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TEST Weiße Wandfarben: Alles so schön weiß hier


ÖKO-TEST Ratgeber Bauen und Wohnen - epaper ⋅ Ausgabe 94/2014 vom 09.05.2014

Wenn’s ans Malern geht, greifen die meisten zum Klassiker: weiße Wandfarbe. Viele Produkte kann man bedenkenlos an die Wand streichen. Es gibt nur einige wenige Ausreißer.


Artikelbild für den Artikel "TEST Weiße Wandfarben: Alles so schön weiß hier" aus der Ausgabe 94/2014 von ÖKO-TEST Ratgeber Bauen und Wohnen. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Foto: Jupiterimages/Goodshoot/Thinkstock

Jedes Jahr werden in Deutschland rund eine halbe Million Tonnen Innenwandfarbe verpinselt. Meist handelt es sich dabei um Dispersionsfarbe auf Wasserbasis. Sie besteht aus Pigmenten, die für die Deckkraft sorgen, hinzu kommen Bindemittel und Wasser. Und natürlich eine ganze Reihe von Hilfsstoffen, mit denen die Hersteller ihren Farben das gewisse Etwas verleihen wollen: Sie sollen besonders ...

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... tropfarm sein, es soll sich keine Haut bilden, sie sollen sich leicht verstreichen lassen.

Den eigentlichen Anstrich bilden Bindemittel und Pigmente, nachdem das Wasser, in dem sie fein verteilt sind, verdunstet ist. Für eine gute Bindung sorgen bei den meisten Farben Kunstharze auf Mineralölbasis – etwa Polyvinylacetat oder Acrylate. Es gibt aber auch Hersteller, die mit natürlichen Ölen oder Harzen arbeiten.

Neben Wasser können die Farben weitere Lösemittel enthalten. Bei Naturfarben werden beispielsweise Zitrusschalenöle eingesetzt. Die enthaltenen natürlichen Terpene können sich beim Ausdünsten allerdings in der Nase bemerkbar machen. So kommt es, dass bei ÖKO-TESTs in der Vergangenheit vor allem bei Naturfarben die Belastung mit flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) vergleichsweise hoch war. Das Thema ist nicht neu.

Die „Decopaint“-Richtlinie des Europäischen Parlaments über die Begrenzung der Emissionen flüchtiger organischer Verbindungen macht inzwischen recht strenge Vorgaben. Die Grenzwerte wurden kontinuierlich reduziert, seit 2010 gilt nun die letzte Stufe.

ÖKO-TEST rät

■ Bei der Auswahl der Farbe auf eine hohe Deckkraftklasse achten, damit Sie möglichst nicht nachstreichen müssen. Bei manchen Farben ist allerdings bei gleicher Deckkraftklasse wesentlich mehr Farbe pro Quadratmeter nötig als bei anderen.
■ Auch wenn Sie mit emissionsarmen Farben streichen: ordentlich lüften!

Wasserbasierte Farben brauchen in der Regel ein Konservierungsmittel, damit es zu keinem Befall durch Mikroorganismen kommt. Hier werden beispielsweise Formaldehyd/-abspalter eingesetzt, die alles andere als unbedenklich sind, oder Isothiazolinone, die allergisierend wirken können. Besser ist es deshalb, zu Produkten zu greifen, die ohne diese Stoffe auskommen. Wir haben 16 weiße Wandfarben in die Labore geschickt, um herauszufinden, welche man für den neuen Anstrich empfehlen kann.

Deckkraftklassen

Je besser die Deckkraft, desto eher spart man sich einen zweiten Anstrich.Klasse 1 verspricht die höchste Deckkraft,Klasse 4 eine eher mäßige. Die Deckkraft hängt mit der Ergiebigkeit der Farbe zusammen, die deshalb auf den Produkten angegeben werden sollte. Ein Blick lohnt sich durchaus: Bei manchen Farben kommt man mit einem Liter sechs Quadratmeter weit, will man dieKlasse 1 erreichen, bei anderen ganze zehn Quadratmeter.

Das Testergebnis

■ …macht Lust auf Renovieren. Viele weiße Wandfarben im Test sind empfehlenswert. Das sah in unserem Test 2007 noch anders aus, damals enthielten noch wesentlich mehr Farben aggressive Konservierungsmittel in hohen Konzentrationen oder schlechte Deklarationen. Inzwischen hat sich vieles verbessert, die meisten Wandfarben bekommen ein „sehr gut“, im schlechtesten Fall ein „befriedigendes“ Gesamturteil.
■ Farben, die Wasser enthalten, kommen in der Regel nicht ohne Konservierungsmittel aus. In den meisten Produkten im Test werden Isothiazolinone eingesetzt, allerdings in geringen Mengen. Flüchtige organische Verbindungen, die beim Streichen und Austrocknen ausgasen können, sind maximal in Spuren vorhanden. Allergikern raten wir allerdings, bei Produkten, die Terpene ausgasen, vorsichtig zu sein.
■ Was pinselt man sich denn eigentlich an die Wand? Als Verbraucher ist man darauf angewiesen, dass die Hersteller darüber informieren – und zwar direkt auf dem Etikett. Für empfindliche Menschen spielen vor allem die Konservierungsmittel eine Rolle. Eine vernünftige Deklaration ist aber keine Selbstverständlichkeit; bei Alligator etwa sucht man vergeblich nach diesen Informationen. Welche Konservierungsmittel eingesetzt werden, kann man hier ebensowenig dem Etikett entnehmen wie bei Livos: auf der Livos Dubron Natur-Dispersionsfarbe Nr. 412 wird der Name des Konservierungsmittels genannt, Parmetol MBX, aber dass sich dahinter Isothiazolinone verbergen, kann man nur aus dem Hinweis auf die Hotline für Isothiazolinon-Allergiker schließen.

Nassabriebbeständigkeit

Beim Nassabrieb geht es darum, wie beständig die Farbe bei wiederholtem Reinigen ist. Die Einteilung erfolgt in fünf Klassen, wobei die Klasse 1 die qualitativ höchste Stufe ist. Bis heute findet man auf manchen Gebinden noch die alten Begriffe wie „scheuerbeständig“, was einer Nassabriebbeständigkeit Klasse 1 entspricht und für richtig strapazierfähige Farben steht. „Waschbeständig“ steht für Farben der Klasse 2, auch sie halten einiges aus. Klasse-3-Farben eignen sich für normal beanspruchte Räume. Die Klassen 4 und 5 zeigen beim Wischen einen deutlichen Abrieb.

■ Abgesehen von den Inhaltsstoffen zählt für den Verbraucher, wie gut die Farbe deckt und wie widerstandsfähig sie ist. Die Deckkraftklasse sowie die Nassabriebbeständigkeit geben darüber Auskunft. Während die Farben aus Baumarkt und Fachhandel meist vorbildlich deklariert sind, gab es bei den Produkten aus dem Naturbaumarkt Punktabzüge. Livos gibt nur im Technischen Merkblatt Auskunft, was die Leistungsfähigkeit der Farbe angeht, auf dem Etikett kann man lange suchen. Vielleicht, weil die in unserem Praxistest erreichten Klassen nicht allzu hoch sind? Auch die Firma Leinos lässt nicht erkennen, welche Deckfähigkeit die Farbe besitzt, obwohl sich Klasse 2 durchaus sehen lassen kann.

Fett gedruckt sind Mängel.

Glossar: siehe Seite 162. Anmerkungen: 1) Deklarationsmangel: keine Angaben zu Nassabrieb und/oder Deckkraft.

Der Preis pro Quadratmeter bezieht sich deshalb auf die Ergiebigkeit laut Hersteller. 2) Preis pro Quadratmeter berechnet für Materialeinsatz zur Erreichung der Deckkraftklasse 1. 3) Laut Etikett wurden auch chlorierte Isothiazolinone (CIT) als Konservierungsmittel eingesetzt; das beauftragte Labor konnte sie jedoch nicht nachweisen. 4) Deklarationsmangel: lediglich Deklaration von BIT und MIT, obwohl auch CIT enthalten sind. 5) Deklarationsmangel: angegebene Reichweite weicht von Reichweite zur Erzielung der Deckkraft deutlich ab. 6) Deklarationsmangel: keine Angabe zu Inhaltsstoffen. 7) Deklarationsmangel: keine Angaben zu Konservierungsstoffen. 8) Enthält Terpene. 9) Deklarationsmangel: unpräzise Nennung des Konservierungsstoffs mit dem Begriff „Isothiazolinon-Derivat“. 10) Deklarationsmangel: keine Angabe einer Hotline für Isothiazolinon-Allergiker, obwohl Isothiazolinone enthalten sind. 11) Deklarationsmangel: Nennung der Verbindung Parmetol MBX statt Nennung der Konservierungsstoffe MIT und BIT. 12) Laut Anbieter soll die Deckkraftklasse 2 künftig auf dem Etikett angegeben werden. Der Preis pro Quadratmeter bezieht sich auf die Ergiebigkeit laut Hersteller. 13) Laut Anbieter sollen Deckkraftklasse 2 und Nassabriebbeständigkeit 3 künftig auf dem Etikett angegeben werden.

Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Deklaration führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) keine Angabe zu Inhaltsstoffen; b) keine Angabe zu Konservierungsstoffen, wenn Isothiazolinone enthalten sind. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) eine unpräzise Nennung des Konservierungsstoffs mit dem Begriff „Isothiazolinon-Derivat“ oder „Parmetol MBX“ oder eine fehlende Angabe zu den enthaltenen CIT; b) keine Angabe einer Hotline für Isothiazolinon-Allergiker, falls Isothiazolinone enthalten; c) keine Angabe der Deckkraftklasse und/oder Nassabriebbeständigkeit auf dem Gebinde; d) angegebene Reichweite weicht von Reichweite zur Erzielung der Deckkraft deutlich ab. In das Gesamturteil gehen das Testergebnis Inhaltsstoffe zu 70 Prozent und das Testergebnis Deklaration zu 30 Prozent ein.

Preisberechnung basiert auf 10-Liter-Gebinden beziehungsweise, falls nicht erhältlich, dem nächstkleineren oder nächstgrößeren Gebinde, Stand: April 2014. Bei Angabe der Deckkraftklasse gilt die dafür angegebene Ergiebigkeit; fehlt diese, so gilt die vom Hersteller angegebene durchschnittliche Reichweite. Die Produktfotos zeigen in den meisten Fällen kleinere Gebinde.

Testmethoden und Anbieterverzeichnis finden Sie unter www.oekotest.de Suchen „N1494“ eingeben.

Bereits veröffentlicht: ÖKO-TEST Handbuch Bauen für 2013. Aktualisierung der Testergebnisse/ Angaben, sofern sich aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Bewertung von Mängeln geändert oder ÖKO-TEST neue/zusätzliche Untersuchungen durchgeführt hat.

Deckts oder deckts nicht? Ein Blick auf die Deckkraftklasse hilft: am stärksten decken Farben der Klasse 1.


Foto: christophe papke/photocase.de