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TEST Weiße Wandfarben: Frisch gestrichen


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ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 5/2022 vom 21.04.2022

RATGEBER

1

Sie haben die große Auswahl: Alle 25 Produkte im Test können wir mit „sehr gut“ oder „gut“ empfehlen.

2

Beim Streichen Handschuhe und Schutzbrille tragen. Die Farben können Haut und Augen reizen. Beim Sprühen wegen der Aerosole Schutzmaske anziehen.

3

Auch bei emissionsarmen Farben gilt: Nach dem Streichen gut lüften.

Artikelbild für den Artikel "TEST Weiße Wandfarben: Frisch gestrichen" aus der Ausgabe 5/2022 von ÖKO-TEST Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Früher suchte und fand der Mensch seine Farben in der Natur. Jahrtausendelang nutzt er Anstrichmittel auf Basis von Kalk, Lehm und anderen Mineralen. Erst in der jüngeren Geschichte verdrängten sie industriell hergestellte acryl-oder kunstharzhaltige Dispersionsfarben. Seit einigen Jahren liegen Kalkfarben jedoch wieder im Trend. Ihre Vorteile: Sie sind frei von Kunststoffen, benötigen keine Konservierungsmittel und ihr strahlendes Weiß sorgt für mediterranes Flair.

Weiße Innenwände bringen Frische und Helligkeit in die Wohnung. Allerdings werden sie mit der Zeit grau und ...

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... benötigen einen Neu-oder Nachanstrich. Wir haben 25 weiße Wandfarben eingekauft und in die Labore geschickt: sechs Kalkfarben und 19 Dispersionsfarben. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: 20 Produkte bewerten wir im Gesamturteil mit „sehr gut“ – darunter alle Kalkfarben – und fünf mit „gut“. Problematische Inhaltsstoffe haben die beauftragten Analytiker nur sehr wenige gefunden.

Problematischer Konservierer

In früheren Tests waren sie häufig ein Problem, aktuell spielen sie kaum eine Rolle: Isothiazolinone. Hersteller setzen die Verbindungen als Konservierungsstoffe ein, um die Farben schon im Behälter vor einem Befall mit Keimen, Bakterien oder Pilzen zu schützen. Das Problem: Immer mehr Menschen reagieren darauf allergisch. In Kosmetik, die auf der Haut verbleibt, sind sie längst verboten. In Farben und Lacken jedoch noch nicht.

14 der 19 Dispersionsfarben in diesem Test tragen das Gütesiegel Blauer Engel. Das Bundesumweltministerium verschärfte 2019 die Kriterien für das von ihm getragene Siegel: In „emissionsfreien Innenwandfarben“, die das Umweltzeichen tragen wollen, dürfen Hersteller seitdem keine Konservierungsmittel mehr einsetzen. Ausnahme sind geringe Spuren von Isothiazolinonen. Die Richtlinien des Blauen Engels sind zwar nicht allgemein verpflichtend, geben aber Hinweise, was technisch machbar ist. Daher orientieren wir uns an ihnen. In der Pro Natur Innenweiß und Toom Lehmfarbe, die keine Naturfarbe ist, da sie eine Kunststoffharzdispersion enthält, wies das von uns beauftragte Labor Benzisothiazolinon (BIT) nach. Die gemessenen Gehalte lagen jeweils über den für den Blauen Engel zulässigen 10 mg/kg.

Reizung von Haut und Augen möglich

Um die Farben konservierungsmittelfrei zu halten, verfügen die Hersteller über eine Stellschraube: Sie können sie mit einem hohen alkalischen pH-Wert haltbar machen. Wir ließen die pH-Werte bestimmen. Er lag zwischen rund 11 und 13. Zum Vergleich: Seife hat einen pH-Wert von 9 bis 10. Da Haut-und Augenreizungen bei solchen Werten möglich sind, ist es ratsam, bei der Verarbeitung Schutzbrille und Schutzhandschuhe zu tragen. Entsprechende Warnhinweise finden sich auf den Produkten. Auch sollte man beim Streichen die Böden gut auslegen: Die reizenden Farbtröpfchen können hässliche Flecken auf Parkett und anderen empfindlichen Böden hinterlassen.

„Eine gute Nachricht: Problematische Konservierer finden sich in Innenwandfarben kaum noch.“

Dimitrij Rudenko ÖKO-TEST-Projektleiter

WISSEN Titandioxid: reines Weiß

Hohe Deckkraft Titandioxid ist ein Weißpigment mit sehr hoher Deckkraft. In unserem Test enthalten es alle Dispersionsfarben und die Hälfte der Kalkfarben. Nicht immer ist es auf den Gebinden deklariert, es wird etwa als „mineralisches Weißpigment“ umschrieben. Das Technische Informationsblatt nennt die konkrete Bezeichnung. Obwohl Kalkfarben auf einem weißen Mineral basieren, enthalten auch sie häufig Titandioxid. Grund: Bei ihnen dauert die Aushärtung länger. Für eine höhere Deckkraft schon im Nasszustand setzen Hersteller deshalb auch in ihnen Titandioxid ein. Eine Alternative ist Marmormehl, das jedoch schwächer deckt.

Gefährlich beim Einatmen In der EU ist Titandioxid als krebsverdächtig eingestuft. Solange es in den flüssigen oder getrockneten Farben gebunden ist, stellt es keine Gefahr dar. Ein Risiko besteht allerdings beim Einatmen. Deshalb müssen die Farbeimer den Warnhinweis tragen: „Achtung! Beim Sprühen können gefährliche lungengängige Tröpfchen entstehen. Aerosol oder Nebel nicht einatmen.“

Unerwünschte Verunreinigung

In drei Farben wies ein beauftragtes Labor halogenorganische Verbindungen nach. Zwar lässt dieser Summenparameter keine Aussage über die konkret vorliegenden Stoffe zu. Zu dieser umstrittenen Stoffgruppe gehören jedoch auch allergieauslösende oder sich in der Umwelt anreichernde Verbindungen. Manche haben eine konservierende Wirkung. Zwar setzen die Farbenhersteller sie nicht gezielt in ihren Rezepturen ein. Sie können jedoch beispielsweise über Verunreinigungen in einem Vorrohstoff hineingeraten, etwa wenn dieser mit einer chlorierten Isothiazolinonverbindung konserviert ist.

Inhaltsstoffe bitte deklarieren!

Die Anbieter sind gesetzlich zwar nicht zu einer Volldeklaration auf den Verpackungen verpflichtet. Verbraucherinnen und Verbraucher können sie dem Technischen Informationsblatt entnehmen, das sie auf Anfrage beim Anbieter erhalten oder im Internet herunterladen können. ÖKO-TEST hält dies jedoch für wenig verbraucherfreundlich und wertet das Fehlen der Angabe von Inhaltsstoffen auf den Behältern der beiden getesteten Produkte von Caparol ab. Angaben zu Nassabriebfestigkeit und Deckkraft nach Klassen finden sich auf den Verpackungen aller Dispersionsfarben im Test. Auf Kalkfarben lässt sich die Klassifizierung nicht anwenden, da die Aushärtung von mineralischen Farben über einen längeren Zeitraum von bis zu mehreren Wochen erfolgt.

Zu viel neuer Kunststoff

Enttäuschend: Nur für fünf der 25 Produkte im Test legten uns die Anbieter einen Nachweis vor, dass die Kunststoff behälter Anteile an Post-Consumer-Rezyklaten (PCR) aus der Wertstoffsammlung enthalten. Das ist eine magere Ausbeute – vor allem im Vergleich zu anderen unserer Tests, etwa von Reinigungsmitteln oder Kosmetika. Immerhin kündigten viele Anbieter an, künftig PCR in ihren Verpackungen einsetzen zu wollen.

So haben wir getestet

Wir haben 25 weiße Wandfarben für Innenräume eingekauft. 19 davon sind Dispersions-bzw. Dispersionssilikatfarben, die als Bindemittel Kunststoffe oder Kunstharze enthalten. Sechs sind Natur-bzw. Kalkfarben. Im Labor ließen wir prüfen, ob die Farben frei von problematischen Konservierungsmitteln und Fungiziden sind wie Isothiazolinone, Zinkpyrithion und Formaldehyd/-abspalter. Darüber hinaus untersuchten die Labore die Anstrichmittel auf Stoffe, die ausgasen können. Zu diesen flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) gehören auch krebserregende Stoffe. Außerdem standen bedenkliche Schwermetalle und umstrittene halogenorganische Verbindungen auf dem Prüfprogramm. Schließlich ließen wir den pH-Wert der Farben bestimmen. Mit einem hohen alkalischen pH-Wert machen die Hersteller ihre Farben haltbar und können so auf Konservierungsmittel verzichten. Die Deklarationen nahmen wir mit Blick auf wichtige Anwendungs-und Gefahrenhinweise unter die Lupe. Enthält die Farbe Talkum, verlangten wir von den Anbietern einen Nachweis über Asbest-Freiheit. Die Kunststoffbehälter ließen wir auf umweltschädliche chlorierte Verbindungen wie PVC testen, zudem mussten uns die Anbieter belegen, ob sie Anteile von Post-Consumer-Rezyklaten aus der Wertstoffsammlung enthalten. Das Gesamturteil beruht maßgeblich auf der Bewertung der Inhaltsstoffe, Deklarationsmängel und andere weitere Mängel können es jedoch verschlechtern.