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TEST Universalzahncremes und Zahnputztabletten: Fluorid für alle Fälle


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ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 4/2021 vom 25.03.2021

Die meisten der 60 Universalzahncremes erreichen die Bestnote. Einige fallen aber durch – wegen ihrer Inhaltsstoffe. Zahnputztabletten können wir derzeit nicht empfehlen.


RATGEBER

1 Zahncremes für Erwachsene sollten den wichtigsten Inhaltsstoff gegen Karies enthalten: Fluorid. Das tun alle Zahnpasten in unserem Test.

2 Jugendliche und Kinder mit bleibenden Zähnen können die Zahncreme der Eltern mitbenutzen – wenn diese kein Zink enthält.

3 Für Kinder unter sechs Jahren empfehlen wir Kinderzahncremes. Wir haben aktuell 35 davon getestet (ÖKO-TEST Magazin 3/2021).

Das ist doch mal eine stattliche Auswahl für ...

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Bildquelle: ÖKO-TEST Magazin, Ausgabe 4/2021

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... den nächsten Zahncreme-Kauf: 38 Pasten können wir mit der Bestnote „sehr gut“ empfehlen. Sie verzichten auf Problemstoffe und deklarieren die wichtigsten Infos. Für ein gutes Dutzend lief der Test weniger erfreulich, sie fallen mit „mangelhaft“ oder „ungenügend“ durch. Der Rest der insgesamt 60 Zahncremes landet im Mittelfeld. Als plastikfreie Alternative zur herkömmlichen Zahncreme bringen immer mehr Anbieter Zahnputztabletten auf den Markt. Wir haben erstmals drei Marken getestet. Fazit: Derzeit können wir diese Produktgruppe nicht empfehlen.

Bleiben wir also vorerst bei den alten Bekannten: Universalzahncremes sollen vor allem dabei helfen, die Zähne ordentlich zu reinigen und sie vor Karies zu schützen. Beides hängt zwar maßgeblich von Motivation und Technik der Putzenden ab. Trotzdem steht und fällt solider Kariesschutz vor allem mit einem Inhaltsstoff: Fluorid. Es verbessert die Remineralisierung der Zähne, nachdem Bakterien sie mit Säure attackiert haben. Die Säure entsteht, wenn Bakterien Nahrung zersetzen, sie löst Mineralien aus dem Zahnschmelz. Fluorid hemmt zudem das Bakterienwachstum.

Alle Zahncremes in unserem Test enthalten Fluorid – und fast alle auch die von zahnärztlichen Fachgesellschaften empfohlene Menge für bleibende Zähne: zwischen 1.000 und 1.500 ppm. Das steht für „parts per million“, also Milligramm pro Kilogramm. Nur die Hydrophil Zahncreme Pure Mint mit Fluorid ist mit 500 ppm aus unserer Sicht zu schwach dosiert.

Foto: ADragan/Shutterstock

Mit den bleibenden Zähnen, also etwa ab dem sechsten Geburtstag, spricht nichts dagegen, dass ein Kind die Universalzahncreme der Eltern mitbenutzt – sofern diese kein Zink enthält. Zu viel Zink über längere Zeit kann das Immunsystem schwächen, und Kinder und Jugendliche überschreiten die empfohlene Menge schneller als Erwachsene. In Zahncremes wird Zink wegen seiner antibakteriellen Wirkung eingesetzt. Welche Produkte das tun, steht in unseren Tabellen.

Aggressives Tensid, flüssiges Plastik

Einige Inhaltsstoffe der Zahncremes im Test sehen wir kritisch. So enthalten manche Pasten Natriumlaurylsulfat. Das ist ein schäumendes Tensid, also eine waschaktive Substanz. Wir kritisieren es, weil es relativ aggressiv zu Werke geht und die Schleimhäute reizen kann. Es steckt in 18 Zahncremes, dabei gibt es deutlich mildere Alternativen.


„Zu den besten Pasten zählen auch einige der günstigsten: 125 Milliliter kosten 45 Cent – und das Wichtigste ist drin.“


Jörg Döbereiner ÖKO-TEST-Redakteur

Eine zweite Stoffgruppe, die wir in Kosmetik abwerten, sind Polyethylenglykole (PEG) und verwandte Substanzen. Sie können die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen und sind in 15 Pasten enthalten.

Kritisch sehen wir zudem synthetische Polymere. Sie stecken in vier Zahncremes. Dabei handelt es sich um flüssiges Plastik, das über das Abwasser in die Umwelt geraten kann. Wie genau es sich dort verhält, muss noch besser erforscht werden.

Was ist mit Aluminium und Titandioxid?

Beide Stoffe kommen in Zahncremes vor: Aluminium zum Beispiel als Alumina, um Schmutz von den Zähnen zu schmirgeln. Titandioxid wird als weißer Farbstoff eingesetzt, oft deklariert als CI 77891. Beide Stoffe können unter bestimmten Voraussetzungen der Gesundheit schaden. In diesem Test kritisieren wir sie jedoch nicht, weil wir sie in vorliegender Form als unproblematisch betrachten.

Titandioxid ist zwar als vermutlich krebserregend eingestuft. Das bezieht sich aber auf Fälle, in denen es als Nanomaterial in einatembaren Stäuben vorliegt. In Zahncremes besteht erstens keine Gefahr, dass Titandioxid eingeatmet wird. Und zweitens ist der Anteil an Nanopartikeln gering – das bestätigte unsere Stichproben-Untersuchung für diesen Test.

Und Aluminium? Zu viel davon über längere Zeit kann unter anderem das Hirn schädigen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnte 2019 in einer Stellungnahme: Insbesondere sogenannte Whitening-Zahncremes können viel Aluminium enthalten. Es soll dort für einen besonders starken Abrieb sorgen.

In diesem Test stecken Aluminiumverbindungen in sechs Zahncremes. Für sie geben wir Entwarnung: Eine bedenkliche Aufnahme an Aluminium ist bei normalem Gebrauch nicht zu erwarten, auch nicht für Kinder.

So haben wir getestet

Wir haben 60 Universalzahncremes eingekauft, darunter 14 zertifizierte Naturkosmetika. Alle enthalten Fluorid, den wichtigsten Inhaltsstoff zur Kariesprophylaxe. Pro 75 Milliliter kosten die günstigsten Pasten knapp 30 Cent, das teuerste Produkt dagegen mehr als fünf Euro. Auch drei Marken Zahnputztabletten haben wir getestet, sie kosten zwischen 3,96 und 5,49 Euro pro 100 Stück.
Ein spezialisiertes Labor untersuchte für uns alle Produkte auf halogenorganische Verbindungen, von denen viele als allergisierend gelten und sich in der Umwelt anreichern, sowie auf umweltbelastende chlorierte Verbindungen in den Verpackungen. Ein weiteres Labor analysierte in ausgewählten Produkten Parabene und andere problematische Konservierungsstoffe. Über die Deklaration erfassten wir unter anderem das hautreizende Tensid Natriumlaurylsulfat, PEG/PEG-Derivate, die die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen können, und auch synthetische Polymere. Letztere kritisieren wir aus Gründen des Umweltschutzes. Wir checkten außerdem die Verpackungsangaben zu Fluorid und zur Dosierung sowie Altershinweise – und ob Hersteller überflüssigerweise einen Verpackungskarton einsetzen.
Für umstrittene Inhaltsstoffe in den Zahncremes ziehen wir unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe Noten ab. Fehlen wichtige Angaben, etwa zum Gebrauch durch Kinder, gibt es Abzüge im Testergebnis Weitere Mängel.

Fett gedruckt sind Mängel.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 158.
Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: Umkarton, der kein Glas schützt und kein Zubehör enthält. 2) Weiterer Mangel: Zusatz eines Zinksalzes, aber kein Hinweis „nur für Erwachsene“. 3) Weiterer Mangel: Zahnputztabletten mit Fluorid in einer Konzentration von 1.000 bis 1.500 ppm, die nicht als ungeeignet für Kinder bis sechs Jahre gekennzeichnet sind oder den folgenden oder einen vergleichbaren Hinweis tragen: „Für Kinder bis 6 Jahre: Nur erbsengroße Menge benutzen. Zur Vermeidung übermäßigen Verschluckens Zähneputzen nur unter Aufsicht. Bei zusätzlicher Aufnahme von Fluorid den Zahnarzt oder Arzt befragen.“ 4) Weiterer Mangel: PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung. Laut Anbieter liegt der Fluoridgehalt aufgrund der Rohstoffreinheitsvarianz in einem Bereich von 1.426 bis 1.455 ppm. 5) Weiterer Mangel: synthetische Polymere. 6) Laut Anbieter wird das Produkt im Laufe des Jahres 2021 auf eine recycelbare Tube umgestellt. 7) Laut Anbieter wird das Produkt 2022 auf eine recyclebare Tube umgestellt. 8) Laut Anbieter wird das Produkt seit der Charge 38836440 mit einem neuen Layout hergestellt. Der Inhalt sei unverändert. 9) Laut Anbieter erfolgt ab dem zweiten Quartal 2021 eine Umstellung der Verpackung auf ein dünneres HDPE-Laminat. 10) Laut Anbieter fließt das Produkt in den nächsten Wochen mit einem geänderten Design in den Handel ein. Die Rezeptur bleibe gleich. 11) Laut Anbieter wird das Produkt ab Ende März 2021 auf eine neue Formulierung umgestellt, mit mehr Fluorid und ohne Titandioxid. 12) Laut Anbieter wird das Produkt im neuen Design in den Handel geliefert. Die Rezeptur bleibe unverändert. 13) Laut Anbieter werden die Blend-A-Med-Zahnpasten ab April größtenteils in einer voll recyclingfähigen Tube ausgeliefert. 14) Laut Anbieter enthält das Produkt inzwischen die erforderliche Deklaration für den Gebrauch durch Kinder. 15) Weiterer Mangel: Zahnputztabletten mit Fluorid in einer Konzentration von 1.000 bis 1.500 ppm sind nicht als für Kinder bis 6 Jahre ungeeignet gekennzeichnet und deklarieren den vorgeschriebenen, aber für Tabletten ungeeigneten Hinweis: „Für Kinder bis 6 Jahre: Nur erbsengroße Menge benutzen.“ 16) Laut Hersteller wird die Rezeptur des Produkts aktuell angepasst. Zudem erhalte es ein neues Design und die Packmittel würden hinsichtlich des Tubenmaterials sowie der Gestaltung des Verschlusses angepasst. Die Produkte würden voraussichtlich bis Anfang April an Aldi Nord ausgeliefert.

Legende: Produkte mit gleichem Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt.

Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) halogenorganische Verbindungen; b) Fluoridgehalt nicht deklariert; c) ein geringer Fluoridgehalt von 500 bis < 1.000 ppm in Zahncremes; d) Natriumlaurylsulfat; e) PEG/PEG-Derivate; f) bei Zahnputztabletten: ausreichende Kariesprophylaxe durch Fluorid nur teilweise belegt.
Zur Abwertung um eine Note führt: Maltodextrin.
Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um vier Noten: Zahnputztabletten enthalten Fluorid in einer Konzentration von 1.000 bis 1.500 ppm und sind nicht als für Kinder bis 6 Jahre ungeeignet gekennzeichnet und enthalten auch nicht den vorgeschriebenen, aber für Tabletten ungeeigneten Hinweis „Für Kinder bis 6 Jahre: Nur erbsengroße Menge benutzen. Zur Vermeidung übermäßigen Verschluckens Zähneputzen nur unter Aufsicht. Bei zusätzlicher Aufnahme von Fluorid den Zahnarzt oder Arzt befragen.“ Zur Abwertung um zwei Noten führen: synthetische Polymere (hier: Carbomer, PVM/MA Copolymer oder Silica Dimethyl Silyate). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen in der Verpackung; b) ein Umkarton, der kein Glas schützt und kein Zubehör (z.B. Zahnbürste) enthält; c) Zusatz eines Zinksalzes, aber kein Hinweis „nur für Erwachsene“; d) Zahnputztabletten mit Fluorid in einer Konzentration von 1.000 bis 1.500 ppm sind nicht als für Kinder bis 6 Jahre ungeeignet gekennzeichnet und deklarieren den vorgeschriebenen, aber für Tabletten ungeeigneten Hinweis: „Für Kinder bis 6 Jahre: Nur erbsengroße Menge benutzen.“
Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter oekotest.de/M2104.
Einkauf der Testprodukte: November 2020 und Januar 2021.
Dieser Test löst den Test Universalzahncremes, veröffentlicht unter oekotest.de/111632 ab.
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WISSEN

Zahnputztabletten: eine Alternative?

Wie funktioniert’s?

Recht einfach: eine Zahnputztablette zerkauen, dann mit der Zahnbürste putzen. Wer an Zahncreme gewohnt ist, kann aber vor allem zu Beginn vom veränderten Mundgefühl irritiert sein.

Der größte Vorteil?

Die Tabletten kommen ohne Plastik aus. Es gibt sie in kompostierbaren Tüten oder im Glastiegel.

Wo ist der Haken?

Es ist nicht klar, wie gut sie vor Karies schützen. Eine Tablette beinhaltet nur ein Drittel des Fluorids, das in einem Gramm Zahncreme steckt. Befürworter argumentieren, das reiche aus: Die Tabletten würden direkt im Speichel gelöst und nicht im Schaum, so sei Fluorid besser verfügbar als bei Zahncremes. Das ist unserer Meinung nach aber noch in weiteren belastbaren Studien zu erforschen. Deshalb können wir Zahnputztabletten derzeit nicht als gleichwertigen Ersatz für Zahncremes empfehlen.


Fotos: Anja Wägele; ADragan/Shutterstock; DUSAN ZIDAR/Shutterstock

Fotos: ADragan/Shutterstock; Bozena Fulawka/Shutterstock