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THE LAST OF US PART 2


Games Aktuell - epaper ⋅ Ausgabe 8/2020 vom 15.07.2020

ACTION-ADVENTURE Weder Gerüchte um schlechte Arbeitsbedingungen bei Naughty Dog noch Leaks noch ganz viel Internetempörung können es verhindern: The Last of Us 2 ist ein echtes Meisterwerk geworden.


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Bildquelle: Games Aktuell, Ausgabe 8/2020

War das Thema im ersten Teil noch Liebe, geht es diesmal um blanken Hass. The Last of Us 2 fängt diese Emotion gekonnt ein und mutet den Spielern dabei einiges zu.


Fast vier Jahre nach der Ankündigung erscheint mit The Last of Us: Part 2 nun endlich die Fortsetzung zu einem der beliebtesten Spiele der PS3-Ära. Doch gab es anfangs nur Zweifel, ob das so konsequent erzählte The Last of Us einen Nachfolger ...

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... braucht und ob Part 2 die Spieler emotional noch mal überhaupt so mitnehmen kann, gab es in der Zeit kurz vor Release größere Stolpersteine für das PS4-exklusive Action-Adventure.

Zunächst wurden Berichte über schlechte Arbeitsbedingungen bei Entwickler Naughty Dog während der Crunch-Phase veröffentlicht, dann musste der Titel aufgrund der Coronavirus-Pandemie erneut verschoben werden und schließlich leakte ein Hacker Story-Details. Diese Details passten einigen Leuten nicht in den Kram und sie äußerten lautstark, Naughty Dog habe ihnen das Spiel ruiniert (ganz bestimmt nicht der eigene Wille, sich vor Release Spoiler anzuschauen). Da einige Zündler eh schon Stimmung gegen das Entwicklerstudio machten, weil ihnen dieses zu politisch korrekt sei, entwickelte sich ein Shitstorm um das wohl trotzdem meist erwartete Spiel des Jahres neben Cyberpunk 2077. Über den harten Crunch, der ein allgemeines Problem der Spieleindustrie ist, muss man sicher diskutieren, doch ansonsten war das alles letztendlich viel unnötiges Getöse. The Last of Us: Part 2 macht es nicht allen recht, ist aber auch genau deshalb ein großartiges Spiel geworden, das noch lange nachhallen wird.

ZURÜCK INS ELEND

Part 2 spielt etwa vier Jahre nach den Geschehnissen des ersten Teils und lässt uns die Kontrolle über die mittlerweile 19-jährige Ellie übernehmen. Die postapokalyptische Spielwelt ist natürlich immer noch gefährlich, schließlich hatte der mutierte Cordyceps-Pilz vor über 20 Jahren mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in blutrünstige Kannibalenmonster verwandelt und überall streifen Plünderer und andere Banden umher. Dennoch sind Ellie und Joel etwas zur Ruhe gekommen. Zusammen mit Tommy und Maria haben sie sich in Jackson, Wyoming niedergelassen, wo sie zusammen mit vielen weiteren Überlebenden eine funktionierende Gesellschaft aufgebaut haben. Eine Mauer und regelmäßige Patrouillen sorgen für Sicherheit, in der Stadt gibt es Strom, Erwachsene gehen verschiedenen Berufen nach, Kinder besuchen die Schule und liefern sich ausgedehnte Schneeballschlachten.

Jackson ist eine wahre Idylle inmitten des Chaos, in der Ellie und Joel akzeptierte Mitglieder der Gesellschaft sind. Ellie kommt sogar der etwa gleichaltrigen Dina etwas näher, die gerade erst mit ihrem Freund Schluss gemacht hat und nun entdeckt, dass zwischen Ellie und ihr nicht nur Freundschaft ist. Wer den ersten Teil gespielt und somit die Odyssee von Joel und Ellie miterlebt hat, freut sich über das neue Leben der liebgewonnenen Figuren und Naughty Dog versteht es mal wieder hervorragend, ein frisches Szenario aufzubauen und dank der oft nebensächlichen Informationen in den toll geschriebenen Dialogen lebendig zu machen. Natürlich bleibt aber nicht alles friedlich, denn nach einem schwerwiegenden Vorfall wird Ellie aus ihrer heilen Welt gerissen und schwört erbitterte Rache. Sie bewaffnet sich, verlässt Wyoming und kehrt zurück in die trostlose Außenwelt auf einer selbst auferlegten Mission, die sie nicht nur ihr Leben, sondern auch ihre Menschlichkeit kosten könnte.

Die Story spielt etwa vier Jahre nach Teil 1. Ellie und Joel leben mittlerweile in der zivilisierten Gesellschaft von Jackson, Wyoming.


Ellie kommt langsam der etwa gleichaltrigen Dina näher. Die Charaktere sind allesamt hervorragend und nachvollziehbar geschrieben.


Viel häufiger als noch im Vorgänger ist man nun auf Pferderücken unterwegs, denn die Gebiete sind nun um einiges weitläufiger.


Der Titel spielt die meiste Zeit in Seattle, doch dadurch wirkt die Story nur noch intimer. Zudem ist die kaputte Stadt genial gestaltet.


Typisch für Naughty Dog und Autor Neil Druckmann ist die Prämisse der Story relativ simpel, sie wird aber von herausragend geschriebenen Charakteren getragen. Im weiteren Spielverlauf wird die Geschichte jedoch immer bedeutungsvoller und nimmt einige Wendungen auf dem Weg zu einem emotional auszehrenden Finale. Die Story wird viele Spieler überraschen und schockieren. Einige vielleicht sogar abschrecken, denn Naughty Dog traut und mutet den Spielern viel zu. Die Entwickler spielen clever mit den Erwartungen der Fans und fordern sogar deren Vertrauen, belohnen dann aber auch mit einer intelligenten Geschichte, die mit Konventionen bricht und die sich die besonderen Eigenheiten des Mediums zu Nutze macht. Die Story und die damit einhergehende emotionale Achterbahnfahrt ist so nur als Videospiel möglich, da man sie eben selbst erlebt. Kein Leak der Welt kann vermitteln, was The Last of Us: Part 2 aussagt, darstellt und einen durchleben lässt. Naughty Dog beweisen mal wieder, dass sie die Umsetzung von Immersion besser verstehen als die meisten anderen Studios. The Last of Us: Part 2 streut zwar immer wieder kleine leichtherzige Momente ein, ist ansonsten aber durchgehend bedrückend und konfrontiert einen immer wieder mit Szenen, die eine solche emotionale Wucht haben und so eine Schwere verströmen, dass man das Gefühl hat, den Controller kaum noch in der Hand halten zu können. Der Titel ist noch weniger als der Vorgänger ein lockeres Action-Adventure für Zwischendurch. Der 18er-USK-Stempel bezieht sich hier nicht nur auf die ebenfalls vorhandene extreme Gewaltdarstellung. Zudem empfehlen wir unbedingt, den ersten Teil gespielt zu haben. Zwar gibt es anfangs eine kurze Rückblende auf Geschehnisse aus dem Vorgänger, doch Part 2 richtet sich klar an Kenner des Erstlings.

GRAUEN UND SCHÖNHEIT

Ellie verfolgt eine Gruppe von Menschen bis nach Seattle, Washington, wo der größte Teil des Spiels stattfindet. Da man im Vorgänger quer durch Amerika wanderte und so viele verschiedene Gebiete zu Gesicht bekam, mag das vielleicht nicht sonderlich abwechslungsreich wirken, doch Seattle hat einige Überraschungen parat. Aufgrund der Lage der Stadt läuft man nicht nur über die Straßen der längst vergangenen Zivilisation, sondern auch durch nun wild wuchernde Parks oder Waldgebiete. Da die Natur langsam Beton, Teer und Stahl der untergegangenen Gesellschaft zurückerobert, ist die zerstörte Stadt gleichermaßen trostlos, verfallen und grau, aber auch wunderbar grün. Ständig gerät man an Orte, deren Zusammenspiel von zerstörter Vergangenheit und der blühenden Natur einfach nur beeindruckend sind. Die Spielwelt ist so detailliert, so organisch, dass man noch mehr in das Spiel hineingezogen wird als ohnehin schon durch Story und Charaktere. Dass der Titel hauptsächlich in dieser einen Stadt spielt, lässt die Geschichte auch noch intimer, noch persönlicher werden. Zudem ist Seattle durchaus lebendig, denn in den Ruinen der Stadt sind nicht nur allerhand Infizierte unterwegs, es tobt auch ein Krieg zwischen zwei Fraktionen. Die militärisch angehauchte Washington Liberation Front, WLF oder auch Wolves genannt, kämpft gegen die bewaffnete Sekte der Seraphiten, deren Mitglieder auch Scars genannt werden, weil sie sich in jungen Jahren selbst das Gesicht vernarben. Wir verraten wohl nicht zu viel, wenn wir sagen, dass Ellie es im Verlaufe des Abenteuers sowohl mit den Infizierten als auch mit beiden Gruppierungen zu tun bekommt. Steht sie zwischen den Fronten des tobenden Krieges, ist das erwartungsgemäß knallhart. Die Kämpfe sind aber nicht nur wegen der Action und der vorherrschenden Brutalität so mitreißend, sondern vor allem auch, weil man von vielen Einzelschicksalen erfährt. Genau wie im ersten Teil spielt die Erkundung der einzelnen Gebiete eine große Rolle und in den Häusern, die man durchstöbert, findet man immer wieder Notizen, schriftliche Anweisungen oder gar Abschiedsbriefe, in denen man ganz persönliche Kriegsgeschichten liest. Wir erwähnten ja bereits, dass The Last of Us: Part 2 sehr bedrückend ist.

Fremde Menschen sind natürlich nicht die einzige Gefahr, denn überall lauern Infizierte. Zudem ist der Cordyceps-Pilz noch weiter mutiert.


Sowohl Infizierte als auch menschliche Gegner zwingen euch immer wieder in den Nahkampf. Hier muss man geschickt ausweichen und die Lücke zum Angriff suchen.


Genau wie Teil 1 ist auch Part 2 relativ linear, dennoch muss man nun öfters den richtigen Weg suchen und dafür klettern oder Sprungpassagen meistern.


CRAFTER UND SAMMLER

Aber man findet natürlich nicht nur ein paar Zettel mit Informationen, sondern auch jede Menge brauchbare Gegenstände und Materialien, denn genau wie im Vorgänger gibt es ein simples Crafting-System. Ellie sammelt Lumpen, Alkohol, Behälter oder auch Scheren, um aus diesen Materialien verschiedene nützliche Gegenstände herzustellen. Gegenstände wie Molotow- Cocktails, Verstärkungen der Nahkampfwaffe, Schalldämpfer oder auch einfach Medi-Kits benötigen zur Herstellung mehrere dieser Materialien. Um die Objekte anzufertigen, öffnet man mit einem Druck auf das Touchpad Ellies Rucksack. Anschließend wählt man das gewünschte Objekt aus und sofern genügend Materialien eingesammelt wurden, hält man X gedrückt und schon kann man sich wieder verarzten, Pistolenschüsse dämpfen oder sich anderweitig verstärken. Das Crafting braucht aber natürlich etwas Zeit. Wer sich mitten in einem Gefecht hinhockt, um Sprengfallen oder Rohrbomben herzustellen, wird vermutlich schnell den Gang über den Jordan antreten. Man sollte sich in ruhigen Momenten also vorbereiten, denn jederzeit kann man von einem der vielen Schrecken in der Welt von The Last of Us überrascht werden.

Neben den bereits erwähnten Materialien findet man aber auch Schrauben und Schrott, aus denen sich an Werkbänken Verbesserungen für Waffen herstellen lassen. So erhöht man beispielsweise die Stabilität der Pumpgun oder die Feuerrate der halbautomatischen Pistole oder bringt ein Zielfernrohr am Jagdgewehr an. Doch auch Ellie selbst darf sich verbessern. Obwohl die Opioidkrise der USA zu der Zeit, in der in The Last of Us die zivilisierte Welt unterging, nur schwelte, findet man überall Pillen, welche die Fähigkeiten der Protagonistin verstärken. So darf man beispielsweise die Schnelligkeit beim Crafting aufwerten oder auch die Bewegungsgeschwindigkeit beim Kriechen verbessern oder den Radius des Lauschmodus ausweiten. Richtig gehört, genau wie in Teil 1 kann man in diesen Modus schalten, wodurch man Gegnerbewegung auch durch Wände ausmachen kann. Wer die Augen offen hält, findet im Spielverlauf bestimmte Bücher, mit denen sogar weitere kleine Skill-Trees freigeschaltet werden. Ohnehin sollte man die Umgebung ausgiebig erkunden. Ja, auch The Last of Us: Part 2 ist an sich ziemlich linear und nur an wenigen Stellen muss man ein kleines Umgebungsrätsel lösen oder gar den richtigen Weg suchen. Wer strikt dem Pfad zum nächsten Story-Event folgt, bekommt jedoch viele Dinge nicht mit. So fanden wir abseits des Weges mit Munition vollgestopfte Safes oder auch interessante Objekte, die uns mehr zu den Hintergründen des zerstörten Seattle verrieten. Wir erkundeten viel und brauchten etwa 30 Stunden bis zum Abspann, von denen wir keine Minute missen möchten. Wer nur der Story folgt und vielleicht sogar noch einen niedrigen der insgesamt fünf und in verschiedenen Aspekten frei benutzerdefinierbaren Schwierigkeitsgrade auswählt, kann bestimmt fünf Stunden Spielzeit abziehen. Das liegt auch daran, dass die Gebiete oftmals recht weitläufig sind. So können wir meistens auch noch umliegende Gebäude durchsuchen und deren Geheimnisse entdecken. Sehr oft sieht man schon, dass die Häuser voll mit infizierten sind, sodass man abwägen muss, ob es sich lohnt dort nach Materialien zu suchen. Schließlich könnte es sein, dass man auffliegt und viel zu viel von der knappen Munition verballern muss. Zudem ist nicht immer gleich ersichtlich, wie man unentdeckt in ein Gebäude gelangt. Muss man wirklich die Fensterscheibe einwerfen oder gibt es vielleicht irgendwo noch einen verborgenen Eingang? Teilweise muss man sogar klettern, über Abgründe springen oder sich mit einem Seil zur anderen Seite schwingen. Diese im Vergleich zum Vorgänger neuen Bewegungsmöglichkeiten werten die Erforschung der Umgebung merklich auf. Relativ zu Beginn des Spiels gibt es sogar einen kleinen Open-World-Abschnitt, in dem wir einen ganzen Bereich von Seattle frei erkunden dürfen. Man darf hier natürlich keine Map wie bei einem GTA erwarten, aber der Abschnitt vermittelt einem gekonnt das Gefühl, sich durch eine große, weite statt einer eng abgesteckten Welt zu bewegen.

Das Gunplay ist enorm wuchtig und schmeißt einen schon mal um, wenn man getroffen wird. Dann darf man aber vom Rücken aus weiterfeuern.


Mithilfe des Lauschmodus erkennt man Gegner auch durch Wände. Zudem kann man sich kriechend im Gras verstecken.


Wer schleichend vorgeht, ist klar im Vorteil. Die cleveren Feinde jagen euch jedoch erbarmungslos und versuchen, euch mit verscheidenen Mitteln aus eurem Versteck zu locken.


Durch Pillen levelt man Ellies Fertigkeiten auf und mit Schrauben verbessert man an Werkbänken die verschiedenen Waffen.


MEHR ALS NUR EIN HAUCH VON HORROR

Bereits der Vorgänger bot einige Survival-Horror-Elemente, doch diese wurden in Part 2 sogar noch weiter ausgebaut. Die Infizierten sind nicht der Fokus der zutiefst menschlichen Geschichte, sie sind im Grunde genommen nicht mal die größte Gefahr in Ellies Welt, doch sie tragen enorm zum Gefühl der immerwährenden Bedrohung bei. Trifft man bei der Erkundung der Spielwelt auf ein paar Runner, ist das ein gutes Mittel, um den Puls direkt wieder in die Höhe zu treiben. Vor allem die Clicker sind weiterhin wunderbar furchterregend. Klar, ihre Köpfe sind so weit mutiert, dass sie blind sind. Wir sind also relativ sicher, wenn wir uns leise anschleichen und sie anschließend mit einem Messer erledigen. Allerdings besteht auch immer die Gefahr, dass man von einem Runner überrascht wird, der mit seinem Gekreische quasi Alarm schlägt, oder dass man sich zu schnell oder gar über einen Untergrund bewegt, der Krach macht. Zudem lassen einem die Geräusche und die ruckartigen Bewegungen der Viecher immer noch das Blut in den Adern gefrieren. Neben Runnern und Clickern trifft man zudem noch auf die ebenfalls aus dem Vorgänger bereits bekannten Stalker und Bloater. Doch das ist natürlich nicht alles. Naughty Dog haben sich noch ein paar weitere Infizierte einfallen lassen, die nicht nur verdammt gefährlich (und ekelerregend hässlich) sind, sondern einem auch echt das Fürchten lehren. Im Spielverlauf gibt es wohl dosiert einige geskriptete Abschnitte, die gruseliger sind als viele Vollblut- Horrorspiele. Nicht nur an einer Stelle fühlten wir uns an Resident Evil erinnert. Auch The Last of Us: Part 2 setzt ab und an auf Jumpscares, die einen plötzlich zusammenzucken lassen. Meistens aber wird die Spannung toll aufgebaut, bis sie schließlich in großem Schrecken gipfelt. Manche Momente sind so nervenzerfetzend, dass jeder Schritt vorwärts Überwindung kostet. Zudem ist Munition auch rar, sodass man immer die Angst im Hinterkopf hat, dass die Waffe plötzlich nur „Klick“ macht, wenn plötzlich ein Infizierter auf einen zustürmt. Naughty Dog zeigen hier wieder mal, dass sie sich auf hervorragende Insze- nierung verstehen. Lediglich ein Abschnitt etwa im letzten Spieldrittel ist unserer Meinung nach ein bisschen zu lang geraten. Das ist aber Jammern auf verdammt hohem Niveau. Mehr möchten wir allerdings auch nicht verraten, ihr sollt euch schließlich genauso gruseln wie wir es beim Testen getan haben.

The Last of Us: Part 2 konfrontiert einen immer wieder mit schockierenden Szenen. Der Titel beschäftigt einen auch noch nach dem Abspann.


Part 2 setzt mehr auf Survival-Horror-Elemente als der Vorgänger. Einige Passagen lassen einem wirklich das Blut in den Adern gefrieren.


Wer fleißig Lappen, Alkohol und andere Materialien einsammelt, darf im Crafting-Menü Medi-Kits, Schalldämpfer, Molotow- Cocktails oder andere hilfreiche Gegenstände herstellen.


DIE WEGE DER KRIEGERIN

Viel häufiger als mit den Infizierten bekommt es Ellie mit menschlichen Feinden zu tun und in diesen Konfrontationen schlägt Naughty Dog einen Weg ein, der die Definition des Begriffs „Spielspaß“ zur Diskussion stellt. Genau wie im Vorgänger ist es ratsamer, schleichend vorzugehen und Gegner nacheinander heimlich auszuschalten, da die Feinde schwer bewaffnet sowie stets in der Überzahl sind und man selbst nicht allzu viele Treffer einstecken kann, bis man das Zeitliche segnet. Man agiert also aus dem Verborgenen und beobachtet mit Hilfe des Lauschmodus die Gegnerbewegung. Wer lieber die direkte Konfrontation sucht, sollte hingegen oft die Position wechseln und keine Kugeln verschwenden. Der direkte Kampf ist durchaus eine Option, aber eben klar der schwierigere Weg zum Ziel. Im direkten Vergleich zum ersten Teil sind die Kampfgebiete aber nun ebenfalls viel weitläufiger. Sie erstrecken sich teilweise über mehrere Etagen eines großen Gebäudes inklusive Hof oder über eine gesamte Nachbarschaft mit mehreren Häusern und Gärten. Um diese Spielwiese richtig zu nutzen, darf man nun über und auf Objekte klettern, um Gegner aus erhöhter Position anzugreifen. Zudem kann man nun nicht nur geduckt laufen, sondern darf auch kriechen. So versteckt man sich im Gras oder robbt gar unter Fahrzeugen her, um sich den Feinden unentdeckt zu nähern. Das sind relativ einfache Neuerungen, welche die Kämpfe aber enorm aufwerten. Wird man entdeckt, hat man genug Platz, um Verfolger abzuschütteln und sich zu verstecken. Gleichzeitig kann man auch in direkten Konfrontationen die Umgebung zum eigenen Vorteil nutzen, wenn man beispielsweise eine gute Schützenposition findet. Man schleicht, man kämpft, man wird von einem Gegner überrascht, man zieht sich zurück und nutzt immer wieder die Guerilla-Taktik oder man umschleicht sogar sämtliche Feinde und schafft es ohne einzigen Kill zum Ziel - es gibt einfach viel mehr Möglichkeiten und die Kämpfe unterscheiden sich immer wieder deutlich. Es gibt wohl kaum ein Spiel, bei dem uns die Schlachten, die wir geschlagen haben, so genau in Erinnerung geblieben sind. Wir freuen uns jetzt schon darauf, nach Release Kriegsgeschichten mit anderen Zockern auszutauschen, da diese wahrscheinlich einen anderen Kampfablauf hatten. Durch die erweiterten Möglichkeiten, die zahlreichen Gegner und die neuen Bewegungsmöglichkeiten schreibt man hier quasi seine eigenen kleinen Geschichten.

Man sollte allerdings nicht glauben, dass man die Gegner einfach übertölpeln kann. Ja, es gab Szenen, in denen die KI nicht ganz so clever agierte und wir nacheinander mehrere Gegner in die gleiche Falle locken konnten, doch allgemein sind Scars und Wolves eine echte Gefahr. Sie durchsuchen Verstecke, nutzen Hunde, um Ellie aufzuspüren, und sind äußerst treffsicher. Während die Washington Liberation Front mit militärischer Präzision vorgeht und oftmals versucht, einem in die Flanke zu fallen, schmeißen die Seraphiten gerne Molotow-Cocktails, um Ellie aus dem Versteck zu locken. Die Fraktionen nutzen sogar unterschiedliche Einschüchterungstaktiken. Die Wolves rufen einem Beschimpfungen zu und stellen klar, dass man keine Chance habe. Die Scars hingegen lassen durch Mark und Bein dringende Pfiffe ertönen, die einen mürbe machen. Wir zuckten jedenfalls einige Male ganz schön zusammen, als uns die Seraphiten aus dem Unterholz aufscheuchen wollten. Auch hier saugt einen das Spiel förmlich in sich auf, allerdings müssen wir auch einen kleinen Makel benennen, der einen bereits im Vorgänger gerne mal aus der Immersion riss. Schleicht man unentdeckt um die Gegner herum und wird dabei von einem Verbündeten begleitet, stellt sich dieser manchmal etwas doof an, wird aber trotzdem nicht von Feinden entdeckt, solange man selbst nicht aufgefallen ist.

Das Design der Infizierten ist herrlich widerlich. Selbst bereits aus dem Vorgänger bekannte Kreaturen wie die Clicker jagen einem immer noch Schauer über den Rücken.


Typisch für Naughty Dog ist auch The Last of Us 2 grandios inszeniert und hat einen herausragenden Spielfluss.


Die Stimmung des Spiels ist fast durchgehend bedrückend. Die wenigen leichtherzigen Momente sind immer eine echte Wohltat.


Die Kämpfe gegen menschliche Gegner sind unglaublich packend und intensiv. Dank der weitläufigeren Areale und der neuen Bewegungsmöglichkeiten wurde die Action enorm aufgewertet.


IM ANGESICHT DES TODES

Wir übertreiben wirklich nicht, wenn wir behaupten, dass The Last of Us: Part 2 mit die intensivsten Kämpfe der Videospielgeschichte bietet. Die Atmosphäre des Spiels ist eh schon so dicht, dass man sie schneiden könnte und die Spannung entlädt sich voll in den Gefechten. Wurde man mal entdeckt, machen die Gegner erbarmungslos Jagd auf Ellie und schrecken vor nichts zurück. Schusswaffen sind richtig wuchtig und bei einem Treffer wird man oftmals zu Boden geschleudert. Sollte das passieren, kann man jedoch aus der Rückenlage direkt auf den herankommenden Feind schießen, sodass dieser zurück in Deckung muss und man sich selbst wieder aufraffen und neu positionieren kann. Einige Gegner stürmen auch mit Beil, Hammer oder Machete auf uns zu, um uns im Nahkampf zu töten. In diesen Situationen muss man geschickt mit L1 ausweichen und die Lücke zum Gegenangriff suchen, während man hofft, dabei nicht von anderen Gegnern unter Beschuss genommen zu werden oder dass man nicht auch noch von einem Hund angefallen wird. Man muss schnell reagieren, Angriffe abwägen, auf Ausrüstung und Munition achten, um zu bestehen. Das ist ohnehin schon extrem packend, doch die extreme Gewaltdarstellung macht die Kämpfe noch intensiver. Köpfe und Körper explodieren, Gliedmaßen fliegen herum, das Blut spritzt. Die Gewalt ist dabei aber kein übertriebener Splatter, der den Situationen die Ernsthaftigkeit nehmen könnte. Die Brutalität ist realistisch gehalten und den Aktionen angemessen. Das macht sie eben noch unangenehmer und durchdringender. Hinzu kommt noch ein gleichermaßen großartiges wie grausames Sounddesign. Gegner schreien verzweifelt die Namen gefallener Kameraden, Hunde jaulen herzzerreißend, wenn sie verbrennen, man hört sogar wie das Blut aus Halswunden gluckert. Gegner röcheln und zucken, wenn sie stark verwundet wurden. Statt typisch Videospiel nach einem Torso-Treffer mit der Pumpgun einfach umzukippen, brüllen NPCs die Schmerzen des Bauchschusses noch eine Zeit heraus, bis der Tod sie endlich von ihrem Elend erlöst. Das ist ein bewusstes Stilmittel, welches natürlich zur bedrückenden Stimmung des Spiels beiträgt, doch auch wenn man das weiß, gehen einem die Gefechte teils ganz schön an die Nieren. Man empfindet eher Erleichterung als Freude, wenn man einen Kampf überstanden hat. Genau das möchte Naughty Dog auch und die Umsetzung ist - so hart es sich anhört - wirklich herausragend, doch man muss auch klar sagen, dass die drastische Gewaltdarstellung für einige Zocker vielleicht zu viel sein könnte. The Last of Us: Part 2 mutet einem allgemein ganz schön was zu.

Die Gewaltdarstellung in The Last of Us 2 ist realistisch, extrem hart und dürfte sogar einige Spieler verstören.


So hart und bedrückend der Titel auch ist, er ist wunderschön. An einigen Stellen klappt einem vor Staunen die Kinnlade runter.


TECHNISCHE HÖCHSTLEISTUNG

Es hat wohl jeder erwartet, dass Naughty Dog mit Part 2 ein top inszeniertes und extrem gut aussehendes Spiel abliefert, doch die Uncharted-Macher übertreffen diese Erwartungen sogar. Das zweite The Last of Us bietet einen hervorragenden Spielfluss, der genau richtig zwischen Erzählung und den verschiedenen Spielelementen wechselt. Mal lässt einen das Spiel die Ruhe und Schönheit der Spielwelt genießen, dann wirft es einen wieder in einen Kampf, anschließend folgt eine aufreibende Story-Sequenz, bevor es einem Momente zur Verarbeitung des gerade Gesehenen oder Durchgestandenen gewährt. Die erneut geniale Musikuntermalung macht dabei jede Situation im Spiel noch mal packender, emotionaler und einfach besser. Bei einem Spiel, in dem es so sehr auf die Charaktere ankommt, ist es aber natürlich auch wichtig, dass die Sprecher die sehr guten Dialoge ordentlich rüberbringen. Die englische Sprachausgabe ist da über jeden Zweifel erhaben, doch die deutschen Sprecher lassen manchmal etwas zu wünschen übrig. Manche Stimmen passen nicht so ganz zur dargestellten Figur und einige Betonungen wirken teils auch ein bisschen seltsam. Schlecht ist die deutsche Sprachausgabe deshalb nicht, doch wir empfehlen klar die englische Vertonung, zur Not mit deutschen Untertiteln. Diese sollte man eh aktivieren, denn die deutsche Tonspur ist teilweise nicht richtig abgemischt, sodass manche Dialoge viel zu leise sind.

An der Optik des Spiels gibt es dafür nichts zu meckern. The Last of Us: Part 2 ist wahrscheinlich sogar das hübscheste Spiel der PS4-Ära. Ob nun die Charaktermodelle, Umgebungsdetails oder Wettereffekte - trotz der bedrückenden Grundstimmung und des leichten Grieselfilters staunt man immer wieder über diese Grafikpracht. Alles ist super detailliert, grandios gestaltet und wirkt wie aus einem Guss. Bis auf eine längere Ladezeit zum Start des Spiels, gibt es keine weiteren nervigen Ladebalken. Zudem läuft der Titel selbst bei erhöhtem Gegneraufkommen und explosiver Action jederzeit flüssig.

Dafür röchelt selbst die PS4 Pro teilweise so lautstark, dass man denken könnte, sie probe einen Raketenstart im Wohnzimmer. Das ist wohl der Preis für solche Schönheit. Wer bis hier gelesen hat, kann sich wohl vorstellen, dass unser Fazit zu The Last of Us: Part 2 recht positiv ausfällt. Der Titel mutet den Spielern einiges zu, ist aber auch unglaublich packend. Man muss TLoU 2 selbst erleben, um es richtig zu verstehen und einordnen zu können. Das Spiel wird hohe Wellen schlagen und noch in etlichen Jahren wird man auf seine Wichtigkeit für das Medium verweisen.

MEINUNG: Christian Dörre

Uff! Nicht mal Hellblade hat mich so mitgenommen wie The Last of Us: Part 2. Naughty Dog nutzen einen anderen Weg als im ersten Teil, doch es gelingt ihnen, ein mindestens genauso emotional wuchtiges Spiel abzuliefern, das ganz klar nicht für alle gemacht wurde. Sony und das Studio nehmen lautstarke Beschwerden einiger Spieler in Kauf und liefern ein Produkt, auf das man sich wirklich einlassen und bei dem man dem Entwicklerteam vertrauen muss. Dafür wird man auf eine knallharte, emotional aufwühlende Reise mitgenommen, die zum Nachdenken anregt. Doch auch abseits von Story und Inszenierung ist der Titel klasse. Spielerisch wird das Rad zwar nicht neu erfunden, doch sämtliche Gameplay-Änderungen zum Vorgänger werten das Spiel merklich auf. The Last of Us: Part 2 ist - und da lege ich mich fest - eines der wichtigsten Videospiele überhaupt.