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TEST: Unfallversicherungen: Sturz ins goldene Netz


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 1/2010 vom 05.01.2010

Die private Unfallversicherung ist wichtig. Unser Test zeigt gewaltige Preis- und Leistungsunterschiede. Teure und gleichzeitig schlechte Policen sind keine Seltenheit.


Artikelbild für den Artikel "TEST: Unfallversicherungen: Sturz ins goldene Netz" aus der Ausgabe 1/2010 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: irisblende.de

Wie wichtig Leistung bei der Unfallversicherung ist, zeigen zwei aktuelle Urteile. Vor dem Münchner Amtsgericht verlor ein Versicherter, der seine Behinderung, die er nach einem Sturz auf Glatteis erlitten hatte, zu spät anzeigte (163 C 22609/08). Die Fristen für eine solche Meldung schwanken je nach Tarif und Anbieter zwischen 15 und 36 Monaten. Es gilt die Regel: je länger, desto besser.

In einem anderen Fall wollte ...

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... die Versicherung nicht zahlen, weil sie bestritt, dass ein Bandscheibenvorfall überwiegend von einem Autounfall verursacht worden war. Die Versicherung verlor aufgrund eines Gutachtens (OLG Koblenz, 10 U 1848/05). Entscheidend war hier die Vorerkrankung. Auch bei ihrer Anrechnung gibt es eine große Bandbreite am Markt. Wer einen guten Tarif wählt, muss deutlich seltener mit Abzügen rechnen.

Eine leistungsstarke private Unfallversicherung ist ein Rundumschutz. Sie gilt überall auf der Welt, 24 Stunden am Tag. Egal ob man als Auto- oder Radfahrer oder per pedes unterwegs ist. Gleichzeitig schützt die Police bei der unfallträchtigen Haus- oder Gartenarbeit. Sie ist somit ein bedeutsames Stück Sicherheit im privaten Leben.

Besonders für alle Arbeitnehmer, die keine Berufsunfähigkeitsversicherung mehr bekommen können, weil sie schon krank sind, ist der private Unfallschutz besonders wichtig und zu empfehlen. Er ist leicht erhältlich. Es gibt nur wenige Fragen zur Gesundheitsprüfung. Und Unfälle passieren Gesunden wie Kranken gleichermaßen.


Rundumschutz, 24 Stunden am Tag, auf der ganzen Welt


Staatlichen Unfallschutz gibt es nur auf den Wegen von und zur Arbeit und während des Jobs. Doch der gesetzliche Schutz ist nur marginal und reicht meistens nicht, um den Lebensstandard aufrechtzuhalten.

Ein Zuschuss – die private Unfallversicherung wird nicht mit anderen Leistungen verrechnet – kann da existenziell sein. Doch der Test zeigt: Es ist ohne Weiteres möglich, eine teure und leistungsschwache private Police zu bekommen.

Die privaten Versicherer teilen ihre Kunden in zwei Risikogruppen ein. Dabei sind das Geschlecht und die berufliche Tätigkeit entscheidend. Während Frauen – auch handwerklich tätige – meist der günstigen Gefahrengruppe zugeordnet werden, müssen körperlich arbeitende Männer rund das Doppelte zahlen wie beispielsweise Büroangestellte.

Im Test wurden die Prämien der günstigeren Risiko gruppe für eine Grundsumme von 150.000 Euro abgefragt. Gleichzeitig musste der Tarif für höhere Invaliditätsgrade eine steigende Leistungskurve (Progression) bieten. Bei Vollinvalidität müssen so mindestens 525.000 Euro gezahlt werden. „Eine Unfallversicherung mit Progression ist sinnvoll. Nur dann ist eine ausreichende Absicherung gegeben“, erläutert Georg Pitzl, Versicherungsberater aus Bobingen bei Augsburg. Gemeinsam mit dem Analysehaus Inno- Systems aus Schondorf hat ÖKO-TEST 51 „Toptarife“ jedes Anbieters ausgewählt. Acht Anbieter verweigerten aus den unterschiedlichsten Gründen eine Teilnahme. „Gute Po licen, haben den Unfallbegriff deutlich er weitert“, kommentiert Andreas Quast, Experte des Marktbeobachters InnoSystems die Preis-Leistungs- Analyse. Voll im Trend liegen Unfallversicherungen für Senioren. Angeboten werden unter anderem Produkte mit Hilfeleistungen für Ältere und einer kleinen Summe oder eine Rente, falls Invalidität eintritt. ÖKO-Test hat daher in diesem Test zusätzlich untersucht, welche Versicherer herkömmliche Unfallpolicen mit hoher Leistung für Senioren anbieten. Hier finden Sie die Ergebnisse für die Modellfälle Frau/Mann 30, 70 und 75 Jahre, die Modellfälle 40, 50, 60, 65 sind unter www.oekotest.de abrufbar.


Im Trend: Angebote für Senioren – mit Hilfeleistungen


Das Testergebnis

■ Die Preisunterschiede am Markt sind gewaltig. Für den Schutz eines 30- jährigen Mannes verlangt die LBN rund 148 Euro pro Jahr. Demgegenüber will der teuerste Anbieter, der Deutsche Ring aus Hamburg, 535 Euro kassieren – sage und schreibe fast 390 Euro mehr. Der Preisaufschlag beträgt somit mehr als 250 Prozent. Bei den Frauen ist der Preisunterschied etwas geringer. Während die LBN wie bei den Männern 148 Euro verlangt, fordert die Zurich knapp 441 Euro – macht einen Preisunterschied von 293 Euro oder knapp 200 Prozent.

Nur eine private Versicherung schützt vor den Folgen von Unfällen in der Freizeit.


Foto: ADAC/GP

■ Trotzdem gibt es für das viele Geld nicht die höchsten Leistungen im Test. Mit 38,0 Punkten liegt die InterRisk leistungsmäßig an der Spitze, muss sich aber wegen des Preises mit Rang 2 begnügen.
■ Echte Topleistungen für verhältnismäßig wenig Geld bietet die Haftpflichtkasse Darmstadt im Vario Vollschutz. Der Tarif ist mit 36,5 Leistungspunkten so etwas wie ein heimlicher Testsieger.
■ Insgesamt konnten bei den 30-jährigen Männern wie Frauen elf Tarife den Rang 1 erreichen. Weitere 17 Tarife kamen bei den Männern auf den 2. Rang, bei den Frauen waren es sogar 18. Sieben bzw. acht kamen nicht über Rang 4 hinaus. Der Grund: Sie sind leistungsmäßig ganz schwach und trotzdem durchschnittlich teuer. Oder sie bieten etwas bessere, aber keine Spitzenleistung und kosten überdurchschnittlich viel.
■ Wer eine Unfallpolice mit steigender Leistung abschließt, sollte bei den verschiedenen Angeboten die sogenannten Progressionstabellen vergleichen. Das ist relativ einfach: Wählen Sie wie ÖKO-TEST einfach zwei oder drei Invaliditätsgrade (über 25 Prozent) aus und vergleichen Sie, um wie viel Prozent die Leistung jeweils steigt. So leistet beispielsweise der I-Max PlusProgression der InterRisk bei einem Invaliditätsgrad von 35 Prozent durch die Progression 65 Prozent. Bei 150.000 Euro Grundsumme sind das 97.500 Euro. Normalerweise gibt es bei der verwendeten „350-Progressionstabelle“ in diesem Fall nur 82.500 Euro.


Topleistungen gibt es nicht für ganz wenig Geld


■ Bestimmte Unfallrisiken sind nicht versichert. Dazu gehören Unfälle, die während einer Straftat passieren und Unfälle, bei denen der Versicherte nicht mehr Herr seiner sieben Sinne war. Bei der Droge Alkohol drücken die Versicherer – solange keine Bewusstseinsstörung vorlag – allerdings oft beide Augen zu.
■ Wer in jungen Jahren einen Unfallvertrag schließt, sollte schon darauf achten, dass der Vertrag eine unbegrenzte oder lange Laufzeit hat. Bei einer ganzen Reihe von Versicherern läuft der Vertrag mit 70 oder 75 aus. Bei anderen werden die Leistungen herabgesetzt. Ein neuer Vertrag dürfte dann teurer werden. Vielleicht wird der Kunde auch wegen schwerer Vorerkrankung gar nicht erst aufgenommen.
■ Einige Versicherer lassen hingegen die Verträge unverändert weiterlaufen. Außerdem sind sie bereit, Senioren mit hohen Summen zu versichern. Die Preise schwanken hier erheblich. So verlangt die Basler für Männer im Alter von 70 Jahren 708 und für Frauen sogar 943 Euro. Das reicht nur für Rang 4.
Achten sollten Senioren vor allem auf die Schwelle der Leistungskürzung bei Gebrechen und Vorerkrankungen. Je höher diese Schwelle liegt, desto sicherer ist eine Entschädigung. HUK-Coburg und Janitos – beide versichern auch 75- Jährige – kürzen die Leistung erst, wenn die Hälfte der Behinderung auf eine Vorerkrankung entfällt.

Kompakt

So rechnen die Versicherer
Wie die Unfallversicherer einen Schaden berechnen: Unfall – der Versicherte verliert ein Auge. Nach der sogenannten Gliedertaxe des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) liegt der Invaliditätsgrad beim Verlust eines Auges bei 50 Prozent. Somit erhält der Versicherte 50 Prozent der vereinbarten Versicherungssumme ausgezahlt. Mit verbesserter Gliedertaxe, z. B. 60 Prozent für den Verlust eines Auges, und einem Steigerungstarif, z. B. Progression 350 Prozent von 60 Prozent auf 150 Prozent, erhält der Versicherte bei einer Grundsumme von 150.000 Euro 225.000 Euro ausgezahlt.

Foto: irisblende.de

Es ist schnell passiert. Doch im Falle eines Falles reicht der gesetzliche Unfallschutz kaum – wenn er überhaupt greift.

Wie die gesetzliche Unfallversicherung rechnet

Gesetzlichen Unfallschutz gibt es nicht in der Freizeit, sondern nur auf dem Weg zum Job und während der Arbeitszeit. Schon ein kleiner privater Umweg kann den Schutz kosten. Eine gesetzliche Unfallrente errechnet sich aus der Minderung der Erwerbsfähigkeit (MdE) und gilt erst ab 20 Prozent. Basis ist das Arbeitseinkommen in den letzten zwölf Kalendermonaten vor dem Versicherungsfall. Wer 60.000 Euro verdiente und einen MdE-Grad von 50 Prozent nachweist, bekommt aus zwei Dritteln seines Arbeitseinkommens eine Rente. Im Beispiel wären das 1.666 Euro pro Monat.

Anmerkungen: 1) Günstigere Prämien bei Abschluss über Versicherungsmakler; Psychologische Soforthilfe: Übernahme der Kosten für die ersten 10 Sitzungen nach Raubüberfall oder Geiselnahme. 2) Zwischen dem 65. und bis zum 75. Lebensjahr versichert das Unternehmen Menschen nach Einzelfallprüfung. 3) Laufende Verträge ab 75 werden bei hohen Versicherungssummen überprüft. Möglicherweise erfolgt Herabsetzung oder Kündigung. 4) Ab 70 Jahren grundsätzlich versicherbar, aber kein Standardtarif.
Abkürzungen: z. T. = eingeschränkt versichert.
Legende : Tarife mit dem gleichen Rang sind nach Gesamtpunktzahl Leistungen aufgeführt. Zur Ermittlung der Gesamtpunktzahl Leistungen wurden die einzelnen Leistungen mit Punkten bewertet: Gliedertaxe bis zu sechs Punkten; Mitversicherung der erhöhten Kraftanstrengung; Bauch- und Unterleibsbrüche bis zu einem Punkt; Lebensmittelvergiftung bis zu zwei Punkten; Dämpfe und Gase bis zu zwei Punkten; Alkoholgrenze bis zu vier Punkten; Impfungen, Infektionen, geringfügige Verletzungen, Insektenstiche, Tierbisse, Wundstarrkrampf und Tollwut jeweils bis zu einem Punkt; Schwelle der Leistungskürzung durch Gebrechen und Vorerkrankungen 0,5 Punkte pro 5-Prozent-Schritt über der alten 25-Prozent-Grenze; Obliegenheitsverletzung verspätete Arztkonsultation bis zu einem Punkt; psychische Erkrankungen bis zu zwei Punkten; Bewusstseinsstörungen durch Medikamente bis zu zwei Punkten, Bergungskosten und kosmetische Operationen jeweils bis zu 2,5 Punkten; Fristen für die Feststellung/Geltendmachung der Invalidität bis zu drei Punkten. Die Differenz zwischen höchster und niedrigster Gesamtpunktzahl Leistungen wurde in drei gleich große Klassen (Rang 2, 3 und 4) geteilt. Zur Ermittlung des Ranges wurde danach das Preisniveau der Tarife ermittelt. Dazu wurden die Jahresbeiträge der Alters- und Geschlechtsgruppen bis 60 Jahre gemittelt und mit der sich aus der Progressionskurve ergebenden Zahlungsverpflichtung korreliert. Die Differenz wurde in drei gleich große Klassen geteilt. Ein unterdurchschnittliches Preisniveau verbesserte den Leistungsrang um einen Rang, ein überdurchschnittliches verschlechterte ihn um einen Rang. Für die Altersklassen 65, 70 und 75 wurden ein bzw. zwei ausnehmend teure Tarife bei der Klassenbildung nicht berücksichtigt.
Anforderungen an den Tarif: Die Versicherung zahlt bei Invalidität, Verlust oder Funktionsstörung nach einem Unfall abhängig vom Grad der Beeinträchtigung. Mindestleistungen: Invaliditätsgrundsumme 150.000 Euro; Progression (Entschädigungsverbesserung) mindestens 350 Prozent; (bei 100 Prozent Invalidität zahlt der Versicherer die 3,5-fache Leistung). Gefahrengruppe A (Büroangestellter); Bergungskosten mind. 2.500 Euro; Jahresprämie für Frauen/Männer, Einjahresvertrag inklusive Versicherungssteuer, für Einstiegsalter 30, 40, 50, 60, 65, 70, 75; bester Unfalltarif des Anbieters, überregionale Angebote. Die Daten wurden vom Analysehaus InnoSystems aus Wörthsee erhoben und den Unternehmen zu einer Plausibilitätsprüfung zurückgespielt. Die Bewertung und das abschließende Ranking wurden dann von ÖKO-TEST vorgenommen.
Erstveröffentlichung: ÖKO-TEST Jahrbuch Rente, Geld, Versicherungen für 2010.

Unsere Empfehlungen

Sinnvoll ist eine einfache Unfallpolice ohne Zusatzleistungen wie Krankentagegeld oder Kurbeihilfe. Solche Extras machen den Schutz unnötig teuer.
Orientieren Sie sich bei der Wahl der Versicherungssumme an Ihrem Nettogehalt. Rund die sechsfache Summe sollte bei 100-prozentiger Invalidität abgesichert sein.
Am Markt durchgesetzt und empfehlenswert sind Tarife mit Progressionsleistung, bei denen ab einem Behinderungsgrad von 25 Prozent die Leistung steil ansteigt.
Die Unfallpolice ist kein Ersatz für die Berufsunfähigkeitsabsicherung. Der Grund: Die private Unfallversicherung zahlt nur nach einem Unfall. Die meisten Menschen büßen ihre Arbeitskraft aber durch Krankheit ein. Außerdem zahlt die Unfallversicherung nicht, wenn die Folgen des Unfalls verheilen. Sie ist nämlich eine reine Invaliditätsversicherung und schützt die Versicherten vor den finanziellen Folgen lebenslanger Behinderung.

Blutverdünner | Für Gesunde gefährlich

Weil viele Patienten nach einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall niedrig dosierte Acetylsalicylsäure (ASS,Aspirin ) erhalten, greifen auch viele Gesunde vorbeugend zu ASS. Doch das ist in vielen Fällen nicht nur nutzlos, sondern auch gefährlich: Nach aktuellen Zahlen treten bei 1.000 Frauen, die regelmäßig ASS einnehmen, verglichen mit Placebo nur drei Herzinfarkte oder Schlaganfälle weniger auf, während sich die Zahl von Blutungen in Magen und Darm aber um 2,5 erhöhte. Doch nicht nur wegen des erhöhten Risikos von Blutungen warnt Professor Frank P. Meyer im FachmagazinArzneiverordnung für die Praxis vor der täglichen Einnahme einer ASS-Tablette: „Sie könnte manche Patienten auch dazu verführen, nicht mehr über ihre Ernährungsgewohnheiten und über ihren Lebensstil nachzudenken.“

Foto: ccvision.de

Allergie | Drei Jahre Immuntherapie – und danach?

„Die Effekte einer spezifischen Immuntherapie (SIT) bleiben fünf bis zehn Jahre erhalten“, weiß Dr. Jörg Kleine-Tebbe vom Allergie- und Asthma-Zentrum Westend in Berlin. Dies setzt aber voraus, dass die Therapie konsequent über drei Jahre durchgehalten wurde – auch wenn die Patienten häufig schon nach einem Jahr deutlich weniger Symptome zeigen. Im Idealfall sind die Beschwerden nach einer dreijährigen SIT verschwunden oder der Allergiker benötigt sehr viel weniger Medikamente als vorher. Auf jeden Fall sollte nach Beendigung der Hyposensibilisierung noch einmal ein Resümee gezogen werden, wie es dem Patienten geht. Danach entscheidet der Arzt, ob die Behandlung abgeschlossen werden kann oder noch weitere ein bis zwei Jahre fortgesetzt werden muss.

Foto: Alk-Scherax Arzneimittel GmbH

Was ist eigentlich … | ein Aligner?

Kieferkorrekturen stehen auch bei Erwachsenen hoch im Kurs. Bei Fehlstellungen können neben herkömmlichen Zahnspangen Aligner helfen. Das sind speziell angefertige Schienen aus transparentem Kunststoff, die über die Zähne gestülpt werden und im Gegensatz zu den meist auffälligen Zahnspangen praktisch unsichtbar sind. Für die Herstellung der Aligner müssen zunächst Abdrücke des Gebisses hergestellt werden. Mit deren Hilfe werden dann die Plastikschienen gefertigt, die nur zum Essen und zum Zähneputzen herausgenommen werden. Ein Aligner wird etwa alle zwei Wochen gegen die nächste Schiene ausgetauscht. So sollen die Zähne in kleinen Schritten korrigiert werden. Geeignet sind Aligner vor allem für die Behandlung von kleineren Fehlstellungen. Bis zu 10.000 Euro kann eine Kieferkorrektur mit Alignern kosten. Von den Krankenkassen wird die Behandlung nicht bezahlt.

Foto: Align Technology, Inc.

Kompakt

Diabetes
Der Anteil der an Diabetes erkrankten Bevölkerung ist in Deutschland höher als in anderen europäischen Ländern. Während hierzulande zwölf Prozent der 20- bis 79-Jährigen an Diabetes Typ 1 oder Typ 2 erkrankt sind, leiden beispielsweise in Spanien, Italien oder Frankreich weniger als zehn Prozent an Diabetes. Als Hauptursache nennt Reinhart Hoffmann von der Deutschen Diabetes-Stiftung die mediterrane Kost.

Krebsvorsorge beim Zahnarzt
Nicht nur um Karies vorzubeugen, sollte man regelmäßig zum Zahnarzt gehen. Auch Mundhöhlenkrebs erkennt ein Zahnarzt bei seiner Untersuchung. Und zwar schon in frühen Stadien, wenn die Heilungschancen noch relativ hoch sind. Wer in der Mundschleimhaut Verfärbungen, Verdickungen, Erhebungen oder nicht abheilende Wunden feststellt, sollte seinen Zahnarzt möglichst umgehend darauf ansprechen. Laut Deutscher Krebshilfe erkranken jährlich etwa 10.000 Menschen an Mundhöhlen- und Rachenkrebs. Risikofaktoren sind Rauchen, Alkoholkonsum und mangelhafte Mundhygiene.

Sportmuffel
44 Prozent der Erwachsenen in Deutschland sind bekennende Sportmuffel und wollen auch nicht mit Sport anfangen, berichtet die Arag Versicherung. Der Anteil der Nichtsportler steigt mit dem Alter. Die zeitliche Belastung durch den Beruf steht dem sportlichen Treiben hingegen nicht im Wege.

Bufexamac vor dem Aus
Mehr Schaden als Nutzen und eine nicht ausreichend belegte Wirksamkeit: Aus diesen Gründen plant das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), die Zulassungen für Bufexamac-haltige Arzneimittel zu widerrufen. Diese werden unter anderem eingesetzt zur Behandlung von chronischen Ekzemen und bei Hämorrhoidalleiden. In Neurodermitikercremes wertet ÖKO-TEST den Wirkstoff Bufexamac wegen kontaktallergischer Reaktionen schon seit Langem ab.

Asthma | Waschbares Bettzeug von Vorteil

Hausstaubmilbenallergiker stehen immer wieder vor der Frage, ob sie bei Decke und Kopfkissen eher zu Daunen- oder Federfüllungen oder zu Synthetikbetten greifen sollen. „Die Studienlage ist widersprüchlich“, erklärt Professor Torsten Zuberbier, Allergologe an der Charite in Berlin. Da Federbetten schlechter zu reinigen sind, rät Zuberbier eher zu einem guten Synthetikbett, das bei 60 Grad gewaschen werden kann. Diese Temperatur überleben die Milben nicht. Wirksam lässt sich die Allergenbelastung auch mit milbendichten Bezügen, Encasings, eindämmen.

Foto: rubber ball

Senioren | Zu wenig Vitamin D im Essen

Aus der Nationalen Verzehrsstudie geht hervor, dass Menschen zwischen 65 und 80 Jahren zu wenig Vitamin D zu sich nehmen, die Hälfte der Bundesbürger in diesem Alter sogar nur rund ein Viertel der empfohlenen Menge. Ältere Menschen sollten doppelt so viel Vitamin D aufnehmen wie Jüngere, um der gefürchteten Osteoporose vorzubeugen. Hauptlieferanten für Vitamin D sind Fisch, Fette, Eier, Milch und Käse. Wer diese Lebensmittel regelmäßig verzehrt, braucht sich über Vitamin-D-Mangel keine Sorgen zu machen. Nahrungsergänzungsmittel können eine gesunde Ernährung auf keinen Fall ersetzen.

Interview: Alter schützt vor Trunksucht nicht

Christa Merfert-Diete ist zuständig für Prävention bei der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS). Weil Sucht keine Altersgrenzen kennt, hat die DHS die Internetseite www.unabhaengig-im-alter.de eingerichtet.

ÖKO-TEST: Kaum einer spricht über Alkoholabhängigkeit im Alter. Wie sieht die Situation aus?
Merfert-Diete: Bei den über 60-Jährigen sind zirka zwei bis drei Prozent der Männer und 0,5 bis ein Prozent der Frauen von einer Alkoholabhängigkeit betroffen. Alkoholprobleme sind schäm besetzt, deshalb tragen wir das Thema seit rund zehn Jahren in die Öffentlichkeit. Erfahrungsgemäß haben ältere Menschen eine gute Chance, Unabhängigkeit für ihr Leben zu gewinnen.
ÖKO-TEST: Warum werden Menschen jenseits der 50 zu Alkoholikern? Merfert-Diete: Da ist zum einen die Gewohnheit, das Eingebundensein in den gesellschaftlichen Umgang mit Alkohol. Zum anderen trifft es Menschen, die über besondere Krisen zum Alkohol kommen, sei es der Verlust des Arbeitsplatzes, eines Angehörigen oder wachsende Einsamkeit aufgrund altersbedingter Einschränkungen. Da der ältere Körper Alkohol nicht mehr so schnell abbauen kann, müsste - um ein bestimmtes Gesundheitslevel zu halten - der Konsum reduziert werden. Dem steht aber oft die fehlende soziale Kontrolle entgegen.
ÖKO-TEST: Woran ist die Abhängigkeit zu erkennen?
Merfert-Diete: Angehörige oder Freunde sollten auch ihrer ersten, vielleicht noch diffusen Wahrnehmung trauen: Hat der Betreffende eine Fahne, liegen Flaschen herum? Typisch sind Stimmungsschwankungen, das Nachfragen und Verlangen nach Alkohol, gehäufte Unfälle, nicht nur im Straßenverkehr, sondern auch Stürze im häuslichen Bereich. Auch Verwirrtheit kann auftreten, besonders wenn zum Alkohol noch Medikamente hinzukommen.