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TEST Wasserkocher: Einheizer


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 11/2015 vom 30.10.2015

Wasserkocher sind energiesparende Alltagshelfer. Manche Gehäuse werden jedoch beim Kochen so heiß, dass man sich die Finger verbrennen kann. In unserem Test schneiden immerhin zwei Geräte mit „sehr gut“ ab.Von Svenja Markert


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Foto: Denis Kichatof/Shutterstock

Ihr Job: im richtigen Moment schnell einheizen. Wasserkocher gibt es in den meisten Haushalten. Gerade jetzt in der neblig-kalten Jahreszeit entspannt eine schnell gekochte Tasse Tee ungemein und schenkt Wärme von innen. Und das Extra: Wasserkocher sind energiesparend. „Im Vergleich zum Elektroherd sind Wasserkocher immer die bessere Variante“, sagt ...

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... Jens Gröger vom Öko-Institut. Das trifft übrigens auch dann noch zu, wenn ein Ceranfeld- oder Induktionsherd die Küche schmückt. „Wasserkocher sind so konstruiert, dass nur wenig Wärme verloren geht, sie schalten schnell nach dem Kochen ab, zudem lässt sich einfach nur so viel Wasser abkochen, wie man benötigt.“

Einen Schönheitsfehler haben die kleinen Küchenhelfer aber: Man geht davon aus, dass die meisten, sind sie mal kaputt, nicht auf der Werkbank, sondern im Müll landen – so auch die Einschätzung des Öko-Instituts, als es 2009 die Kriterien des Umweltzeichens Blauer Engel für Wasserkocher erarbeitet hat. Wasserkocher sind keine teuren Geräte, deshalb fallen hier die Kosten für Reparaturen vergleichsweise stark ins Gewicht.


Von 20 auf 100 in drei Minuten: Wasserkocher sind schnell und einfach


Aber die Produkte selbst sind auch nicht gerade reparaturfreundlich, wie es zwei Absolventinnen der Hochschule für Gestaltung in Schwäbisch Gmünd einschätzen. Ihre Abschlussarbeit: ein selbst entworfener Wasserkocher, der durch Klick-Steck-Verbindungen in all seine Einzelkomponenten zerlegt werden kann. Heizelement, Elektronik und Kabel sind so einfach austauschbar. Für diese Idee nominierte sie die Jury 2013 für den Bundespreis Ecodesign. Doch eine Marktentwicklung in Richtung des „design for care and repair“ ist bisher nicht zu beobachten.

Manche der Heißmacher wurden in den vergangenen Jahren allerdings in anderer Hinsicht aufgerüstet und warten mit Temperaturregler, ein paar sogar mit Warmhaltefunktion auf. Dem Wasserkocher diktieren, nur auf 80 Grad zu erwärmen, spart Freunden des Grünen Tees die Zeit, auf das Abkühlen des Wassers zu warten. Die Warmhaltefunktion allerdings ist in unseren Augen nur eine Spielerei, schließlich braucht ein Wasserkocher lediglich rund drei Minuten, bis er seinen Job erfüllt. Auch für Gröger ist sie Quatsch: „Wasser oder Kaffee mit Strom warm zu halten, ist nicht umweltfreundlich. Dafür sollte man stattdessen eine Isolierkanne nehmen. Elektrische Energie ist dafür zu wertvoll!“ Wir haben 15 Geräte mit einem Füllvolumen von 1,5 bis 1,7 Liter in den Praxistest geschickt sowie auf Schadstoffe untersuchen lassen. Fünf Kocher im Test haben einen Temperaturregler.

Das Testergebnis

Gemischt. Von „sehr gut“ bis „ausreichend“ heißt das Gesamturteil. Zwei Wasserkocher können wir empfehlen: Bosch Styline TWK8613P und Tefal Express KO 299831.
Vorsicht, heiß! Im Praxistest gibt es die meisten Abzüge dafür, dass die Gehäuse zu heiß werden. Es ist zwar nicht im Bereich des Griffes oder am Griffselbst, aber bei Temperaturen bis zu 96 Grad Celsius kann man sich schon mal aus Versehen die Finger verbrennen, etwa wenn man nur kurz an den Wasserkocher kommt. Deshalb erlaubt die Norm für elektrische Geräte für den Hausgebrauch für Kunststoffgefäße auch nur eine Temperaturerhöhung von 65 Grad Celsius, das entspricht in unserem Praxistest einer Temperatur von höchstens 85 Grad. Metall darf sich nur um 45 Grad erhöhen, also auf insgesamt 65 Grad Celsius.
Nicht ausgewogen reguliert. Die Ergebnisse der Kocher mit Temperaturregler liegen im Vergleich zur gewählten Temperatur teilweise um vier Grad und mehr daneben, am auffälligsten sind Kitchenaid Artisan 5KEK1522 und WMF Skyline Vario. Der Wasserkocher Severin WK 3369 hat eine stufenlose Temperatureinstellung, stellt man den Regler mittig, wird das Wasser schon auf 95 Grad erhitzt – also schon fast kochend. Da ist der Nutzen eines Temperaturreglers wirklich nicht plausibel.
Keine Hitzköpfe. Alle Wasserkocher schalten sich aus, wenn sie ohne Wasser in Betrieb gesetzt werden. Das ist auch wichtig für die Sicherheit. Unseren Dauertest von 750 Kochzyklen meisterten ebenfalls alle Kocher.
Mehr Nickel und Chrom als erlaubt. Wir haben in den Geräten ganz einfach Leitungswasser aufgekocht, wie es zu Hause auch üblich ist, und über 24 und 48 Stunden stehen lassen. Danach zeigte der Kenwood Wasserkocher kMix SJM 034 einen Nickelwert, der über dem liegt, was die Trinkwasserverordnung erlaubt. Zum Schutz von Nickelallergikern wurde ein Grenzwert von 20 Mikrogramm pro Liter festgelegt. Man geht davon aus, dass über Nahrung und Lebensmittel aufgenommenes Nickel Hautekzeme verschlimmern kann, die durch eine Nickelallergie ausgelöst wurden. Zudem wies das von uns beauftragte Labor einen Chromgehalt nach, der ebenfalls über dem Grenzwert der Trinkwas-serverordnung von 50 Mikrogramm pro Liter liegt. Zwar steht in der Bedienungsanleitung von Kenwood, man solle „den Wasserkocher nach jeder Benutzung ausleeren“, doch es ist nicht unüblich, dass man zu Hause Wasser stehen lässt – und die anderen Wasserkocher im Test zeigen ja, dass es besser geht.
Umweltbelastend. Antimon wies ein Labor in abwertungsrelevanten Mengen in neun Wasserkochern nach, teilweise auch zusammen mit hohen Gehalten an bromierten Flammschutzmitteln. Diese belasten die Umwelt (Kasten S. 122).
Zugänglich: Der Zugang zur Elektrik ist bei allen Wasserkochern verschraubt und nicht verklebt. Wenn Hersteller die Technik verkleben, lässt sich ein Gerät kaum reparieren und landet auf dem Müll. In den von uns untersuchten Wasserkochern sind jedoch gängige sowie Tri-Wing-Schrauben im Einsatz, sodass Reparaturdienste und andere Technikproffs die Wasserkocher im Normalfall öffnen können.

So reagierten die Hersteller

Philips versichert, man arbeite fortwährend an neuen technischen Lösungen für die Brandhemmer, werde aber erst umstellen, wenn eine gleichwertige Lösung vorliegt. Sechs Kocher schaffen es jedoch schon jetzt ohne solche Flammschutzmittel, die wir abwerten.

So haben wir getestet

Der Einkauf
Wir haben 15 Wasserkocher eingekauft: sowohl Marken bekannter Anbieter von Haushaltswaren als auch die günstige Eigenmarke eines großen Elektromarktes. Sie bestehen aus verschiedenen Materialien: Kunststoff, Edelstahl, Glas. Bei fünf der Wasserkocher lässt sich die Temperatur wählen. Die Preisspanne reicht von 9,99 bis 139,99 Euro.

Die Praxisprüfung
Wie heiß werden die Gehäuse nach dem Wasserkochen? Bleibt der Kocher auch bei einer Neigung von 15 Grad standhaft stehen? Und schalten sie sich ab, wenn man sie in der Kochphase vom Sockel nimmt oder gar den Schalter umlegt, ohne dass Wasser im Gefäß ist? Die Sicherheit hat das Labor in Anlehnung an die Norm für elektrische Geräte für den Hausgebrauch getestet. Darüber hinaus mussten die 15 Heißmacher auch im Dauertest bestehen, 750 Kochzyklen waren ohne Ausfälle zu meistern. Zwei Laborexperten beurteilten außerdem, wie gut die Geräte sich im täglichen Gebrauch handhaben lassen.

Das Material
Wir wollten wissen: Gehen Schwermetalle aus dem Kocher ins Wasser über? Dafür verwendeten wir ganz normales Leitungswasser, wie es Verbraucher zu Hause auch tun. Außerdem ließen wir testen, ob die Hersteller im KunststoffWeichmacher einsetzen und ob sich vielleicht Bisphenol A aus dem Kunststofflöst.

Die Weiteren Mängel
Stoffe, die die Umwelt belasten, sind für uns Weitere Mängel: Dazu zählen PVC/ PVDC/chlorierte Verbindungen im Material sowie Flammschutzmittel, deren Einsatz das Umweltzeichen für Wasserkocher ausschließt. Der Grund: Die Flammschutzmittel gelten als schlecht abbaubar und reichern sich so in der Umwelt an.

Die Bewertung
Nur ein Gerät ohne schwerwiegende Mängel kann sehr gut abschneiden. Je nach Schwere des Mangels sind wir strenger. Deutlich werten wir ab, wenn das Gehäuse heißer wird, als es die Norm erlaubt, für Mängel in der Handhabung gibt es hingegen weniger Punktabzug.

Fotos: Labor (2

In Schräglage: Die Wasserkocher bewiesen ihre Standhaftigkeit (oben). Temperaturfühler messen, wie heiß die Gefäße beim Kochen werden (unten).


ÖKO-TEST rät

Ein gutes Gerät muss nicht teuer sein: Der „sehr gute“ Wasserkocher von Tefal kostet gerade mal 19,99 Euro. Der Bosch Styline ist der beste unter den Kochern mit Temperaturregler, für den Extrakomfort muss man allerdings stolze 61,99 Euro hinblättern.

Regelmäßig entkalken verlängert vor allem bei hartem, also kalkhaltigem Wasser, ein Wasserkocher-Leben, spart Energie und verhindert unschöne Kalkreste im Tee. Bewährte Hausmittel sind Zitronensäure und Essig. Am besten Wasserreste nach dem Kochen ausgießen, sonst verkalkt das Gerät schneller.

Leider landen immer noch zu viele alte Wasserkocher im Hausmüll, da gehören sie jedoch nicht hin. Kommunen haben für Elektrogeräte kostenlose Sammelstellen. Es lohnt sich auf jeden Fall, bei den Herstellern nachzufragen, ob sich der Kocher noch preisgünstig reparieren lässt, oder direkt ein ehrenamtliches Repair-Café in der Nähe zu besuchen.

Fragwürdiger Schutz vor Flammen

Im Test zeigten sich alle Wasserkocher sicher. Für den Fall, dass doch mal Funken fliegen, sind Wasserkocher mit Flammschutzmitteln ausgerüstet. Das ist an den kritischen Stellen wie den Kontakten grundsätzlich sinnvoll. Von bromierten Flammschutzmitteln weiß man aber, dass sie die Umwelt belasten. Das Umweltbundesamt (UBA) lehnt sie ab, „da diese eine Tendenz zur schlechten Abbaubarkeit und Anreicherung in der Umwelt haben“. Und auch Antimontrioxid, das als Synergist eingesetzt wird – es verstärkt also die Wirkung der bromierten Flammschutzmittel – sieht das UBA kritisch: Umwelttoxikologische Effekte mit Wirkung auf den Menschen seien „insbesondere durch technisch völlig unzureichende Entsorgungspraktiken in vielen Schwellenländern“ nicht auszuschließen. Der Blaue Engel wird deshalb nur an Wasserkocher vergeben, die diese Flammschutzmittel nicht enthalten.