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TESTPLATTENSPIELER: Zurück in Bestform


Stereo - epaper ⋅ Ausgabe 2/2020 vom 03.01.2020

Der TD1601 sieht aus wie früher, bettet die Schallplatte klassisch auf ein gefedertes Subchassis – und kann den Hörer auf Wolke 7 beamen. STEREO testet den ersten Dreher einer neuen Thorens-Generation.


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Bildquelle: Stereo, Ausgabe 2/2020

Mit altbewährten Konzepten könne man nicht mehr viel werden in unserer auf den Hype fixierten Welt, sagen die Marketing-Auguren. Heute müsse alles neu, smart und auf jeden Fall irgendwie anders sein. Deren Argumente kennt auch Gunter Kürten. Doch der Branchen-Insider, der hochrangige Posten bekleidete und vor knapp zwei Jahren die Traditionsmarke Thorens übernahm, setzt mit dem TD1601 bewusst auf das ...

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... zeitlose Erfolgsprogramm des durch alle Untiefen seiner wechselvollen Geschichte hindurch renommierten Herstellers, der einstmals wie kaum ein Zweiter für den „bezahlbaren audiophilen Plattenspieler“ stand.

Das war bereits in den Siebzigern so, und einer der äußerlich durch seine Schlichtheit bestechenden Thorens-Stars mit großem musikalischen Herz war der TD160. An diesen Urahnen lehnen sich der manuell zu bedienende TD1600 respektive der mit einer aufwendig gemachten Endabschaltung ausgestattete Halbautomat TD1601 schon namentlich an. Und wer sich nur ein bisschen bei Thorens auskennt – welcher HiFi-Fan tut das nicht? – bemerkt sofort die Ähnlichkeit bis hin zur authentisch wirkenden Tellermatte. Und zwar mit Freude statt Überdruss.

Dies war jedenfalls stets zu beobachten, wenn Prototypen des neuen Drehers ausgestellt waren wie unlängst beim Krefelder „Analog Forum“. Dort ernteten sie anerkennende Blicke, manch einer strich sogar sanft über den makellosen Glanzlack der schwarzen beziehungsweise Nussbaumzarge. Allgemeiner Tenor: Endlich wieder ein richtiger Thorens! Tatsächlich war die Marke davor durch eine unstete Modellpolitik aufgefallen, bei der Masse- und Subchassislaufwerke jeglicher Art willkürlich zusammengewürfelt schienen. Qualitativ waren diese okay, im Auftritt jedoch recht beliebig. Nun ist es also der TD1601, der dort anknüpfen soll, wo der Faden einst verlorenging und der die „Thorens-DNA“ auf gewohnte, aber doch eigenständige Art umsetzt: Neben seiner geradlinigen, damals stilbildenden Optik der Zarge sind dies der Riemenantrieb sowie das sich auf drei Kegelfedern stützende Subchassis, das Plattenteller und Tonarm gegenüber dem Gehäuse sowie der Stellfläche entkoppelt. So funktioniert das auch beim TD1601, wobei hier die Schrauben zum Ausnivellieren der Höhe des innen liegenden MDF-Trägers von unten zugänglich sind.

Deshalb kann der gut zwei Kilogramm schwere Plattenteller während eventueller Einstellarbeiten auf dem Dreher bleiben, wodurch die lästige Teller-runter-nachstellen- Teller-rauf-prüfen-Prozedur früherer, von oben einstellbarer Thorens-Typen entfällt.

Anders als ehedem lässt sich der Subteller nicht einfach aus dem Lager ziehen, was unsachgemäße Handhabung und Beschädigungen an der auf einer Kugel stehenden Stahlachse oder dem ab Werk exakt wie beständig abgeschmierten Bronzelager mit „Delrin“-Scheibe im Boden verhindern soll.

Der dünne Stahldraht, der in gegenüberliegender Richtung des Motors das Verrücken des Subchassis in dessen Richtung verhindert, wird durch Schaumstoff am Schwingen gehindert.


STICHWORT Delrin…

…gehört zu den thermoplastischen Kunststoffen und zeichnet sich durch hohe Steifigkeit und Dimensionsstabilität bei niedrigen Reibwerten aus.

TEST-GERÄTE

Plattenspieler: Clearaudio Ovation/Talismann, Perpetuum Ebner PE4040 MKII/Ortofon Quintet Black, Rega Planar 8/Apheta2, Transrotor Rondino nero/Figaro

Tonabnehmer: Audio-Technica AT33EV/ AT-ART9, Ortofon Quintet BlackS

Phono-Vorstufen: Brinkmann Edison, Clearaudio Balance V2

Phono-Kabel: HMS Gran Finale Jubilee (sym.), Silent Wire NF5

Von A bis Z durchkonstruiert

Das aufwendige Netzteil des TD1601 (u.) besitzt einen Ringkerntrafo und speist den Synchronmotor über eine potente Leistungsstufe. Zum Lieferumfang gehört eine leicht dunkel getönte Haube (r.).


Wie eh und je schlingt sich ein Flachriemen um den Innenteller, den ein Synchronmotor in Schwung hält. Dieser ist im Gehäuse des Plattenspielers auf einem bedämpften Zylinder fixiert, sodass keine feste Verbindung, ergo also auch keine Resonanzbrücke zu Teller und Arm besteht.

Das gefürchtete taumelnde „Schwabbeln“ des Subchassis früherer Thorens-Dreher etwa durch den Zug beim Anlaufen des Motors unterbindet auf ebenso raffinierte wie simple Weise ein mit der Bodenplatte verankertes und zwecks Beruhigung durch Schaumstoff geführtes sowie definiert sacht vorgespanntes Drahtseil, das den präzisen kolbenförmigen Hub des Subchassis unterstützt und dessen Bewegung zum Motor hin verhindert. Das Seil lässt sich übrigens bei Bedarf vom Service nachspannen. Obendrein wurden auch die Kegelfedern mit dämpfendem Schaum ausgefüllt, was Schwingungen des Subchassis rasch abklingen lässt.

Für die zusätzliche Stabilität, weil Versteifung der ausgeklügelten Konstruktion, sorgt eine Aluminiumplatte zwischen Teller- und Armlager, die einer Relativbewegung dieser Teile zueinander, die Informationsverluste zur Folge hätte, massiv entgegensteht. Nach oben hin deckt das komplexe Innenleben ein resonanzarmes Aluminium-Sandwich ab, das aus zwei Aluplatten plus einem Kunststoffwabenkern dazwischen besteht.

Als Tonarm fungiert Thorens’ auf vielen Modellen bewährter TP92 mit charakteristischem Resonanzring auf dem zusätzlich intern bedämpften Alurohr. In der endgültigen Version bekommt dieser ein skaliertes Gegengewicht, das den sonst notwendigen Einsatz einer Tonarmwaage erübrigen soll.

Wie erwähnt kann der TP92 entweder per manuellem Lift an der Armbasis auf herkömmliche Weise von Hand bedient werden, oder aber dies erledigt ein leise sirrender, motorisch betriebener und sogar patentierter Liftmechanismus, der an eine Abschaltvorrichtung gekoppelt ist, die am Ende der Scheibe den Tonarm aus der Auslaufrille hebt und den Motor stoppt. Der Aufpreis für diesen Komfort beträgt satte 500 Euro, die den ansonsten vollkommen identischen TD1600 vom TD1601 trennen.

Der von einem engagierten Hersteller in Taiwan picobello gefertigte Dreher wird ohne Tonabnehmer geliefert. Gunter Kürten hatte zum ersten Probieren Audio-Technicas AT33EV justiert, zeigte uns aber schon den Prototypen eines eigenen Thorens-MCs, das in der zweiten Jahreshälfte für voraussichtlich 1200 Euro verfügbar sein soll und von einem japanischen Spezialisten unter Verwendung eines Bor-Nadelträgers plus Diamant mit elaboriertem „SLC“-Schliff gebaut wird. Äh, Moment mal, das entspräche dann ja wohl so ziemlich dem Audio-Technica AT-ART9 für 1050 Euro, das seit seinem Test in STEREO 10/18 bei uns ist u

Der Aufbau des Thorens im Detail: Auf die Bodenplatte 1 sind drei von unten vorspannbare Kegelfedern 2 montiert, auf denen das aus MDF gefertigte Subchassis 3 liegt, das wiederum den Subteller 4 wie die Tonarmbasis 5 trägt. Der Synchronmotor 6 sitzt auf der Basisplatte, die auf drei in der Höhe verstellbaren Füßen 7 ruht; ebenso wie der Stift 8 für den Draht, der den Motorzug aufs Subchassis abfängt.

THORENS-MC

Ein erstes Foto durften wir machen. Mehr war mit dem Prototypen von Thorens’ just angekündigtem eigenen MC-Abtaster TAS1600 im rot eloxierten Metallgehäuse noch nicht drin. Immerhin war zu erfahren, dass dieser einen leichten, harten Bor-Nadelträger mit „Super Line Contact“- Diamant (SLC) erhält, von einem japanischen Spezialisten gefertigt, dabei speziell auf den TP92 abgestimmt werden sowie ungefähr 1200 Euro kosten soll.

HighEnd-Flair verströmt

Und trafen damit voll ins Schwarze! Denn die so feine wie spielfreudige Gang art und das erlesene Aufl ösungsvermögen des ART9 passten wunderbar zu Laufwerk und Tonarm. Gleich der erste Titel, den wir über das Gespann hörten, Lyn Stanleys superb eingespieltes „Blue Moon“, verschlug uns glatt die Sprache. Die perfekt gelöste, ja, geradezu tiefenentspannte, jedoch hervorragend organisierte Wiedergabe füllte den Raum zwischen den Lautsprechern und um diese herum, sie hatte Charme sowie genau das seidig-sonore Timbre, das Miss Stanley und ihre Begleiter während ihres Direktschnitts im Sinn hatten.

Hier kündigte sich an, was wir in der Folge mit all unseren Scheiben zu hören bekamen: eine unerwartet ausgeprägte, unverstellte Natürlichkeit ohne artifizielle Artefakte, die einen sonst daran erinnern, dass hier trotz aller Perfektion ein HiFi-Gerät spielt. Sowohl hinsichtlich der Klangfarben wie auch anderer audiophiler Prämissen machte das Duo TD1601/ART9 dies schier vergessen, wozu auch die Größe des Spektrums sowie dessen selbstverständliche Ausbreitung in jede Richtung beitrugen. Das verströmte echtes HighEnd-Flair!

Denn auch der mitreißende Opener von Diana Kralls Paris-Konzert – ein Hörtest-Evergreen – sprühte vor Lebendigkeit und Details, vermittelte einen Eindruck seiner Rasanz, ohne dass der Dreher auch nur im Ansatz nervös oder gar gehetzt gewirkt hätte. Im Gegenteil bestach er mit einem locker fließenden und dennoch exakt gesetzten Timing und steuerte stets mit gelassener Präzision die rhythmischen Umlenkpunkte an, woran gewiss das hochwertige, potente externe Netzteil einen gehörigen Anteil hat.

Das alles erledigte der Thorens mit der souveränen Attitüde des Könners. Was wir auch auflegten: Der TD1601 begeisterte, wobei er Basslinien nicht aus Granit meißelte, sondern die unteren Lagen zwar konturiert und etwa in James Taylors knackigem „Her Town Too“ mit trockener Prägnanz, aber auch luftig-duftig zeichnete, was den ausgeprägten Anflug schwebender Leichtigkeit in seiner Performance stimmig abrundete – und uns Hörer auf Wolke 7 schoss. Tatsächlich gibt’s dieses Ergebnis mit dem TD1600 plus ART9 bereits für 3550 Euro und dürfte zu diesem Preis einmalig sein.

@@Dieser Anblick ist vielen HiFi-Fans bekannt: Der vom Riemen umschlungene Subteller, der wie sämtliche Teile des TD1601 vom taiwanesischen Hersteller erstklassig gefertigt und präzise verbaut wurde.


SEIN TRAUM WURDE WAHR

Der neue Thorens-Inhaber Gunter Kürten bekleidete bereits einige Funktionen innerhalb der Branche, zuletzt als Geschäftsführer von Denon/ Marantz und ELAC. Längst schon hegte er den Traum, eine eigene Marke zu führen, den er sich nun mit Thorens erfüllte.

Bleibt die Frage, ob sich diese entwickelte und dabei vollkommen unprätentiöse Musikalität auch mit günstigeren Tonabnehmern einstellt. Ja und nein! Im Zusammenspiel mit Ortofons Quintet Black S für 830 Euro änderte sich der grundsätzliche Charakter, geriet das Ergebnis hörbar fülliger, grundtonorientierter und substanzieller, blieb zwar offen und relaxt, büßte jedoch einiges von der eben noch gültigen audiophilen Brisanz und Grandezza ein, die der TD1601 übrigens in mehr als nur Ansätzen bereits mit Audio-Technicas AT33EV ausformte, das knapp 430 Euro kostet.

Per Charme-Offensive punkten

Wer es betont „analog“ mag, fi ndet wohl mit den allermeisten gängigen Abtastern im neuen Thorens sein Traumgerät. Dieser selbst bevorzugt Pick-ups aus der grazilen, feingliedrigen Fraktion und wächst mit diesen über sich hinaus.

Und dies so sehr, dass wir am TD1601 sogar Transrotors Figaro für 2500 Euro justierten und ihn neben dem identisch bestückten, riesigen Rondino nero laufen ließen. Dabei schlossen wir beide Dreher symmetrisch an, was beim MC-Betrieb klare Vorteile bietet. Das vielfach teurere Masselaufwerk zeigte dem Subchassis-Newcomer zwar wie erwartet mit griffi gerem Bass, gesteigerter Dynamik und strukturierterer Abbildung seine Grenzen auf, doch der Thorens errang in dem ungleichen Stechen nicht nur aufgrund seines Charmes einen Achtungserfolg. Am Ende erwies sich die Verbindung mit dem ART9 einmal mehr als perfekte Ehe. Wir sind gespannt, ob das TAS1600 deren Harmonie künftig noch wird toppen können.

Somit knüpft der TD1601 mühelos an die große Thorens-Epoche mit ihren Vorbildern an und transformiert diese in die Moderne. Glückwunsch an Gunter Kürten wie sein Entwickler-Team. Dieses bringt den legendären Thorens-Spirit in Bestform zurück.

Als Besonderheit bietet Thorens neben den üblichen Cinch-Buchsen für den Betrieb mit MCAbtastern auch symmetrische XLR-Anschlüsse.


MOTOR-LIFT

Auf Knopfdruck hebt und senkt der patentierte Lift mit Minimotor den Arm, was ein grünes oder rotes Licht rund um den Schalter anzeigt. Die Halbautomatik kostet 500 Euro.

STELL-WERK

Auf der Rückseite bietet der Thorens zwei kleine, per Schraubendreher justierbare Mini-Potis zur Feinregulierung der beiden Geschwindigkeiten, die sich einfach per Stroboskop-Schablone überprüfen lassen.

Thorens TD 1601

Preis: um 3000 € (in Nussbaum oder Schwarz ohne Tonabnehmer, jeweils hochglanzlackiert. Ohne elektronischen Lift und Endabschaltung auch als TD 1600 für knapp 2500 € erhältlich)
Maße: 46 x 16 x 37 cm (BxHxT)
Garantie: 2 Jahre
Kontakt: Thorens
Tel.: +49 22048677720 www.thorens.com

Der erste „echte“ Thorens der neuen Ära ist ein Volltreffer, indem es gelang, die typischen Merkmale der legendären Vorbilder in modernerer Form zu bewahren und so zu neuer Blüte zu treiben. Und dies bei blitzsauberer Verarbeitung wie zu einem erstaunlich günstigen Preis, der den TD1600/1601 in Verbindung mit einem exakt passenden Tonabnehmer zu einem der stärksten Angebote seiner Klasse macht. Die Klangeinstufung gilt in Kombination mit Audio-Technicas bestens passendem AT-ART9.

Messergebnisse

Labor-Kommentar

Netzphase am Testgerät

Dank Feinregulierung exakt eingehaltene Drehzahlen, speziell mit Messkoppler sehr geringes Rumpeln, das Subchassis dämpft effektiv Erschütterungen des Untergrunds.

Ausstattung

Je ein Paar symmetrische XLR- und unsymmetrische Cinch-Ausgänge, externes Netzteil, Drehzahlfeinregulierung separat für beide Geschwindigkeiten, Staubschutzhaube, deutsche Bedienungsanleitung