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THE BOSS


Off Road - epaper ⋅ Ausgabe 1/2019 vom 11.12.2018

Das Angebot an neuen Geländewagen wird immer dünner. Wer hier seinen Traum vom Wunsch-Offroader nicht mehr verwirklichen kann, hat immer noch die Möglichkeit, auf klassische Alternativen auszuweichen – wie den Jeep Commander.


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Bildquelle: Off Road, Ausgabe 1/2019

Mit dem Commander bringt Jeep anno 2005 frischen Wind ins Modellprogramm und stellt seiner Ikone Wrangler nach langer Zeit mal wieder einen kantigen Offroader zur Seite – Cherokee KJ und Grand Cherokee WJ sind zu jener Zeit längst rundgelutschte Windeier. Ganz anders der Commander: Groß, aufrecht und eckig präsentiert er sich im authentischen Jeep-Look. Denn bei der Entwicklung der ...

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Mit dem Commander bringt Jeep anno 2005 frischen Wind ins Modellprogramm und stellt seiner Ikone Wrangler nach langer Zeit mal wieder einen kantigen Offroader zur Seite – Cherokee KJ und Grand Cherokee WJ sind zu jener Zeit längst rundgelutschte Windeier. Ganz anders der Commander: Groß, aufrecht und eckig präsentiert er sich im authentischen Jeep-Look. Denn bei der Entwicklung der neuen, siebensitzigen Baureihe haben sich die Designer von ihren historischen Mo-dellen inspirieren lassen: Der von 1946 bis 1962 gebaute Willys Station Wagon soll ebenso für den Commander Pate gestanden haben, wie der Wagoneer (1963 bis 1991) und der Cherokee XJ, der 2001 vom neuen Modell mit den runden Formen abgelöst wurde.

TECHNISCH EIN GRAND CHEROKEE

Die Technik entleiht sich das neue Topmodell von Jeep in wesentlichen Teilen vom Grand Cherokee: Die beiden Markenbrüder teilen sich Allradantrieb, Motor, Fahrwerk, Lenkung und sogar den unteren Teil des Armaturenbretts. Aber der Commander ist mit 4,79 Metern um vier Zentimeter länger, in Verbindung mit der senkrecht stehenden Heckklappe reicht der Raumgewinn zum Einbau einer serienmäßigen dritten Sitzreihe, was ihn zum Siebensitzer macht. Dabei geht es auf den beiden hintersten Plätzen naturgemäß eng her, schließlich sind durch die niedrige Sitzanordnung die Beine stark angewinkelt. Dafür erleichtert die im Verhältnis 40:20:40 dreigeteilte mittlere Sitzbank den Einstieg nach ganz hinten: Die beiden äußeren Hälften lassen sich ganz einfach nach vorne klappen.

MOTOREN MIT REICHLICH DREHMOMENT

Während alle für den nordamerikanischen Markt produzierten Commander in Detroit von den Montagebändern laufen, werden die für Europa bestimmten Modelle ab 2006 in Graz bei Magna Steyr gebaut, wo bereits die Montage des Genspenders Grand Cherokee erfolgt. Die meisten der 2800 bis zum Produktionsende 2010 bei uns verkauften Commander haben den drei Liter großen V6-Zylin-der-Common-Rail-Turbodiesel aus dem Daimler-Chrysler-Konzernregal unter der Haube. Deutlich mehr US-Car-Feeling verströmen natürlich die beiden V8-Benziner.

Schon der 4,7-Liter mobilisiert 231 PS/170 kW Höchstleistung und ein maximales Drehmoment von 410 Nm. Aber wenn schon V8, dann doch lieber gleich den 5,7 Liter großen „Hemi“ mit seinen halbkugelförmigen Brennräumen, Doppelzündung und Zylinderabschaltung, die zusammen mit der langen Gesamtübersetzung die Verbrauchswerte im Alltagsbetrieb unter die magische 20-Liter-Grenze drücken. Für die Unbill an der Zapfsäule entschädigt der Hemi-V8 mit 326 PS/249 kW und 500 Nm Drehmoment sowie dem typisch sonoren, aber unaufdringlichen Klang – und er lässt die rund 2,4 Tonnen schwere und gut 1,8 Meter hohe Schrankwand auch bei flottem Tempo noch recht temperamentvoll den Fahrtwind durcheilen.

Doch auch der Diesel legt sich mächtig ins Zeug: Mit seinen 218 PS muss er sich den V8-Benzinern zwar geschlagen geben, doch er beeindruckt mit einem Drehmomentberg von 510 Nm, der bereits bei 1600 Umdrehungen anliegt. Seine souveräne Kraftentfaltung sorgt für ein entspanntes Fahren, wozu auch die weich schaltende Fünfgang-Automatik, mit der alle Motorversionen kombiniert sind, einen wesentlichen Beitrag leistet. Wer will, kann die einzelnen Übersetzungsstufen auch manuell ansteuern, indem er den Wählhebel nach links oder rechts antippt – doch wirklich nötig ist das nicht, die Automatik macht in nahezu allen Fahrsituationen genau das Richtige. Natürlich bietet die kantige Karosserie mit ihrer steilen Frontscheibe dem Fahrtwind jede Menge Widerstand, sodass der 3.0 CRD bei 191 km/h seine Höchstgeschwindigkeit erreicht. Und auch der Durchschnittsverbrauch steigt im Testbetrieb auf gut 13 Liter Diesel. Dafür sorgt sich der serienmäßige Rußpartikel-Filter um möglichst geringe Schadstoffemissionen – auch der Selbstzünder erfüllt die Euro-4-Norm.

Echter Traditionalist : Mit seiner kantigen Karosserie setzt der Commander die Design-Tradition klassischer Jeeps fort.


Heckfenster: Kann separat geöffnet werden.


Wahlfreiheit: V6-Diesel oder V8-Benziner mit mächtig Drehmoment.


Volle Hütte: Die Limited-Version enthält unter anderem Leder, Sitzheizung, Regensensor und Holzdekor.


Fahrwerk: Brauchbare Achsverschränkung mit hinterer Starrachse und Einzelradaufhängung vorn.


FÜR GELÄNDE UND HIGHWAY

Zu den souveränen Antriebseinheiten des Commander passt sein komfortabel abgestimmtes Fahrwerk, das jedoch aufgrund des höheren Fahrzeuggewichtes etwas straffer ausgelegt ist als das des Grand Cherokee. Die Kombination aus vorderer Einzelradaufhängung und schraubengefederter Starrachse hinten sorgt einerseits für Langstreckenkomfort auf der Straße und andererseits für eine brauchbare Verschränkung im Geländebetrieb. Weniger überzeugend sind der dünne Kunststoff-Unterfahrschutz unter dem Motor sowie der in Fahrzeugmitte relativ ungeschützt und nur 22 cm über dem Boden hängende Auspuff. Als echter Offroader hat der Commander zusätzlich zum Perma- nent-Allrad auch eine Geländeuntersetzung, die über einen kleinen Kipphebel auf dem Mitteltunnel aktiviert wird. Mit 2,72:1 fällt diese erfreulich kurz aus, was eine niedrige Kriechgeschwindigkeit erlaubt und in Kombination mit den drehmomentstarken Motoren Kraft im Überfluss an die Räder bringt. Darüber hinaus verfügt das „Quadra Drive II“ genannte Antriebssystem im 3.0 CRD und im 5.7-Liter-Hemi über elektronisch gesteuerte Sperren im Zentral-sowie in beiden Achsdifferenzialen. Auf diese muss der 4,7-Liter-V8 verzichten – in ihm kommt der „Quadra Trac II“ ohne Lamellensperren zum Einbau.

Purer Luxus: Optionales Entertainment-System mit Klapp-Monitor für die Rückbänkler.


Schwiegermutter-Sitz: In der dritten Reihe müssen die Beine stark angewinkelt werden.


Ladefreundlich: Die dritte Sitzbank verschwindet komplett im Ladeboden.


Stattliche Erscheinung: Ein Chromgrill und sechs Scheinwerfer prägen die Fahrzeugfront.


UMFANGREICHE AUSSTATTUNG

Wirklich nicht nötig – aber durchaus begehrenswert – ist der Ausstattungsumfang der Limited-Version des Commander, die unter anderem Leder, Sitzheizung, Regensensor, Holzdekor, Nebelscheinwerfer sowie eine Einparkhilfe vorne und hinten umfasst. Wer auf solche Goodies verzichten kann, greift zur Basisversion „Sport“. Schon hier bekommt er den Commander mit einer sicher nicht kargen Ausstattung: Von der dritten Sitzreihe über das komplette Sicherheitspaket, Radio-CD und sämtliche elektrische Helferchen (inklusive elektrisch verstellbarer Pedale) bis hin zu Klimaanlage, Alufelgen und Tempomat hat bereits der Commander Sport alles an Bord, was das Fahren angenehm macht.

T | Theo GerstlF | Gerstl/Jeep

Jeep Commander

Platz satt: Nach oben öffnende Heckklappe mit knapp zwei Kubikmeter Laderaum dahinter.


Der Commander in Deutschland

BAUZEIT
Rund 2800 Jeep Commander wurden zwischen 2006 und 2010 in Deutschland zugelassen.

DER COMMANDER IN OFF ROAD
OR 3/2006: Fahrbericht Jeep Commander 5.7 V8 HEMI
OR 5/2006: Fahrbericht Jeep Commander 3.0 CRD
OR 9/2006: Vergleichstest Jeep Commander 3.0 CRD, Mercedes ML 320 CDI, Audi Q7 3.0 TDI

UNSER FAVORIT

Natürlich, jeder vernünftige Mensch wird dem Diesel im Commander den Vorzug geben – schon alleine wegen der deutlich geringeren Kosten an der Tanke. Trotzdem: Zu einem knapp fünf Meter langen Ami-Geländewagen mit kantiger Optik und krasser Ausstattung passt nun mal ein V8-Benziner besser. Und wenn es dann auch noch der 5,7-Liter-Hemi ist, rücken alle Argumente der Vernunft in den Hintergrund. Also, beim V8 noch ein letztes Mal zugreifen, ehe wir alle in Zukunft nur noch mit aufgeladenen Dreizylindern durch die Prärie dümpeln dürfen.
Das Angebot an Gebraucht-Commander ist reichlich. Es beginnt schon bei knapp 6000 Euro für den Diesel mit hoher Laufleistung und reicht bis rund 19 000 Euro für Fahrzeuge mit unter 100 000 Kilometern auf der Uhr. Zwar macht der Selbstzünder das Gros des Angebotes aus, doch auch Benziner sind zu finden, wenngleich in der oberen Hälfte der Preisskala.