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THE LEGEND OF ZELDA LINK’S AWAKENING


Games Aktuell - epaper ⋅ Ausgabe 11/2019 vom 16.10.2019

ACTION-ADVENTURE Stolze 26 Jahre nach dem ursprünglichen Release auf dem Game Boy erwacht The Legend of Zelda: Link’s Awakening auf der Nintendo Switch zu neuem Leben. Grafisch und technisch generalüberholt, mit allerlei kleinen und großen Neuerungen – aber auch besser als jemals zuvor?


Artikelbild für den Artikel "THE LEGEND OF ZELDA LINK’S AWAKENING" aus der Ausgabe 11/2019 von Games Aktuell. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Games Aktuell, Ausgabe 11/2019

Das hübsche Intro in Anime-Optik hat zwar nichts mit der eigentlichen Spielgrafik zu tun, stimmt aber noch vor dem Titelbildschirm gekonnt auf das Insel-Abenteuer ein. (Switch)


Über zu wenig Zelda kann man sich als Switch-Besitzer nicht beschweren: Nach Breath of the Wild zum Launch folgten Hyrule Warriors: Definitive ...

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... Edition und Crypt of the Necrodancer feat. The Legend of Zelda. Und Breath of the Wild 2 zeichnet sich auch schon am Horizont ab! Nach Open-World-Neuerfindungen und Spin-offs steht nun aber eine Rückbesinnung auf alte Qualitäten an: Link’s Awakening bringt den Game- Boy-Klassiker von 1993 auf Nintendos Hybridkonsole. Spielerisch nur im Detail angepasst und hinsichtlich des Komforts verändert, mit neuen Sammelgegenständen und vor allem technisch generalüberholt, will das Abenteuer eine neue Generation an Fans für sich gewinnen. Wir können bestätigen: Dieses Vorhaben gelingt ganz ausgezeichnet!

SCHIFFBRUCH ZU NEUEN UFERN
Was damals wie heute innerhalb der Zelda - Serie einzigartig ist, sind die Handlung und Atmosphäre von Link’s Awakening. In der verworrenen Zelda-Timeline nach A Link to the Past und den beiden Oracle-Abenteuern angesiedelt, verschlägt es den Helden all dieser Abenteuer – nennen wir ihn der Einfachheit halber Link – nach einem gewitterbedingten Schiffbruch auf ein idyllisches Eiland mit dem Namen Cocolint. Schnell merkt er: Von dort gibt es offenbar kein Entkommen. Die einzige Möglichkeit, die Insel zu verlassen, ist, den am Gipfel des höchsten Berges in einem riesigen Ei schlummernden Windfisch aufzuwecken. Leichter gesagt als getan, denn dafür sind acht magische Instrumente notwendig, die erst aus den Tiefen gefährlicher Dungeons ergattert werden wollen. Und dann ist da noch die Tatsache, dass irgendetwas mit Cocolint nicht zu stimmen scheint …

MELANCHOLISCHER INSELTRIP
Auch, wenn sie nicht wahnsinnig komplex ist, so gehört die Handlung von Link’s Awakening doch definitiv mit zu den stärksten der gesamten Zelda-Serie. Hier wird auf klassische Elemente wie Hyrule, Ganondorf und sogar Zelda geflissentlich gepfiffen – und dafür eine Handvoll an Figuren und Feinden aus anderen Nintendo-Spielen als Gaststars eingeführt, vor allem aus Super Mario. So hüpfen wir in den häufigen 2D-Abschnitten etwa Gumbas auf ihre putzigen Rüben. Die Erzählung stellt einige sehr interessante Fragen bezüglich dem, was real ist und was nicht, und scheut auch vor relativ düsteren Aspekten nicht zurück. Wir wollen trotz des Alters des Original-Abenteuers nicht zu viel verraten, doch hinsichtlich der Atmosphäre und Ge- schichte bleibt Link’s Awakening definitiv auch lange nach dem Abspann noch in Erinnerung. Das gilt damals genauso wie heute, denn hinsichtlich der Erzählung wurde wirklich kaum etwas angepasst. Sogar die Texte sind bis auf kleine Änderungen an Namen für Figuren, Orte und Gegenstände größtenteils dieselben. Das bedeutet gleichzeitig, dass auch der nicht auf brüllendes Gelächter ausgelegte, aber sehr liebevolle Humor von anno dazumal es auf die Nintendo Switch geschafft hat.

Die Musik des Abenteuers ist genauso ikonisch wie immer, qualitativ aber natürlich jener des Originals um Meilen voraus. (Switch)


Die 2D-Abschnitte des Originals sind natürlich wieder mit dabei. Hier trifft man besonders häufig auf Gaststars aus Super Mario. (Switch)


ALLES WIE DAMALS?
Und auch sonst ist das Remake verdammt nahe an dem dran, was Kenner der Game-Boy-Version gewohnt sind. Zwar besteht die Spielwelt Cocolint heute nicht mehr aus lauter Einzelbildschirmen, sondern aus nahtlos miteinander verknüpften Arealen. Allerdings ist ihr Aufbau nahezu derselbe wie 1993. Sogar auf Details wie die Position von Grasbüscheln am Boden oder herabgefallenen Kokosnüssen am Strand wurde geachtet! Diese Detailversessenheit zeigt, mit wie viel Liebe die neuen Entwickler an das Projekt herangegangen sind. Spielerisch wurde ebenfalls kaum etwas verändert. Wir landen auf Cocolint, suchen unsere Ausrüstung zusammen und machen uns auf, die acht Dungeons zu finden und zu erobern. Link’s Awakening ist, angesichts seiner Ursprünge kaum verwunderlich, ein Zelda ganz klassischer Machart. Pro Dungeon gibt’s also ein Item, das zum Vorankommen unabdingbar ist, Zwischenbosse, Endbosse, Gefechte mit Standardgegnern und allerlei Rätsel. Dazwischen erkunden wir die Oberwelt, versuchen uns an Minispielen und treiben die Handlung voran. Zudem warten auf der Oberwelt unter anderem Sammelgegenstände, Nebenaufgaben und allerlei durchgeknallte NPCs auf uns. Das Schöne, gerade im Vergleich mit anderen Zelda-Aben- teuern: Items, die nur für wenige Einsätze im Ursprungs-Dungeon notwendig sind und danach kaum noch gebraucht werden, gibt es nicht. So gut wie jedes unserer Helferlein kommt inner- und außerhalb der Labyrinthe regelmäßig zum Einsatz und fühlt sich somit niemals überflüssig an. Zudem gehört Link’s Awakening bezüglich der Rätsel, des Dungeon-Designs und generell der Gestaltung der Aufgaben trotz des 8-Bit-Ursprungs mit zu den stärksten 2D-Zelda-Ablegern. Daran hat sich auf der Switch nichts geändert. Jeder Tempel sprüht nur so vor kreativen Ideen, die Kopfnüsse sind herausfordernd, ohne unfair zu sein und ein toller Moment jagt den nächsten. Auch die Oberwelt ist viel mehr als nur eine Möglichkeit, um von Punkt A nach Punkt B zu gelangen. Im Grunde funktioniert sie wie eine kompakte Rätselbox, in der wir uns unsere Pfade zu den verschiedenen Arealen erst erarbeiten müssen. Toll!

NEUER HELDEN-KOMFORT
Wer das Abenteuer ohnehin bereits wie seine Westentasche kennt, wird kein einziges Mal auf dem Schlauch stehen, denn tatsächlich wurde an der Struktur gar nichts verändert. Neu ist jedoch der Bedienkomfort. Statt Link mittels Steuerkreuz digital durch die Gegend zu scheuchen, haben wir dank Analogstick nun deutlich mehr Präzision bezüglich unserer Bewegungen. Die Button-Armut aus den Game-Boy-Tagen ist zudem Geschichte. Auf Nintendos grauem Kultklotz standen uns neben Start und Select für Menü und Karte lediglich zwei Knöpfe für sämtliche Aktionen zur Verfügung. Das bedeutete, dass man ständig ins Menü wechseln musste, um Items hin und her zu tauschen. Das nervte auf Dauer gewaltig! Auf der Switch ist dieser Frustfaktor Geschichte. Nicht nur bleiben Schwert und Schild automatisch jederzeit ausgerüstet und wir haben zusätzlich zwei Knöpfe für Items frei; manche der Helferlein wie die Pegasusstiefel, dank derer wir schneller rennen können, sowie das Kraftarmband, das uns schwere Gegenstände aufheben lässt, sind nun auch jederzeit fix ausgewählt. Dadurch spielt sich das Remake deutlich rascher als früher! Zwar finden wir, dass man auch einen der Schulterknöpfe noch zu einem Itemslot hätte umfunktionieren können – stattdessen agieren beide L- und R-Trigger zur Benutzung von Pegasusstiefeln respektive Schild –, aber auch mit „nur“ zwei frei belegbaren Plätzen funktioniert das Item Management sehr gut.

MARKIERUNG OF A HERO
Doch damit bei Weitem noch nicht genug der sinnvollen Anpassungen. Auch die Map wurde komplett über- arbeitet und bildet die Welt nun in deutlich mehr Details ab. Noch besser: Wir können nun bis zu dreißig Pins mit verschiedenen Formen setzen, um bei unserer Suche nach Collectibles nicht den Überblick zu verlieren. Weiterhin wurde die Anzahl an Warp-Punkten auf der Oberwelt, von denen es dereinst nur drei gab, drastisch erhöht. Außerdem geht das Warpen auf der Switch deutlich einfacher vonstatten. Mussten wir auf dem Game Boy noch mühsam sämtliche Punkte hintereinander bereisen, bis wir bei dem landeten, bei dem wir austeigen wollten, können wir unsere Destination nun einfach direkt auf der Karte auswählen. Ebenfalls vorbei sind die Zeiten des umständlichen Simultandrückens von A, B, Start und Select, was auf dem Game Boy notwendig war, um ins Speichermenü zu gelangen. Nun darf ganz bequem im Menü gespeichert werden. Zusätzlich wurde eine Autosave-Funktion integriert, die dafür sorgt, dass wir nicht aus Versehen lange Strecken des Abenteuers noch einmal spielen müssen, weil wir das Sichern vergessen haben. Dieser Autosave-Spielstand läuft separat zu den manuellen Slots, sodass er im Umkehrschluss auch nicht unwiederbringlich Dinge speichert, die wir eigentlich aus unserem Fortschritt löschen wollten. Beim Greifhaken-Minispiel so lange neu zu laden, bis man das Objekt seiner Begierde ergattert hat, ohne dafür Unmengen an Rubinen auszugeben, ist also weiterhin möglich. Zu den genannten Anpassungen und Verbesserungen kommen noch zahlreiche andere hinzu, etwa das Wegfallen von nervigen Infotexten, wenn man zu schwere Objekte ohne Kraftarmband berührt, und eine deutlich vergrößerte Börse für fleißige Rubine-Horter. Man sieht schon: Hier wurde an den richtigen Ecken und Enden angepasst!

Im Laufe des Abenteuers treffen wir auf allerlei interessante NPCs. Dieser freundlichen Nixe müssen wir auf der Suche nach einem verlorenen Gegenstand helfen. (Switch)


Die Oberwelt ist kompakt, aber vollgestopft mit interessanten Orten und Collectibles. Um zu den diversen Arealen zu gelangen, ist es unabdingbar, sich genau umzusehen. (Switch)


Die Map des Spiels zeigt in hoher Detailvielfalt alle Areale. Außerdem dürfen wir Pins setzen, die uns auf der Suche nach Sammelgegenständen eine große Hilfe sind. (Switch)


VON HERZEN UND MUSCHELN
Dabei haben wir bisher nur Neuerungen erörtert, die nicht mit neuen Inhalten einhergehen. Denn auch wenn die Hauptaufgaben im Vergleich zum Original unangetastet bleiben, so finden sich abseits des Weges doch zahlreiche frische Elemente, vor allem Sammelgegenstände. Dereinst konnte Link maximal 14 Herzcontainer ergattern. Drei hatte er schon zu Beginn, acht kamen durch Bosse hinzu, sodass nur drei Herzcontainer durch jeweils vier Herzteile zusammengebastelt werden mussten. Nun jedoch verfügt Link über das serientypische Maximum von 20 Herzcontainern. Das bedeutet, dass sich nun über 20 zusätzliche Herzteile in der Welt finden lassen. Dankenswerterweise wurden diese aber größtenteils sehr stimmig versteckt, sodass die zusätzlichen Suchaufgaben nicht aufgesetzt wirken. Das gilt auch für die Zaubermuscheln. Davon gab es am Game Boy 26 und 20 mussten gefunden werden, um im sogenannten Muschelbasar auf der Oberwelt alle Belohnungen freizuschalten. Nun gibt es satte 50 Muscheln zu finden und wer alles freischalten will, benötigt alle davon! Dankenswerterweise findet man im Spielverlauf einen praktischen, neu hinzugekommenen Sensor, welcher anschlägt, wenn sich eines der Dinger in der Nähe befindet. Das macht die Jagd nach den teilweise recht gut versteckten Objekten unserer Begierde deutlich angenehmer! Für Zelda-Verhältnisse ein alter Hut, in Link’s Awakening aber ursprünglich nicht mit dabei: leere Flaschen, mit denen wir Feen zur Heilung einfangen können. Deutlich erweitert wurden außerdem die drei Minispiele des Abenteuers. Das Greifhaken-Spiel, der Angelteich sowie die Fahrt auf den Stromschnellen mussten da mals im Grunde jeweils nur einmal absolviert werden, damit man alles ergatterte, was sie zu bieten hatten. Nicht so in der Neuauflage! Dort finden sich nun neben mehreren Herzteilen sowie Muscheln zum Beispiel auch lustige Figuren von Mario-Gegnern, mit denen man die Häuser im Startgebiet Mövendorf verschönern kann. Zudem wurden die Funktionsweisen der Minispiele angepasst. Beim Angeln ist nun deutlich mehr Geschick vonnöten, das Greifhaken-Spiel funktioniert jetzt Physik-basiert und bezüglich der Stromschnellen-Floßfahrten – nein, dieses nette Detail verraten wir an dieser Stelle lieber nicht.

Cocolint, damals und heute

Wie stark überarbeitet wurde The Legend of Zelda: Link’s Awakening in grafischer Hinsicht nun wirklich? Nun: gewaltig! Wie groß die Unterschiede zur Version für den Game Boy ausfallen, zeigen wir an dieser Stelle anhand einiger Vergleichsbilder.

Das Dungeondesign von Link’s Awakening ist abwechslungsreich und absolut hervorragend gelungen und gehört mit zum Stärksten aller Top-down-Zelda-Abenteuer. (Switch)


Insgesamt finden sich über 20 neue Herzteile, welche die zwölf Stück aus dem Game-Boy-Original ergänzen und stimmig über die Welt verteilt versteckt wurden. (Switch)


KILL THE BOSSES
Etwas enttäuschend finden wir die überarbeiteten Bosse. Die waren schon im Original einer der wenigen Kritikpunkte und einer der Aspekte, an denen die Game-Boy-Einschränkungen doch spürbar waren. Die Gefechte gegen die Obermotze waren nämlich sehr simpel und so leicht, dass man sie oft in wenigen Sekunden absolvieren konnte. Auf der Switch wird zwar ein Hauch mehr Strategie von uns verlangt, noch immer aber sind die Kämpfe gegen die Oberfieslinge sehr, sehr einfach. Generell funktioniert das Kampfsystem sehr rudimentär. Diesen Vorwurf müssen sich aber andere klassische Zeldas ebenso gefallen lassen. Etwas mehr Herausforderung bringt der wahlweise und sofort zum Start anwählbare Helden-Modus mit sich. Inzwischen in vielen Teilen der Zelda-Serie mit dabei, deaktiviert er das Spawnen von Herzen, die unsere Lebensenergie auffüllen und verdoppelt die Angriffskraft von Feinden. Wirklich schwierig ist Link’s Awakening auch in diesem Modus nicht. Gerade für Kenner des Originals, die sonst einfach durch das Abenteuer durchmarschieren, ist er aber natürlich eine feine Sache.

NOT-SO-SUPER ZELDA MAKER
Nur für diejenigen Leute neu, welche die Game-Boy-Color-Version des Spiels nicht kennen, ist der optionale neunte Dungeon, der sich versteckt auf Cocolint finden lässt – und qualitativ nicht ganz mit den anderen Tempeln mithalten kann. Um einen Aspekt aus der ersten Link’s-Awakening-Neuauflage von 1998/1999 wurde das Abenteuer zudem sogar beraubt: Der Fotoladen und somit die Möglichkeit, an diversen Orten auf den Fotografen- Mäuserich zu treffen und Schnappschüsse anfertigen zu lassen, ist perdu. Anstelle des Shops befindet sich in der Switch-Variante dort nun Boris’ Hütte. Den gutmütigen Totengräber kennen wir seit Ocarina of Time und er hat die auf den ersten Blick größte inhaltliche Neuerung des Spiels im Gepäck: Einen Dungeon Creator! Haben wir einen Dungeon abgeschlossen, wandern angepasste Versionen der einzelnen Räume in unser Bau-Inventar und lassen sich dort nach Belieben zu neuen Labyrinthen zusammensetzen. Weitere Räume lassen sich in Form von Kammersteinen auch an anderen Orten in der Welt entdecken. Zusätzlich zum freien Erstellen erwartet uns eine Handvoll an Bastel-Herausforderungen, wo wir etwa bestimmte Formen nachbauen müssen oder einen Tempel erstellen, der sich innerhalb einer bestimmten Zeitvorgabe absolvieren lässt. Wer will, kann seine Kreationen durch Effekte wie herabfallende Bomben und Deckengrapscher, die einen an den Tempeleingang zurückversetzen, wenn sie einen erwischen, noch erweitern. Besitzt man den Link’s-Awakening-Amiibo, so kann man eine Schattenversion von Link in den Tempeln platzieren, die dem Helden das Leben schwermacht. An und für sich ist der Editor eine tolle Idee, mit der man definitiv eine Weile seinen Spaß haben kann. Ein Zelda-Gegenstück zu Super Mario Maker 2 darf man sich aber keineswegs erwarten. Nicht nur lassen sich die Räume nicht verändern, wir sind auch ziemlich nervigen Einschränkungen unterworfen. So können wir etwa nicht selbst entscheiden, zu welchem Ausgang ein Raum mit einer darin enthaltenen Treppe uns führt. Stattdessen werden die einzelnen Exits offenbar willkürlich miteinander verbunden, wenn man mehr als eine unterirdische Passage eingebaut hat. Ebenso können wir nicht entscheiden, in welchen Räumen Kisten stehen und was sie enthalten. Die letzte Truhe des Dungeons enthält prinzipiell immer den Schlüssel zum Bossraum und die davor werden, entsprechend der Menge an ebenfalls nicht frei setzbaren verschlossenen Türen, mit kleinen Schlüsseln und Rubinen gefüllt. Das macht effektives Bauen und zahlreiche potenziell spannende Konstruktionen wie etwa Labyrinthe mit verschiedenen Pfaden de facto unmöglich. Außerdem existiert keine Option, unsere Dungeon-Meisterwerke online mit dem Rest der Welt zu teilen. Es ist lediglich möglich, seine Baudaten auf einen der zahlreichen verfügbaren Zelda-Amiibo zu speichern und sie somit in andere Versionen des Spiels zu übertragen. Das ist bei einer tragbaren Konsole aber reichlich überflüssig. Immerhin: Auch, wenn der Editor an sich nicht ganz das Gelbe vom Ei ist, so funktioniert das Basteln an sich doch problemlos. Als kreative Idee, die in einer erweiterten Fassung irgendwann einmal deutlich mehr Freiheiten und Möglichkeiten bietet, hat der Baukasten zudem definitiv Potenzial.

Das Bauen der Dungeons bei Totengräber Boris klappt problemlos, ist allerdings sehr eingeschränkt. Unterschiedliche Pfade, frei setzbare Kisten und Co. sind nicht möglich.


Die Gefechte gegen die Endbosse wurden erweitert, sie sind aber noch immer sehr simpel. Hier hätten wir uns eine deutlichere Überarbeitung gewünscht. (Switch)


PRACHTVOLLER INSEL-AUSFLUG
Den augenscheinlichsten Unterschied des Remakes im Vergleich zum Original haben wir uns bis zum Schluss aufgehoben: Grafisch wurde natürlich kein Stein auf dem anderen gelassen. Obwohl wie erwähnt bezüglich der Struktur fast unverändert zum Game-Boy-Spiel, erstrahlt Link’s Awakening auf der Switch in wunderschönem, zuckersüßen Glanz. Die Entwickler nutzen keinen der etablierten Stile, sondern verpacken das Abenteuer auf Cocolint in einen Look, der fast an ein großes Diorama voller Plastikfiguren erinnert. Alles wirkt wie aus einem Guss, Freund und Feind sehen herzallerliebst aus und man hat wirklich das Gefühl, von oben direkt auf eine kleine Welt hinabzugucken. Jeder einzelne virtuelle Meter sprüht nur so vor Details und ein geschicktes Spiel mit Schärfe und Unschärfe verleiht dem Inseltrip zusätzlichen Charakter. Uns ist bewusst, dass viele Spieler sich an dem Stil stören – ob er gefällt oder nicht, ist schlussendlich Geschmackssache. Wir raten aber jedem, sich darauf einzulassen, denn er passt einfach wie die Faust aufs Auge. Wer einmal Link dabei zugesehen hat, wie er einen Apfel von einem Baum pflückt und ihn fröhlich verspeist – ebenfalls eine Neuerung! –, der kann eigentlich kaum noch anders als sich in den knuddeligen Protagonisten und die prachtvolle Welt um ihn herum zu verlieben. Da verzeihen wir auch die teilweise deutlichen Ruckler, die vor allem dann auftreten, wenn wir von einem Gebiet ins andere wechseln; hier lädt das Spiel offenbar im Hintergrund nach. Genauso gelungen wie die Grafik ist zudem die Musik des Cocolint-Ausflugs. Schon die Originalstücke gehörten mit zu den besten Melodien, welche Zelda zu bieten hat, sie litten aber natürlich unter ihrem blechernen Midi-Klang. Auf der Switch dürfen wir ihnen endlich in der Qualität lauschen, die wir uns damals nur vorstellen konnten und es ist ein wahrer Ohrenschmaus!

EIN ABENTEUER FÜR DIE EWIGKEIT
Vielleicht kam es bisher schon raus: Wir mögen, was Nintendo und Entwickler Grezzo auf der Switch aus The Legend of Zelda: Link’s Awakening gemacht haben, wir mögen es sogar sehr gerne. Das Abenteuer hat den Test der Zeit bestanden und wurde massiv verbessert und aufgewertet, sodass man ihm sein Alter zu keinem Zeitpunkt anmerkt. Kleine Kritikpunkte wie die Bosskämpfe, Ruckler, der ausbaufähige Dungeon Creator und die trotz Neuerungen nach wie vor vergleichsweise kurze Spielzeit von etwa zehn bis 15 Stunden stören nur geringfügig. Link’s Awakening ist ein Pflichtkauf für jeden Switch-Besitzer, egal, ob man das Original kennt oder nicht. Breath of the Wild hat die Zelda-Serie in neue, spannende Gefilde geführt. Link’s Awakening zeigt, wie gut es manchmal aber auch tut, wieder nach Hause zu kommen.

Das Spiel sieht einfach brillant aus! Jeder Quadratzentimeter der Spielwelt sprüht vor Charme und der Diorama-Look passt perfekt. (Switch)


MEINUNG

Lukas Schmid

The Legend of Zelda: Link’s Awakening ist eines jener Spiele, bei denen ich sofort ein wohliges Gefühl in der Magengegend bekomme, wenn ich daran denke. Kein Wunder, war es doch eines meiner ersten eigenen Videospiele. Insofern war meine Vorfreude auf das Switch-Remake natürlich gewaltig, allerdings gemischt mit der Frage: Ist’s denn wirklich so gut, wie ich es in Erinnerung habe? Oder scheinen das Alter und die Tatsache, dass es auf dem Game Boy mit seinen zwei Aktionstasten seinen Ursprung hat, zu stark durch? Nun, ich kann beruhigen: Links Ausflug nach Cocolint funktioniert auch als Remake famos. Die Welt ist fantastisch gestaltet, die Dungeons und Rätsel variantenreich und die Atmosphäre absolut einmalig. Hinzu kommen zahlreiche sinnvolle Anpassungen. Minimale Makel wie die schwachen Bosskämpfe sind vernachlässigbar in einem grandiosen Spiel, das ich sowohl alten Hasen als auch Nintendo-Neulingen fast uneingeschränkt empfehlen kann.

WERTUNG

Stärken und Schwächen

+ Brillant umgesetzter Grafikstil
+Wundervolle Musikstücke
+Sinnvolle Komfortverbesserungen und Anpassungen
+Zahlreiche neue Sammelgegenstände
+Einzigartige, melancholische Atmosphäre
+Eine der gelungensten Zelda-Storys überhaupt!
+Toll gestaltete Spielwelt voller Geheimnisse
+Hervorragendes Dungeon-Design
+Heldenmodus bringt mehr Anspruch
+Unterhaltsamer Dungeon-Creator
- … jedoch mit Einschränkungen
- Teils deutliche Ruckler
- Bosse trotz Anpassungen zu einfach
- Reine Story-Spielzeit recht kurz