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TEST Venenmittel :Beinhart


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 7/2010 vom 09.08.2010

Müde, schwere und geschwollene Beine sind die ersten Anzeichen der weitverbreiteten Venenschwäche. Diverse Kapseln, Tabletten, Gele und Cremes sollen Abhilfe schaffen. Doch wirklich hilfreich sind nur einige Arzneimittel zum Einnehmen.


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Foto: Sergey Kaliganov/Fotolia.com

Krampfadern sind nicht nur unschön, sondern auch gefährlich. In ihnen fl ießt das Blut langsamer, sodass es leichter gerinnen kann. Bei einer Thrombose verstopft ein solches Gerinnsel eine Beinvene: Das Bein schwillt an und schmerzt. Löst sich das Gerinnsel und gelangt bis in die Lunge, kann es für die Atmung lebenswichtige Adern ...

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Krampfadern sind nicht nur unschön, sondern auch gefährlich. In ihnen fl ießt das Blut langsamer, sodass es leichter gerinnen kann. Bei einer Thrombose verstopft ein solches Gerinnsel eine Beinvene: Das Bein schwillt an und schmerzt. Löst sich das Gerinnsel und gelangt bis in die Lunge, kann es für die Atmung lebenswichtige Adern verschließen und so eine Lungenembolie verursachen. Zwischen 7.000 und 8.000 Menschen sterben jährlich daran.

Eine Venenschwäche beginnt mit müden, schweren Beinen, die zudem durch Wasseransammlungen anschwellen können. Auch Fuß- und Wadenkrämpfe, Juckreiz und unruhige Beine plagen die Betroffenen. Krampfadern sind das häufi gste Venenleiden, zirka 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung sind davon gezeichnet. Hohes Alter, Übergewicht und erbliche Veranlagung begünstigen ihre Entstehung.

Ob tatsächlich eine Thrombose vorliegt, kann der Arzt mittels Ultraschall feststellen. Als Standardverfahren gilt heute die sogenannte Farbduplexsonografi e. Die schmerzlose Methode liefert die bekannten Schwarz-Weiß-Aufnahmen einer Ultraschalluntersuchung ergänzt um eine farbige Darstellung von Strömungsrichtung, -geschwindigkeit und -stärke des Blutfl usses in den Gefäßen.

Bei Venenschwäche entlasten Kompressionsstrümpfe von außen das Gefäßsystem. Doch wenn im Sommer die Temperaturen steigen bleiben sie gerne in der Schublade. Auch Bewegung, sei es Schwimmen, Radfahren, Walken oder Laufen, aktiviert die Wadenpumpe und lindert die Beschwerden. Doch wenn Beruf und Familie keine Zeit dafür lassen, dann wird schon mal in Apotheken oder Drogerien nachgefragt.

Dort hat ÖKO-TEST 30 Venenmittel eingekauft, je zur Hälfte zum Einnehmen und zum Einreiben. Bei fünf der äußerlich anzuwendenden Präparate handelt es sich um kosmetische Mittel, die Wohltuendes bei schweren Beinen versprechen. Bei den Arzneimitteln haben wir nach Wirksamkeits- bei den anderen Produkten nach Nutzenbelegen gesucht. Zudem haben wir einen kritischen Blick auf die Deklaration geworfen und die Mittel zum Einreiben im Labor auf problematische Inhaltsstoffe untersuchen lassen.

Das Testergebnis

■ … macht kaum fl otte Beine: Von den 15 Arzneimitteln zum Einnehmen schneidet knapp einmal die Hälfte mit „sehr gut“ oder „gut“ ab. Von den äußerlich anzuwendenden Produkten ist keine Hilfe zu erwarten – weder von den Arznei- noch von den kosmetischen Mitteln. Zudem stecken in etlichen Gelen und Salben problematische Duftstoffe und andere bedenkliche und/oder umstrittene Inhaltsstoffe.

Präparate zum Einnehmen
Die apothekenpfl ichtigen Arzneimittel beanspruchen die Behandlung von Beschwerden bei Erkrankungen der Beinvenen (chronische Veneninsuffi zienz). Präparate, die als Wirkstoff einen Trockenextrakt aus Rosskastaniensamen enthalten, verringern nach zweibis 16-wöchiger Einnahme die Schmerzen in den Beinen, Wasseransammlungen, den Juckreiz und auch den Umfang der Beine. Die Mittel ergänzen in sinnvoller Weise andere therapeutische Maßnahmen, wenn diese nicht ausreichen, um einen beschwerdefreien Zustand zu erreichen. Voraussetzung dafür ist ein ausreichend hoher Gehalt von 100 Milligramm Aescin in einer Tagesdosis. Aescin gilt als Leitverbindung in Rosskastaniensamenextrakten. Bei zwei Produkten fehlt die Angabe des Aescingehaltes, sodass eine Aussage über die Wirksamkeit nicht möglich ist.


Die Venalot Depot, Dragees enthalten als Wirkstoff Cumarin, das die Leber schädigen kann


■ Für den Trockenextrakt aus roten Weinrebenblättern in denAntistax Venenkapseln erachten wir die Wirksamkeit als nur teilweise belegt. Bislang gehen Wirksamkeit und Verträglichkeit des verwendeten Extraktes nur aus einer klinischen Studie hervor. Die Anwendungsdauer ist laut Gebrauchsinformation auf drei Monate begrenzt.
■ Der synthetische Pfl anzenfarbstoff Troxerutin (Veno SL 300 Kapseln ,Venalot Depot, Dragees ) soll ebenso wie Cumarin Wasseransammlungen im Gewebe entgegenwirken. Die Wirksamkeit bei Venenleiden ist jedoch nicht belegt. Cumarin kann die Leber schädigen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat für den Stoff eine tolerierbare tägliche Aufnahmemenge (ADI-Wert) von 0,1 Milli gramm pro Kilogramm Körpergewicht festgesetzt, also 6 mg für einen 60 kg schweren Menschen. In einer Tagesdosis derVenalot Depot, Dragees stecken jedoch 45 bis 90 mg Cumarin, womit der ADI-Wert um das 7,5- bis 15- fache überschritten wird. Auf Anfrage von ÖKO-TEST, warum dieses Präparat überhaupt noch zugelassen ist, wollte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) keine näheren Angaben machen, da hier ein Verfahren anhängig sei. Bis zur rechtskräftigen Entscheidung bleibe das Arzneimittel „weiterhin ,fi ktiv‘ zugelassen und verkehrsfähig“. Auch Anbieter Schaper & Brümmer wollte sich nicht zum laufenden Rechtsverfahren äußern.
■ Die traditionellen Arzneimittel versprechen, Beschwerden wie Schweregefühl bei müden Beinen zu bessern. Sie enthalten Extrakte aus Rosskastaniensamen und/ oder Rutosid. Bei den Rosskastaniensamenextrakten fehlt allerdings die Angabe zum Aescingehalt. Für Rutosid, ein unter anderem im Buchweizen und in der Gartenraute vorkommendes Flavonoid, mangelt es an Wirksamkeitsbelegen.


Die äußerliche Anwendung von Venenmitteln bringt nichts, allenfalls tut der Massageeffekt gut


Arzneimittel zum Einreiben
Für keines der zur äußerlichen Behandlung von Venenleiden angebotenen Arzneimittel mit ihren verschiedenen Wirkstoffen (Extrakte aus Rosskastaniensamen oder roten Weinrebenblättern, Heparin-Natrium, Chondroitinpolysulfat, Rutosid, Aescin, Levomenthol, Diethylaminsalicylat) reichen die Wirksamkeitsbelege aus. Wir werten daher um vier Noten ab. Allenfalls der mit dem Einreiben verbundene Massageeffekt könnte als angenehm empfunden werden.

Die kosmetischen Mittel
Sie setzen vor allem auf nicht näher defi nierte Extrakte aus Rosskastaniensamen, Arnika, rotes Weinlaub oder Latschenkiefernöl. Konkrete Nutzenbelege erhielten wir von den Anbietern nicht. Zwar ist beim Einreiben ein kühlender Effekt durch verdunstenden Alkohol oder Menthol plausibel und zu erwarten – mehr aber nicht und per Gesetz bei Kosmetika auch gar nicht zulässig. Insgesamt drängt sich bei diesen Produkten der Eindruck auf, es werden aus Arzneimitteln bei Venenleiden bekannte Wirkstoffe in einen pharmakologisch unwirksamen Bereich herunterverdünnt und dann mit schwammigen Versprechungen an den Verbraucher gebracht.


In Arzneimitteln müssen allergieauslösende Duftstoffe nicht deklariert werden


Kompressionsstrümpfe gibt es heutzutage auch in schicken Varianten.


Foto: Paul Hartmann AG

■ Einige Präparate enthalten überfl üssige Wirkstoffkombinationen. Das erhöht die Gefahr von Neben- sowie Wechselwirkungen mit anderen Mitteln. Als überfl üssig gilt eine Kombination, wenn ein zusätzlicher Wirkstoff keinen therapeutischen Vorteil bringt.
■ In vielen Gebrauchsinformationen fehlen Hinweise auf unterstützende Behandlungsmaßnahmen wie Wassergüsse, Stützstrümpfe, Wickeln der Beine oder Bewegung. Denn auch ohne Arzneimittel lassen sich die Venen stärken.
■ In etlichen Produkten stecken bedenkliche und/oder umstrittene Stoffe. Während in Kosmetika bestimmte allergieauslösende Duftstoffe deklarationspfl ichtig sind, reicht bei Arzneimitteln die Angabe Parfüm unter den Hilfsstoffen aus. Dabei fi nden sich hier die gleichen problematischen Substanzen. Wir werten daher die Duftstoffe Hydroxycitronellal, Lyral und Cinnamylalkohol genau wie bei den Kosmetika ab. Das BfArM empfi ehlt duftstoffsensibilisierten Allergikern, duftstoffhaltige Arzneimittel generell nicht anzuwenden.
■ Polyethylenglykole und deren Abkömmlinge (PEG/ PEG-Derivate) werten wir um zwei Noten ab, weil sie Fremdstoffe durch die Haut schleusen können. Zwar könnte man bei äußerlich anzuwendenden Venenmitteln argumentieren, sie könnten doch Wirkstoffe in den Körper transportieren. Nur wozu, wenn von diesen Präparaten ohnehin keine Hilfe zu erwarten ist?
■ Für die Anwendung von Salicylaten in Venenmitteln fehlt die wissenschaftliche Grundlage. Methylsalicylat und Salicylsäure erachten wir so in arzneilichen und kosmetischen Venenmitteln als überfl üssige Hilfs- bzw. weitere Inhaltsstoffe.

So reagierten die Hersteller
■ Die Firma Dr. Theis Naturwaren, Anbieter des KosmetikumsAllgäuer Latschenkiefer Bein Lotion , schrieb uns, ihr Produkt werde nicht als Venenmittel positioniert. So heiße es auf der Verpackung, das enthaltene Latschenkiefernöl fördere die Durchblutung von Haut und Bindegewebe. Die straffende und pfl egende Wirkstoffkombination erfrische und belebe müde, schwere Beine. Da dies dem Anwendungsgebiet der traditionellen Arzneimittel („zur Besserung des Befi ndens bei müden Beinen“) in fataler Weise ähnelt, sehen wir dieAllgäuer Latschenkiefer Bein Lotion wie die anderen kosmetischen Präparate im Test als Venenmittel an.
■ Das leberschädigende Risiko bei der Behandlung mit denVenalot Depot, Dragees (Wirkstoffe: Cumarin und Troxerutin) bezeichnet Anbieter Schaper & Brümmer als „sehr gering“. Beobachtete Effekte seien nach Absetzen der Medikation reversibel gewesen. Zudem sei von Troxerutin „seit Kurzem bekannt, dass es einen Leberschutzeffekt ausübt“.
Trotzdem: Obgleich nur wenige Menschen empfi ndlich auf die lebergiftige Wirkung von Cumarin reagieren, waren in den 1990er-Jahren cumarinhaltige Arzneimittel in etlichen Ländern vom Markt zu nehmen.

Unsere Empfehlungen

• Venenerkrankungen gehören grundsätzlich in die Hand eines Arztes, am besten eines Phlebologen.
• Auch wenn sie bei sommerlichen Temperaturen eher unbeliebt sind: Kompressionsstrümpfe sind das A und O bei der Behandlung chronischer Venenleiden.

Kompakt

Fitte Venen – nicht nur im Sommer
Mit Laufen und Liegen statt Stehen und Sitzen kann man Venenproblemen vorbeugen. Die Deutsche Venenliga (www.venenliga.de) empfiehlt:
■ täglich zweimal 15 Minuten marschieren, möglichst ohne Pause;
■ bei längerem Stehen abwechselnd auf die Zehenspitze und die Fersenballen stellen, mindestens zehnmal;
■ täglich mindestens zwei Liter Wasser oder ungesüßten Tee trinken;
■ Beine kalt abduschen; ■ bei längerem Sitzen (auch auf Reisen) oder Stehen Stütz- oder Kompressionsstrümpfe tragen;
■ Beine so oft wie möglich hochlagern.

Krampfaderoperation
Das zur Behandlung von Krampfadern am häufigsten angewandte operative Verfahren ist die sogenannte Krossektomie mit gleichzeitigem Stripping. Dabei wird die erkrankte Vene im Bereich der Kniekehle oder der Leiste, dort wo sie ins tiefe Venensystem einmündet, mit allen zugehörigen Seitenästen durchtrennt und anschließend entfernt. Gesunde Bereiche der Stammvene verbleiben im Bein, sie lassen sich später für eventuell erforderliche Bypassoperationen nutzen.

Kompressionsstrümpfe
Medizinische Kompressionsstrümpfe drücken auf die Beinvenen, sodass die Venenklappen wieder richtig schließen können.
Es gibt sie in den Kompressionsklassen I bis IV: je höher die Zahl, desto stärker ist der Druck. Da sie mit der Zeit ausleiern, stehen den Patienten zweimal im Jahr neue Strümpfe zu, die vom Arzt verschrieben werden. Zur Pflege sollten sie regelmäßig gewaschen werden.

Venencheck
Eine erste Orientierung, wie es um die Gesundheit der Venen bestellt ist, bietet ein Online-Venen-Check. Zum Beispiel bietet die Deutsche Gesellschaft für Phlebologie einen entsprechenden Fragebogen mit Auswertung an: www.phlebology.de → Für Patienten → Mein Risiko

So haben wir getestet

Der Einkauf

Gerade im Sommer machen vielen Menschen nach einem langen Arbeitstag geschwollene Beine und Füße zu schaffen. Grund genug für uns, einmal in Apotheken und Drogerien nachzuschauen, welche Hilfe der Markt so anbietet. Berücksichtigt haben wir nicht nur Arzneimittel mit konkreten venenbezogenen Anwendungsgebieten, sondern auch kosmetische Mittel, die müde und schwere Beine pflegen und die Durchblutung aktivieren sollen.

Die Begutachtung

Unser wissenschaftlicher Berater, Professor Manfred Schubert-Zsilavecz, ist den Fragen nachgegangen, wie gut die Wirksamkeit der arzneilichen Venenmittel in Studien belegt und wie es um den Nutzen der kosmetischen Mittel bestellt ist. Die Anbieter der Letzteren hatten wir vorab darum gebeten, uns Nutzenbelege für ihre Produkte zuzuschicken - es kamen leider keine. Lediglich Abtei schickte einige allgemeine Ausführungen über Menthol, Kampfer und die Rosskastanie. Professor Schubert-Zsilavecz musste bei seiner Recherche erstaunt feststellen, dass „in den letzten Jahren de facto keine neuen Daten publiziert wurden“.

Die Hilfs- und weiteren Inhaltsstoffe

Manch bedenklicher und/oder umstrittener Inhaltsstoff findet sich schon beim aufmerksamen Lesen der Deklaration, seien es Paraffine oder bestimmte Farbstoffe. Andere sind nur mittels aufwendiger Laboranalyse aufzuspüren, da sie sich hinter Oberbegriffen verbergen können: aller- gieauslösende Duftstoffe oder Moschus-Verbindungen hinter „Parfüm“, das den Schutzmechanismus der Haut beeinflussende Diethylphthalat im zugesetzten Alkohol, zu dessen Vergällung es eingesetzt wird. Manchmal meinen es die Anbieter auch zu gut mit der Information der Verbraucher: So war das imKlosterfrau Venengold Bein-Gel deklarierte Methyleugenol analytisch nicht nachweisbar. Laut Anbieter handelt es sich um einen natürlichen Bestandteil des verwendeten Rosmarinöls.

Die Bewertung

Das A und O sind für uns Studien oder Untersuchungen, die die Wirksamkeit eines Arzneimittels bzw. den Nutzen eines Produktes eindeutig belegen. Fehlen diese, kann es in der Pharmakologischen Begutachtung bzw. in der Beurteilung der maßgeblichen Inhaltsstoffe nur ein „mangelhaft“ geben. Doch nicht nur wirksam sollte ein Arzneimittel sein, sondern auch unbedenklich: Überschreitet ein Wirkstoff in der Dosierung die vom Bundesinstitut für Risikobewertung festgelegte tolerierbare tägliche Aufnahmemenge um ein Vielfaches, kann das Mittel in unserem Test natürlich nur schlecht abschneiden. Vermissen wir dann noch sinnvolle ergänzende Hinweise zur Vorbeugung und Behandlung von Venenerkrankungen, gehen die Produkte mit „ungenügend“ aus dem Rennen. Der umgekehrte Fall, dass ein wirksames Präparat aufgrund bedenklicher und/oder umstrittener Hilfsstoffe am Schluss des Feldes landet, kam in diesem Test nicht vor.

Fett gedruckt sind Mängel.
Abkürzungen: n.u. = nicht untersucht, weil sich dieser Parameter durch die Zusammensetzung des Produkts erübrigt. DEP = Diethylphthalat.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 126.
Anmerkungen: 1) PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe in der Verpackung. 2) Laut Anbieter enthalten neue Chargen des Präparates statt Dibutylphthalat Triethylcitrat. Sie sollen ab Juni 2010 in den Apotheken zur Verfügung stehen. 3) Umkarton bei Kosmetika, der kein Glas schützt und keine weitergehenden Informationen enthält. 4) Die deklarationspflichtigen Duftstoffe Lyral, Hydroxycitronellal, Citronellol und Geraniol sind nicht deklariert. 5) Der Preis bezieht sich auf eine Tagesdosis von 3 x 1 Kapsel. Laut Gebrauchsinformation kann die Tagesdosis bei Bedarf auf 3 x 2 = 6 Kapseln gesteigert werden. 6) Der Preis bezieht sich auf eine Tagesdosis von 3 Tabletten. Laut Gebrauchsinformation beträgt die Tagesdosis 3 bis 6 Tabletten. 7) Der Preis bezieht sich auf eine Tagesdosis von 2 Kapseln. Laut Gebrauchsinformation kann die Tagesdosis bei Bedarf auf 4 Kapseln gesteigert werden. 8) ADI-Überschreitung bezieht sich auf einen 60 Kilogramm schweren Menschen.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt.
Arzneimittel zum Einnehmen:
Unter dem Testergebnis Pharmakologische Begutachtung führen zur Abwertung um jeweils vier Noten: a) Wirksamkeit bei chronischer Venenschwäche nicht nachgewiesen (Rutosid, Troxerutin, Cumarin); b) fehlende Angaben zum Aescingehalt bei Rosskastaniensamenextrakten; c) Cumarin. Zur Abwertung um zwei Noten führt: Wirksamkeit bei chronischer Venenschwäche nur teilweise nachgewiesen (Trockenextrakt aus Rotem Weinlaub). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) die überflüssige Kombination von Wirkstoffen; b) Deklarationsmangel: im Beipackzettel fehlender Hinweis auf unterstützende Behandlungsmaßnahmen. Unter dem Testergebnis Hilfsstoffe führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) Dibutylphthalat; b) Farbstoff Erythrosin. Zur Abwertung um eine Note führen: die Farbstoffe Chinolingelb oder Azorubin. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führen zur Abwertung um eine Note: PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe in der Verpackung.

Erkrankte Venen

Foto: www.medi.de

Geht es um die Venen, hat der aufrechte Gang des Menschen seine Nachteile: Das verbrauchte Blut muss aus den Beinen gegen die Schwerkraft zurück zum Herzen gepumpt werden. Beim Gehen hilft dabei der Wadenmuskel, der bei jedem Schritt das Blut nach oben presst. Venenklappen verhindern dabei ein Zurückfließen. Sind die Venen jedoch erweitert, können die Klappen nicht mehr richtig schließen und das Blut staut sich im Unterschenkel. Das wiederum erhöht den Druck in den Venen, schwächt deren Gefäßwände so, dass Flüssigkeit austreten kann. Die Folge: Die Beine schwellen an.

Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Pharmakologische Begutachtung und dem Testergebnis Hilfsstoffe. Es kann nicht besser sein als das schlechteste Einzelergebnis. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ ist, verschlechtert das Testergebnis Hilfsstoffe um eine Note.
Arzneimittel zum Einreiben: Unter dem Testergebnis Pharmakologische Begutachtung führt zur Abwertung um vier Noten: die nicht ausreichend nachgewiesene Wirksamkeit bei chronischer Venenschwäche bei äußerlicher Anwendung (Dickextrakt aus roten Weinrebenblättern, Heparin-Natrium, Trocken- oder Fluidextrakt aus Rosskastaniensamen, Rutosid, Aescin, Diethylaminsalicylat, Chondroitinpolysulfat, Levomenthol). Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) die überflüssige Kombination von Rosskastaniensamenextrakt oder Aescin mit anderen Wirkstoffen; b) Deklarationsmangel: im Beipackzettel fehlender Hinweis auf unterstützende Behandlungsmaßnahmen. Unter dem Testergebnis Hilfsstoffe führen zur Abwertung um zwei Noten: PEG/PEG-Derivate. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) ein erhöhter Gehalt von mehr als 10 bis 1.000 mg/kg Diethylphthalat; b) mehr als ein Prozent Paraffine/paraffinähnliche Erdölprodukte und/oder apolare Silikonverbindungen; c) mehr als 10 mg/kg der in Kosmetika deklarationspflichtigen Duftstoffe, die Allergien auslösen können (Lyral, Cinnamylalkohol, Hydroxycitronellal); d) Salicylsäure. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Pharmakologische Begutachtung und dem Testergebnis Hilfsstoffe. Es kann nicht besser sein als das schlechteste Einzelergebnis.

Kosmetische Mittel: Unter dem Testergebnis Maßgebliche Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um vier Noten: nicht oder nicht ausreichend belegter Nutzen für das jeweilige Produkt. Zur Abwertung um eine Note führt: Deklarationsmangel: fehlende Hinweise auf unterstützende Maßnahmen. Unter dem Testergebnis Weitere Inhaltsstoffe führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) mehr als 100 mg/kg Delta-3-Caren; b) mehr als 10 mg/kg polyzyklische Moschus-Verbindungen; c) ein stark erhöhter Gehalt von mehr als 1.000 mg/kg Diethyl phthalat; d) PEG/PEG-Derivate. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) mehr als ein Prozent Paraffine/paraffinähnliche Erdölprodukte und/oder apolare Silikonverbindungen; b) deklarationspflichtige Duftstoffe, die Allergien auslösen können (Lyral, Cinnamylalkohol, Hydroxycitronellal); c) ein erhöhter Gehalt von mehr als 10 bis 1.000 mg/kg Diethylphthalat; d) Methylsalicylat. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um eine Note: Umkarton, der kein Glas schützt und keine weitergehenden Informationen enthält.
Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Maßgebliche Inhaltsstoffe und dem Testergebnis Weitere Inhaltsstoffe. Es kann nicht besser sein als das schlechteste Einzelergebnis. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ ist, verschlechtert das Testergebnis Weitere Inhaltsstoffe um eine Note.
Testmethoden: Formaldehyd/-abspalter (in allen äußerlich anzuwendenden Präparaten): saure Wasserdampfdestillation, Derivatisierung mit Acetylaceton, Ausschütteln mit n-Butanol, Fotometrie. Halogenorganische Verbindungen (in allen äußerlich anzuwendenden Präparaten): a) Wasserdampfdestillation, Binden der organischen Halogene an Aktivkohle, Verbrennung der Aktivkohle im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts; b) Reinigung der Proben mit Kieselgel, Extraktion mit Essigester, Verbrennung des Extrakts im Sauerstoffstrom, microcoulometrische Bestimmung des Halogengehalts. Diethylphthalat/Duftstoffe, die Allergien auslösen können/weitere Duftstoffe/Moschus-Verbindungen/Cashmeran/Majantol: Extraktion mit MTBE, GC-MS. Delta-3-Caren: Extraktion mit MTBE, GC-MS. Dioxan: HS-GC-MS. Methyleugenol: GC-MS. Paraffine/Silikone: HPLC-RI, GC-MS. PVC/PVDC/chlorierte Kunststoffe: Röntgenfluoreszenzanalyse. Steht bei Analyseergebnissen „nein“, bedeutet das „unterhalb der Nachweisgrenze“ der jeweiligen Testmethode.
Einkauf der Testprodukte: März 2010. Preisberechnung basiert auf kleinstem Produktangebot.
Anbieterverzeichnis: siehe www.oekotest.de

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