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TEST Weiße Wandfarben Streichliste


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 8/2015 vom 31.07.2015

Die meisten Wandfarben im Test kann man bedenkenlos verstreichen. Und auch für Allergiker haben wir eine gute Nachricht: Eine der Farben ist gänzlich frei von Konservierungsmitteln – und bietet Bakterien und Schimmelpilzen dennoch wirksam Paroli.Von Anna Mai


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Foto: imago/blickwinkel

Es ist schon ein paar Jahre her, seit auf europäischer Ebene geregelt wurde, dass Produkte wie Farben, Lacke und Beschichtungen für Handwerker und Normalverbraucher nur noch begrenzte Mengen an ausgasenden Stoffen enthalten dürfen: 2004 in der sogenannten Decopainl-uichtlinie, die in Deutschland in eine Chemikalienverordnung ...

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... umgesetzt wurde. Die dort formulierten Grenzwerte galten ab 2007 und wurden 2010 in einer zweiten Stufe verschärft. Seitdem dürfen wasserbasierte Wandfarben nur noch maximal 30 Gramm pro Liter an flüchtigen organischen Verbindungen, kurz VOC (Volatile Organic Compounds), enthalten. Vor allem für die Hersteller von Naturfarben war das anfangs aufgrund der eingesetzten Naturharze noch eine Herausforderung. Konventionelle Farben enthielten jedoch schon zu diesem Zeitpunkt nur noch geringe Mengen an VOC. Denn die meisten Produkte tragen das Umweltzeichen Der Blaue Engel, das seit 1999 für die emissionsarmen Farben nur noch ganz wenig VOC zulässt.

Schwieriger sieht es mit Konservierungsmitteln aus. Wasserbasierte Farben benötigen solche, um sie in Topf und Eimer haltbar zu machen, sie also vor Bakterien und Schimmel zu schützen. Dazu werden zum Teil Formaldehydabspalter eingesetzt, die krebsverdächtiges Formaldehyd bilden, sobald ein mikrobieller Befall eintritt. Heutzutage üblich sind Isothiazolinone, die jedoch ein mehr oder weniger großes sensibilisierendes Potenzial besitzen. Nach Einschätzung von Professor Axel Schnuch, Leiter des Informationsverbunds Dermatologischer Kliniken (IVDK), sind die üblichen Verbindungen Methylisothiazolinon (MIT) und Benzisothiazolinon (BIT) hinsichtlich ihres Sensibilisierungspotenzials in etwa gleich einzuschätzen, MIT sei noch etwa potenter. MIT ist auch deshalb ein größeres Problem, weil es leichter als BIT verdampft und damit die Raumluft mehr belastet. Besonders problematisch im Hinblick auf mögliche Allergien sind jedoch chlorierte Isothiazolinonverbindungen wie Chlormethylisothiazolinon (CIT).


Wasserbasierte Farben müssen in der Regel konserviert werden


Seit dem 1. Juni gelten nach einer europäischen Verordnung zur Kennzeichnung von Gefahrstoffen (CLP-Verordnung) auch für Isothiazolinone strengere Regeln: So müssen ab gewissen Gehalten, die von der jeweiligen Verbindung abhängen, der konkrete Stoffbenannt und auf das Allergierisiko hingewiesen werden. Da BIT offiziell als Gefahrstoffeingestuft wurde, ist das schon ab 50 mg/kg der Fall – diese Menge wird üblicherweise in Farben eingesetzt. Die Regelung gilt für Produkte, die seit dem 1. Juni 2015 erstmalig in Verkehr gebracht wurden; erst zwei Jahre später müssen sie alle aus den Regalen verschwunden sein. Einige Hersteller haben ihre Etiketten jedoch schon angepasst. MIT ist bisher noch nicht harmonisiert, wie es in der Fachsprache heißt; deshalb liegt die Schwelle für diesen Hinweis im Augenblick noch höher. Allerdings wird sich das möglicherweise demnächst ändern.

Manche Hersteller denken darüber nach, die Deklarationsgrenzen zu umgehen, indem sie mehrere Konservierungsmittel gleichzeitig und dafür in geringerer Konzentration einsetzen. So bieten Konservierungsmittelhersteller schon Mittel an, die neben BIT/MIT auch das wassergefährdende Zinkpyrithion enthalten. Allerdings lässt der Blaue Engel erst seit Anfang des Jahres eine solche Konservierung zu. Da die meisten Wandfarben dieses Qualitätszeichen tragen, werden derartig haltbar gemachte Produkte noch kaum am Markt zu finden sein.

Sogenannte Silikatfarben enthalten schon jetzt keine Konservierungsmittel, denn Silikate sind kein Nährboden für Bakterien und Schimmel. Nachteil: Solche Farben sind für den Heimwerker schwerer zu verarbeiten. Die Deutschen Amphibolin-Werke (DAW), die unter anderem die Marken Caparol, Alpina und Rühl her- stellen, produzieren seit mehr als zehn Jahren auch konservierungsmittelfreie Dispersionsfarben, spezielle Allergikerfarben. Bei der Herstellung versucht man, die Eigenschaften der Silikat- und Dispersionsfarben zu vereinen. Die Rezeptur sei so gewählt, „dass die Farbe einen besonders ungünstigen Nährboden für Mikroorganismen darstellt“, erläutert uns Dr. Helmut Möbus, Leiter der zentralen Produktsicherheit bei DAW. „Zudem werden in der Produktion strenge Hygienevorschriften eingehalten und Rohstoffe verwendet, die zum Beispiel über thermische Vorbehandlung eine minimierte Keimbelastung mitbringen.“ Die Produktion sei aufwendig und erfordere viel Know-how und technischen Aufwand, was es kleineren Herstellern schwierig mache, ebenfalls konservierungsmittelfreie Wandfarben zu produzieren. Noch sind sie Nischenprodukte für Allergiker.

Wir haben 20 weiße Wandfarben eingekauft, um zu prüfen, inwieweit sie noch mit problematischen Stoffen belastet und ob sie verbraucherfreundlich deklariert sind.

Streichen ohne Reue: Die meisten weißen Wandfarben können ohne Bedenken großflächig auf Wände und Decken gestrichen oder gerollt werden.


Foto: Matt Valentine/Shutterstock

Das Testergebnis

■. Schönes Weiß. Fast zwei Drittel der Wandfarben sind insgesamt „sehr gut“ und noch mehr Produkte überzeugen, wenn wir nur die Inhaltsstoffe betrachten. Isothiazolinonallergiker müssen jedoch bei fast allen Testmarken auf der Hut sein. Die Dulul-uarbe schneidet mit „befriedigend“ ab, das Relius-Produkt bekommt nur ein „ausreichend“. Die Deklarationen der Wandfarben sind im Vergleich zu früheren Tests besser und verbraucherfreundlicher geworden, auch wenn wir immer noch einiges bemängeln.
■. Da gast kaum was aus. Das ist heute Stand der Technik bei Dispersionswandfarben: Sie enthalten keine oder nur ganz geringe Mengen an flüchtigen organischen Verbindungen (VOC). In der Hornbach Wand- und Deckenfarbe wurde jedoch eine schwerflüchtige Glykolverbindung nachgewiesen, die langsam und daher lange Zeit ausgasen kann und die auch immer wieder bei Raumluftmessungen nachgewiesen wird. Abgewertet haben wir die Verbindung nicht, sehr sensible Menschen sollten das jedoch beachten.
■. Umstrittene Konservierungsmittel. In den Farben Dulux Wohnweiß Plus und Relius Volldecker 4xffwurden Formaldhyd/-abspalter nachgewiesen – noch dazu in Kombination mit Isothiazolinonen. Die Hersteller wollten hier wohl ganz auf Nummer sicher gehen. Fast alle Produkte sind mit Isothiazolinonen konserviert, die meisten jedoch in Mengen, die unter unserer Abwertungsgrenze liegen. In zwei Fällen halten wir den Gehalt an Methylisothiazolinon (MIT) aber für zu hoch. Für Isothiazolinonallergiker gibt es eine echte Alternative: Unsere Labore konnten in der als „frei von Konservierungsstoffen“ ausgelobten Wandfarbe Opus1 Wohnraum Weiss von Rühl-Farben in der Tat keine solchen nachweisen. Zur Sicherheit ließen wirprüfen, inwieweit das Produkt mit Bakterien und Schimmelpilzen belastet ist oder schon nach wenigen Wochen umkippen kann. Das war nicht der Fall; im Gegenteil, die Farbe konnte sogar vom Labor zugesetzte Mikroorganismen abbauen. Auch eine wei tere Wand farbe, die Pronatur Sonnenblumenweiß, enthielt nur ganz geringe Mengen an Isothiazolinonen. Chlorierte Isothiazolinone (CIT), die ein besonders hohes sensiblisierendes Potenzial haben und die in einigen Fällen auch dekla riert waren, hat das Labor, wenn überhaupt, nur inFett gedruckt sind Mängel.Abkürzungen: BIT = Benzisothiazolinon, CIT = Chlormethylisothiazolinon (auch MCI abgekürzt), MIT = Methylisothiazolinon, m²/l = Quadratmeter pro Liter.Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 142.Anmerkungen: 1) Neben geringen Gehalten an (normal)flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) wurde vor allem eine schwerflüchtige Propylenglykol-Verbindung (SVOC) nachgewiesen. 2) Das deklarierte Chlormethylisothiazolinon wurde nicht bzw. unter der Bestimmungsgrenze nachgewiesen. 3) Es wurde nur Methylisothiazolinon nachgewiesen. 4) Statt der deklarierten Verbindung Benzisothiazolinon wurde Methylisothiazolinon nachgewiesen. 5) Parmetol ist der Name eines Topfkonservierungsmittels, das laut Angaben des Konservierungsmittelherstellers aus MIT, BIT und einer Aminverbindung besteht. 6) Laut Anbieter wird das Produkt seit Herbst 2014 nicht mehr ausgeliefert; das getestete Produkt stamme aus einem Restbestand. 7) Laut Anbieter wurde mittlerweile das Rückseitenetikett geändert und durch den Gefahrstoffhinweis auf Isothiazolinone ergänzt. 8) Weiterer Mangel: Anforderungen des Blauen Engels im Hinblick auf Konservierungsmittel und ihre Deklaration nicht erfüllt, obwohl das Produkt den Blauen Engel trägt. 9) Der Preisangabe liegt der Onlineshop-Preis zugunde; laut Hersteller wird das Produkt als Aktionsware bei Discountern deutlich günstiger angeboten. 10) Laut Anbieter wurde das Produkt mittlerweile umgestellt und entspricht heute der Nassabriebklasse 2.Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um zwei Noten: mehr als 20 mg/kg Formaldehyd/-abspalter. Zur Abwertung um eine Note führt: deutlich mehr als 100 mg/kg Methylisothiazolinon (MIT). Steht bei konkret benannten Analyseergebnissen „nein“, bedeutet das „unterhalb der Bestimmungsgrenze“ der jeweiligen Testmethode. Unter dem Testergebnis Deklaration führen zur Abwertung um jeweils zwei Noten: a) keine Angabe von weiteren Inhaltsstoffen (nur Konservierungsmittel genannt); b) keine konkrete Angabe ganz geringen Mengen unterhalb der Bestimmungsgrenze nachgewiesen.
Verwirrende Deklarationen. Auch wenn sich in den vergangenen Jahren viel getan hat und mittlerweile auf allen Produkten eine Allergikerhotline und häufig auch die Konservierungsstoffe genannt werden, sind wir mit einigen Angaben oder fehlenden Informationen nicht einverstanden. So ließen Akzo Nobel und Relius die Formaldehyd/-abspalter unter den Tisch fallen, und das obwohl zumindest die Relius-Farbe den Blauen Engel trägt; auch sonst will dieser Hersteller keine Inhaltsstoffe preisgeben. Und auch die Natur farbenhersteller Leinos, Livos und Auro fallen mit wider sprüchlichen, unverständlichen oder gar falschen Informationen auf. Bei Leinos und Livos erhielten wir bei Anruf der Hotline sogar Auskünfte über die eingesetzten Konservierungsmittel, die den Testergebnissen widersprechen.