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TEST Zahncremes für empfi ndliche Zähne : Pasta!


ÖKO-TEST Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 6/2013 vom 31.05.2013

Die meisten Testprodukte können nach Ansicht von Fachleuten einen Versuch wert sein, wenn die Zähne sehr empfi ndlich sind. Schlecht abgeschnitten haben alle untersuchten Naturkosmetikmarken: Darin fehlt das für die Kariesprophylaxe so wichtige Fluorid.


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ÖKO-TEST rät

• Wer empfi ndliche Zähne hat, kann unterstützend zu anderen Maßnahmen eine Zahncreme für empfi ndliche Zähne benutzen.
• Harte Zahnbürsten sind bei empfi ndlichen Zähnen auf keinen Fall zu empfehlen.
• Patienten mit überempfi ndlichen Zähnen sollten nach den Ursachen forschen und gegebenenfalls ihre Ernährung und ...

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• Wer empfi ndliche Zähne hat, kann unterstützend zu anderen Maßnahmen eine Zahncreme für empfi ndliche Zähne benutzen.
• Harte Zahnbürsten sind bei empfi ndlichen Zähnen auf keinen Fall zu empfehlen.
• Patienten mit überempfi ndlichen Zähnen sollten nach den Ursachen forschen und gegebenenfalls ihre Ernährung und die Technik des Zähneputzens umstellen. Wird die Überempfi ndlichkeit nicht behandelt, kann dies zu weiteren Zahnproblemen führen.

Ein leckeres Eis schlecken und dann plötzlich dieses heftige Ziehen im Zahn! So mancher Genuss wird einem gründlich vermiest. Den bohrenden Schmerz haben viele schon einmal verspürt, zum Glück meist nur vorübergehend. Etwa jeder Zehnte verwendet aber täglich eine Zahncreme für empfi ndliche Zähne, ähnlich viele greifen zumindest gelegentlich zu einem solchen Spezialprodukt.

Dass die Zähne so empfi ndlich werden, liegt meist daran, dass die Zahnhälse freiliegen, und dadurch Tausende von feinen Kanälchen im Zahnbein, die sogenannten Dentinkanälchen oder -tubuli. Die Nervenenden haben dadurch direkten Kontakt nach außen und reagieren heftig auf alle möglichen Reize wie kalte Luft sowie heiße, kalte, süße und saure Speisen und Getränke. Das Zahnbein, auch Dentin genannt, liegt frei, weil das Zahnfl eisch zurückgegangen ist. Das passiert häufi g im Alter oder aber durch falsche Zahnpfl ege wie zu starkes Schrubben von Zähnen und Zahnfl eisch. Außerdem kann der Schmelz an den kritischen Übergängen schwinden und oder gar beschädigt werden.

Mit Fluorid gegen Karies

Fluorid ist am Aufbau und Erhalt von Knochen- und Zahnsubstanz beteiligt. Es wird über das Trinkwasser und über Nahrungsmittel aufgenommen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfi ehlt, täglich bis zu 3,8 Milligramm aufzunehmen. In der Regel erreichen wir diese Werte aber trotz fl uoridiertem Speisesalz nicht.

Die Experten sind sich aufgrund vieler Studien einig, dass eine fl uoridhaltige Zahncreme der Kariesbildung vorbeugt. Fluorid beschleunigt die Wiedereinlagerung von Mineralien in den Zahnschmelz, macht ihn säureresistenter und wirkt auch antibakteriell.

Und die teilweise beschworenen Risiken? Fluoride sind Salze von Fluor, einem sehr giftigen Gas. Chemisch sind sie zwar nicht mit dem Gas vergleichbar, doch eine langfristig erhöhte Fluoridaufnahme kann gesundheitsschädlich sein. Deshalb darf eine Zahncreme maximal nur 1.500 Milligramm pro Kilogramm enthalten. Erst beim Verschlucken werden Fluo ride über den Magen und Darm aufgenommen, danach wird ein Großteil wieder ausgeschieden. Die Expertengruppe für Gesundheits- und Umweltrisiken der Europäischen Union (SCHER) geht davon aus, dass keine wesentliche Aufnahme über die Mundschleimhaut stattfi ndet. Und Erwachsene verschlucken nur sehr geringe Mengen.

Lediglich bei kleinen Kindern besteht die Gefahr, dass sie zu viel Fluorid aufnehmen, was vereinzelt zu einer Dentalfl uo rose führen kann mit Verfärbungen auf den Zähnen. Deshalb müssen auf den Verpackungen von fl uoridierten Erwachsenenzahncremes Warnhinweise sein, dass sie für Kinder unter sechs Jahren nicht oder nur in erbsengroßen Mengen geeignet sind. Denn Kinder verschlucken noch Teile der Zahncreme.

Ein langfristig sehr hoher Fluoridüberschuss kann bei Erwachsenen zur sogenannten Skelettfl uorose führen, dabei wird die Knochenstruktur geschwächt. In Europa ist das jedoch nur aufgrund von Industrieunfällen bekannt. Das wissenschaftliche Komitee der EU empfahl 2011 aufgrund der Studienlage, Fluorid als nicht krebserregend einzustufen. Zudem konnten keine eindeutigen Zusammenhänge zwischen Fluorid und schwerwiegenden gesundheitlichen Risiken nachgewiesen werden.

Dennoch nehmen einige wenige Fluoridgegner die Risiken bei Überdosierungen zum Anlass, grundsätzlich gegen die Verbindung in Zahncremes und anderen Anwendungen zu wettern und mögliche, oft unbewiesene Auswirkungen im Körper anzuprangern. Teilweise handelt es sich dabei um dubiose Quellen, die mit fragwürdigen Theorien Verbraucher verunsichern.

ÖKO-TEST empfi ehlt fl uoridhaltige Zahncremes: Um aber sicher unter der tolerierbaren Zufuhr von insgesamt sieben Milligramm pro Tag (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA 2005) zu bleiben, sollten Verbraucher nicht noch ergänzend zu fl uoridierten Zahncremes und Speisesalz weitere Fluoridpräparate unkontrolliert einnehmen.

Damit der Schaden nicht noch schlimmer und irgendwann sogar die Wurzel angegriffen wird, sollte man etwas dagegen tun. Mit sensitiven Zahncremes soll zumindest dem Schmerz der Garaus gemacht werden. Die Hersteller setzen verschiedene Stoffe ein, um die Reizleitung zu unter binden, die Nerven also gewissermaßen zu betäuben, oder um die feinen Kanälchen zu verschließen.

Um Karies vorzubeugen, ist es unerlässlich, dass Zahncremes mit Fluoriden angereichert werden. Gleichzeitig können die eingesetzten Fluoride auch ein bisschen desensibilisieren. Natriumfluorid, das in den meisten Zahncremes verwendet wird, lagert sich auf der Zahnober fläche ab und kann dabei auch den Durchmesser der Dentinkanälchen verringern. Etwas effektiver scheint nach Exper tenmeinung jedoch Aminfluorid zu sein, weil es eine stabilere Schutzschicht aufbauen und die Tubuli verschließen kann. Oft setzen die Hersteller ergänzend zu den Fluoriden verschiedene Kalium salze ein, die ebenfalls desensibilisieren sollen, indem sie die Weiterleitung des Schmerzes hemmen – das funktioniert aber bestenfalls erst nach einigen Wochen Anwendung. Strontiumsalz kann dagegen zur Bildung einer Mineralschicht beitragen und die Dentinkanälchen verschließen.

Zähne und Zahnschmelz bestehen im Wesentlichen aus Hydroxylapatit, einem Calciumphosphatsalz. Einige Hersteller setzen genau diese Verbindung in sensitiver Zahnpasta ein, um den Zahnschmelz zu reparieren.

ÖKO-TEST hat 20 Zahncremes für empfindliche Zähne geprüft. Uns interessierte, welche Wirkstoffe sie enthalten und wie sie sich von normalen Pasten unterscheiden. Wir fragten Experten um Ihre Meinung. Auch die übrigen Inhaltsstoffe standen auf dem Prüfstand.

So haben wir getestet

Der Einkauf

20 Zahncremes, als sensitiv beziehungsweise für empfindliche Zähne ausgelobt: darunter große Marken, aber auch preisgünstige Eigenmarken der Drogerie-, Super- und Discountmärkte sowie drei zertifizierte Naturkosmetikzahncremes.

Die Inhaltsstoffe

Was zeichnet eine sensitive Zahncreme aus? Wir prüften die Inhaltsstoffe und befragten die Hersteller: In den meisten Fällen bauen sie auf einen speziellen Wirkstoff und oft betonen sie auch die schonende Rezeptur mit geringem Abrieb. ÖKO-TEST bat Zahnexperten um ihre Meinung, ob die Wirkung ausreichend belegt ist. In erster Linie aber muss jede Zahncreme – egal ob sensitiv oder nicht – Karies vorbeugen. Es gilt als nachgewiesen, dass sich durch Fluorid in Zahncremes der Kariesbefall in den vergangenen Jahrzehnten verbessert hat.

Der Schnitt durch einen Zahn zeigt die empfindlichen Stellen.


Foto: iStockphoto/©Thinkstock

Die Bewertung

ÖKO-TEST schließt sich der Meinung der Experten an, dass eine Zahncreme für Erwachsene mindestens 1.000 Milligramm pro Kilogramm Fluorid enthalten sollte. Wenn Fluorid ganz fehlt, sehen wir das ebenso kritisch wie den Einsatz des antibakteriellen Wirkstoffs Triclosan, der dazu führen kann, dass immer mehr Bakterienstämme resistent gegenüber Antibiotika werden. Das allein führt schon zu einem „mangelhaften“ Testergebnis. Die maßgeblichen Inhaltsstoffe für empfindliche Zähne können nach Experteneinschätzung wirken. Da die Studienlage dazu jedoch relativ dünn und nicht einheitlich ist, vergeben wir einen Minuspunkt. Wenn solche Wirkstoffe jedoch ganz fehlen und die Zahncreme sich fast nicht von einer normalen Zahnpasta unterscheidet, werten wir das stärker ab.

Experte

Fluorid zur Kariesprophylaxe

„Der mit Abstand wichtigste Inhaltsstoff einer Zahnpasta ist das Fluorid. Man kann davon ausgehen, dass die Karieshemmung bei einer Zahncreme mit gut wirksamem Fluorid bei zweimal täglicher Anwendung bei 40 Prozent liegt. Mit der Plaqueentfernung allein erreicht man weniger, weil es vielen Menschen nicht gelingt, ihre Zähne wirklich perfekt sauber zu putzen. Selbst wenn man die Zahnpasta regelmäßig vollständig verschluckt, ist das nicht annähernd gefährlich.“

Professor Dr. Stefan Zimmer , Leiter des Departments für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Universität Witten/Herdecke.


Das Testergebnis

Einen Versuch wert. Gut die Hälfte der Zahncremes schneidet mit „gut“ ab. Möglicherweise können sie die Schmerzempfindlichkeit der Zähne verbessern, verlassen kann man sich allerdings nicht darauf. Die übrigen Pasten sind mit Schadstoffen belastet oder kommen ihrer wichtigsten Aufgabe nicht nach, dem Kariesschutz.
Fluoridfreie Naturkosmetik schützt nicht vor Karies. Leider fallen die drei zertifizierten Naturkosmetikprodukte der Marken Dr. Hauschka, Lavera und Logodent durch, denn sie enthalten kein Fluorid. Von Laverana gibt es aber durchaus auch zertifizierte Zahncremes mit Fluorid: Für jeden Geschmack etwas, so der Anbieter. Logona und Wala (Dr. Hauschka) verzichten dagegen konsequent auf Fluorid.
Sie können helfen, aber nicht verlässlich. Die meisten Zahncremes enthalten mindestens einen Inhaltsstoff, der maßgeblich bei empfindlichen Zähnen helfen soll, entweder indem die Reizleitungen unterbrochen oder die Dentinkanälchen verschlossen werden: Kalium nitrat, Kaliumcitrat, Kaliumchlorid, Strontiumacetat, Hydroxylapatit. Insgesamt ist aber die Studienlage zu allen Wirkstoffen für empfindliche Zähne sehr dünn und nicht einheitlich; es gibt sowohl positive wie auch negative Ergebnisse. Allein die Fluoride können sich aber schon leicht positiv auswirken, vor allem das Aminfluorid kann eine gewisse Schutzschicht aufbauen. Bei den Zahncremes von Dr. Hauschka, Lavera und Colgate haben die von uns befragten Zahnexperten Zweifel, dass sie besser als eine normale Zahncreme für empfindliche Zähne geeignet sind. Denn allein schonende Putzteilchen haben noch keine besondere Wirkung.

Colgate enthält Triclosan. Dieser bedenkliche antibakterielle Stoff steht im Verdacht, die Bakterien resistent gegen über Antibiotika zu machen und hat nach unserer Meinung in einer Zahncreme nichts zu suchen. Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist „der Auffassung, dass der Einsatz von Triclosan auf das unbedingt notwen dige Maß beschränkt werden sollte“. Der Wissenschaftliche Ausschuss für Verbrauchersicherheit der Europäischen Union (SCCS) empfi ehlt einen vorsichtigen Umgang mit der Substanz. Triclosan reizt die Haut und kann die Leberfunktion beeinträchtigen – was von Triclo sanherstellern bestritten wird. Außerdem kann es durch die Produktion möglicherweise mit Dioxin verunreinigt sein und es gefährdet Umwelt und Wasser. Die Alternative: Ätherische Öle können Zahnfl eischentzündungen gut eindämmen.
Aggressive Schäumungsmittel. In vier Produkten steckt Natriumlaurylsulfat, ein aggressives Tensid und Schäumungsmittel, das die Schleimhäute reizen kann. In weiteren Zahnpasten wurden PEG/PEG-Derivate eingesetzt, welche die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen.
Schreckgespenst Fluoridallergie. Das Lavera Neu tral Zahngel wird speziell bei Fluoridallergien beworben. Wissenschaftlich ist eine solche Allergie aber nicht bekannt. Nach Auskunft des ÖKOTEST- Beraters und Allergologen Professor Axel Schnuch wurde extrem selten über Unver träglichkeiten berichtet, sodass man an deren Existenz zweifeln kann.

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i Wie vorsichtig man Abrieb von Zahncremes sein muss und was vom zugehörigen RDA-Wert zu halten ist, fi nden Abonnenten kostenlos unterhttp://abo.oekotest.de. Und dazu noch Infor matio nen zum richtigen Zähne putzen.