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The Phantom 'Cuda


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Chrom & Flammen - epaper ⋅ Ausgabe 1/2022 vom 22.12.2021

Keine Frage: Wäre dieser 'Cuda als 383er vom Band gelaufen, dann wäre sein Autoleben eines Nachts im Juli 1981 zu Ende gewesen. Der seinerzeitige Besitzer verlor während eines kleinen Rennens gegen den Ford Pickup seines Kumpels auf einer Landstraße im ländlichen Oregon die Kontrolle und schleuderte bei angeblich dreistelligem Tempo – in Meilen! – kreuz und quer über die Fahrbahn. Der Wagen schlug vorn wie hinten heftig in die Böschung ein. Glücklicherweise stieg der Fahrer bis auf ein paar Kratzer unbeschadet aus dem Wrack. Der Plymouth sah dagegen ziemlich zerknüllt aus: Der Vorderwagen war eingedrückt und nach rechts verschoben, die Achsaufhängung abgerissen, das hintere Seitenteil der Fahrerseite völlig zerschmettert, die Beifahrerseite sah nur wenig besser aus. Sogar das Dach hatte einige tiefe Knicke und war an der linken hinteren Säule eingerissen.

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Bildquelle: Chrom & Flammen, Ausgabe 1/2022

Der 'Cuda landete auf einem Schrottplatz ...

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... und blieb dort, für rund ein Vierteljahrhundert. Wie zu erwarten, verbesserte sich der Zustand durch die lange Lagerung im Freien nicht: Das Blech setzte Rost an, und alles, was aus dem Unfallwagen noch zu gebrauchen war, wurde von Teilejägern abmontiert. Schon als der Unfall passierte, steckte der mächtige 440-ci-Big Block mit seinen drei Doppelvergasern nicht mehr unter der Haube: Einer der Vorbesitzer hatte die Maschine verheizt und durch einen 318-ci-Small Block ersetzt.

Was kann so ein rostiger, krummer Blechhaufen noch wert sein? Nicht mehr viel, richtig? Falsch! Satte 50.000 Dollar legte 2008 ein Sammler für die geschundenen Überreste des 'Cuda hin. Allein der Umstand, dass der Plymouth in einer sehr gesuchten Konfiguration produziert wurde, begründete den erheblichen Wert für die Karosserie als Restaurierungsbasis. Denn neben dem 440-6-Barrel-V8 mit dem Motorcode E87, der in Sachen Power dem Street Hemi kaum nachsteht, waren auch das D21-Viergang-Schaltgetriebe und die N96 Shaker Hood Teil der Originalausstattung. In dieser Konstellation wurde das schicke Plymouth Muscle Car im Modelljahr 1971 nur 108 Mal gebaut.

Normalerweise laufen Restaurierungsprojekte mit einer ähnlichen Ausgangslage so ab, dass die Fahrgestellnummer des seltenen und wertvollen Autos in eine gut erhaltene Spenderkarosse – oder, falls verfügbar – in einen Repro-Body eingeschweißt wird. Solche zweifelhaften Tricks kamen für Mark Worman und sein Team von der Firma Graveyard Carz jedoch nicht in Frage. Mark nahm sich vor, möglichst viel von der originalen Blechsubstanz zu retten. Gleichzeitig sollten die Arbeiten auf Video dokumentiert werden und als Grundlage für die Reality-TV-Show Graveyard Carz dienen.

Die bei Sendungen dieses Formats übliche Hektik ist bei Graveyard Carz kein Thema: Anstatt die Restaurierung mehr schlecht als recht innerhalb weniger Wochen oder sogar nur einigen Tagen durchzuziehen, ließ Marc sich Zeit, den Job richtig zu machen. Rund zehn Jahre vergingen, bis der 'Cuda wiederhergestellt war. Zunächst wurde die Karosserie auf der Richtbank vorsichtig wieder in die ungefähre Ausgangsform gebracht. Mark und das Graveyard Carz Team begaben sich zu Beginn der Restaurierung auf die Suche nach geeigneten Ersatzteilen und möglicherweise erhaltenen Originalkomponenten. Dabei stöberten sie auch einige Vorbesitzer und weitere Zeitzeugen auf, mit deren Hilfe die Geschichte des Fahrzeugs und auch der Verlauf des Unfalls nachvollzogen werden konnte.

Die gestrippte Karosse wurde im KTL-Bad entlackt, worauf sich herausstellte, dass der Rost weniger schlimm gewütet hatte, als zu befürchten war. In diesem Zustand verschickte Mark den 'Cuda von Oregon nach Georgia zur Firma Auto Metal Direct, wo sämtliche Karosseriesektionen, die nicht mehr zu richten waren, durch frisch eingeschweißte Blechteile ersetzt wurden. Durch ebenso sorgsames wie behutsames Arbeiten gelang es, die Karosserie so rekonstruieren, dass am Schluss alle Maße und Montagepunkte wieder stimmten, aber andererseits fast zwei Drittel des originalen Blechs erhalten werden konnten.

Nachdem der Cuda zum ersten Mal gegen Ende der ersten Graveyard-Carz-Staffel in der Sendung aufgetaucht war, dauerte die Restaurierung bis zum Finale der Staffel Sieben. Seitdem befand sich der Plymouth in Hand des Sammlers, der seinerzeit die Restaurierung in Auftrag gegeben hatte, und erlangte nicht nur durch die TV-Sendung, sondern auch durch Magazinartikel und Präsentationen auf Car Shows erhebliche Bekanntheit in den Staaten.

1970er Plymouth 'Cuda 440-6

Motor: OHV-V8, 440 ci, 7.206 ccm, ca. 396 PS bei 4.700 U/min, 664 Nm bei 3.200 U/min; Bohrung × Hub in mm 109,7 × 95,3; Verdichtung 10,5:1; 3 × Holley-Zweifachvergaser, Shaker Hood, Doppelrohr-Auspuffanlage

Kraftübertragung: Viergang-Schaltgetriebe mit Pistol Shifter, Hinterradantrieb; Achsübersetzung 3,54:1; Power-Lok

Vorderachse: Einzelradaufhängung an oberen und unteren Querlenkern, Torsionsfederstäbe, Teleskopstoßdämpfer, Stabilisator

Hinterachse: Starrachse, Blattfedern, Teleskopstoßdämpfer, Stabilisator

Bremsen: innenbelüftete Scheibenbremsen vorn/ Trommelbremsen hinten

Räder: “Rallye Wheels” in 7 × 15"

Reifen: Goodyear “Polyglass GT” in E60-15

Auch Daniel Singy, Inhaber der Firma Top Auto Oerlikon aus der Nähe von Zürich, ist ein großer Mopar-Fan. In CHROM & FLAMMEN haben wir in den letzten zehn Jahren einige seiner Muscle Cars vorgestellt. Auf der Suche nach “Investment Grade”-Klassikern, sprich Oldtimern, bei denen vom Zustand und der Marktnachfrage her mit steigenden Preisen gerechnet werden kann, kam der Kontakt zur Firma Graveyard Carz zustande, die sich ausschließlich auf Muscle Cars aus dem Chrysler- Konzern spezialisiert hat. “Durch die guten Beziehungen zum Mark Worman konnten wir diesen seltenen Wagen 2021 erwerben”, berichtet Dani.

Im geschlossenen Container überquerte der Plymouth den Atlantik und wurde dann per Binnenschiff nach Basel transportiert, erst die letzten Kilometer bis nach Zürich legte das Coupe mittels Lkw zurück. Die Firma Historic Motors AG in 8180 Bülach/CH erhielt den Auftrag, den Big-Block-'Cuda für die Schweizer Zulassung umzurüsten. Unter anderem wurde eine Tachoscheibe mit km/h-Markierungen aus den USA bestellt und eingebaut. Im Rahmen der Abnahme wurde auch gleich der Veteranenstatus zertifiziert, was mit der Prüfung für die Vergabe des H-Kennzeichens in Deutschland vergleichbar ist.

Wer sich für das Sixpack-Coupé interessiert, braucht sich zum Glück nicht mehr auf eine langwierige Restaurierung einzulassen, sondern lediglich einen Termin mit Dani zu vereinbaren, denn der Wagen steht komplett aufbereitet und mit einer Keramikversiegelung versehen bei Top Auto Oerlikon im Showroom!

Text: Frank Mundus