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The Last of Us: Part 1


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Play5 - epaper ⋅ Ausgabe 11/2022 vom 05.10.2022
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10 10 vonAusgabe11/2022

Auf The Last of Us: Part 2 folgt nicht etwa der dritte Teil der Action-Adventure-Reihe von Naughty Dog, sondern Part 1. Nach dem ursprünglichen Release auf der PS3 2013 und dem ein Jahr später folgenden Remaster für PS4 erscheint nun nämlich ein richtiges Remake des ersten Teils für die Playstation 5 und etwas später auch für den PC. Doch ist das überhaupt notwendig? Klar, wegen der nahenden HBO-Serie zum Spiel möchte Sony gerne eine aktuelle spielbare Version der Geschichte anbieten, um auch neue Fans zu generieren. Aber wie sieht es mit den Leuten aus, die The Last of Us schon gezockt haben? Schließlich sieht gerade die Remaster-Fassung des Abenteuers von Joel und Ellie auch heutzutage noch echt gut aus. Nun, wir haben uns durch das Remake geschlichen, gekämpft und gegruselt und können euch verraten, dass wir uns zwar ein paar Neuerungen mehr gewünscht hätten, aber ...

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... trotzdem absolut glücklich sind, das Spiel in dieser nochmal hochwertigeren Form erneut erlebt zu haben.

Eine zeitlose Geschichte

Widmen wir uns zunächst einmal den Spielern, die The Last of Us noch nicht kennen. In Naughty Dogs Action-Adventure mit Survival-Horror-Elementen ist die Welt, wie wir sie kennen, im Jahr 2013 untergegangen. Menschen werden vom Cordyceps-Pilz befallen und mutieren zu Monstern. Die Infizierten erinnern hierbei an besonders schnelle Zombies. Ähnlich wie bei den Untoten wird die Infektion auch per Biss übertragen. Zu Spielbeginn erleben wir daher selbst, wie die Zivilisation in panisches Chaos zerfällt. Der Großteil von The Last of Us spielt jedoch etwa zwanzig Jahre später. Die Natur hat einstmals belebte Großstädte zurückerobert, Infizierte streifen durch die Welt und sind teilweise sogar zu noch furchterregenderen Kreaturen mutiert. Hinzu kommen natürlich noch die Abgründe der Menschheit, die sich auftun, wenn Gesellschaften zusammenbrechen. Plündererbanden, Kannibalen und sonstige Fieslinge haben es auf arglose Menschen abgesehen, die sich abseits befestigter Kommunen bewegen. Doch auch, wer nicht in der Außenwelt unterwegs ist, hat kein sorgenfreies Leben. In manchen Städten regieren Militär-Überbleibsel mit eiserner Hand, wogegen sich die Freiheitskämpfergruppierung Fireflies auflehnt. Anschläge und Scharmützel der Gruppierungen finden

mitten zwischen Zivilisten statt, die versuchen, irgendwie über die Runden zu kommen. In dieser Realität lebt nun auch unser Protagonist Joel. Der von einem persönlichen Schicksalsschlag gebeutelte Schmuggler möchte eigentlich nur mit seiner Partnerin Tess einen Gauner aufspüren, der ihnen eine Waffenlieferung abgeluchst hat, doch die Dinge laufen natürlich nicht wie geplant. Joel und Tess erhalten ausgerechnet von der Anführerin der Fireflies den Auftrag, die 14-jährige Ellie aus der Stadt zu schmuggeln und zu einem weiteren Firefly-Ableger außerhalb der Quarantänezone zu bringen. Wir verraten aber wohl nicht zu viel, wenn wir sagen, dass auf dieser gefährlichen Reise nicht alles besonders rund läuft. Während Joel und Ellie sich vor den Trümmern der Zivilisation gegen Infizierte und blutrünstige Menschen wehren, lernen wir die beiden Charaktere und die beiden Figuren sich gegenseitig kennen. Joel und Ellie wachsen aneinander und miteinander. Sie erleben tragische und leichte Momente. Sie entführen uns auf eine emotionale Reise, bei der es um Menschlichkeit, Empathie, Hoffnung und Liebe inmitten einer zerstörten Welt geht. Auch über neun Jahre nach Release hat The Last of Us nichts von seiner erzählerischen Kraft verloren. Charaktere, Dialoge, Design und Präsentation sind absolut herausragend und sorgen dafür, dass wir in der virtuellen Postapokalypse versinken. Das Spiel konfrontiert uns mit Trostlosigkeit, Verzweiflung und brutaler Gewalt auf der einen, aber auch mit Szenen der Menschlichkeit auf der anderen Seite. The Last of Us serviert uns gerne mal leichte Momente, trifft uns an anderer Stelle aber dann auch wieder mit einer solchen emotionalen Wucht, dass man erstmal den Controller aus der Hand legen und kurz durchschnaufen möchte. Der Naughty-Dog-Titel ist durchgehend toll erzählt, genial inszeniert und versteht es, uns zu überraschen, zu erschrecken und ganz einfach uns in sich hineinzuziehen. Auch der ebenfalls im Remake enthaltene DLC Left Behind überzeugt in diesen Punkten. Es ist kein Wunder, dass Spieler auch heutzutage immer noch über das Erlebnis The Last of Us schwärmen. Umso schöner ist es nun natürlich, dieses Spiel in zeitgemäßem Gewand erneut oder gar zum ersten Mal zu erleben.

Ein ewiger Kampf

Beim Gameplay bietet The Last of Us: Part 1 eine Mischung aus Kämpfen, Schleichen, Craften und Erkunden. Die Gebiete im Spiel sind ziemlich linear angelegt. Es gibt immer mal ein paar Abzweigungen, aber verlaufen kann man sich wirklich nicht. Dennoch lohnt es sich, die Augen offen zu halten und auch mal kleinere Umwege in Kauf zu nehmen, obwohl man anderweitig schneller zum Ziel käme. Wir werden eigentlich immer dafür belohnt, abseits des offensichtlichen Weges herumzustreunen. So finden wir Munition, verschiedene Ressourcen, mit denen wir Medi-Kits, Messer, Molotow-Cocktails oder Granaten herstellen können, oder auch Pillen, mit denen wir bestimmte Charakterwerte verbessern dürfen. Haben wir genügen Tabletten gesammelt, verlängern wir damit unsere Leiste mit der Lebensenergie oder dopen uns so sehr, dass wir künftig schneller Hilfsmittel herstellen oder uns verarzten. Mit anderen Materialien hingegen dürfen wir an Werkbänken unsere Waffen aufrüsten. Wir steigern Munitionskapazität, Durchschlagskraft, Nachladegeschwindigkeit oder stellen ein Zielfernrohr her. Außerdem finden wir auch noch Survival-Magazine, durch die wir beispielsweise unsere Messer länger haltbar machen. Anfangs halten die von uns angefertigten Klingen nämlich nur genau für einen Einsatz. Doch wir sind natürlich nicht nur auf der Suche nach Crafting-Materialien. In den eher ruhigen Passagen lauschen wir auch den interessanten Dialogen unserer Protagonisten und bestaunen die eigentümliche Schönheit der untergegangenen Zivilisation. Die Spielwelt wirkt jederzeit absolut glaubhaft, egal ob wir über die zugewucherten Straßen einer Großstadt wandern oder gerade in einem schon lange verlassenen Wohnhaus nach hilfreichen Materialien suchen. Oft stoßen wir dabei noch auf Schriftstücke oder Audio-Aufnahmen, die uns das zumeist tragische Schicksal der Menschen näherbringen, die vor uns an diesem Ort waren. Der Spielwelt gelingt es auch heute noch, uns voll gefangen zu nehmen. Es ist beinahe unglaublich, wie immersiv The Last of Us ist. Das gilt natürlich auch für die Kämpfe gegen Infizierte und andere Menschen. In wenigen Abschnitten schreibt uns das Spiel vor, wie wir vorzugehen haben, aber in den meisten Aufeinandertreffen mit Feinden dürfen wir entscheiden, ob wir schleichend vorgehen oder die offene Konfrontation suchen. Wer auf Stealth setzt, hat es oft leichter. Schalten wir Gegner leise aus, alarmieren sie natürlich niemanden und wir können uns vielleicht sogar kampflos an den anderen Feinden vorbeischleichen und so auch eher rar gesäte Munition sparen. Menschliche Feinde teilen sich oft auf und schreiten verschiedene Routen ab, Infizierte hingegen sind in ihrem Bewegungsprofil leichter zu durchschauen, sie bewegen sich aber oft so ruckartig, dass ihr Sichtbereich nicht immer abzuschätzen ist. In beiden Fällen ist also immer für Anspannung gesorgt, wenn man versucht, so unauffällig wie möglich zu sein. Sind wir umzingelt von menschlichen Feinden, suchen wir hektisch nach Fluchtwegen. Streifen hingegen in einem Areal die furchteinflößenden Clicker umher, müssen wir uns fast schon dazu überwinden, nicht an einer vermeintlich sicheren Stelle zu verharren.

Fallen wir allerdings auf oder entscheiden uns direkt für den offenen Kampf, geht es heftig zur Sache. Egal, ob wir nun selbst abdrücken oder von einem feindlichen Projektil getroffen werden, die Kämpfe in The Last of Us fühlen sich richtig wuchtig an. Wir fühlen den Rückstoß unserer jeweiligen Waffe und werden auch ein Stück zurückgeschleudert, wenn wir getroffen werden. Im Gefecht mit menschlichen Fieslingen, empfiehlt sich taktisches Vorgehen. Wir bewegen uns vorsichtig von Deckung zu Deckung, versuchen, die Wege um uns herum im Blick zu haben, während unsere Gegner sich gegenseitig Feuerschutz geben und uns in die Flanke fallen wollen. Kämpfen wir hingegen gegen Infizierte, wird es meist hektisch. Die Kreaturen stürmen beängstigend schnell auf uns zu und sind teilweise nur durch Kopfschüsse zu stoppen.

Gemetzel und Optionsfülle

Die Scharmützel mit Menschen und Monstern sind also beide intensiv, bieten aber jeweils eine ganz andere Form von Nervenkitzel. Blutig ist aber beides gleichermaßen. Platzende Köpfe, weggeschossene Gesichter, herumfliegende Gliedmaßen, zerteilte Körper oder gleich komplett in einer Blutfontäne aufgehende Gegner bekommt man alles öfter zu Gesicht, als es einem lieb ist. Erwähnenswert ist jedoch, dass Naughty Dog hier keinen überzogenen Splatter nutzt, um cool und edgy rüberzukommen. Die Gewalt wirkt jederzeit passend und realistisch und trägt somit zur bedrückenden Stimmung des Spiels bei. Zartbesaitete Spieler dürfen dennoch den Gewaltgrad im Spiel herunterschrauben. Dann spritzt weniger Blut und es fliegen auch keine Arme und Beine mehr durch die Luft. Überhaupt bietet das Remake nun einige Optionen, um das Spiel auf vielerlei Bedürfnisse und Wünsche abzustimmen. Genau wie in The Last of Us: Part 2 gibt es nun über 60 Einstellungen für die Barrierefreiheit. Sogar eine vollständige Audiodeskription hat es ins Spiel geschafft. The Last of Us zeigt sich also erneut vorbildlich inklusiv. Doch auch Gamer, die auf diese Einstellungen nicht angewiesen sind, dürfen das Spiel mehr nach ihren Wünschen gestalten. Es gibt ganze sechs Schwierigkeitsgrade, die dann allgemein für das Spiel gelten, aber auch jederzeit geändert werden können. Zudem dürfen wir uns auch einen benutzerdefinierten Schwierigkeitsgrad erstellen,indem wir ihn einzeln für verschiedene Spielelemente festlegen. Sind wir beispielsweise der Meinung, die Kämpfe sollten schwieriger sein, das Gesuche nach Ressourcen und Munition geht uns aber auf die Nerven, dann stellen wir die Gegner auf Schwer, die Ressourcensuche jedoch auf Leicht. Hier gibt es verschiedene Optionen, durch die wirklich jedem Spieler erlaubt wird, das für ihn beste Spielerlebnis einzustellen. Sehr schön ist auch, dass Naughty Dog auf die Wünsche der Fans gehört hat und in das Remake auch einen Speedrun- und einen Permadeath-Modus integrierte.

Optisch genial

Doch Optionen zu Blut, Schwierigkeit oder Barrierefreiheit sind für Besitzer des Originals oder Remasters wohl keine ausreichenden Gründe, um erneut The Last of Us zu kaufen. Was ist also so stark verbessert? Nun, so simpel es klingt, es sind ganz einfach die Features, die die PS5 so mitbringt, denn allesamt sorgen dafür, dass man noch mehr ins Spiel abtauchen kann. Allem voran steht hier natürlich die Grafik. Naughty Dog haben sich sämtlicher Ecken und Winkel des Spiels angenommen und sie nochmal kräftig überarbeitet, dabei aber immer den Look des Originals und auch das Gefühl, das bestimmte Orte vermittelt haben, beherzigt. Oberflächen sind detaillierter, mehr Objekte liegen herum, mehr Pflanzen wachsen um die Überreste der vergangenen Welt und die Beleuchtung ist sowohl hübscher als auch stimmungsvoller. Teilweise wurden Gebäude und Objekte im Hintergrund verändert oder neu positioniert, um die Welt noch eindrucksvoller und atmosphärischer zu gestalten. Es ist tatsächlich schwierig, die Anpassungen in Worte zu fassen. Man muss es selbst sehen, wie viel besser sich die Spielwelt nun anfühlt. Wir empfehlen hier unseren Grafikvergleich, in dem ihr ohne Spoiler einen kleinen Einblick dazu erhaltet. Spielt man das alte The Last of Us, wirkt alles wirklich rund und immer noch super präsentiert, aber legt man dann das Remake Part 1 ein, merkt man erst, dass es ja doch noch viel besser geht.

Selbst die Action ist nun noch ein kleines Stückchen immersiver, denn die Umgebung wird nun deutlicher in Mitleidenschaft gezogen. Kugeln schlagen in Wände und Barrikaden ein, Splitter fliegen ab, Scheiben gehen korrekter zu Bruch. Durch die verbesserte Physik sind die Kämpfe nun wirklich noch intensiver als zuvor.

Doch nicht nur die Welt, auch die Charaktere sorgen nun für noch mehr Atmosphäre. Allgemein sind deren Bewegungen etwas geschmeidiger als noch im Original, doch das Highlight sind ganz klar die Unmenge an Details bei den Figuren und vor allem die stark verbesserten Gesichtsanimationen. The Last of Us ist ein emotionales Spiel, in dem die Charaktere andauernd auf die brutalen, tragischen und teilweise verstörenden Geschehnisse reagieren. Die Art, wie die Figuren die Situationen verkaufen, ist dafür verantwortlich, wie sehr wir mitleiden. Das Original war hier damals schon wirklich klasse, doch das Remake setzt es so gut um, dass es uns teilweise richtig zusetzte. Weint ein Charakter nun als Reaktion auf etwas, sehen wir nicht nur eine Träne, die die Wange runterkullert. Wir erleben, wie Mundwinkel und Nasenflügel sich leicht verziehen, die Augen sichtbar feucht werden und sich dann schließlich die Träne löst und über das Gesicht gleitet. Das mag furchtbar banal klingen, doch auch hier muss man es wohl im jeweiligen Kontext des Spiels selbst erleben, wie sehr das verbesserte Mienenspiel dazu beiträgt, einen noch mehr ins Spiel zu ziehen. Wir kannten die emotionalen Szenen des Spiels wirklich noch gut genug, doch die mit Sorgfalt verbesserte Grafik und eben die natürlichere Art der Charaktere sorgten dafür, dass uns diese Szenen mindestens wieder mit der gleichen Wucht trafen wie beim ersten Mal spielen 2013. Ist die Grafik also ein valider Grund, um sich The Last of Us erneut anzuschaffen? Ja, in diesem Fall schon. Das Remake macht nie den Eindruck, als sei wahllos verändert und aufgehübscht worden. Vielmehr gingen die Entwickler sorgfältig und behutsam vor. Part 1 wirkt nicht wie eine lieblose Neuauflage, sondern eher als habe man die ursprüngliche Vision, wie das Spiel aussehen sollte, nun erst so richtig umsetzen können.

Die Optik dürfen wir im Spiel übrigens auf drei verschiedene Arten genießen. Im Hauptmenü entschei-

den wir uns entweder für Wiedergabetreue, Leistung oder Leistung+. Jederzeit dürfen wir zwischen diesen Modi im Spiel auch hin und her wechseln. Wiedergabetreue setzt auf 4K mit 30 fps bei 30 hz. Der Leistungsmodus hingegen auf eine Framerate von 60 Bildern pro Sekunde bei 60 Hz und dynamischem 4K. Leistung+ bietet hingegen eine nach oben offene Framerate, wobei aber weitere Abstriche in Sachen Auflösung hingenommen werden. Wir empfehlen hier den normalen Leistungsmodus. Die 60 fps zahlen sich gerade in den eher hektischen Momenten des Spiels aus, gleichzeitig sind bei der Auflösung im Vergleich zum Wiedergabetreue-Modus keine großen Unterschiede festzustellen. Wer stattdessen die bestmögliche Auflösung bevorzugt, braucht allerdings auch keine Sorgen haben. Während unseres Tests kam es auch in diesem Modus selbst bei viel Action auf dem Bildschirm nie zu Rucklern.

Nicht ganz perfekt

Allerdings sorgt nicht nur die moderne Grafik für noch mehr Atmosphäre, auch weitere PS5-Features verstärken die Immersion. Der Dualsense-Controller der Konsole wird wirklich hervorragend genutzt. Feuern wir mit der Schrotflinte, spüren wir den gewaltigen Rückstoß. Werden wir getroffen, fühlen wir den Einschlag des Projektils. In den adaptiven Triggern spüren wir zudem je nach Waffe unterschiedliche Widerstände. Die Action-Passagen profitieren enorm von diesem Feedback. Doch auch ruhigere Momente werden klasse eingefangen. Wir fühlen Regentropfen genauso wie das Fell eines Tieres, das wir streicheln. Genau wie bei der Optik, ging Naughty Dog hier sehr sorgfältig und wohlüberlegt vor. Ein weiterer großer Pluspunkt ist natürlich 3D-Audio. Spitzen wir die Ohren, können wir genau wahrnehmen, aus welcher Richtung sich die Stalker-Kreaturen an uns heranschleichen. Außerdem wird es natürlich noch gruseliger, wenn wir uns in einem Raum voller Clicker befinden und wir um uns herum diese uns bis ins Mark erschütternden Laute hören. Die überarbeitete Grafik und die neuen Features in Part 1 sorgen definitiv dafür, dass dies die unheimlichste, intensivste, ergreifendste, atmosphärischste und ganz einfach beste Version von The Last of Us ist.

Dennoch sind wir nicht komplett zufrieden mit dem Remake, denn ein paar Verbesserungen hätte man auf jeden Fall noch aus dem zweiten Teil übernehmen können. Wir meinen hier gar nicht mal die weitläufigeren Abschnitte und Erweiterungen wie das Kriechen durch hohes Gras oder Spürhunde als Gegner. Hierfür hätte Naughty Dog ja jeden einzelnen Schauplatz eines Gefechts sehr stark verändern müssen. So würde das Spielerlebnis des Originals auch verfälscht. Die teilweise eher engen Schlachtfelder des ersten The Last of Us bieten schließlich auch eine besondere Stimmung. Einige Kleinigkeiten hätten Naughty Dog jedoch gerne aus Part 2 übernehmen dürfen. Hat man den zweiten Teil von The Last of Us gespielt, wird man im Remake auf jeden Fall das Ausweichen vermissen. Im zweiten Teil konnten wir feindlichen Nahkampfattacken noch mit einem Schritt zur Seite entgehen. Das ist in Part 1 leider nicht mehr möglich. Statt einen Ausfallschritt auszuführen, können wir höchstens versuchen, mit einer schnellen Wendung vom Gegner wegzukommen. Das ist allerdings etwas umständlich und geht nicht so gut von der Hand. Lassen wir die Gegner zu nah an uns ran, ist es daher meist unumgänglich, dass wir einen Treffer kassieren oder gepackt werden. In diesen Momenten wirkt die Steuerung dann doch ein kleines bisschen altbacken. Uns ist es jedenfalls schleierhaft, warum das Ausweichen nicht übernommen wurde, schließlich wäre es einfach umzusetzen gewesen und hätte auch nicht das Spielerlebnis verfälscht. Ebenfalls etwas ärgerlich ist es, dass wir keine Schalldämpfer mehr anfertigen können, wie es in Part 2 eingeführt wurde. Hier könnte man wohl eher darüber diskutieren, ob das Remake dann wirklich noch den Spirit des Originals einfangen würde, aber das Feature würde dem Spiel mit wenig Aufwand und Veränderung ein bisschen mehr Variantenreichtum beim Schleichen geben. Ohnehin hätte man in Sachen Stealth ruhig noch eine Schippe drauflegen können, denn in den Schleich-Passagen merkt man, dass die KI nicht gerade das Gelbe vom Ei ist. Vor der Veröffentlichung kündig-ten Naughty Dog an, die KI sei allgemein stark überarbeitet worden, doch davon merkt man nicht immer etwas. Im offenen Kampf stellen sich die menschlichen Feinde tatsächlich etwas cleverer an und sind dadurch gefährlicher. Wissen sie jedoch nicht, wo wir uns befinden, können wir sie oftmals viel zu leicht austricksen. Sie scheinen teilweise nicht so genau hinzuhören und zu sehen. Erfahreneren Spielern empfehlen wir daher, direkt die Gegner-KI auf Schwer zu stellen.

Auch ein altes Problem des Originals wurde nicht behoben, denn unsere KI-Begleiter huschen immer noch viel zu oft voll ins Sichtfeld der Feinde, sind für diese aber solange unsichtbar, bis wir selbst auffallen. In einem Spiel, das so sehr darauf setzt, uns Spieler voll ins Geschehen zu ziehen, ist das schon ein kleiner Immersionskiller. Immerhin sind unsere Begleiter im Kampf jetzt aber weitaus nützlicher als noch im Original. Sie geben uns eigenständig Feuerschutz, treffen zuverlässiger und lassen sich nicht mehr so leicht von Feinden überrumpeln.

Wer braucht dieses Spiel?

Bei jedem Remake stellt sich die Frage, wer das überhaupt braucht und in diesem Fall ist die Frage wohl noch berechtigter, schließlich ist das Original nicht mal zehn Jahre alt und sieht immer noch gut aus. Wer braucht also The Last of Us: Part 1? Spieler, die das Original gezockt haben und jetzt nur zugreifen würden, wenn das Remake starke Gameplay-Verbesserungen bieten würde, können sich den Kauf sparen. The Last of Us: Part 1 erzählt die gleiche Geschichte, schickt euch an die gleichen Schauplätze und bietet das gleiche Gameplay wie das Original. Hier würde sich die erneute Anschaffung nur lohnen, wenn ihr einfach Lust auf ein Spiel mit verdammt schöner Grafik habt. Dennoch gibt es viele Gamer, die das Remake lieben werden. Wer The Last of Us verpasst hat, zum Zeitpunkt der ursprünglichen Veröffentlichung zu jung war oder es aufgrund fehlender Barrierefreiheitsoptionen nicht spielen konnte, bekommt mit Part 1 nun eine sehr gute moderne Version dieses fantastischen Spiels. Auch absolute Fans des ersten The Last of Us, die sich wünschen, Naughty Dogs Meisterwerk nochmal neu erleben zu können, werden mit dem Remake ihre helle Freude haben. Die Entwickler haben das Original so behutsam und durchdacht optisch modernisiert, dass Part 1 nicht einfach nur schöner ist. Es wirkt vielmehr, als habe dieses Spiel schon immer so aussehen sollen. Zudem sorgen die Features der PS5, die allgemeine Grafik und vor allem die verbesserten Figurenmodelle und Gesichtsanimationen dafür, dass die emotionalen Momente noch besser vermittelt werden. Auch wir waren zunächst skeptisch, ob uns das Spiel nochmal abholen kann, wo wir doch alles kennen, saßen dann bei einigen Szenen aber doch wieder mit Kloß im Hals vorm Bildschirm. The Last of Us ist nach wie vor ein herausragendes Erlebnis und Part 1 ist die ultimative Version dieses Ausnahmespiels. Daran können auch die manchmal etwas fummelige Steuerung und die teilweise etwas doofe KI beim Schleichen nichts ändern. .

CHRISTIAN DÖRRE

Meinung

Ein geniales Erlebnis in neuem Gewand.

Christian Dörre Redakteur

Noch kurz vor Spielstart hatte ich Bedenken, ob ein Remake zu The Last of Us überhaupt nötig ist und dachte darüber nach, dass der Test ja wenigstens easy wird, weil ich eine Neuauflage eines bekannten Spiels ja nicht unbedingt durchzocken muss. Tja, Pustekuchen! Während ich diesen Meinungskasten tippe, läuft im Hintergrund der Abspann über den Bildschirm. The Last of Us: Part 1 hat mich wieder genauso mitgenommen und nicht mehr losgelassen wie es damals dem Original nur beim ersten Durchspielen gelang, und ich möchte keine der etwa 17 Stunden mit dem Hauptspiel und etwa zweieinhalb Stunden mit dem ebenfalls enthaltenen DLC Left Behind missen. Das Remake sieht atemberaubend gut aus und fängt dabei genau das Flair des Originals ein, obwohl bemerkenswert viele Szenerien überarbeitet und abgeändert wurden. Zudem sorgen die PS5-Features und die verbesserten Gesichtsanimationen für noch mehr Immersion, sodass die emotionalen Momente im Spiel noch mehr Wucht haben. Ja, den Ausweich-Move habe ich schmerzlich vermisst und die Gegner-KI beim Schleichen war teilweise etwas doof, aber das sind nur ganz kleine Kratzer im Lack. Ich liebe The Last of Us und ich liebe dieses Remake!

Pro & Contra

Brillante Endzeit-Atmosphäre Tolle, emotionale Story Glaubhafte Charaktere Fantastische, subtile Musikuntermalung Großartig inszeniert

Noch mehr Atmosphäre dank optisch hervorragender Modernisierung

Drei Grafikmodi, alle mit stabiler Bildrate

Super detaillierte, lebendige Charaktermodelle

Noch mehr Immersion dank PS5-Features (Dualsense, 3D-Audio)

Intensive Kämpfe mit wuchtigem Feedback

Frei anpassbarer Schwierigkeitsgrad für verschiedene Spielelemente

Über 60 Optionen zur Barrierefreiheit Verbesserung der KI-Begleiter im Kampf (Gegner-)KI beim Schleichen teilweise doof Teils fummelige Steuerung

Kleinere Modernisierungen (Ausweichen, Schalldämpfer) aus Part 2 fehlen

Wertung 10 von Infos 10