Lesezeit ca. 6 Min.

TEST Vegane Joghurt-Alternativen: Mit eigenem Geschmack


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 10/2021 vom 30.09.2021

RATGEBER

1 Probieren Sie ruhig einmal eine milchfreie Joghurt-Alternative. Die Auswahl an empfehlenswerten Produkten ist groß.

2 An eine Beinote von Kokos, Cashew, Hafer oder Soja muss man sich zwar erst einmal gewöhnen. Sie kann jedoch auch ein neues Geschmackserlebnis bieten.

3 Jeder pflanzliche Ersatz hat seinen eigenen Charakter. Ein kühlendes Mundgefühl à la Milchjoghurt entfaltet zum Beispiel Kokos.

Artikelbild für den Artikel "TEST Vegane Joghurt-Alternativen: Mit eigenem Geschmack" aus der Ausgabe 10/2021 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Joghurt geht nur mit Milch? Von wegen. Der Markt ist erfinderisch und bietet einer wachsenden Zahl von Kunden, die sich vegan ernähren oder Milch reduzieren möchten, längst eine große Auswahl an veganen Joghurt-Alternativen an.

ÖKO-TEST hat 22 Zubereitungen auf Basis von Soja, Mandel, Hafer, Kokos, Cashew oder Lupine eingekauft und in die Labore geschickt. Alle sind sie einem fruchtfreien Naturjoghurt nachempfunden. Das Testergebnis ist äußerst erfreulich: Elf Produkte können wir mit „sehr gut“ ...

Weiterlesen
Artikel 2,50€
epaper-Einzelheft 5,99€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von ÖKO-TEST Magazin. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1000 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 10/2021 von Zucker. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Zucker
Titelbild der Ausgabe 10/2021 von Zurück zum Luxus. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Zurück zum Luxus
Titelbild der Ausgabe 10/2021 von GUT DURCH DEN ALLTAG. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
GUT DURCH DEN ALLTAG
Titelbild der Ausgabe 10/2021 von WIRKT. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
WIRKT
Titelbild der Ausgabe 10/2021 von GEMEINSAM BESSER. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
GEMEINSAM BESSER
Titelbild der Ausgabe 10/2021 von Zucker: Bittersüß. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Zucker: Bittersüß
Vorheriger Artikel
Rezept: Nicht die Bohne langweilig
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Ersatz für Butter, Sahne & Co.: Alles kein Quark
aus dieser Ausgabe

... empfehlen, vier mit „gut“. Allerdings stecken in einigen Joghurtalternativen Zusatzstoffe wie Phosphate oder Aromen. In zweien hat das beauftragte Labor sogar das Spritzgift Glyphosat gefunden.

Wie Joghurt, nur ohne Milch

ÖKO-TEST hat die veganen Joghurt-Alternativen nicht nur auf ihre Inhaltsstoffe untersuchen lassen. Wir wollten auch wissen, ob die milchfreien Alternativen geschmacklich mit den Originalen mithalten können. Dazu haben geschulte Sensoriker die Produkte verkostet. Ergebnis: Die Geschmacksexperten hatten kaum etwas zu kritisieren. 19 Produkte erhielten ein „sehr gut“ im Testergebnis Sensorik, drei Produkte ein „gut“. Die allermeisten wiesen den für Joghurt typischen, säuerlichen Geschmack auf. Akzeptieren muss man allerdings eine Beinote nach der jeweiligen Hauptzutat, also zum Beispiel Hafer, Mandel oder Kokos.

Es ist durchaus knifflig, einen Joghurt ohne Milch herzustellen. Die pflanzlichen Ausgangsstoffe haben, abgesehen von Soja, weniger Eiweiß. Die cremige Konsistenz von Milchjoghurt entsteht allerdings durch die natürliche Bindung von Eiweiß. Um die Cremigkeit dennoch zu erreichen, setzen Hersteller von Vegan-Alternativen oft verdickende Zutaten ein, etwa Guarkernmehl, aber auch Stärke. Zu stark durchschmecken sollte letztere Zutat allerdings nicht. Eine störende, deutliche Stärkenote machten die Sensoriker in zwei Produkten aus: der Alnatura Mandel Natur, Bio Mandeldrink-Zubereitung fermentiert und der My love my life Mandel Natur, fermentierte Bio-Mandelcreme. Beiden Produkten ist Tapiokastärke beigemischt. Die Stärkenote übertraf den Geschmack nach Mandeln, die der Verbraucher neben der säuerlichen Joghurt-Note in diesem Produkttyp erwartet. Bei einer weiteren Mandelzubereitung, dem Biedermann Bio vegan Nature, Mandeldessert fermentiert, schmeckten die Sensoriker eine untypische stark fruchtig-säuerliche Note heraus. Diese lässt sich auf die Zutat Traubensaftkonzentrat zurückführen.

„Eine echte Alternative: Vegane Joghurts sind kaum belastet – und sie schmecken.“

Lisa-Marie Karl ÖKO-TEST-Redakteurin

WISSEN

Joghurt ohne Milch

Veganer Nährboden Für den säuerlichen Geschmack von Joghurt sind Kulturen aus Milchsäurebakterien verantwortlich. Sie wandeln Milchzucker (Lactose) in Milchsäure (Lactat) um. Dieser Prozess heißt Fermentation. Für den Joghurt-typischen Geschmack wird dieses Prinzip auch in veganen Alternativen eingesetzt. Die Milchsäurebakterien verzehren darin allerdings keinen Milchzucker, sondern den Zucker der jeweiligen pflanzlichen Hauptzutat, zum Beispiel Saccharose. Damit die Erzeugnisse wirklich vegan sind, müssen die Kulturen vorher auf veganem Nährboden gewachsen sein. Das ist bei allen Produkten im Test der Fall.

Aus Joghurt wird Lughurt Laut einem Urteil des EU-Gerichtshofs aus dem Jahr 2017 dürfen rein pflanzliche Produkte grundsätzlich nicht unter Bezeichnungen wie „Milch“, „Käse“ oder „Joghurt“ vermarktet werden. Die Hersteller sind daher sehr erfinderisch und nutzen bei Soja, Kokos oder Lupinen die Bezeichnungen „Sojagurt“, „Kokosghurt“ oder „Lughurt“.

Unnötige bis problematische Zusätze

Ein weiterer Trick, um die Produkte geschmacklich etwas aufzupeppen: die Beigabe von Aromen. In sechs Produkten werten wir diesen Zusatz ab. Viermal schmeckten die Sensoriker eine vanilleartige Aromanote heraus, einmal eine leichte Keksnote. Wir sind der Meinung: Aromenzusätze sind häufig unnötig und widersprechen hier zudem der Auslobung „Natur“, die alle sechs Produkte tragen. Wenn der Verbraucher es fruchtig oder vanillig mag, greift er zu einer Fruchtjoghurt-und nicht zu einer Naturjoghurt-Alternative.

Den Zusatz von synthetischen Vitaminen halten wir, zumindest teilweise, für überflüssig. Fünf Produkten sind Vitamin D und B2 beigefügt. Bei einer gesunden, ausgewogenen Ernährung benötigen vegan lebende Menschen aus unserer Sicht davon keine Ergänzung. Anders bei Vitamin B12, das nur in tierischen Lebensmitteln steckt: Diesen Zusatz werten wir nicht ab.

Fünf Produkte enthalten Phosphate. Sie sind in Form von Calciumphosphat eingesetzt – zur Anreicherung mit Calcium. An diesem Mineralstoff kann es bei einer veganen Ernährung ebenfalls mangeln. Daher ist ein Calciumzusatz an sich in Ordnung, jedoch nicht als Phosphatsalz. Denn Phosphate können den Phosphatspiegel im Blut erhöhen, was das Risiko für einen Herzinfarkt und Schlaganfall steigern kann.

Spritzgifte

In den Testschlusslichtern Life is so yummy Natural, fermentiertes Sojaprodukt und Milsa+ Sojagurt Natur, fermentiertes Sojaprodukt steckt das krebsverdächtige Spritzmittel Glyphosat. Es stammt vermutlich aus der konventionell angebauten Hauptzutat Soja. In allen übrigen Produkten hat das Labor keine Pestizide gefunden.

So haben wir getestet

Wir haben 22 vegane Joghurt-Alternativen eingekauft. Alle Produkte im Test sind einem fruchtfreien Naturjoghurt nachempfunden und größtenteils ungesüßt. Neun der milchfreien Alternativen basieren auf Soja, vier auf Kokosnuss, jeweils drei sind aus Hafer oder Mandeln gewonnen, zwei aus Cashewkernen und eines aus Lupinen. Bei 13 Produkten stammen die pflanzlichen Rohstoffe aus ökologischer Landwirtschaft.

Die von uns beauftragten Labore analysierten die Produkte auf Mineralölbestandteile, Rückstände von Pestiziden, Schwermetalle und auf die mikrobiologische Belastung. Soja-Produkte ließen wir auf gentechnisch veränderte Bestandteile untersuchen – sie konnten in keinem Produkt nachgewiesen werden. Bei einem Calcium-Zusatz ließen wir den deklarierten Gehalt überprüfen. Die Verpackungen ließen wir auf umweltschädliche chlorierte Verbindungen wie PVC untersuchen.

Wie die veganen Joghurt-Alternativen schmecken und riechen, welche Konsistenz sie aufweisen und welches Gefühl sie im Mund entfalten, das alles testeten geschulte Sensoriker für uns. Dabei war es wichtig, dass sie keine deutlichen Geschmacksnoten aufwiesen, die zu stark von den wertgebenden Zutaten abweichen.

Fett gedruckt sind Mängel. Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 174.

Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: zu hohe Abweichung in der Deklaration des Calciumgehaltes. 2) Weiterer Mangel: Hinsichtlich des Gehalts der Einzelzutat des pflanz lichen Rohstoffs (Lupinen) wurde keine quantitative Angabe (QUID) angebracht, obwohl der pflanzliche Rohstoff Teil der Verkehrsbezeichnung ist. Die QUID-Angabe ist nach Art. 22 Abs. 1 Buchst. a der Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 vorgeschrieben. 3) Weiterer Mangel: Hinsichtlich des Gehalts der Einzelzutat des pflanzlichen Rohstoffs (Cashewkerne, Hafer, Soja) wurde keine quantitative Angabe (QUID) angebracht, obwohl der pflanzliche Rohstoff Teil der Verkehrsbezeichnung ist und dieser auf der Verpackung durch eine graphische Darstellung hervorgehoben ist. Die QUID-Angabe ist nach Art. 22 Abs. 1 Buchst. a und b der Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 vorgeschrieben. 4) Laut Anbieter wurde das Produkt ab September dauerhaft aus dem Sortiment genommen. 5) Laut Anbieter wurden die Rezeptur und die Verpackung des Produkts Mitte August umgestellt. 6) Laut Anbieter werden bereits mehrere Analysen bezüglich des Gehaltes an Calcium durchgeführt um zu gewährleisten, dass in Zukunft der deklarierte Calciumgehalt eingehalten wird. 7) Laut Anbieter wurde das Produkt ab September dauerhaft aus dem Sortiment genommen. Ab 2022 soll ein neues Produkt mit veränderter Rezeptur und veränderter Deklaration auf den Markt kommen, welche dann auch eine QUID-Angabe enthalte. 8) Laut Anbieter wurde die korrekte Menge an Calcium eingesetzt, um den deklarierten Gehalt einzuhalten. Es sei bereits eine interne Ursachenanalyse zu den Hintergründen der Abweichung eingeleitet worden. 9) Laut Anbieter kann es aufgrund von Schwankungen der Rohstoffe zu leichten geschmacklichen Unterschieden kommen. Es werd versucht, durch Anpassungen des Herstellungsprozesses diese auszugleichen und eine Stärkenote im Geschmack zu reduzieren. Der Anbieter ordnet die Stärkenote jedoch nicht als Abweichung ein. 10) Laut Anbieter erfolgt für das Produkt Ende dieses Jahres beziehungsweise Anfang nächsten Jahres ein Verpackungs-Relaunch mit Umstellung auf die Marke REWE Bio +vegan.

Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt.

Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um jeweils eine Note: a) zugesetzte Aromen; b) Zusatz von Vitaminen (hier: Vitamin B2, Vitamin D), die über eine gut geplante Lebensmittelauswahl bei veganer Ernährung abgedeckt werden können; c) phosphathaltige Zusätze; d) ein besonders bedenkliches Pestizid in einem Gehalt von mehr als 0,01 mg/kg (hier: Glyphosat). Unter dem Testergebnis Sensorik führt zur Abwertung um eine Note: ein vorherrschender sensorischer Eindruck, der den sensorischen Eindruck der wertgebenden Zutat übertrifft (hier: „deutliche Stärkenote“, „stark fruchtig-säuerlich“). Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um zwei Noten: eine fehlende quantitative Angabe (QUID) der wertgebenden Zutat. Zur Abwertung um jeweils eine Note führt: eine Abweichung zwischen dem deklarierten und dem im Labor ermittelten Gehalt an Calcium von mehr als + 45 % oder – 10 % (Letzteres entspricht der Messunsicherheit der verwendeten Testmethode). Dies richtet sich nach den Kriterien des EU-Leitfadens für zuständige Behörden in Bezug auf die Festlegung von Toleranzen für auf dem Etikett angegebene Nährwerte.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Testergebnisse Sensorik oder Weitere Mängel, die „befriedigend“ oder „ausreichend“ sind, verschlechtern das Gesamturteil um jeweils eine Note. Testergebnisse Sensorik oder Weitere Mängel, die „gut“ sind, verschlechtern das Gesamturteil nicht.

Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter oekotest.de/M2110.

Einkauf der Testprodukte: Juni/Juli 2021.

Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlags dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.