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Test: Waldorf Iridium Keyboard


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Beat - epaper ⋅ Ausgabe 12/2022 vom 02.11.2022
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Bildquelle: Beat, Ausgabe 12/2022

Der große grafikfähige Touchscreen ist ein wesentliches Element, um die Vielzahl an digitalen Synthesen beherrschen zu können.

Features

digitaler Synthesizer

Fatar-Keyboard, 49 Tasten

polyphoner Aftertouch

5 digitale Synthesen

Sampler

16 Stimmen

3 Oszillatoren

2 digitale Stereofilter

6 LFO, 6 Hüllkurven

2 GB Speicher

4 CV-Eingänge

Alternativen

Korg Modwave/Opsix ab 599 Euro

ASM Hydrasynth ab 1.129 Euro

Yamaha MODX/Montage ab 1.599 Euro

Iridium bietet die komplexe Synth-Engine von Waldorfs Flaggschiff Quantum im kompakteren Format, verzichtet dabei aber auf das analoge Filter. Die fünf Synthesemodelle umfassen Wavetables, virtuell-analoge Wellenformen, Physical Modeling in Form eines Resonators, Multisampling inklusive Granular-Option sowie den Kernel-Mode, der unter anderem 6-Operatoren-FM im Stile des DX7 erlaubt. Der Audioeingang erlaubt neben direktem Sampling auch die Bearbeitung externen Audios in Echtzeit, inklusive Live-Granulareffekten. Neben dem Touchscreen sollen jede Menge Encoder für eine unkomplizierte Bedienung sorgen. Vier ...

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... CV-Eingänge sowie Gate und Trigger In ermöglichen den Anschluss von Eurorack-Modulen.

Schick und robust

Nicht nur die im Inneren werkelnde Klangerzeugung ist Premium, sondern auch die äußere Verpackung. Das robuste Metallgehäuse ist im edlen schwarz-dunkelgrau gestaltet, mit helleren Seiten. Der Synthesizer braucht mit Abmessungen von 851 x 351 x 110 mm bei einem ordentlichen Gewicht von gut 12 kg aber schon etwas Platz. Für direkten Eingriff in die Klangerzeugung gibt es über 50 Regler, die ebenfalls über eine hervorragende Haptik verfügen.

Polyphoner Aftertouch

Das Fatar-Keyboard gehört zu den besten Synthesizer-Tastaturen, die wir jemals spielen durften. Das Highlight ist dabei natürlich der polyphone Aftertouch, der sich nuanciert steuern lässt. Im Menü kann die Reaktion umfangreich an das eigene Spielverhalten angepasst werden. So ist es auch für weniger trainierte Finger problemlos möglich, nur tiefe oder hohe Noten oder gar einzelne Töne eines gespielten Akkords gezielt mit Vibrato oder einem Filtersweep zu versehen. Dadurch lässt sich die Klangerzeugung viel dynamischer spielen. Insgesamt vermittelt das Iridium-Keyboard in seiner Gesamtheit das Gefühl eines richtigen Instruments und keiner reinen Produktionsmaschine, was vielen anderen Synthesizern leider fehlt. Wir hätten natürlich gerne noch eine Oktave mehr gesehen, mit den 49 Tasten ist Iridium Keyboard dafür aber ein gutes Stück kompakter als der große Bruder Quantum.

Großzügige Bedienoberfläche

Die Regleranzahl und -anordnung und damit auch die allgemeine Bedienung entspricht dem Desktop-Modell. Aufgrund der erweiterten Bedienoberfläche ist der Abstand zwischen den Reglern aber ein gutes Stück größer und damit einer unserer Kritikpunkte am Iridium-Desktop beseitigt. Die Regler für Hüllkurven und LFOs sind jetzt fest mit den ersten beiden Envelopes bzw. LFOs verknüpft, an die weiteren Modulationsquellen kommt man nur über den Touchscreen. Das ist etwas schade und ein kleiner Rückschritt gegenüber dem Desktop-Modell. Dafür sind aber vier Regler für den direkten Zugriff auf die Intensität und einen weiteren Parameter der ersten beiden Effekte hinzugekommen, was sich im Test als sehr gewinnbringend insbesondere bei der Live-Performance herausstellte. Gleiches gilt für die neuen Makro-Taster links neben dem Keyboard. Diese sechs Taster lassen sich nahezu frei belegen, die Liste reicht von konventionellen Parametern wie Glide On/Off bis hin zum Aufrufen ausgewählter Seiten des Displays.

Großes Touch-Display

Der große farbige Touchscreen wird von jeweils drei Reglern links und rechts sowie den sechs Tastern zur Auswahl der Hauptseiten für LFO, Oszillatoren, Filter, Hüllkurven, Modulationsmatrix und Effekte flankiert. Der große zentrale Bedienknopf ist wie beim Quantum unterhalb des Displays angeordnet, was uns persönlich besser gefällt als rechts wie beim Desktop-Modell. Der Touchscreen funktioniert in der Regel recht zuverlässig, insbesondere bei rechenintensiveren Teilbereichen gibt es aber auch gewisse Verzögerungen oder man muss es mehrmals versuchen. Eine mit dem iPad vergleichbare Haptik und Reaktion darfst du also nicht erwarten, aber das ist bei der Konkurrenz von Yamaha, Korg oder Roland auch nicht viel anders.

16 Performance-Pads

Verzichtet wurde beim Iridium Keyboard auf die bunte 4x4 Padmatrix. Das ist aber kein großer Verlust, da die Pads beim Desktop auch als Tastaturersatz dienen sollten und hierfür beim Keyboard-Modell die Fatar-Tastatur natürlich die viel bessere Alternative ist. Da die Pads aber auch für interessante Performance-Features genutzt werden können, sind die 16 Pads in virtueller Form über das Touch-Display triggerbar. Im Scale-Modus stehen dabei vorgegebene Tonleitern wie Dur, Moll etc. zur Verfügung. Im Chord-Modus triggert jedes Pad einen anderen Akkord, inklusive Inversion und anderen Variationen. Im Trigger-Modus liegen verschiedene rhythmische Muster für Arpeggiator und Sequenzer auf den einzelne Pads, ebenfalls ein interessantes Performance-Tool für Bühne und Jam-Session.

4 CV-Eingänge

Auf der Rückseite gibt es einen Stereoeingang sowie einen Stereoausgang, einen weitern Stereoausgang zur getrennten Abnahme des zweiten Layers (Iridium ist duo-timbral, kann als zwei Sounds gleichzeitig spielen) gibt es auch im Keyboard-Modell leider nicht. Dafür darf sich die Modularfraktion freuen, denn es gibt wie beim Desktop 4 CV-Inputs sowie Gate In, Trigger In, Clock In und Clock Out Die CV-Eingänge sind als Quellen in der Modulationsmatrix verfügbar, was eine flexible Einbindung des Iridiums in ein analoges Modularsystem ermöglicht. In Verbindung mit der komplexen Klangerzeugung des Waldorf-Synthesizers tut sich hier eine große Spielwiese für experimentelle Musiker auf. Leider fehlen auch beim Keyboard CV-Ausgänge, um Keyboard, Sequenzer oder LFOs für externes Gear zu nutzen.

MIDI/USB

Für konventionelle Einbindung gibt es das klassische MIDI-Trio sowie einen USB-Anschluss, der allerdings nur MIDI-Signale überträgt. Du bist bei der Abnahme des Audiosignals, also auf den analogen Stereoausgang bzw. den Kopfhörerausgang beschränkt. Praktisch ist der USB-Host-Anschluss, über den du einen USB-Controller ohne Umwege direkt an den Synthesizer anschließen können. So lassen sich auch im Menü versteckte Parameter per MIDI-Learn direkt greifbar machen. Der Host-Anschluss kann auch für USB-Sticks genutzt werden, alternativ gibt es einen MicroSD-Slot zum Sample-Import und sonstigen Datenaustausch.

Kein analoges Filter

Die Klangerzeugung entspricht komplett dem Iridium Desktop und ist sowohl mit dem kleineren Modell als auch dem Quantum Sound-kompatibel. Iridium ist komplett digital aufgebaut, verzichtet also auf das analoge Filter des Quantum. Da sich die klanglichen Unterschiede zwischen dem eher nüchternen analogen Filter des Quantum und dessen digitale Nachbildung im Iridium in Grenzen halten, können wir den Wegfall verschmerzen und uns auf die Vorteile konzentrieren: Kein analoges Filter bedeutet, dass der Signalweg im Iridium nicht vor dem Filter auf mono konvertiert werden muss, da die digitalen Filter stereo arbeiten können.

Jede Menge Synthese

Und Iridium kann aufgrund des Verzichts auf kostenträchtige analoge Bauteile trotz günstigeren Preises doppelt so viel Stimmen erzeugen, also 16 statt 8. Und jede dieser Stimme hat es in sich bei dieser mächtigen Klangerzeugung. Drei Oszillatoren stehen jeweils zur Verfügung, und für jeden Oszillator kann individuell aus einer der folgenden Syntheseformen gewählt werden: Neben Waldorfs Aushängeschild Wavetable gibt es virtuell-analoge Synthese (Waveform), Sampling nebst Granularsynthese (Particle), Resonator und eine FM-Synthese mit bis zu 6 Suboszillatoren namens Kernel. Kernel kann DX7 Sounds über Sysex laden, was Zugriff auf Abertausende Presets gibt, die als Basis für eigene Soundkreationen dienen können. Auch Sound-Bänke von Waldorfs Wavetable-Plug-in Nave können in Iridium importiert werden, auch wenn das Ergebnis nicht 1:1 dem Original entspricht. Hinzu kommt, dass Iridium auch zwei Sounds gleichzeitig als Layer oder Split abspielen und damit die klanglichen Möglichkeiten noch verdoppeln kann.

Digitale Dualfilter

Das digitale Dual-Filter zeigt sich ebenfalls sehr flexibel, zur Auswahl stehen verschiedene Filtertypen Nave, Largo, Raiser, PPG, Quantum und State-Variable als Tief-, Hoch oder Bandpass mit 12 oder 24 dB Flankensteilheit mit oder ohne Sättigung. Praktisch dabei ist der Analyzer, der den Frequenzgang in Echtzeit auf dem Display visualisiert. So siehst du direkt die Auswirkungen des gewählten Filters. Hinzu kommt der Digital-Former, der bei Iridium auf verschiedene Filtermodelle zugreifen und zusammen mit dem Komplex-Modulator den Klang umfangreich formen kann. Ohnehin mangelt es bei Iridium nicht an Modulationsquellen, allein sechs Hüllkurven und sechs LFO stehen zur Verfügung. Über die Modulationsmatrix mit 40 Slots routest du die Quellen auf knapp 200 mögliche Ziele.

Sequenzer / Arpeggiator

Für die Live-Performance gibt es neben dem X/Y-Pad auch den Bereich Autoplay, hinter dem sich Arpeggiator und Sequenzer verbergen. Notensequenzen lassen sich über das Keyboard einspielen, aber auch grafisch über den Touchscreen editieren. Mit den bis zu acht Parameter-Sequenzern pro Layer bringst du Bewegung in Pad-Sounds oder modulierst Basslinien und Arpeggios rhythmisch in Filterfrequenz und anderen Klangparametern.

5 Effekte gleichzeitig

Bis zu fünf Effekt-Slots stehen parallel zur Veredelung des erstellten Sounds zur Verfügung, neben Reverb, Chorus und Delay gibt es jede Menge weitere Algorithmen. Die wichtigsten Effektparameter kannst du direkt per Regler editieren. Vermisst haben wir einen Schalter, um die gesamten Effekte mit einem Druck ausschalten zu können, da einige der zahlreichen Presets etwas zu rege davon Gebrauch machen.

Durchdachte Bedienung

So viele Möglichkeiten müssen erst einmal beherrscht werden, und ein bisschen Einarbeitungszeit solltest du auf jeden Fall einplanen. Hat man das Bedienkonzept aber erst einmal durchschaut und sich mit der Kombination aus Touchscreen, unterstützenden Reglern und Tastern sowie dem Parameter-Direktzugriff links und rechts davon angefreundet, geht die Programmierung eigener Sounds doch recht flüssig von der Hand – aus unserer Sicht deutlich besser als über die verschachtelten Menüs und Universal-Regler eines Yamaha Montage.

Edler Digitalsound

Klanglich deckt Iridium nahezu alles ab, was das digitale Herz begehrt. Der Synthesizer versucht nicht auf Teufel komm raus analog zu klingen, sondern bringt den typischen Waldorf-Sound auf den aktuellen Level. Komplexe und bisher ungehörte Soundgebilde mit dem typischen unterkühlten Waldorf-Klang kann Iridium wie kaum ein anderer Synthesizer. Schneidende Leads und trockene Bässe sind ebenso machbar wie sich über Minuten verändernde organische Drones und überwältigende cinematische Klänge. Und die Kernel-FM-Synthese bietet eine Transparenz und Tiefe, wie man es sonst nur von neueren Yamaha-Modellen wie Reface DX oder Montage/MODX kennt. Wer den PPG kennt, weiß aber auch, dass mit etwas Geschick auch warme und weiche Flächen, Leads und Arpeggios mit durchaus klassisch-analogem Sound machbar sind. Ansonsten kann man auch die Sample-Engine nutzen und z. B. ein Juno-Multisample hineinladen. Iridium kann direkt über die Stereoeingänge Samples aufnehmen, auch Multisamples und mehrfache Velocity-Layer sind programmierbar. Dank Touchscreen geht das am Synthesizer selbst recht gut, praktischerweise lässt man dies aber externe Software erledigen und importiert die fertig gemappten Sounds per SD-Karte oder USB-Stick. Wir empfehlen hierfür den SampleRobot von Skylife, der in Version 6.6 auch im passenden Format für Quantum und Iridium exportieren kann. So spart man sich die aufwändige Zuweisung der Layer und das Einstellen passender Loops per Hand.

Digitale Alternativen

Es gibt mittlerweile durchaus interessante Alternativen für außergewöhnliche digitale Sounds. Yamaha MODX und Montage bieten mit der erweiterten FM-Synthese und der neu hinzugekommenen Morph-Funktion vergleichbar komplexe Soundvariationen. Hydrasynth besitzt ebenfalls flexible Oszillator-Modulator-Modelle und viele Filtertypen und bietet ebenfalls polyphonen Aftertouch, kann aber weder bei Bedienkomfort, Spielbarkeit der Tastatur noch Verarbeitung ganz mithalten mit dem Iridium. Dafür kostet Hydrasynth auch nur gut die Hälfte. Noch einmal ein gutes Stück günstiger sind die digitalen Modelle von Korg namens Modwave und OPSix. Sie sind klanglich auch recht flexibel, sind vom Grundklang her aber nicht so transparent und „teuer“ wie der Iridium. Und in Bezug auf die Qualität der Hardware liegen Welten zwischen den „Plastikbombern“ der Korg-Serie und dem Iridium-Keyboard. r

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FAZIT

Einer der außergewöhnlichsten und vielfältigsten Synthesizer unserer Zeit hat jetzt eine angemessene Premium-Verpackung erhalten: Schickes Design, hochwertige Verarbeitung und Haptik sowie ein hervorragendes Fatar-Keyboard mit polyphonem Aftertouch für dynamisches und organisches Spielen machen Iridium zu einem richtigen Instrument. Und klanglich spielt Iridium ohnehin in der Oberklasse und beherrscht sowohl bombastische cineastische Klänge, glasklare FM-Sounds oder charakteristische PPG-Klassiker. Besonderheiten wie CV/Gate-Anschlüsse und granulare Live-Bearbeitung eingehender Audiosignale in Echtzeit laden in Verbindung mit modularem Gear zum Experimentieren ein. Und falls dir analoge Wärme fehlt, fügst du einfach ein passendes Multisample hierzu, denn Iridium kann in Stereo samplen oder passende Sounds importieren. Wenn man das Konzept erst einmal durchschaut hat, geht auch die Bedienung trotz der komplexen Möglichkeiten erstaunlich leicht von der Hand.