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TEST Vegetarische Fertiggerichte: Ich fall vom Fleisch


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 3/2011 vom 25.02.2011

Wer vegetarisch isst, ist nicht automatisch ein begnadeter Hobbykoch. Gut nur, dass es auch jede Menge fleischloser Fertiggerichte gibt, die im Handumdrehen zubereitet sind. Schade, dass wir nicht alle empfehlen können.


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Foto: stock byte

Einige von uns haben in den vergangenen Monaten vielleicht das eine oder andere Fertiggericht gegessen – und sich spätestens beim Entsorgen der Verpackung gefragt, ob nicht ein frischer Salat besser gewesen wäre. Es ist schon komisch, wie schnell man zu einem Fertiggericht greift – und dennoch skeptisch beäugt, was da wohl in der Verpackung steckt. Die Tests von ÖKO-TEST ...

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Einige von uns haben in den vergangenen Monaten vielleicht das eine oder andere Fertiggericht gegessen – und sich spätestens beim Entsorgen der Verpackung gefragt, ob nicht ein frischer Salat besser gewesen wäre. Es ist schon komisch, wie schnell man zu einem Fertiggericht greift – und dennoch skeptisch beäugt, was da wohl in der Verpackung steckt. Die Tests von ÖKO-TEST zeigen immer wieder, dass ein gewisses Misstrauen berechtigt ist: Zu viele Kalorien, zu viel Salz, Aromen oder unerwünschte Zusätze sorgen jedes Mal für Minuspunkte. Ganz egal ob wir Lasagne, Pizza oder Tortelloni testen.

Aber um eine ausgewogene Ernährung wird es Gerry Thomas, dem Pionier der Fertiggerichte, auch gar nicht gegangen sein. In den USA der 50er-Jahre brachte er die sogenannten TV-Dinner auf den Markt – Aluschalen, in deren Fächern sich Hackbraten, Hähnchen, Kartoffeln oder Erbsen befinden konnten. Das entscheidende Kriterium für die TVDinner: Man sollte sie problemlos auf dem Couchtisch ein - nehmen können, ohne beim Essen zu sehr vom Fernsehprogramm abgelenkt zu werden. Die Idee schlug ein: Mehr als zehn Millionen der Gerichte sollen allein im ersten Jahr verkauft worden sein.

Auch heute noch dürfte ein Großteil der Fertiggerichte vor dem Fernseher verspeist werden. Doch die Fernsehtischtauglichkeit ist längst nicht mehr das wichtigste Kriterium. Attribute wie „natürlich“, „kalorienarm“, „ohne Aromen“ oder „ohne Geschmacksverstärker“ sollen die Essen von der Konkurrenz abheben und zeigen, dass es sich lohnt, hierfür mehr Geld auszugeben.

In unserem Test von 23 Fertiggerichten ohne Fleisch – dem dritten Teil der Serie Vegetarische Küche –, ging es vorrangig um das „Innenleben“ von Dosen, Beuteln und Schachtel, sprich um Schadstoffe, den Salzgehalt oder Zusätze. Wir ließen aber auch den Geschmack untersuchen und prüften, ob der Inhalt hält, was die Verpackung verspricht.

Das Testergebnis

■ … fällt unterschiedlich aus. So schließt die vegetarische Lasagne von Bio-Hersteller Demeter Felderzeugnisse als einziges Produkt mit einem „sehr gut“ ab. Weitere vier fallen immerhin „gut“ aus, die meisten Marken sind jedoch „befriedigend“ oder „ ausreichend“. Durchgefallen sind das Nudelgericht von Iglo – es erhielt ein „mangelhaft“ – und die Penne-Gorgonzoll-uerichte von Edeka und Lidl – die beide ein „ungenügend“ bekamen.
■ Auch in vegetarischen Fer tigmahlzeiten steckt viel Salz, allerdings weniger als etwa in den Tiefkühlsalamipizzen, die ÖKO-TEST im Januar 2011 untersuchte. Drei Testprodukte bleiben sogar unter unserer Abwertungsgrenze von drei Gramm (g) Salz pro Portion. Reichlich Salz, nämlich mehr als 6 g pro Teller, liefern die Bil-uartoffeltöpfe von Eden und Naba. Das ist mehr, als man täglich maximal insgesamt zu sich nehmen sollte.
■ In rund zwei Dritteln der Produkte stecken glutamathaltige Geschmacksverstärker. Ziel: den Geschmack aufmöbeln und aus den Zutaten – unabhängig von Qualität und Menge – ein Optimum herausholen. Die geschmacksverstärkende Substanz Glutamat wird dabei meist als Bestandteil von Hefeextrakt oder Würze in das Produkt eingebracht. Synthetisch gewonnenes Mononatriumglutamat findet sich nur in denGemüse Ravioli von Maggi und derLasagne Spinato von Popp Feinkost. Glutamat gilt als umstritten, da empfindliche Menschen darauf mit Schläfendruck, Kopfschmerzen oder einem steifen Nacken reagieren können.


Geschmacksverstärkende Zusätze und Aromen täuschen manchmal mehr Zutaten vor, als drin sind


■ In gut der Hälfte der Produkte stecken Aromen. Hier steht die Abrundung des Geschmacks und der Ausgleich von schwankenden Rohstoffqualitäten im Vordergrund. Manchmal dürfte es aber auch darum gehen, dem Gericht die ausgelobte Geschmacksrichtung zu verleihen, bei den Rohstoffen jedoch zu sparen, wie etwa beim NudelgerichtCucina Tagliatelle Rucola-Champignon , das „kräftig nach Champignons“ schmeckt, obwohl nur gut 10 g Pilze pro 100 g verarbeitet wurden.
■ Weitere Zusatzstoffe nennen wir, werten sie aber nicht ab, weil sie als unbedenklich gelten. So enthalten fast alle Dosengerichte das Verdickungsmittel Guarkernmehl und das Säuerungsmittel Zitronensäure – beide sind auch für Bio-Produkte zugelassen. Oft wird zusätzlich modifizierte Stärke eingesetzt, sie ist allerdings nur für konventionelle Produkte erlaubt. Vorteile aus Sicht der Produzenten: Modifizierte Stärke dickt nicht nur an, sondern reguliert in Fertigsuppen auch das Mundgefühl und verleiht Tiefkühlgerichten die erforderliche Gefrier-Tau-Stabilität.


Fünf Fertigmahlzeiten enthalten das Schwermetall Cadmium und Fettschadstoffe in erhöhten Mengen


■ Fünfmal werten wir ab, weil die beauftragten Labore Schadstoffe in erhöhter Menge entdeckten. Bei den PastagerichtenFrenzel Gemüse auf Penne undCombino Penne Gorgonzola handelt es sich um den Fettschadstoff3-MCPDEster und bei derEismann Kartoffelpfanne „Kreta“ um den möglicherweise noch problematischeren StoffGlycidylester. Beide Substanzen entstehen bei der Raffination von Ölen und Fetten.

ImIglo Viva Italia! Penne Creme Spinaci undGut & Günstig Penne Gorgonzola, mit Blattspinat stecken erhöhte Werte des Schwermetalls Cadmium. Wir haben uns dabei an der 2009 neu festgelegten tolerierbaren wöchentlichen Aufnahmemenge orientiert, die – berechnet man sie auf einen Tag – von einer Portion bereits zu mehr als 50 Prozent ausgeschöpft würde. Dass zwei Spinat-Nudel-uerichte betroffen sind, ist übrigens kein Zufall. Denn das Schwermetall reichert sich besonders in Weizen, Spinat, Salat und einigen Wildpilzen an.
■ Immerhin: Angst vor zu vielen Kalorien braucht man bei den Fertiggerichten im Test nicht zu haben. Die leichteste Variante, derErasco Mein Gartengemüse Bunter Gemüsetopf , liefert gerade mal 140 Kilokalorien (kcal) pro Teller. Durchweg niedrig fallen auch die Kaloriengehalte der Tomatel-uudel-Töpfe in der Dose aus. Grund: offenbar viel Wasser und wenig Gehaltvolles. Doch kann man für 43 Cent, die die Eintöpfe pro Suppenschüssel kosten, wirklich mehr erwarten?
■ Drei Essen sind mit Schmelzkäse zubereitet, in denGut & Günstig Penne Gorgonzola stecken sogar zwei Schmelzkäsezubereitungen. Wir meinen, dass man die Gerichte besser mit „echten“ Zutaten wie Käse, Sahne, Milch, eventuell einem guten Pflanzenöl und einem natürlichen Dickungsmittel wie Stärke oder Mehl zubereiten sollte. Schmelzkäse wird zudem oft mit vielen Zusatzstoffen hergestellt wie Citraten oder Phosphaten. Und wenn diese Schmelzsalze nicht zugesetzt wurden, dann sind in der Regel Zutaten wie Milcheiweiß oder Molkeneiweiß enthalten, die sich besser anhören, im Produkt aber vor allem bestimmte Funktionen erfüllen sollen.
■ Einige Hersteller werben damit, dass ihre Produkte „ohne Geschmacksverstärker“ auskommen, packen aber Hefeextrakt oder Würze hinein. Das dürfen sie zwar, weil sie den Geschmacksverstärker Mononatriumglutamat meinen und es sich bei Hefeextrakt und Würze um Zutaten handelt, die lebensmittelrechtlich nicht als „Geschmacksverstärker“ definiert sind. Doch welcher Verbraucher kennt die Feinheiten? Wer ein Produkt „ohne Geschmacksverstärker“ kauft, will auch keinen drin haben – egal in welcher Form.
■ Kritisch finden wir auch Abbildungen, die das Gericht auf der Packung deutlich anspechender präsentieren als es auf dem Teller tatsächlich aussieht. Das kommt relativ oft vor, führte aber erst zur Abwertung, wenn der Unterschied aus unserer Sicht gravierend war. Etwa bei denFeine Küche Penne mit würziger Tomaten-Mozzarelll-uauce von Aldi Nord. Hier würde man ausgehend von Foto und Produktnamen ein leichtes Nudelessen mit Tomatensauce und Mozzarellastückchen erwarten – heraus kam jedoch ein Auflauf mit gebräuntem Käse.

So reagierten die Hersteller

■ Etliche Hersteller gaben an, ihre Produkte künftig ohne Aromen und/oder geschmacksverstärkende Zusätze anbieten zu wollen.
■ Edeka ergänzte, bei denGut & Günstig Penne Gorgonzola demnächst auch auf Schmelzkäse zu verzichten.
■ Hersteller Frenzel schrieb, dass sich die in der Sensorikprüfung bemängelten trockenen Stellen an den Nudeln leicht beheben lassen, wenn man sie vor dem Verzehr durch Umrühren mit der Würzsauce benetzen würde. Dann sei das Produkt homogen. Oder die Schale nach der Hälfte der Garzeit einmal durchschütteln und auf diese Weise Trocknungsstellen vermeiden, so der Rat der Sensorikexperten.

Unsere Empfehlungen

Wer nach einem guten Fertiggericht sucht, wird am ehesten im Bio-Bereich fündig. Doch auch konventionelle Produkte, wie das Essen von Tiefkühlkosthersteller Frosta und der Eintopf von Netto, konnten im Test punkten.
Manche Fertiggerichte zeichnen sich sogar durch richtig viel Gemüse aus. Zu erkennen ist das an der Zutatenliste. Dort werden die Zutaten entsprechend ihrer Menge in absteigender Reihenfolge aufgezählt. Die im Produktnamen ausgelobten Zutaten müssen zudem prozentual angegeben werden.

So haben wir getestet

Der Einkauf
Manchmal muss es eben schnell gehen. Dann sind Fertiggerichte eine prima Sache. Nicht nur überzeugte Vegetarier bevorzugen dabei gerne fleischlose Varianten. Damit es aber wirklich vegetarisch ist, muss man im Laden ganz schön aufpassen: In so mancher Gemüse-Minestrone steckt Hühnerbrühe, im Kartoffelgratin Gelatine und in den Ravioli Schweinefleisch. Unsere Einkäufer haben also in die Auswahl der Gerichte zum Teil mehr Zeit investiert, als ihre Zubereitung benötigt. Im Einkaufswagen landeten schließlich sowohl Konserveneintöpfe, Nudelgerichte aus der Tiefkühltruhe sowie einige Kartoffelmahlzeiten. Angebote, die es sowohl in Bio-Qualität als auch aus konventioneller Produktion gibt.

Die Inhaltsstoffe
So unterschiedlich die Produkte, so unterschiedlich war auch das Prüfprogramm: Produkte mit einem hohen Gemüseanteil wurden auf mehr als 500 Pestizide hin überprüft. Steckt viel pflanzliches Öl im Fertiggericht, haben die Labore auf gesundheitsgefährdende Fettschadstoffe untersucht. Mahlzeiten aus der Tiefkühltruhe oder dem Kühlregal mussten eine Keimprüfung über sich ergehen lassen. Gerichte, die direkt in ihren Verpackungen zubereitet werden, wurden auf mögliche Übergänge von Weichmachern gecheckt. Der Salzgehalt interessierte uns wiederum bei allen Produkten, und auch, ob Schwermetalle die Lebensmittel belasten oder die Gerichte mit geschmacksverstärkenden Stoffen aufgepeppt werden.

Die Sensorik
Mit fünf Prozent Zucchini – wer solch detaillierte Angaben in seiner Zutatenliste macht, der muss sie auch einhalten. Wir ließen im Labor nicht nur auswiegen, ob der deklarierte Gehalt an Käse, Gemüse oder Nudeln tatsächlich stimmt. Vielmehr wollten wir auch wissen, wie es denn nun schmeckt. Eine solche Prüfung hat nichts mit einer Versuchsküche zu tun – es gibt ganz strenge Vorgaben, die dabei eingehalten werden müssen. Selbst wenn an der Sensorik nichts auszusetzen war – manchmal wunderten sich die professionellen Verkoster schon darüber, wie das auf der Verpackung so appetitlich anmutende Gericht dann schließlich auf dem Teller aussieht.

Fotos: Labor (3)

Vorher – nachher. Positiv überrascht waren die Sensoriker von der Kartoffelpfanne „Kreta“ von Eismann – es sah zubereitet fast leckerer aus als auf der Verpackung. Enttäuschend dagegen die beiden Nudelgerichte. Hier hätte man im Falle der Penne ein leichtes Nudelessen erwartet und im Falle der Tagliatelle deutlich mehr Pilze.

Die Bewertung
Schmeckt lecker! Ob das an den Zutaten oder am Aromazusatz liegt? Klar ist, dass ein Fertiggericht nur dann „sehr gut“ sein kann, wenn die Zutaten stimmen und sich keine Schadstoffe nachweisen lassen. Daher legen wir den Schwerpunkt der Bewertung auf die Inhaltsstoffe, die Sensorik fließt zu 40 Prozent noch ins Gesamturteil ein. Doch wer meint, mit vollmundigen Ankündigungen auf der Verpackung den Appetit der Verbraucher schüren zu können, der muss seine Versprechen auch einhalten. Sonst gibt es Punktabzug unter Weitere Mängel. Summiert sich hier einiges, kann auch das die Gesamtnote noch mal drücken.