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TEST Wattestäbchen: Ohne Plastik


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ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 5/2022 vom 21.04.2022

RATGEBER

1

Papier und Baumwolle sind eine gute Alternative. Noch besser sind: Recyclingpapier und Bio-Baumwolle.

2

Wattestäbchen nicht in den Gehörgang: Mit einem Stäbchen drückt man den Ohrenschmalz nur noch fester und tiefer ins Ohr. Nur zur äußerlichen Pflege (Nase, Lippe) anwenden.

3

Babywattestäbchen müssen nicht sein. Die äußere Ohrmuschel lässt sich auch mit einem Waschlappen oder einem herkömmlichen Stäbchen reinigen.

Artikelbild für den Artikel "TEST Wattestäbchen: Ohne Plastik" aus der Ausgabe 5/2022 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: ÖKO-TEST Magazin, Ausgabe 5/2022

Wattestäbchen statt Lolli: Das im Sommer 2021 in Kraft getretene EU-Verbot für Plastik in Wegwerfartikeln hat die Produzenten erfinderisch gemacht. Ein Wattestäbchenhersteller teilte uns mit, dass die von ihm verwendeten Papierstiele gleichzeitig auch in der Süßwarenindustrie zum Einsatz kommen – für Lutscher.

Kreativ mussten die Hersteller schon alleine deshalb werden, weil das Plastikverbot mitten in die Corona-Krise fiel. Wegen des Lockdowns und des Ukraine-Krieges gerieten ...

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... weltweit die Lieferketten für Alltagsprodukte stark unter Druck. Das galt und gilt insbesondere auch für Hygienepapier-und Zellstoffprodukte. Die aktuell explodierenden Gas-und Strompreise aufgrund des Krieges könnten dafür sorgen, dass sich der Papiermangel zu einer Versorgungskrise auswachse, warnt der Branchenverband „Die Papierindustrie“.

Bis dato allerdings haben die Hersteller von Wattestäbchen die Umstellung auf Papier offensichtlich gut hinbekommen. Das Sortiment an plastikfreien Produkten in den Ladenregalen ist groß. Zurückgegriffen wird, wie unser Tests zeigt, auf Papier aus Brasilien, Skandinavien und Deutschland. Wir haben 25 Produkte eingekauft und in die Labore geschickt. Das Ergebnis: Wir können alle empfehlen, 21 mit „sehr gut“ und vier mit „gut“.

Mögliche Rückstände aus der Bleiche

Wir haben nur einen einzigen Kritikpunkt: In den vier mit „gut“ bewerteten Produkten wies ein beauftragtes Labor halogenorganische Verbindungen nach. Aussagen über konkrete Verbindungen lässt das Analysenverfahren nicht zu. Allgemein gelten viele der zumeist chlorhaltigen Stoffe als allergieauslösend, manche reichern sich in der Umwelt an.

Bei den analysierten Verbindungen kann es sich um Rückstände aus der Chlorbleiche handeln. Kaufland und Rossmann gaben uns die Rückmeldung, dass zwar die Baumwolle der Watte chlorfrei gebleicht sei, nicht aber das Stäbchen. Dessen Papier sei mit dem Verfahren ECF (elementar chlorfrei) gebleicht. Das schließt zwar den Einsatz von Chlorgas aus, nicht aber den von Chlorverbindungen. Pandoo antwortete, Bambus und Baumwolle seien ungebleicht; Outdoor Freakz machte keine Angaben zum konkreten Bleichverfahren.

Schlechte Recycling-Quote

Nur vier der getesteten Wattestäbchen enthalten Anteile von Recyclingpapier – das ist eine sehr schwache Quote. Die Erklärung: „Lieferengpässe auf dem Rohstoffmarkt bei der Beschaffung von Recyclingfasern erschweren einzelnen Herstellern derzeit die Herstellung von Recyclingpapier“, teilt der auf nachhaltige Forstwirtschaft ausgerichtete Zertifizierer Forest Stewardship Council (FSC) mit. Das Umweltbundesamt schreibt uns auf Anfrage: „Derzeit ist die Lage auf dem Altpapiermarkt angespannt. Es ist schwer, überhaupt genügend Altpapier zu vertretbaren Preisen für die Produktionen zu bekommen.“ Die Schwierigkeit der Rohstoff beschaffung und die Anfangsprobleme bei der Umstellung auf plastikfrei sind auch die Gründe, warum wir anders als bei unseren jüngsten Tests von Hygieneartikeln wie Toilettenpapier oder Papiertaschentüchern diesmal keine Noten für den fehlenden Einsatz von Recyclingpapier abziehen.

WISSEN Frisches Altpapier

Nicht aus der Blauen Tonne

Nur vier Produkte in unserem Test enthalten Recyclingpapier. In allen Fällen stammen die Fasern nicht aus der häuslichen Altpapiersammlung (Post-Consumer-Recycling), sondern es handelt sich um Post-Industrial-Recyclingpapier. Was genau ist das?

Recycelte Industriereste

Post-Industrial-Recylingpapier (PIR) stammt vollständig oder anteilig aus Altpapier, das in der Papierverarbeitung von Druckereien, Buchbindereien oder Verpackungsfabriken anfällt – etwa Stanzreste. Ausgangsmaterialien können aber auch nicht verkaufte Zeitungen und Zeitschriften aus dem Kioskhandel sein. Für die weiterverarbeitende Industrie hat PIR den Vorteil, dass es ohne die aus der Altpapiertonne bekannten Störstoffe (Fehlwürfe) vorliegt. Eine passende Recyclingpapierfabrik kann es direkt verwerten, Stanzabfälle eines Wellpappenkistenherstellers zum Beispiel eignen sich für die Wellpappenrohpapierproduktion.

„Die neue, plastikfreie Generation von Wattestäbchen ist nahezu frei von Schadstoffen. Im Gehörgang hat sie dennoch nichts zu suchen.“

Victoria Pfisterer ÖKO-TEST-Projektleiterin

Übrigens: Als Lollistiel ließe sich ein Stäbchen aus recyceltem Papier nicht verwenden. Die EU-Anforderungen für Erzeugnisse aus Papier und Pappe mit Lebensmittelkontakt sind streng und das Risiko eines Eintrags von unerwünschten Stoffen aus Altpapier ist hoch.

Was wir allerdings nicht gelten lassen: Einige Anbieter argumentierten, ihre Stäbchen seien deshalb aus Frischfaserpapier, weil sie für einen sensiblen Bereich gedacht seien. Nur hält man erstens das Stäbchen in der Hand und benutzt es zweitens ohnehin nicht in sensiblen Bereichen wie dem Gehörgang.

So haben wir getestet

Wir haben 25 Wattestäbchen in Drogerien, Discountern, Supermärkten und Bio-Märkten eingekauft. Vier Produkte sind als Sicherheitswattestäbchen für Babys-und Kinder ausgelobt. Die Köpfchen haben am inneren Rand eine Verdickung, die verhindern soll, dass sie beim Reinigen des Ohres zu tief eindringen. Wattestäbchen haben – auch bei Erwachsenen – laut Medizinermeinung generell im Gehörgang nichts verloren. Beinahe alle Produkte tragen einen entsprechenden Warnhinweis.

Alle Wattestäbchen im Test sind kunststofffrei. Grund: Seit Juli 2021 dürfen Hersteller in der EU keine Einwegplastik-Artikel mehr verkaufen. Wir haben uns die neuen Alternativen aus Papier oder Bambus mit Watteköpfchen aus Baumwolle genauer angeschaut. Wir fragten bei den Herstellern die Herkunft der Rohstoffe und das Herstellungsland ab. Von uns beauftragte Labore untersuchten sie auf papier-und wattetypische Problemstoffe wie Formaldehyd, Glyoxal, optische Aufheller und halogenorganische Verbindungen. Zudem prüften sie die Verpackungen auf umweltschädliche chlorierte Verbindungen wie PVC oder PVDC.