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THE AMERICAN WAY OF DRIVE


Auto Bild allrad - epaper ⋅ Ausgabe 10/2021 vom 02.09.2021

FASZINATION

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Zusammen sind sie rund 14 Meter lang, das Gesamtgewicht beträgt bis zu 6,4 Tonnen

KOMM, LASS UNS den großen Treck nach Westen wagen“, sage ich eines Morgens. Das Cowgirl guckt, als würde ich mit ihm nicht auf Reisen, sondern auf den Kriegspfad gehen wollen. Aber ich habe ja Argumente: „Nicht im Planwagen, in der Neuauflage“, sage ich. „Keine vier Pferde, keine 40, sondern über 400! Und mit Klimaanlage und beheiztem Handtuchhalter! Der amerikanische Way of Drive!“

Das Girl guckt zufrieden, wir packen Boots und Bohnen in Tomatensoße ein, der 5,7-Liter-V8 erwacht. „Mut ist, wenn man Todesangst hat, aber sich trotzdem in den Sattel schwingt“, sage ich. „Von dir?“, fragt das Cowgirl. „Fast. Von John Wayne“, sage ich.

Der Ram 1500 Laramie Sport mit seinen stattlichen 401 Pferden setzt sich mühelos in Bewegung. Hinten am Haken: ein Airstream- Wohnwagen, das Topmodell 684. Zusammen über 14 Meter lang.

„Zwei Tage unterwegs mit zwei Ikonen“, sagt mein Cowgirl. „Also ich zähle ...

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... drei“, säusele ich, und mein Cowgirl fragt, ob wir Friedenspfeife rauchen wollen.

Vor 90 Jahren wurde die Alu- Ikone von einem gewissen Wally Byam (1896–1962) erfunden. Und, großes Indianer-Ehrenwort, 70 Prozent aller jemals gebauten Airstream existieren bis heute. Auch der Mythos hat überlebt.

Wo auch immer wir mit der Silberbüchse vorfahren, heißt es: Schau, schau! Schoschonen würde der Ausflug unseren Geldbeutel nicht, müssten wir bezahlen.

AIRSTREAM 684

Schlafplätze 2+2 Sitzplätze 6 Maße Doppelbett 1425 x 1845 (wahlweise 1945) mm Umbau Sitzgruppe 2006 x 1370 mm Frischwasser 45 Liter Abwasser 45 Liter (mobile Entleerung) Toilette Thetford C260 Keramik Kühlschrank Dometic 190 Liter Wandisolation 60 mm Knauff Ecobatt Oberfläche Aluminium mit Klarlack beschichtet Chassis AL-KO 2x 1500 kg Stützlast 90-150 kg Kupplungshöhe 463 mm Bereifung 165/75 R14C L/B/H 8250/2486/2650 (ohne Klimaanlage) mm max. Stehhöhe 1990 mm Leergewicht/Zuladung 2250/670 kg Preis ab 106 350 Euro inkl. Überführung und TÜV

RAM 1500 5.7

Motor V8-Benziner, vorn längs Hubraum 5654 cm 3 • Leistung bei 1/min 295 kW (401 PS) bei 5600/min • Drehmoment bei 1/min 556 Nm bei 3950/min • Abgasnorm Euro 6 • Radaufhängung vorn Einzelrad, hinten Starrachse • Reifengröße 275/55 R 20 • Getriebe Achtstufen-Wandlerautomatik + Geländeuntersetzung • Allrad/Kraftverteilung v:h semipermanent über Kupplung/0:100–50:50 • L/B/H 5916/ 2084/1971 mm • Radstand/ Wendekreis 3569 mm/14,1 m Bodenfreiheit 220 mm • Leergewicht/Zuladung 2905/595 kg Anhängelast gebr./ungebr. 3500/750 kg • 0–100 km/h 7,8 s Spitze 162 km/h (abgeregelt) Normverbrauch • Tankgröße 14,9 l S/100 km • 95 lS + 122 l Flüssiggas • Norm-CO 2 -Ausstoß 352 g/km • Preis 62 380 Euro

„Ein Haus dürfte sich leichter rangieren lassen als dieses Gespann.“

Holger Karkheck, Redakteur

Die Verkäufer sind vom Stamme Nimm: Der Airstream kostet in dieser Ausstattung 132 620 Euro (inkl. 7300 Euro Fracht USA to Germany). Für die Pferde-Herde kassiert der Münchner Importeur AEC 62 380 Euro (danke fürs Leihen!). Macht exakt: 195 000 Euro, plus 2 Dollar für meinen gebrauchten Cowboyhut aus Montana. Kaufen sich andere ein Haus für.

Allerdings dürfte sich ein Haus etwas leichter rangieren lassen. Für dieses 6,4-Tonnen-Trumm reicht kein normaler Führerschein B. Und für die deutsche Prärie ist es eher auch nicht gemacht.

Die Deutschland-Vertretung von Airstream sitzt ausgerechnet im Westerwald – wo sich enge Straßen durch die Berge schlängeln. Da kommt man schneller ins Schwitzen als im Death Valley. Also suchen mein Cowgirl und ich besser einen Platz für die Nacht.

Zum Glück haben die Airstream-Leute einen eigenen Campingplatz nicht weit vom Showroom entfernt. Wir parken am Wasser, koppeln ab. Der Platzwart kennt das: „Wer einen Airstream kauft, kann sich hier erst mal an ihn gewöhnen“, sagt er.

Okay, Tür auf, Fußtritt raus, Schuhe des Manitu aus – und hinein ins Vergnügen. Die dicke Ledercouch ist bequem (ob das Büffel ist?). Die Küche verfügt über Herd, Backofen und einen üppigen 190-Liter-Kühlschrank. „Fehlt nur der Eiswürfel-Zubereiter für Jack und Coke“, sage ich.

Selbst kochen? Das Cowgirl schüttelt den Skalp. Na gut, geben wir den 401 Pferden abends noch einmal die Sporen und galoppieren zum Essen ins Nachbardorf. Der Ram-Bock schiebt sich durch die engen Gassen. Da übt gerade die freiwillige Feuerwehr – und guckt beeindruckt auf den mannshohen Pick-up. Vielleicht, weil sie selbst gern so einen hätte? Oder weil er in „Flame Red“ lackiert ist?

Zurück im sicheren Camp. Nachts wird es kühl. Draußen prasselt der Regen aufs Alu-Dach, und ich stelle mir vor, dass die Zentralheizung in Wahrheit ein loderndes Lagerfeuer ist. Zeit, im Airstream-Reklameheft zu blättern. „Das Abenteuer ist überall, wo du es suchst – außer zu Hause in deinem Schaukelstuhl“, sage ich. „So kenn ich dich ja gar nicht“, sagt das Cowgirl. „Ist auch nicht von mir, ist von Wally Byam, dem Airstream-Gründer“, sage ich.

1929 kauft der Mann aus Oregon das Fahrgestell eines Ford Model T. Auf die Plattform stellt er ein Zelt – und fertig ist der erste Wohnwagen. „War seiner Frau aber zu unbequem“, sage ich. „Kann ich mir vorstellen“, sagt das Cowgirl.

Also baut Byam eine Behausung aus Sperrholz und Leinwand, mit kerosinbetriebenem Ofen, immerhin. Und mit Kühlschrank!

Bald danach entsteht der erste Wohnwagen aus Aluminiumrohr, beplankt mit genieteten Alu-Platten. Vorbild sind die damals berühmten PanAm-Flugzeuge. Zur Ikone wird Airstream 1936 mit dem Modell Clipper. Der hat bereits elektrisches Licht an Bord und sogar eine Klimaanlage – betrieben mit Trockeneis! „Gute Nacht, Cow- Boy“, sagt das Cowgirl.“ – „Gute Nacht, Ma“, sage ich. Am nächsten Morgen trinken wir Kaffee im Freien. Der Pick-up hat dafür extra Getränkehalter auf der Ladeklappe. An was die Amis alles denken!

„Komm, es ist Zeit, in die aufgehende Sonne zu reiten“, sage ich. „Es regnet aber doch“, sagt das Cowgirl. „Hast du jemals gesehen, dass ein Westernheld am Ende ins schlechte Wetter hineinreitet?“, frage ich. Und hole die Pferde von der Weide. „Das geht ja easy“, sage ich und kaue auf einem Grashalm. „Ja, aber nur, weil es in Western immer Stuntleute für die gefährlichen Szenen gibt“, sagt das Cowgirl. „Aber so was verrät man doch nicht“, sage ich. Danke fürs Fahren, Unknown Stuntman …

Holger Karkheck