Abel von der BAG. Die bunten Kapseln üben eine enorme Anziehungskraft auf Kinder aus. Pro Jahr gebe es mehr als 100 Fälle, bei denen Kinder behandelt werden müssen, weil sie das flüssige Waschmittelkonzentrat heruntergeschluckt haben.


Finger weg von teuren und intransparenten Kombiverträgen


In Deutschland gibt es staatlichen Unfallschutz für den Nachwuchs nur im Kindergarten, in der Schule sowie auf den Wegen dorthin. Unfälle in der Freizeit sind vollkommen ohne gesetzliche Absicherung. Selbst wenn das Kind nach der Schule einen Umweg nimmt, um bei einem Freund die Hausaufgaben zu machen, kann es mit dem gesetzlichen Versicherungsschutz rasch vorbei sein, warnt der Bundesverband der Versicherungsberater (BVVB). Dann hilft nur noch eine private Versicherung.

Besonders empfehlenswert sind Invaliditätsversicherungen für Kinder. Diese Policen sichern die Familie finanziell vor den Folgen ab, wenn der Nachwuchs aufgrund einer Krankheit oder eines Unfalls behindert ist. Nachteil: Die Policen sind besonders teuer. Daher ist die reine Kinderunfallversicherung eine Alternative. Die Versicherungssumme sollte hier nicht unter 150.000 Euro liegen. Zusätzlich ist es sinnvoll, eine sogenannte Progression von mindestens 350 Prozent zu vereinbaren. Bei einem besonders schweren Unfall, der zu einer 100-prozentigen Behinderung führt, zahlt die Versicherung dann das 3,5-Fache, bei einer Versicherungssumme von 150.000 also 525.000 Euro.

„Aufpassen müssen Eltern vor windigen Kombiangeboten“, warnt der Versicherungsberater Georg Pitzl aus Bobingen. So wird die Unfallversicherung schon mal mit einer Ausbildungs- oder Rentenpolice kombiniert. Das ist vollkommen unnötig. Wenn beispielsweise Oma und Opa für ihre Enkel sparen wollen, dann kommen sie ohne einen teuren Versicherungsmantel günstiger weg. Als viel zu teuer und intransparent gilt auch die Unfallversicherung mit Beitragsrückgewähr (UBR). Bei der UBR handelt es sich um eine Kombination aus einer Unfall- und Kapitallebensversicherung. Während beispielsweise die Allianz das Produkt weiter anbietet, hat die Ergo es im vergangenen Jahr vom Markt genommen.

Die Angebote für Kinder-Unfallversicherung hat ÖKO-TEST gemeinsam mit dem Analysehaus InnoSystems aus Wörth see untersucht. Die Tarife müssen bei Vollinvalidität mindestens 525.000 Euro leisten. Außerdem ist eine verbesserte „Gliedertaxe“ Pflicht, die höhere Werte aufweist, als sie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) empfohlen hat. Das heißt, dass zum Beispiel der Verlust einer Hand mit bis zu 90 Prozent bewertet wird, während der GDV 55 Prozent empfiehlt. Auch Kinderbei den Fristen, bis zu der die Invalidität nach einem Unfall eintritt, festgestellt und beim Versicherer geltend gemacht werden muss, hat ÖKO-TEST die Leiste höher gelegt. Alle Testtarife müssen hier den Versicherten mindestens 18 Monate Zeit gewähren. Das geschärfte Mindestprofil hat zur Folge, dass leistungsschwache Tarife aussortiert werden. Insgesamt stellten sich so 24 Versicherer mit 41 Tarifen dem Test. Allein die Inter, die Waldenburger und die Continentale mauerten.

ÖKO-TEST rät

Eltern müssen schon bei der Geburt eines Kindes die Familie absichern. Unbedingt notwendig ist der Abschluss einer Risikolebens- und einer Berufsunfähigkeitsversicherung. Diese Policen schützen die Familie, falls der Ernährer ausfällt.
• Außerdem muss sich die Familie gegen existenzbedrohende Schadenersatzansprüche per Haftpflichtversicherung wappnen.
• Wenn dann Mittel zur Verfügung stehen, sollten Kinder vor Invalidität durch Krankheit und Unfall geschützt werden. Denn der staatliche Schutz ist unzureichend.

Hilfreich nach dem Unfall: Viele Unfallpolicen zahlen die Bergungskosten und aufwendige kosmetische Operationen, damit das Leben des Nachwuchses nach Schreck und Schmerz unbeschwert weitergegehen kann.


Foto: © Mikael Damkier/fotolia.com

Das Testergebnis

■ Breite Auswahl empfehlenswerter Tarife: Die Haftpfl ichtkasse Darmstadt, die ARAG, Adcuri und die Interrisk bieten insgesamt sieben leistungsstarke Tarife, die wir mit Rang 1 bewerten. Weitere acht Tarife erreichen einen „guten“ 2. Rang.


■ Gigantische, aber kaum berechtigte Preisunterschiede. So verlangt die Stuttgarter für ihren Tarif AUB2011 mit verb. Gliedertaxe und BBA sage und schreibe fast 273 Euro pro Jahr. Dabei bringt der Tarif nur eine „befriedigende“ Leistung auf Rang 3. Er ist aber mehr als dreimal so teuer wie das günstigste „sehr gute“ Angebot. Das ist mit rund 88 Euro pro Jahr das XXL-Konzept mit PlusTaxe der Interrisk – zumindest für ein ein Jahr altes Kind. Denn im Gegensatz zu allen anderen Versicherern im Test steigen bei der Interrisk die Preise mit dem Alter. Das führt dazu, dass das XXL-Konzept mit MaxiTaxe und PlusProgression sowie das XXL-Konzept mit MaxiTaxe für 12-jährige Kinder „überdurchschnittlich“ teuer sind.


■ Wichtiger als die Jahresprämie ist die Höhe der Zahlung nach einem Unfall. Die Jahresprämie sollte aber niemals isoliert betrachtet werden. Für unsere Bewertung des Preisniveaus haben wir sie mit der Progression – also der steigenden Leistungskurve bei schweren Verletzungen – kombiniert. Beispiel: Erleidet ein Kind nach einem Unfall eine Behinderung von 55 Prozent, gibt es beim Tarif XXL-Konzept mit PlusTaxe und PlusProgression der InterRisik 240.000 Euro Entschädigung. Bei den meisten anderen Tarifen sind es hingegen für die gleiche Behinderung nur 187.500 Euro. Die UnfallProtect-Max, die es bei der Basler und dem Deutschen Ring gibt, zahlt bei der gleichen Verletzung sogar nur 142.500 Euro aus.


■ Die Gliedertaxe kann viel Geld bringen. Die Gliedertaxe ist das Maß, mit dem die Versicherer Behinderungen bewerten. Den Verlust oder die Funktionsunfähigkeit des Beins bis Mitte des Unterschenkels bewertet die Concordia im Tarif Basis-Plus mit 55 Prozent Invalidität und zahlt dafür 187.500 Euro. Für die Interrisk ist das Kind im gleichen Fall in den Tarifen XXL-Konzept mit MaxiTaxe und PlusProgression sowie XXLKonzept mit MaxiTaxe zu 100 Prozent invalide und bekommt 525.000 Euro.


■ Teurer Spartarif: Problematisch in der Leistung ist das Angebot Komfort (Leistung ab 21% Inv.) der Europaversicherung. Der Versicherer zahlt nämlich erst, wenn das Kind durch den Unfall zu mehr als 20 Prozent invalide ist. Verliert ein Kind durch einen Unfall beispielsweise „nur“ einen Finger oder bleibt dieser steif, zahlen beide Anbieter keinen Cent. Demgegenüber würde beispielsweise die Haftpfl ichtkasse Darmstadt aus dem Vario Vollschutz 30.000 Euro leisten.


■ Viel Geld für kosmetische Operationen. Stark ist die Interrisk in allen Tarifen, wenn es um das Thema kosmetische Operationen geht. Solche Operationen werden in voller Höhe übernommen. Gerade Unfallnarben können junge Menschen – längst gibt es hier keine Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen mehr – vor allem psychisch ihr Leben lang belasten. Demgegenüber zahlt die Europa in beiden Testtarifen nur bis zu 5.000 Euro. Uwe Schmidt-Kasparek

Mehr zum Thema

• Die detaillierten Testergebnisse sind kostenpfl ichtig unter www.oekotest.de abzurufen. Dort fi nden Sie auch die Testergebnisse zu Kinderpfl egeversicherungen aus dem ÖKO-TEST-Magazin 6/2013, die noch wesentlich günstiger sind als die Kinder unfallversicherungen, aber auch nur zahlen, wenn Kinder durch Unfall oder Krankheit zum Pfl egefall werden.
• ÖKO-TEST Abonnenten bekommen die ausführlichen Testergebnisse kostenlos unter http://abo.oekotest.de
• Den größten Schutz bieten Kinderinvaliditätsversicherungen, die daher am teuersten sind. Aktuelle Testergebnisse dazu fi nden Sie im nächsten Heft, der August-Ausgabe des ÖKO-TEST-Magazins.