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TEST Wimperntusche: Augen auf!


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 4/2012 vom 30.03.2012

Kräftig getuschte Wimpern bleiben Trend, versichern uns die Beauty-Magazine. Wir haben 21 schwarze Wimperntuschen getestet. Zwei Mascara sind nicht verkehrsfähig. Sechs Marken bekommen die Bestnote.


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Foto: Morad Hegui/fotolia.com

Atemberaubende Länge“, „überwältigender Schwung“ oder „300 % mehr Volumen“: So wirbt die Kosmetikindustrie für Mascara und führt es in Hochglanzwerbung mit perfekten Models vor. Und schummelt dabei kräftig! Das meint zumindest die Selbstkontrolle der Werbetreibenden in Großbritannien, die Advertisment Standard Authority (ASA), und rügte in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von ...

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Atemberaubende Länge“, „überwältigender Schwung“ oder „300 % mehr Volumen“: So wirbt die Kosmetikindustrie für Mascara und führt es in Hochglanzwerbung mit perfekten Models vor. Und schummelt dabei kräftig! Das meint zumindest die Selbstkontrolle der Werbetreibenden in Großbritannien, die Advertisment Standard Authority (ASA), und rügte in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von Mascara-Werbungen.

Beispielsweise untersagte sie 2005 eine Werbung mit der Schauspielerin Penélope Cruz für eine angeblich wimpernverlängernde Mascara von L’Oréal. Der Kosmetikkonzern hatte, so die Werbekontrolleure, die Schauspielerin mit falschen Wimpern aufgepeppt, ohne dies durch einen Hinweis deutlich zu machen. Auch 2007 wurde ein TV-Spot verboten, dieses Mal hatte die Kosmetikfirma Rimmel Bilder des Models Kate Moss kräftig retuschiert. Daraufhin verlangte die ASA von Rimmel, zukünftig durch einen entsprechenden Hinweis zu verdeutlichen, dass der gezeigte Effekt manipuliert sei. 2010 wiederum war den Werbekontrolleuren ein entsprechender Hin weis „Aufgenommen mit Wimperneinsätzen“ in einer Rimmel-Werbung zu mickrig geraten. Da half es dem Unternehmen auch nicht, zu behaupten, der Einsatz von Kunstwimpern sei in Mascara-Werbung übliche Praxis. Was 2007 übrigens bereits die Firma Avon gegenüber den britischen Werbekontrolleuren eingeräumt hatte.


In der Werbung ist der Einsatz von Kunstwimpern übliche Praxis


Im Jahr 2010 jedoch wies die ASA erstmals Beschwerden zu Mascara- Werbung ab. Hier hatten die Unternehmen Revlon und L’Oréal ihre Lektion gelernt und deutlich genug auf den Einsatz von Kunstwimpern hingewiesen.

In Deutschland nimmt man an Kosmetikwerbung bislang wenig Anstoß. „Bei den Beschwerden sind Werbekampagnen für Kosmetika nicht herausragend“, erklärt Volker Nickel, der Sprecher beim Deutschen Werberat ist. Im Gegensatz zur britischen ASA billige man dem hiesigen Verbraucher die Kompetenz zu, Werbung als solche zu beurteilen, ergänzt Nickel. Wirft man einen Blick in die Regeln der in Berlin ansässigen Stelle, lässt sich vielleicht besser verstehen, warum in Deutschland Schummeleien in der Werbung toleriert werden, die man in Großbritannien rügt. Während die britischen Kontrolleure in ihrem Werbekodex eine Reihe ethischer Prinzipien wie Aufrichtigkeit oder Ehrlichkeit festgeschrieben haben, sucht man danach hierzulande vergeblich. Werbung solle lediglich „das Vertrauen der Verbraucher nicht missbrauchen und mangelnde Erfahrung oder fehlendes Wissen nicht ausnutzen“, heißt es beim Deutschen Werberat.

Möglich, dass sich das mit der neuen Kosmetikverordnung ändern wird. Dafür stellt derzeit zumindest die EU-Kommission in Brüssel die Weichen. Eine Arbeitsgruppe ist dabei, Kriterien gegen irreführende Kosmetikwerbung zu erarbeiten. Darunter finden sich schon die Begriffe Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit und Anständigkeit.

Was ein Mascara nun erwiesenermaßen kann, ist freilich eine Selbstverständlichkeit, die zwangsläufig mit dem Auftrag flüssiger Farbe auf die Wimpern kommt: Die Produkte lassen den feinen Härchenkranz der Augen dicker und dichter erscheinen. Auch verlängert die Flüssigfarbe die Wimpern scheinbar, weil ihre hellen Spitzen durch den dunklen Anstrich sichtbar werden. Wird zu viel von der farbigen Tusche aufgetragen, das weiß man auch von Malerarbeiten, kann die Farbe von den Härchen bröckeln.

Wir wollten wissen, ob die Tuschen frei von Problemstoffen sind. Für unseren Test haben wir 21 schwarze Wimperntuschen eingekauft und auf umstrittene und problematische Bestandteile untersuchen lassen.

Das Testergebnis

■ Ein knappes Drittel „sehr gut“. Sechs Wimperntuschen im Test erhalten die Bestnote. Allerdings fallen auch fünf Produkte mit „mangelhaft“ und „ungenügend“ durch.
■ Verbotene krebserregende Stoffe: In der Agnes B. Volum’Up Mascara, der Chanel Inimitable Intense Mascara Volume und der Isadora Build-Up Mascara Extra Volume stecken verbotene Nitrosamine. Sie gehören zu den stärksten krebserregenden Stoffen. Die Agnes B.- und Isadora-Wimpertuschen enthalten mehr als 20 Mikrogramm pro Kilogramm des Nitrosamins NDELA. Dafür würde das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) einen Verkaufsstopp verhängen, denn Mascara mit diesem Nitrosamingehalt stuft das LGL als nicht verkehrsfähig ein. Zwar nehmen wir mit der Nahrung mehr Nitrosamine auf, aber um die Verbraucher zu schützen, sollten Kosmetika frei von diesen gefährlichen Stoffen sein, bekräftigen aktuell Experten des wissenschaftliche Beratergremiums der EU. Von den Nitrosaminen spielt in Kosmetika hauptsächlich die Substanz NDELA eine Rolle. Sie gelangt als Verunreinigung mit Bestandteilen wie Triethanolamin in die Mascara und kann sich später während der Lagerung in den Tuschen bilden. Wir kritisieren Nitrosamine seit Jahren in unseren Tests. Auch im europäischen Schnellwarnsystem Rapex wird regelmäßig vor Mascara und Co. mit Nitrosaminen gewarnt.
■ Fragwürdige Konservierungsmittel: Formaldehyd bzw. Substanzen, die krebsverdächtiges und Allergien auslösendes Formaldehyd abgeben, stecken in der Artdeco Pure Minerals Volume Mascara und in der Essence 2in1 Volume Mascara. An fünf weiteren Mascaras monieren wir bedenkliche Parabene. Für Propyl- und Butylparaben gibt es Hinweise auf eine hormonelle Wirkung. Vorsorglich fordert das wissenschaftliche EU-Beratergremium daher eine Absenkung ihrer Einsatzmengen.
■ Umstrittener künstlicher Moschus-Duft: Die Artdeco- Wimperntusche enthält künstlichen Moschus-Duft. Dieser reichert sich im menschlichen Fettgewebe an. Er ist aber auch ein Umweltproblem, wenn er mit der Mascara über die Abwässer oder beim Baden in die Umwelt gelangt. Zwar sind sechs Produkte, darunter alle Naturkosmetik-Wimperntuschen parfümiert. Sie enthalten aber nur Duftstoffe, die sehr selten Kontaktallergien auslösen.

Fett gedruckt sind Mängel.
Abkürzungen: n. u. = nicht untersucht, weil sich dieser Parameter durch die Zusammensetzung des Produkts erübrigt.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 124.Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: Umkarton, der kein Glas schützt.
Legende: Produkte mit gleichem Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Zur Abwertung um fünf Noten führen: Nitrosamine (NDELA = N-Nitrosodiethanolamin). Zur Abwertung um vier Noten führen: Formaldehyd/-abspalter. Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) PEG/PEG-Derivate; b) mehr als 10 mg/kg polyzyklische Moschus-Verbindungen (künstlicher Moschus-Duft). Zur Abwertung um eine Note führen: die bedenklichen Parabene Propyl-/Butyl-, Isopropyl- und/oder Isobutylparaben. Unter Weitere Mängel führt zur Abwertung um eine Note: ein Umkarton, der kein Glas schützt. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoff e. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochenen Wirkungen) der Produkte nicht überprüft haben. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note.
Testmethoden undAnbieterverzeichnis finden Sie unter www.oekotest.de → Suchen → „M1204“ eingeben.
Einkauf der Testprodukte: Dezember 2011.

ÖKO-TEST rät

• Mit zertifizierter Naturkosmetik sind Sie auch beim Kauf von Wimperntusche bestens beraten. Allerdings gibt es bei den untersuchten Produkten ein hohes Preisgefälle: Das Benecos-Produkt kostet moderate 6,73 Euro pro 12 ml, für die Bio-Nobelmarke Dr. Hauschka müssen Sie 30 Euro berappen. Eine sehr gute und preisgünstige Alternative sind H&M Full Lashes Mascara, Black und Rival de Loop Ultimate Volume Fake Lashes Mascara, 01 Black von Rossmann.

• Die Isadora Build-Up Mascara Extra Volume, Super Black und die Agnes B. Volum’Up Mascara, 1247 Le Noir sind nicht verkehrsfähig, die Chanel Inimitable Intense Mascara Volume, 10 Noir nah dran. Haben Sie diese Mascara bereits gekauft? Vorsorglich aussortieren und reklamieren. Aber keine Angst: Auch wenn sie die Produkte bereits benutzt haben, unmittelbar krank werden Sie davon nicht.

Nitrosamine in Kosmetika vermeidbar

Professor Wolfgang Dekant, Toxikologe an der Universität Würzburg


„Nitrosamine gehören zu den stärksten Kanzerogenen, die wir kennen. Bei ausreichender Kontrolle der Produktionsbedingungen sind Rückstände an Nitrosaminen vermeidbar. Die errechneten Risiken durch Nitrosamine sind enorm niedrig, wenn die technisch machbaren Restmengen eingehalten werden.“

Nickelallergie durch Wimperntusche?

Nickel ist das häufigste Kontaktallergen. Probleme werden in der Regel durch Modeschmuck oder Jeansknöpfe verursacht, aus denen sich Nickel durch Schweiß bei Hautkontakt löst. Daher sind Metallaccessoires, aus denen sich Nickel freisetzen kann, seit Jahren verboten. Geringe Nickelgehalte können allerdings mit Mineralpigmenten wie Eisenoxid in Make-up-Produkte wie Mascara oder Lidschatten kommen. Nickel löst sich daraus meist nur in winzigen Mengen, die in Einzelfällen für Menschen problematisch sein können, die bereits eine Kontaktallergie gegenüber Nickel erworben haben. Diese geringen Gehalte reichen allerdings nicht aus, um für eine Nickelallergie zu sensibilisieren. Wer eventuelle Nickelrückstände meiden muss, kann Eisenoxide an diesen Bezeichnungen erkennen: CI 77499, CI 77491, CI 77492.

So haben wir getestet

Der Einkauf
Neben Lippenstift ist Wimperntusche ein unkompliziertes und beliebtes Schönheitsutensil von Frauen. Häufig greift frau zu Schwarz und gerne zu Mascara, der mehr Volumen verspricht. Wir haben solche Volumentuschen, aber auch ganz normale Mascara in Drogerien, Parfümerien und in Bio-Märkten eingekauft.

Die Inhaltsstoffe
Krebserregende Nitrosamine, die als Verunreinigung mit den Bestandteilen Triethanolamin (TEA) oder Tromethanin in die Wimperntusche geraten, monieren wir seit vielen Jahren. Im Test 2009 fanden wir diese problematischen Stoffe immer noch in einigen Marken. Deshalb haben wir auch aktuell alle Produkte, die TEA oder Tromethanin enthalten, darauf untersuchen lassen. Auf dem Prüfprogramm standen zudem Stoffe wie PEG/PEG-Derivate, allergene Duftstoffe oder Konservierungsstoffe, die hautreizendes Formaldehyd abspalten können. Zudem wollten wir wissen, ob mit bestimmten Farbpigmenten wie Rußschwarz (CI 77266), Knochenkohle (CI 77267) oder Pflanzenkohle (CI 7728:1) problematische polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe in die Mascara gelangen.

Die Bewertung
Eine sehr gute Wimperntusche ist frei von krebserregenden Nitrosaminen und enthält auch keine umstrittenen Konservierungsstoffe und künstlichen Moschus-Duft. Ob die Produkte die versprochenen Effekte in puncto Volumen halten, der jeweilige Applikator die Tusche besser verteilt oder Behälter und Bürste immer die perfekte Menge an Tusche dosieren, haben wir nicht untersucht. Individuelle Ansprüche und Erwartungen sind zu unterschiedlich, um über eine Bürste geschert zu werden. Zum anderen ist uns die Schadstofffreiheit eines Produktes viel wichtiger. Völlig überflüssig finden wir eine Umverpackung aus Karton für Wimperntusche, die in stabilen Kunststoffbehältern abgefüllt ist. Dies bemängeln wir bei den weiteren Mängeln.