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TEST Weiße Wandfarbe: Ein guter Streich


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 3/2011 vom 25.02.2011

Wenn’s ans Malern geht, greifen die meisten zum Klassiker: weiße Wandfarbe. Viele Produkte kann man bedenkenlos an die Wand streichen. Es gibt nur einige wenige Ausreißer.


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Foto: fancy

Der Frühling kommt , die Tage werden wieder länger, die Sonne scheint mit voller Kraft in die Häuser und Wohnungen hinein. Und plötzlich tut sich am Übergang zwischen Wand und Decke ein grauer Schleier auf, den man beim besten Willen nicht mehr ignorieren kann. Es ist mal wieder Zeit zum Malern.

Jedes Jahr werden in Deutschland rund eine halbe Million Tonnen Innenwandfarbe verpinselt. Meist handelt es sich dabei um ...

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... Dispersionsfarbe auf Wasserbasis. Sie besteht aus Pigmenten, die für die Deckkraft sorgen, hinzu kommen Bindemittel und Wasser. Und natürlich eine ganze Reihe von Hilfsstoffen, mit denen die Hersteller ihren Farben das gewisse Etwas verleihen wollen: Sie sollen besonders tropfarm sein, es soll sich keine Haut bilden, sie sollen sich leicht verstreichen lassen.

Den eigentlichen Anstrich bilden Bindemittel und Pigmente, nachdem das Wasser, in dem sie fein verteilt sind, verdunstet ist. Für eine gute Bindung sorgen bei den meisten Farben Kunstharze auf Mineralölbasis – etwa Polyvinylacetat oder Acrylate. Es gibt aber auch Hersteller, die mit natürlichen Ölen oder Harzen arbeiten.

Neben Wasser können die Farben weitere Lösemittel enthalten. Bei Naturfarben werden beispielsweise Zitrusschalenöle eingesetzt. Die enthaltenen natürlichen Terpene können sich beim Ausdünsten allerdings in der Nase bemerkbar machen. So kommt es, dass bei ÖKO-TESTs in der Vergangenheit vor allem bei Naturfarben die Belastung mit flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) vergleichsweise hoch war. Das Thema ist nicht neu. Die „Decopaint“-Richtlinie des Europäischen Parlaments über die Begrenzung der Emissionen flüchtiger organischer Verbindungen macht inzwischen recht strenge Vorgaben. Die Grenzwerte wurden kontinuierlich reduziert, seit 2010 gilt nun die letzte Stufe.

Wasserbasierte Farben brauchen in der Regel ein Konservierungsmittel, damit es zu keinem Befall durch Mikroorganismen kommt. Hier werden etwa Formaldehyd/-abspalter eingesetzt, die alles andere als unbedenklich sind, oder Isothiazolinone, die allergisierend wirken können. Besser ist deshalb, zu Produkten zu greifen, die ohne diese Stoffe auskommen oder zumindest nur geringe Konzentrationen enthalten.

Wir haben 19 weiße Wandfarben in die Labore geschickt, um herauszufinden, welche man für den neuen Anstrich empfehlen kann.

Das Testergebnis

■ … macht Lust auf Renovieren. Viele weiße Wandfarben im Test sind empfehlenswert. Das sah in unserem Test 2007 noch anders aus, damals enthielten noch wesentlich mehr Farben aggressive Konservierungsmittel in hohen Konzentrationen oder schlechte Deklarationen. Inzwischen sieht es schon wesentlichbesser aus: 13 Wandfarben bekommen ein „sehr gut“, im schlechtesten Fall gab es „ausreichende“ Gesamturteile.
■ Farben, die Wasser enthalten, kommen in der Regel nicht ohne Konservierungsmittel aus. In den meisten Produkten im Test werden Isothiazolinone eingesetzt. Chlorisothiazolinone, die besonders problematisch sind, konnte das Labor aber bei keiner Farbe nachweisen. Auf den letzten Rängen landen vier Wandfarben, die neben Isothiazolinonen auch Formaldyhd/-abspalter enthalten. Formaldehyd ist krebsverdächtig.
■ Flüchtige organische Verbindungen, die beim Streichen und Austrocknen ausgasen können, sind maximal in Spuren vorhanden. Allergikern raten wir allerdings, bei Produkten, die Terpene ausgasen, vorsichtig zu sein.


Was steckt drin? Noch immer gibt es Hersteller, die sich hier bedeckt halten


■ Was pinselt man sich denn eigentlich an die Wand? Als Verbraucher ist man darauf angewiesen, dass die Hersteller darüber informieren – und zwar direkt auf dem Etikett. Für empfindliche Menschen spielen vor allem die Konservierungsmittel eine Rolle. Bei den Produkten aus dem Fachhandel ist eine vernünftige Deklaration keine Selbstverständlichkeit; bei Alligator und Relius findet man die Inhaltsstoffe nur im Technischen Merkblatt. Und welche Konservierungsmittel eingesetzt werden, kann man hier ebensowenig dem Etikett entnehmen wie bei derHerbol- und derProsol- Farbe. Der Naturfarbenhersteller Livos machte auf uns, was die Deklaration der Inhaltsstoffe angeht, zunächst einen guten Eindruck, doch bei den Laborprüfungen zeigte sich: Er setzt Isothiazolinone ein, verschweigt dies aber auf dem Etikett.


Die Hersteller haben gelernt: Beim Malern steigt einem kaum noch was zu Kopf


■ Abgesehen von den Inhaltsstoffen zählt für den Verbraucher, wie gut die Farbe deckt und wie widerstandsfähig sie ist. Die Deckkraftklasse sowie die Nassabriebbeständigkeit geben darüber Auskunft (siehe Kasten Seite 134). Während die Farben aus Baumarkt und Fachhandel meist vorbildlich deklariert sind, gab es bei den Produkten aus dem Naturbaumarkt Punktabzüge. Livos gibt gar keine Auskunft, was die Leistungsfähigkeit seiner Farbe angeht. Vielleicht, weil die erreichten Klassen nicht allzu hoch sind? Zumindest ergaben das unsere Laborprüfungen. Leinos lässt nicht erkennen, welche Deckfähigkeit seine Farbe besitzt, obwohl sich Klasse 2 durchaus sehen lassen kann. Und Auro klärt nicht auf, bei welchem Materialeinsatz die deklarierte Deckkraftklasse erreicht wird.

So reagierten die Hersteller

■ Der Naturfarbenhersteller Livos erklärte, man setze seit Jahren Silberchlorid als Konservierungsmittel ein und habe vorübergehend bei einigen Chargen aufgrund eines akuten Schimmelproblems zusätzlich 0,1 Prozent Acticide MBS beigefügt. Dabei handelt es sich laut Sicherheitsdatenblatt um eine Mischung aus BIT und MIT. Die Serviceabteilung sei zugleich Hotline für Allergiker.

Gütesiegel, Label und was sie bedeuten

Der Blaue Engel für emissionsarme Wandfarben
DerBlaue Engel lässt in gewissem Umfang Formaldehyd und Isothiazolinone als Konservierungsmittel zu, auch chlorierte Isothiazolinone sind nicht generell tabu. Natürliche oder produktionsbedingte Verunreinigungen mit bedenklichen Schwermetallen wie Blei, Cadmium oder Chrom VI werden noch in recht hohen Konzentrationen akzeptiert. DerBlaue Engel fordert die Zeichenträger auf, die Konservierungmittel auf dem Etikett zu deklarieren, das ist eine gute Sache. Alles in allem steht er für emissionsarme Produkte, darüber hinaus ist er nur wenig hilfreich.

TÜV Süd schadstoffgeprüft, Produktion überwacht
Zertifizierte Wandfarben müssen mindestens die Nassabriebund Deckkraftklasse 3 erreichen. Es dürfen sich nur geringe Mengen an Schwermetallen herauslösen. Was den Gehalt an Isothiazolinonen angeht, ist das Label ähnlich streng wie der Blaue Engel. Bei dem Konservierungsmittel Formaldhyd allerdings werden recht hohe Gehalte akzeptiert, die bei ÖKO-TEST schon zur Abwertung führen würden.

TÜV Nord Schadstoffgeprüft nach WKIPrüfspezifikation
Schade: Was sich hinter diesem Label verbirgt, können wir leider nicht sagen. Vom TÜV Nord erfuhren wir, er stünde mit anderen Marktteilnehmern im Wettbewerb und könne uns deshalb die Prüfkriterien nicht zur Verfügung stellen.

TÜV Nord für Allergiker geeignet
Produkte müssen einen langen Prüfkatalog durchlaufen, um dieses Label zu erhalten. Auf dem Programm steht auch ein sogenannter Basophilen-Degranulationstest, bei dem im Reagenzglas analysiert wird, inwiefern die Farbe allergische Reaktionen hervorrufen kann. Flüchtige organische Verbindungen werden erst nach 28 Tagen in der Emissionskammer gemessen, die immer noch akzeptierten Emissionen sind recht hoch. Auch Terpene sind nicht generell tabu, das sollten Allergiker wissen. Bei Isothiazolinonen hingegen ist das Label strikt: Sie dürfen nicht nachgewiesen werden.

DIN ISO 9001
Bei dieser Norm geht es nicht um die Farbe selbst, sondern um eine Zertifizierung des Managements des Herstellers. Das Qualitätsmanagement erfüllt demzufolge bestimmte Anforderungen.

Institut für Farben & Lacke Magdeburg – Prüfung nach DIN EN 13 300
Bei der Norm EN 13 300 geht es schlichtweg um die Einteilung einer Farbe in bestimmte Deckkraft- und Nassabriebklassen. Dieses Label betont insofern, dass die angegebenen Klassen tatsächlich von einem Institut überprüft wurden. Mehr nicht.

TÜV Rheinland Emissionsgeprüft, Hygiene überwacht, Deckvermögen geprüft
Der TÜV kontrolliert vor der Vergabe die Hygienebedingungen in der Fertigung, auch die fertigen Produkte werden mikrobiologisch untersucht. Das Deckvermögen wird nach Norm geprüft. Zertifizierte Farben haben auch ein Schadstoffprogramm durchlaufen. Was tatsächlich drinstecken darf, konnten wir aber beim TÜV Rheinland nicht in Erfahrung bringen.

Top Produkt Hornbach geprüfte Qualität
Das Label steht für regelmäßige Prüfungen, die die Produktqualität sicherstellen sollen. Die Angaben, die auf dem Etikett zu finden sind – etwa Nassabriebbeständigkeit, Deckkraft, Verbrauch und Glanzgrad – werden demnach von einem Prüfinstitut kontrolliert.

Unsere Empfehlungen

Je besser die Deckkraftklasse, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie nicht nachstreichen müssen. Bei manchen Farben ist bei gleicher Deckkraftklasse wesentlich mehr Farbe pro Quadratmeter nötig als bei anderen.
Auch wenn Sie mit emissionsarmen Farben streichen: ordentlich lüften!

Kompakt

Deckkraft
Je besser die Deckkraft, desto eher spart man sich einen zweiten Anstrich. Klasse 1 verspricht die höchste Deckkraft, Klasse 4 eine eher mäßige. Die Deckkraft hängt mit der Ergiebigkeit der Farbe zusammen, die deshalb auf den Produkten angegeben werden sollte. Ein Blick lohnt sich durchaus: Bei manchen Farben kommt man mit einem Liter sechs Quadratmeter weit, will man die Klasse 1 erreichen, bei anderen ganze zehn Quadratmeter.

Nassabriebbeständigkeit
Beim Nassabrieb geht es darum, wie beständig die Farbe bei wiederholtem Reinigen ist. Die Einteilung erfolgt in fünf Klassen, wobei die Klasse 1 die qualitativ höchste Stufe ist. Bis heute findet man auf manchen Gebinden noch die alten Begriffe wie „scheuerbeständig“, was einer Nassabriebbeständigkeit Klasse 1 entspricht und für richtig strapazierfähige Farben steht. „Waschbeständig“ steht für Farben der Klasse 2, auch sie halten einiges aus. Klasse- 3-Farben eignen sich für normal beanspruchte Räume. Die Klassen 4 und 5 zeigen beim Wischen einen deutlichen Abrieb.

So haben wir getestet

Der Einkauf
Die ÖKO-TEST-Einkäufer waren in Baumärkten sowie in Fachgeschäften unterwegs. Um vergleichbare Qualitäten einzukaufen, sollten die weißen Wandfarben mindestens eine Nassabriebbeständigkeit Klasse 3 haben. Wichtige Marken aus dem Naturfarbenbereich haben wir auch dann eingekauft, wenn auf der Verpackung keine solchen Infos zu finden waren.

Problematische Inhaltsstoffe
Ein Knackpunkt bei Wandfarben sind flüchtige organische Verbindungen, die über die Lösungsmittel in die Farben gelangen, beim Streichen und Trocknen ausgasen und für allergische Reaktionen sorgen können. Ein anderes Problem sind die Konservierungsmittel – häufig kommen hier Formaldehyd/-abspalter sowie Isothiazolinone zum Einsatz. Da keiner der Hersteller eine komplette Volldeklaration veröffentlicht und sich hinter Worten wie „Hilfsmitteln“ alles und nichts verbergen kann, ließen wir zur Sicherheit noch auf halogenorganische Verbindungen untersuchen. Über die weißen Pigmente können auch Schwermetalle eingebracht werden, weshalb auch diese auf dem Untersuchungsplan standen.

Die Deklaration
Die Hersteller müssen nicht angeben, was genau sich in ihren Farben verbirgt. Manche deklarieren deshalb schlichtweg gar nichts, andere so gut wie alles. DerBlaue Engel fordert, dass zumindest die Konservierungsmittel genannt werden. Wir haben uns die Etiketten genau daraufhin angesehen. Wir prüften, ob eine Hotline für Isothiazolinol-ullergiker angegeben wird und ob man dort vernünftige Auskünfte erhält. Aufs Geld haben wir auch geschaut: Welche Reichweite versprechen die Hersteller – und ist damit die beworbene Deckkraft überhaupt zu erreichen?

Deckkraftklasse und Nassabriebbeständigkeit
Gerade bei Naturfarben ist es noch immer keine Selbstverständlichkeit, dass der Kunde über die Deckkraftklasse und Nassabriebbeständigkeit informiert wird. Wo noch nicht einmal auf dem Technischen Merkblatt eine Einstufung zu erkennen war, haben wir diese nach Vorgaben der entsprechenden Norm ermitteln lassen. Die Deckkraft erhält man, indem die Farbe auf schwarz-weiße Kontrastkarten aufgetragen und gemessen wird, wie gut die Abdeckung auf der weißen Fläche im Vergleich zur schwarzen Fläche ist. Bei der Nassabriebprüfung wird bestimmt, wie viel einer 28 Tage eingetrockneten Farbe sich bei einer Scheuerprüfung abtragen lässt.

Die Bewertung
Eine gute Wandfarbe kommt ohne problematische Konservierungsmittel aus oder beschränkt sich zumindestens auf ein akzeptables Maß, auch der Gehalt an flüchtigen organischen Verbindungen hält sich in Grenzen. Diese Faktoren gehen in das Testergebnis Inhaltsstoffe ein, das 70 Prozent des Gesamturteils ausmacht. Die Informationen rund um das Produkt, die die Hersteller zur Verfügung stellen, haben wir unter dem Testergebnis Deklaration bewertet, es macht 30 Prozent des Gesamturteils aus. Unter Weitere Mängel gab’s Abzüge, wenn ein Naturfarbenhersteller Erdölprodukte in seiner Farbe einsetzt. Wo „Natur“ draufsteht, erwartet man dies einfach nicht.