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TEST Wimperntusche: Augenblick mal!


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 9/2016 vom 25.08.2016

Volumen, natürliche Inhaltsstoffe, lang anhaftend? Welche Wimperntusche den eigenen Anforderungen gerecht wird, muss jeder für sich herausfinden. Was die Inhaltsstoffe betrifft, können wir immerhin zehn Mascaras uneingeschränkt empfehlen – darunter sogar ein wasserfestes Produkt.


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Foto: NinaMalyna/iStock

Aus tausenden Badezimmern ertönt täglich ein schmatzendes „Plopp“ – immer dann, wenn die Bürste aus einem Mascararöhrchen gezogen wird. Für viele Frauen gehört das Schminkritual am Morgen dazu wie für andere der Kaffee. Ohne getuschte Wimpern aus dem Haus? Undenkbar! Dass das Geschäft lohnt, zeigen Zahlen ...

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... der Marktforscher von IRI Information Resources: Allein in Deutschland wurden 2015 insgesamt rund 42 Millionen Mascaras verkauft.

Der auffällige Effekt der Wimperntusche entsteht dadurch, dass die natürlichen Wimpern zur Spitze hin heller werden und so kürzer aussehen, als sie in Wirklichkeit sind. Durch die Farbe wird ihre gesamte Länge sichtbar, sie wirken voller. Allerdings hält dieser Effekt nicht ewig – nach einer Fitnesseinheit oder einem herzergreifenden Liebesfilm ärgern sich viele Frauen über verwischte „Pandaaugen“. Nicht jeder Mascara hält Schweiß, Tränen oder Berührungen stand, Ränder und Schatten um die Augen sind die Folge. Viele Anwenderinnen benutzen deshalb am liebsten wasserfeste Wimperntusche. Wer aber auf Naturkosmetik schwört, hat hier schlechte Karten: Wasserfest funktioniert nur mit Chemie.

Dafür, dass die schwarze Paste auf den Wimpern haften bleibt und sich weder von Krokodilstränen noch von Schwimmbadwasser beeindrucken lässt, sorgen ein verringerter Wasseranteil sowie Paraffine und Silikonöle. Die erdölbasierten Substanzen sind bei anerkannten Naturkosmetikzertifizierern verboten. Wer unbedingt einen wasserfesten Mascara möchte, muss aber solche Produkte verwenden. Mit rein natürlichen Rohstoffen lässt sich dieser Halt nicht erreichen. Das bestätigten uns viele der Naturkosmetikhersteller, die wir nach neuen Forschungsansätzen gefragt hatten.


Erdölprodukte wie Paraffine und Silikone sorgen mit für die Wasserfestigkeit


In den Zutatenlisten mancher Naturkosmetik-Mascaras steht jedoch eine Substanz, die inhaltsstoffkundige Verbraucher irritieren könnte: Dodecane. Darunter ist gemeinhin ein Paraffin auf Erdölbasis bekannt. Das wollte ÖKO-TEST genauer wissen. Dm antwortete für sein Alverde- Produkt: „Das in der Rezeptur enthaltene Dodecane ist ein 100 Prozent pflanzlicher Kohlenwasserstoff und damit eine natürliche Alternative zu Silikon.“ Sabine Kästner, Unternehmenssprecherin des Naturkosmetikherstellers Laverana, erläutert: „Die INCI Dodecane unterscheidet nicht zwischen synthetischen und natürlichen Inhaltsstoffen, sodass die Inhaltsstoffe nicht ohne Weiteres gleich als natürlich zu erkennen sind. Dodecane können aus der Petrochemie hergestellt werden oder stammen aus erneuerbaren Rohstoffen, zum Beispiel aus Ölen wie Palmöl oder Kokosöl.“

Beide Anbieter lassen ihre Produkte vom Branchenverband Natrue zertifizieren. Sowohl dort als auch beim Zertifizierer BDIH erklärte man uns, dass der Ursprung des Dodencans pflanzlich sein müsse und nicht aus Erdölrohstoffen stammen dürfe, um mit den Zertifizierungskriterien konform zu sein. Die Verbände beteuern, dass Verbraucher sich auf die Standards und die regelmäßige Überprüfung ihrer Einhaltung verlassen könnten.

Wie lange die Produkte an den Wimpern haften, haben wir nicht getestet, da die zehn konventionellen und neun natürlichen Wimperntuschen aus den genannten Gründen schlicht nicht vergleichbar sind. Hier hängt die Wahl von den individuellen Vorlieben ab. Die Inhaltsstoffe der 19 schwarzen Mascaras haben wir aber gewohnt genau unter die Lupe genommen.

Das Testergebnis

Natürlich überzeugt. Was die Inhaltsstoffe betrifft, liegt die Naturkosmetik mit neun „sehr guten“ Produkten im Vergleich klar vorne. Immerhin ein „sehr gutes“ und ein „gutes“ Produkt gibt es aber auch bei den wasserfesten Mascaras. Sechs konventionelle Wimperntuschen schaffen es aber nur ins Mit- telfeld, zwei sind so stark belastet, dass sie nicht besser als „mangelhaft“ und „ungenügend“ abschneiden.

Ruckeln oder streichen: Was die richtige Technik für den perfekten Augenaufschlag betrifft, gehen die Meinungen auseinander.


Foto: imago/Westend61

Schwarzmaler: Bis auf vier sind alle Produkte im Test mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) belastet. Im Artdeco- und im Essence-Produkt wies das Labor erhöhte PAK-Werte nach. Stark erhöhte Mengen Naphthalin steckten im exklusiv für Dm hergestellten P2 High Impact Mascara Waterproof. Naphthalin gilt als krebsverdächtig und darf in Kosmetik nur in „technisch unvermeidbaren Spuren“ enthalten sein. Richtwerte sind gesetzlich nicht festgelegt – was „technisch vermeidbar“ ist, bleibt also Auslegungssache.
Behörden sind hellhörig. Ob es sich bei der im P2-Produkt nachgewiesenen Menge noch um „technisch unvermeidbaren Spuren“ handelt, wollte uns gegenüber keine Behörde konkret bestätigen. Allerdings antwortete uns das Bundesministerium für Gesundheit und Frauen in Österreich, wo die Wimperntusche produziert wird: „Um mehr Klarheit in diese Angelegenheit zu bringen, wird sich die zuständige Behörde in Österreich darum kümmern, mehr Informationen zu bekommen. Zu diesem Zweck wird eine amtliche Kontrolle beim […] Betrieb stattfinden.“ Auch das für Exklusivanbieter Dm verantwortliche Chemische und Veterinär- Untersuchungsamt (CVUA) Karlsruhe kündigte an, dem Hinweis „in Zusammenarbeit mit der zuständigen Behörde“ nachzugehen. Für uns liest sich das, als würde der nachgewiesene Naphthalin- Gehalt auch aus behördlicher Sicht nicht auf die leichte Schulter genommen.
Erdölprodukte wie Paraffine und Silikone stecken in ausnahmslos jedem wasserfesten Mascara. Da sie in Wimperntusche nicht zur Hautpflege eingesetzt werden und bei normaler Anwendung nur auf den Wimpern bleiben, werten wir sie hier nicht ab.
Kaum der Rede wert. Die Nickelbelastung der Produkte, in denen meist Eisenoxide stecken, bewegte sich in einem so niedrigen Bereich, dass wir nicht abwerten. Eine Untersuchung der Universität Kopenhagen mit rund 4.000 Frauen hat zudem gezeigt, dass Nickelallergikerinnen auf Wimperntusche nicht häufiger mit Lidekzemen reagierten als Nicht-Allergikerinnen. Nur in Einzelfällen komme es zu Reaktionen.
Kein Thema mehr: Die potenziell krebserregenden Nitrosamine, die noch vor wenigen Jahren ein großes Problem in Mascaras waren, scheinen kein Thema mehr zu sein. In keinem der getesteten Produkte stecken Substanzen wie Triethanolamin oder Tromethamin. Solche Ausgangsstoffe ließen auf eine Nitrosaminbelastung schließen.

So haben wir getestet

Saubere Sache: Ist das Hygienesiegel intakt, ist der Mascara noch unbenutzt.


Foto: ÖKO-TEST

Der Einkauf

Wasserfest oder Naturkosmetik – beides sind für viele Kunden wichtige Argumente bei der Wahl ihrer Wimperntusche. Die beiden Eigenschaften in einem Produkt zu vereinen, ist allerdings derzeit nicht möglich. Wir haben zehn konventionelle, wasserfeste Mascaras und neun Naturkosmetiktuschen eingekauft. 10 Milliliter der günstigsten Wimperntusche sind für 2,29 Euro zu haben, die gleiche Menge der teuersten kostet mit 23,55 Euro mehr als das Zehnfache.

Die Inhaltsstoffe

Stecken problematische Substanzen wie polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), Formaldehyd/-abspalter, halogenorganische Verbindungen oder Schwermetalle in der schwarzen Paste? Darauf wurden die Mascaras im Labor überprüft. Aber welche Inhaltsstoffe sorgen eigentlich für die besonderen Eigenschaften wasserfester Mascaras – und gibt es in der Naturkosmetik Forschungsansätze, in Zukunft ebenfalls wasserfeste Wimperntuschen auf den Markt zu bringen? Darauf wollten wir von den Herstellern Antworten haben.

Die Weiteren Mängel

Im Labor wurde außerdem getestet, ob die Kunststoffverpackungen der Wimperntuschen möglicherweise mit umweltschädlichen chlorierten Verbindungen belastet sind. Außerdem haben wir uns angesehen, ob Verbraucher anhand eines Hygienesiegels erkennen können, ob die Tusche vor dem Kauf schon einmal geöffnet war. Probiert jemand anders das Produkt womöglich im Laden aus und legt es anschließend zurück, könnten unter Umständen Keime eindringen.

Die Bewertung

Massiven Punktabzug gibt es für stark erhöhte PAK-Werte, da viele Vertreter dieser Gruppe als krebserregend oder krebsverdächtig eingestuft sind. Abwertungen gab es zudem für umstrittene PEG/PEG-Derivate sowie für bedenkliche halogenorganische Verbindungen und Parabene.

Fett gedruckt sind Mängel.
Glossar: Erläuterungen zu den untersuchten Parametern finden Sie auf Seite 156.
Anmerkungen: 1) Weiterer Mangel: Kein Hygienesiegel vorhanden.2) Citral, Citronellol und Farnesol deklariert, aber im Labor nicht nachgewiesen.3) Citral und Geraniol deklariert, aber im Labor nicht nachgewiesen.4) Geraniol deklariert, aber im Labor nicht nachgewiesen.5) Farnesol deklariert, aber im Labor nicht nachgewiesen.
Legende: Produkte mit dem gleichen Gesamturteil sind in alphabetischer Reihenfolge aufgeführt. Unter dem Testergebnis Inhaltsstoffe führt zur Abwertung um vier Noten: ein „stark erhöhter“ Gehalt von mehr als 1.000 μg/kg einer Einzelverbindung von polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) (hier: Naphthalin). Zur Abwertung um jeweils zwei Noten führen: a) ein „erhöhter“ Gehalt von mehr als 100 bis 1.000 μg/kg einer oder mehrerer PAK-Einzelverbindungen, sofern sie sich nicht auf mehr als 1.000 μg/kg aufaddieren; b) halogenorganische Verbindungen (hier: Chlorphenesin und Iodopropynyl Butylcarbamate); c) PEG/PEG-Derivate. Zur Abwertung um jeweils eine Note führen: a) Propylparaben; b) ein Gehalt von mehr als 10 bis 1.000 mg/kg Diethylphthalat. Unter dem Testergebnis Weitere Mängel führt zur Abwertung um eine Note: Kein Hygienesiegel vorhanden. Aus rechtlichen Gründen weisen wir darauf hin, dass wir die (vom Hersteller versprochenen) Wirkungen der Produkte nicht überprüft haben. Das Gesamturteil beruht auf dem Testergebnis Inhaltsstoffe. Ein Testergebnis Weitere Mängel, das „befriedigend“ oder „ausreichend“ ist, verschlechtert das Gesamturteil um eine Note.
Einkauf der Produkte: Mai 2016.
Testmethoden undAnbieterverzeichnis finden Sie unterwww.oekotest.de – Suchen- „M1609“ eingeben.

Tests und deren Ergebnisse sind urheberrechtlich geschützt. Ohne schriftliche Genehmigung des Verlages dürfen keine Nachdrucke, Kopien, Mikrofilme oder Einspielungen in elektronische Medien angefertigt und/oder verbreitet werden.

ÖKO-TEST rät

Naturkosmetik-Mascaras sorgen mit einwandfreien Inhaltsstoffen für den perfekten Augenaufschlag. Wenn Sie eine wasserfeste Wimperntusche suchen, greifen Sie am besten zum „sehr guten“ und günstigen Rival-de-Loop-Produkt.

Theoretisch würde wasserfeste Tusche mehrere Tage halten – sich gar nicht mehr abzuschminken ist dennoch nicht empfehlenswert: Lässt man den getrockneten Mascarafilm ständig auch über Nacht auf den Wimpern, können sie schneller abbrechen.

Wasserfeste Wimperntusche lässt sich schwer entfernen und sollte daher nicht täglich verwendet werden. Denn wer jeden Abend fest reibt, kann die empfindliche Augenpartie reizen.