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TEST VOLLVERSTÄRKER: Class A For Future


Stereo - epaper ⋅ Ausgabe 10/2019 vom 02.09.2019

Class A-Verstärker klingen klasse, „verbrennen“ aber viel Strom und laufen heiß. Nicht so der Sugden ANV-50. Hat er das Class A-Rezept für die Zukunft?


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Bildquelle: Stereo, Ausgabe 10/2019

STICHWORT
„Bias“… …ist der englische Begriff für den Ruhestrom. Tape-Fans kennen ihn als Bezeichnung des Vormagnetisierungsstroms von Cassettenrecorder und Bandmaschine. @z


Die Klimakrise istdas Thema dieses Sommers, wenn nicht überhaupt. Als Konsequenz kommt alles auf den Prüfstand und wird hinterfragt: Flugreisen, Kreuzfahrten, spritschluckende SUVs sowie dergleichen mehr kriegen ein mieses Image. Fast so übel wie bei den fetten Karossen sieht die ...

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Die Klimakrise istdas Thema dieses Sommers, wenn nicht überhaupt. Als Konsequenz kommt alles auf den Prüfstand und wird hinterfragt: Flugreisen, Kreuzfahrten, spritschluckende SUVs sowie dergleichen mehr kriegen ein mieses Image. Fast so übel wie bei den fetten Karossen sieht die Leistungsbilanz der bei der audiophilen Hörerschaft beliebten ClassA-Verstärker aus. Diese verbraten nach klassischer Lehre nämlich stets die Hälfte ihrer Maximalenergie zu Abwärme. Folgt der nicht nur von Ökos ausgerufenen Flugscham deshalb bald die ClassA-Scham?

Hintergrund der Energieverschwendung ist der Wunsch, klangschädliche Übernahmeverzerrungen, wie sie Leistungstransistoren beim Übergang des Signals von der positiven auf die negative Halbwelle erzeugen, zu vermeiden, indem man die Halbleiter ständig geöffnet hält, sodass diese nicht schalten müssen. Der entsprechend hohe Ruhestrom fließt dann als Abwärme in die Kühlkörper.

Zwar existieren seit langem Ansätze, den„Bias“ nur geringfügig zu erhöhen, sodass man etwa im praxisrelevanten Bereich bis fünf Watt „ungeschaltet“ hört, was die Leistungsaufnahme und damit die Amp-Erwärmung reduziert, doch „wahre“ ClassA-Vertreter – ob als Vollverstärker oder Endstufe – brüten weiter vor sich hin, was gerade im von der Sommerglut aufgeheizten Hörraum zur Sinnfrage führt – und dies nicht nur freitags.

Und damit sind wir beim ANV-50 des englischen Traditionsherstellers Sugden, der für sich in Anspruch nimmt, 1967 mit dem berühmten A21 den ersten HiFi-Class-A-Vollverstärker überhaupt produziert zu haben. Erfahrung haben sie auf der Insel also allemal und nun einen ungewöhnlichen ClassA- Amp auf die Füße gestellt.

Zunächst zu den nackten Fakten: Im Labor leistet der Brite wie ein echter ClassA-Amp gut 50 Watt pro Kanal an acht oder vier Ohm, nimmt in Ruhe aber nur 32 Watt auf, was bei statischen Verhältnissen unmöglich wäre. Wie passt das also zusammen? Die Antwort liegt in einem zweistufi gen System, bei dem ein relativ leistungsschwacher purer ClassA-Amp eine normale ClassAB-Ausgangsstufe ansteuert, deren Verstärkungsfaktor niedriger ausfallen kann, als wenn an ihr nur ein Vorstufensignal anläge und die überhaupt von der Präzision des „Vor glühers“ klanglich determiniert werden soll.

Wer mal sein schwächliches Autoradio mit einer kräftigen „Nachbrenner“-Endstufe aufgepimpt hat, kennt dieses im HiFi-Bereich womöglich zu stiefmütterlich beachtete „Booster“-Prinzip. So wie im ANV-50 eingesetzt, ist dieses Konzept energieschonend, „cool“ und damit zeitgemäß.

Power aus Schaltnetzteilen

Am ANV-50, der kürzlich anlässlich von Sugdens 50. Geburtstag in dessen „Masterclass Series“ erschien, ist noch manch anderes ungewöhnlich. Dass die Nummern der fünf Hochpegeleingänge von rechts nach links ansteigen und die Eingänge des rechten Kanals oben statt wie üblich unten liegen, würde man beim Amp von einer Insel, auf der die Leute auf der falschen Seite fahren, vielleicht sogar erwarten. Doch wer – erstaunt vom mit acht Kilogramm recht geringen Gewicht des Briten – neugierig dessen Gehäusedeckel liftet, auf den wartet sogleich die nächste Überraschung: Anstelle der vermuteten Trafos und Kondensatorbänke übernehmen zwei auf ein Megahertz getaktete Schaltnetzteile die Versorgung der zu beiden Seiten angeordneten Endstufenelektronik, wobei je eins für die positive respektive negative Halbwelle zuständig ist, während die mit Relais und einem Motorpotentiometer für die fernsteuerbare Lautstärke bestückte Eingangsplatine unmittelbar hinter den verschraubten und vergoldeten Cinch-Buchsen sitzt.

Diese für einen Traditionalisten ungewöhnliche Lösung wählten die Engländer aufgrund der überragenden Schnelligkeit, Stabilität und Stromlieferfähigkeit, die sie ihren Schaltnetzteilen zusprechen. Einmal mehr durch die grüne Brille betrachtet, ist deren Leistungsausbeute, ergo Effektivität ebenfalls höher, passt also hundertprozentig ins Bild vom Verstärker der Zukunft – sei er nun in ClassA ausgeführt oder nicht.

Eine Stromgegenkopplung soll geringste Signalbeeinfl ussung sowie besonders niedrigen Ausgangswiderstand sichern. Beides konnte das Labor nicht bestätigen. Die Verzerrungen sind so lala und die Dämpfungsfaktoren allenfalls durchschnittlich, was aber gar nichts macht, da mir persönlich weniger straff an die Kette gelegte Amps oft musikalischer und schwungvoller erscheinen.

Der puristische Amp, der sich tatsächlich nur mäßig erwärmt, bietet immerhin zwei Vorstufenausgänge – einen ungeregelten für „Tapes“, also Aufnahmegeräte und einen geregelten für eine weitere Sugden-Endstufe, um den ANV-50 im Bi-Amping zu betreiben, oder auch ein Paar Aktivboxen.

Wir hängten den Briten vor DALIs beeindruckend klingende Epicon 6, deren Wirkungsgrad zwar nur normal ausfällt, die aber aufgrund ihres glatten Impedanzgangs jedes Verstärkers Liebling ist. Nach einer Aufwärmphase zauberte der Sugden Rafael Fragas „Terra Presa“ von der neuen STEREO Hörtest-CDIX so zart, ja, intim dar, wie es der Aufnahmeingenieur angelegt hatte. Anmutig und ohne jeden artifi ziellen Glanz stäubte der duftige Obertonbereich aus den DALIs, Fragas Stimme hatte Substanz sowie jene betörende Nonchalance, der seine weibliche Fangemeinde verfallen ist.

1Zwei potente Schaltnetzteile versorgen den Amp nach Signalhalbwellen getrennt. 2Die Endstufenelektronik sitzt kanalgetrennt auf Kühlkörpern. 3Die Eingänge werden über Relais geschaltet. 4Im Interesse kurzer Signalwege sitzt das Motor-Poti nah an den Buchsen.


IM SYSTEM

Von der beigelegten Systemfernbedienung sind nur die Lautstärketasten für den ANV-50 nutzbar. Reicht ja auch!

TEST-GERÄTE

Media-Player: T+A MP3100HV
Vollverstärker: Accuphase E-270, Audionet SAM 20SE
Lautsprecher: DALI Epicon 6, KEF R11, Sonus Faber Sonetto III
Kabel: Cardas Clear, HMS Gran Finale Jubilee (NF), In-Akustik LS-1603 (LS)

FARBENLEHRE

Wie viele Sugdens kann man auch den ANV-50 in verschiedenen Frontplattenfarben ordern. Unter dem Stichwort „Custom Shop“ zeigt die Website einige Beispiele. Insgesamt gibt es 19 Varianten. Der Aufpreis für Ausführungen abseits von Silber und Schwarz beträgt 160 Euro. Wahlweise silberfarbene oder schwarze Knöpfe sind dann schon mit drin

Selbst im Powerplay entspannt

Mit weiteren zigfach gehörten Beispielen demonstrierte der ClassA-Zwitter, dass er auch abseits der reinen Lehre Klangbilder von ausgeprägter Gelöstheit, Farbigkeit und Dreidimensionalität zu kreieren versteht, die in seiner Preisklasse mit an der Spitze liegen. Der Bass des ANV-50 fügt sich schlüssig an die oberen Lagen an, ist füllig, doch zugleich beweglich, strukturiert und dynamisch.

Apropos: Als der Verstärker die steilen, energiezehrenden Impulse von Monty Alexanders „Moanin’“ mit elastischer Verve auf die Epicon 6 feuerte, konnte man über seine Stabilität und Potenz nur staunen. Klasse, dass die Musik dabei bis dicht an seine Leistungsgrenze – und es war heftig laut – gänzlich ungerührt rüberkam, sozusagen per „stiff upper lip“, weil mit lockerer, unangestrengter Attitüde. Nur über das plötzlich im Hintergrund auftauchende leise Grisseln zeigte der Brite, dass es nun genug sei.

Auch deshalb fällt unser Fazit über den ungewöhnlichen, aber nicht spleenigen Sugden durchweg positiv aus. Der ANV-50 ist zwar kein reinrassiger ClassA-Amp, dafür aber ein Verstärker mit Zukunft.

Das Anschlussfeld bietet neben fünf Hoch pegeleingängen und fetten Polklemmen immerhin noch je einen geregelten und fi xen Vorstufen-Output.