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The Surge 2


PC Games Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 8/2019 vom 31.07.2019

Größer, besser und fairer soll es werden: Für die Fortsetzung des „Sci-Fi-Soulslikes“ setzt Deck 13 eher auf kleine Fortschritte, die es dafür in sich haben!


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Bildquelle: PC Games Magazin, Ausgabe 8/2019

The Surge 2 verfeinert die Formel des Vorgängers mit einer vielfältigeren Welt und sinnvollen Detailverbesserungen.


Action-Rollenspiel Deck 13 Focus Home Interactive 24.09.2019

Die Dark-Souls-Formel mit einem Science-Fiction-Szenario zu kreuzen, mag zwar nicht sonderlich originell sein, doch im Fall von The Surge war uns das herzlich egal: Vor zwei Jahren gelang Deck 13 (Lords of the Fallen) das Kunststück, aus der einfachen Idee ein richtig gutes ...

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... Spiel zu stricken, das seitdem jede Menge Fans gefunden und auch in unserem Test viel Lob kassiert hat! The Surge war fordernd, spannend und atmosphärisch, ließ aber auch noch viel Raum für Verbesserungen – und genau hier kommt die Fortsetzung ins Spiel, die schon nach etwas mehr als zwei Jahren Entwicklung im Laden stehen soll.

Ob die vergleichsweise kurze Zeit ausreicht, um einen vollwertigen Nachfolger auszutüfteln? Davon wollten wir uns selbst überzeugen und statteten den Entwicklern kurzerhand einen Besuch ab. Vor Ort bei Deck 13 hatten wir die Möglichkeit, The Surge 2 mehr als vier Stunden lang ohne Einschränkungen zu spielen, eigenes Videomaterial am PC aufzunehmen und mit den Entwicklern zu plaudern. Beim Anspielen der Beta-Version wurde uns schnell klar: The Surge 2 will das Rad zwar nicht neu erfinden, es aber zumindest ein ganzes Stück runder machen. Das Feedback der Spieler war dabei entscheidend für Deck 13, denn viele Neuerungen und Detailverbesserungen gehen direkt auf die Wünsche und Vorschläge der Community zurück.

Held aus dem Baukasten

Die erste dieser Änderungen erleben wir gleich bei Spielstart: In The Surge 2 lenkt man keinen vorgefertigten Helden mehr. Stattdessen beginnt das Abenteuer mit einem solide ausgestatteten Charakter-Editor, in dem man Aussehen, Alter und Geschlecht der Spielfigur selbst festlegen kann. Laut Deck 13 ist das ein Feature, das sich die Käufer des ersten Teils ausdrücklich gewünscht hatten. Warren, der querschnittgelähmte Held aus dem Vorgänger, wird zwar auch in The Surge 2 wieder eine Rolle spielen, doch wie genau die aussieht, wollen wir hier natürlich nicht verraten!

Nach der Charaktererstellung verfrachtet uns das Action-Rollenspiel ohne Umschweife in ein Gefängnis, genauer: in eine Krankenstation, wo wir ohne Erinnerungen auf einem Behandlungstisch aufwachen. Ärzte sind weit und breit nicht zu sehen, doch dafür stolpern wir schon nach wenigen Schritten über die ersten Leichen. Warum gehen die Wachdrohnen auf uns los? Warum greifen uns manche der Insassen unvermittelt an? Erst nach einer Weile erfahren wir den Grund: Die gefährliche Nano-Seuche aus dem Vorgängerspiel hat sich ausgebreitet und die Stadt Jericho City erfasst. Dort herrscht nun blanke Anarchie, weshalb die Regierung die gesamte Stadt unter Quarantäne gestellt hat. Ein Teil der Bevölkerung verwandelte sich in mordende Maschinenzombies, der Rest wurde evakuiert oder fiel den Angreifern zum Opfer – und wir sind natürlich mittendrin.

In Jericho City treffen wir nicht nur auf Feinde. Hier begrüßt uns ein freundlicher Kultist und führt uns in die Story ein.


Lern oder stirb!

Das Spielgefühl erinnert auf den ersten Blick stark an den Vorgänger: Steuerung, Kameraführung, Menüdesign, das ist fast alles beim Alten geblieben. Unser wichtigstes Werkzeug fehlt allerdings: die Exo-Rig, eine Art biomechanisches Exoskelett, mit der wir unsere Kräfte verstärken und schwere Ausrüstung anlegen können! Noch bevor wir uns so ein praktisches Ding umschnallen dürfen, wartet schon der erste Mini-Bosskampf auf uns – spätestens hier wird klar, dass auch The Surge 2 kein Spiel für Warmduscher wird. Wer nicht aufpasst, gibt schon im Tutorial zum ersten Mal den Löffel ab.
Zum Glück liefert der Einstieg aber alle wichtigen Infos gleich mit. Wer den Vorgänger nicht gespielt hat, sollte die Gelegenheit also besser nutzen, um sich mit den Grundlagen vertraut machen! Zum Ende des Tutorials müssen die Basics nämlich sitzen, denn hier wartet schon der erste richtige Bosskampf auf uns: Wir müssen gegen den Gefängnisdirektor antreten, der uns mit Brandbomben, schnellen Klauenangriffen und einer Drohne (die wir ihm nach unserem Sieg natürlich abluchsen) ordentlich ins Schwitzen bringt.

Willkommen in Jericho City

Auf den Boss folgt die Freiheit: Wir betreten erstmals das in Trümmern liegende Jericho City. Die abgeriegelte Stadt ist der zentrale Schauplatz von The Surge 2 und soll deutlich größer ausfallen als jeder andere Level im Vorgängerspiel. Indem wir das Stadtgebiet sorgfältig erkunden, nützliche Upgrades sammeln, Schlüsselkarten finden oder Schalter betätigen, öffnen wir nach und nach neue Wege. Die führen uns in allerlei unterschiedliche Levels, die um die Stadtzone angeordnet sind. Neben dem Gefängnis entdecken wir beispielsweise auch eine trostlose, mit Giftmüll verseuchte Hafengegend, in der neue Gegner, Quests, Secrets und Bosse auf uns warten. Im Gegensatz zum Vorgängerspiel ist die Reihenfolge der Levels aber nicht mehr vorgegeben und man darf selbst entscheiden, welchen Pfad man einschlagen will. Da die Gegner nicht mit unserem Level skalieren, könnten wir dadurch auch mal in einer Zone landen, die vielleicht noch zu hochstufig für uns ist. In dem Fall heißt es dann: tapfer durchbeißen oder einfach umdrehen und stattdessen einen Weg zu einem anderen Level suchen.

Im Charaktereditor legt ihr Alter, Aussehen und Geschlecht eurer (stummen) Spielfigur fest.


Das neue Blocken-System erfordert gutes Timing. Praktisch: Ein neues Implantat hilft uns dabei!


Mehr NPCs, mehr Quests

Schon in der ersten Spielstunde fällt uns die wesentlich höhere Dialog- und Questdichte auf. Die Entwickler legen sich ins Zeug, um Story und Spielwelt diesmal noch stärker miteinander zu verzahnen als im ersten The Surge, das in dieser Hinsicht reichlich schwach auf der Brust war. So trifft man schon zu Beginn auf deutlich mehr NPCs als im gesamten Vorgängerspiel. Viele von ihnen warten in kleinen Hubs auf uns, die als Verbindungsstücke zwischen dem Stadtgebiet und den angrenzenden Levels dienen. In diesen Stützpunkten dürfen wir nach Herzenslust mit Leuten quatschen, manche wollen mit uns handeln, andere haben kleine Nebenquests parat. Eine klare Steigerung! Doch leider hat die Sache auch einen Haken: Der selbst erstellte Held beziehungsweise die Heldin ist diesmal komplett stumm. Alle anderen Charaktere wurden dagegen sorgfältig vertont – schade, dass es da nicht für zwei zusätzliche Sprecher gereicht hat.

Die Drohne ist nun deutlich stärker als früher, verbraucht dafür aber Munition. Ihre Schüsse lösen wir manuell aus.


Die Medibay ist unsere wichtigste Anlaufstelle. Darum schalten wir regelmäßig neue Abkürzungen dorthin frei.


Immer wieder greifen wir die gleichen Feinde nochmals an. Ein wenig Grinden gehört einfach dazu.


Kämpfen, sammeln, siegen

Auch wenn The Surge 2 nun etwas mehr Story auffährt, setzt es auf den exakt gleichen, motivierenden Gameplay-Kreislauf wie sein Vorgänger. Wir verbringen also wieder viel Zeit damit, Gegner zu „farmen“, sie systematisch zu zerlegen, ihre Ausrüstung zu recyceln und so Stück für Stück stärker zu werden. Die schick animierten Kämpfe spielen sich gewohnt rabiat und wunderbar wuchtig! Einzig die Kamera macht hin und wieder etwas Probleme, besonders in engen Gängen oder wenn wir Feuerleitern, Treppen und Plattformen erkunden, wo der Überblick auch mal leiden kann. Auch die Sprungfähigkeit fühlt sich so hakelig an wie eh und je, hier hat sich kaum etwas getan. Ist das schlimm? Nein. Aber nach zwei Jahren Entwicklungszeit hätten wir hier ein bisschen mehr Fortschritt erwartet.

Auch das wichtigste Feature kehrt nahezu unverändert zurück: Mithilfe des rechten Analogsticks schalten wir wieder gezielt die Körperteile der Gegner durch und konzentrieren unsere Angriffe auf Kopf, Körper, Arme oder Beine. Mit einem stark inszenierten (und äußerst brutalen!) Finisher schlagen wir anschließend das Körperteil ab und haben so die Chance, nicht nur die Waffen unserer Gegner einzusacken, sondern auch gleich noch einen Bauplan oder Handwerksmaterial zu erbeuten.

Mach mal Pause!

Mit dem gesammelten Zeug marschieren wir regelmäßig zu einer der spärlich verteilten Medibay-Stationen, die auch in The Surge 2 unsere wichtigste Anlaufstelle sind. Darum ist es umso wichtiger, dass wir beim Erkunden der Levels immer wieder die Augen nach gut versteckten Abkürzungen offen halten, damit wir möglichst schnell wieder zur Medibay zurückfinden. Das klappte schon im Vorgänger gut und auch in The Surge 2 macht das Leveldesign einen durchdachten Eindruck.

An der Medibay basteln wir neue Rüstungsteile für unsere Exo-Rig, die unterschiedliche Defensivwerte besitzen, unser Tempo beeinflussen und im Set auch spezielle Boni liefern, die sich stark auf unsere Spielweise auswirken können. Diesmal gibt es auch schon kleinere Bonuseigenschaften für halb angelegte Sets, ein nettes Detail! Bereits gesammelte Ausrüstung lässt sich außerdem wie gewohnt mit Material in zehn Rängen verbessern, dadurch bleibt sie über die gesamte Spielzeit nützlich. Im New-Game-Plus-Modus, der nach dem Durchspielen freigeschaltet wird, kommen dann noch mal weitere zehn Qualitätsstufen hinzu, für die wir wieder neue Rohstoffe heranschaffen müssen.

Und auch das kennen wir schon: Sobald wir die Station benutzen, wird unsere Lebenskraft aufgefüllt und alle Gegner respawnen, sodass wir wieder aufs Neue losziehen und die gleichen Gegner noch mal umholzen können, bis wir die gewünschten Materialien und Baupläne zusammen haben, um ein neues Rüstungsteil zu bauen oder ein Upgrade herzustellen. Gelegentliches „Grinding“ gehört also auch in The Surge 2 ausdrücklich dazu!

The Surge 2 soll deutlich mehr Bosskämpfe als der Vorgänger bieten, die aber diesmal etwas fairer ausfallen sollen.


In Hubs treffen wir nun auf deutlich mehr Questgeber als im Vorgänger. Auch die Händler sind neu.


Wie im Vorgänger können wir Körperteile der Gegner gezielt abtrennen und so Ausrüstung sammeln.


Blocken 2.0

Das Action-RPG spult aber nicht einfach nur die Formel seines Vorgängers ab, Deck 13 hat auch an wichtige Detailverbesserungen gedacht. Eine der wichtigsten Neuerungen betrifft das Blocken: Mit dem rechten Analogstick darf man feindliche Schläge nun gezielt in vier Richtungen abwehren. Erwischt man dabei den richtigen Moment, legt unsere Spielfigur einen effektiven Konter hin, der Gegner aus dem Gleichgewicht bringt. Das erfordert etwas Übung. Deck 13 betont deshalb, dass das Blocken zwar sehr nützlich, aber nicht verpflichtend ist – wer Angriffen lieber ausweichen will, kann das auch weiterhin tun. Clevere Idee: Damit man die neue Blocken-Mechanik in Ruhe lernen kann, gibt’s ein praktisches Implantat, das über unserer Spielfigur anzeigt, aus welcher Richtung der gegnerische Angriff erfolgt.

Gegen den Frust

Stichwort Implantate: Auch da hat sich einiges getan. Auf den ersten Blick erinnert das System noch stark an den Vorgänger, wir sammeln also wieder verschiedenste Charakterbausteine, die uns mächtige passive Boni verpassen. Es gibt aber einen wichtigen Unterschied zum ersten The Surge: Musste man früher noch viele der kostbaren Slots mit Verbesserungen für Basisattribute belegen, ist das nun nicht mehr nötig. Stattdessen dürfen wir nun jedes Mal, wenn wir unsere Kernleistung steigern (was einem Levelaufstieg entspricht), auch Punkte auf Gesundheit, Ausdauer und Energie verteilen. Diese Werte haben kein Limit, das heißt, ihr könnt auch einfach mal eine Weile farmen und eure Spielfigur so ordentlich hochleveln. Sogar ein „Überleveln“ ist möglich, sofern ihr die nötige Zeit investiert und mal so richtig an euren Gegnern vorbeiziehen möchtet! Und das ist nur eine von mehreren Methoden, mit denen die Entwickler vermeiden wollen, dass die Spieler an einer zu kniffligen Stelle verzweifeln.

Ein weiteres Beispiel: Wenn ihr mal draufgeht, hinterlasst ihr wie gewohnt euer gesammeltes Tech Scrap, das in The Surge 2 zugleich Währung und Erfahrungspunkte darstellt. Es ist aber nicht immer ratsam, das Schrottpaket gleich wieder aufzusammeln, denn es spendiert uns einen nützlichen Heilungseffekt, sobald wir uns in seiner Nähe aufhalten. Das war im Vorgänger zwar auch schon so, allerdings hat das kaum jemand mitbekommen, wie uns die Entwickler verraten. Darum gibt’s jetzt deutliches visuelles Feedback und eure Spielfigur leuchtet grün, sobald sie den Gesundheitsbuff bekommt. Außerdem werdet ihr nun auf einen Schlag geheilt, sobald ihr die verlorene Beute aufhebt – das kann besonders in Bosskämpfen eine wichtige Hilfe sein!

Die brutalen Finisher werden auf Wunsch wieder mit dramatischen Zeitlupen in Szene gesetzt.


Es lohnt sich, die Welt genau zu erkunden. Oft warten zusätzliche Belohnungen auf uns.


Attribute steigern wir nun von Hand, dadurch bleiben mehr Slots für praktische Implantate frei.


Sinnvoll verbessert

Neben eurem Ausdauerwert, der vor allem für das Zuschlagen, Ausweichen oder Blocken zuständig ist, müsst ihr in Kämpfen auch eure Energieleiste im Auge behalten. Weil diese im Vorgängerspiel aber nicht immer gut zu erfassen war, wurde sie für The Surge 2 ein wenig entschlackt: Die Leiste ist nun in Akku-Ladungen unterteilt, die man auch im Eifer des Gefechts noch gut ablesen kann. Als Faustregel gilt: Alles, was Energie verbraucht, kostet nun einfach eine Akku-Ladung, zum Beispiel, wenn ihr ein Körperteil abschlagen oder euch heilen wollt. Vor allem Letzteres ist entscheidend: Standardmäßig seid ihr nämlich mit einer Injektion ausgerüstet, die Energie verbraucht und dafür eure Gesundheit erneuert. Diese Heilspritze lässt sich nun auch mehrfach aufladen, sodass ihr mehrere Heilungen abspeichern und euren Gesundheitsvorrat zwischendurch immer wieder erneuern könnt. Da sich Implantate außerdem nun auch wie Ausrüstung upgraden lassen, könnt ihr die Anzahl der gespeicherten Heilungen erhöhen – ein wichtiges Detail.

Bewährtes Konzept: Trotz neuer Waffenklassen spielen sich die Kämpfe sehr ähnlich wie im Vorgänger.


Neues Kampfgerät

Auch das Waffenarsenal wurde selbstverständlich erweitert, es gibt nun neun anstelle der fünf bekannten Waffenklassen aus dem Vorgänger. Schon in den ersten Stunden sammeln wir jede Menge futuristische Kreissägen, improvisierte Speere, umfunktionierte Werkzeuge und vieles mehr. Zu den Neuzugängen zählen auch die sogenannten Mehrzweck-Waffen, etwa eine Axt, die aus zwei Teilen besteht und besonders sehenswerte Combos vom Stapel lässt. Im Zuge dessen hat Deck 13 allerdings auch den Rotstift angesetzt: Die Waffenkenntnis-Mechanik aus dem Vorgängerspiel wurde ersatzlos gestrichen, ihr verbessert euch also nicht mehr, indem ihr eine bestimmte Waffengattung besonders häufig benutzt. Das soll den Spieler dazu ermutigen, alle Kampfgeräte ohne Reue durchzuprobieren, statt wie im Vorgängerspiel nur auf eine Waffensorte zu setzen. Außerdem versprechen die Entwickler, dass neue Waffen nicht mehr nur auf Stufe 1 droppen, sondern auch schon höhere Ränge haben können, damit sie schneller zu gebrauchen sind.

Wer überleben will, muss seine Ausrüstung regelmäßig verbessern und auf höhere Rangstufen bringen.


Fernkampf spielt nach wie vor eine untergeordnete Rolle, auch, wenn die Kampfdrohnen diesmal deutlich stärker ausfallen. Ein einfaches Beispiel ist die Laserdrohne, die nun viel mehr Schaden austeilt. Ihre Schüsse werden nun sogar von Hand ausgelöst, das macht die Kämpfe dynamischer, zumal Drohnen nun auch Körperteile abtrennen oder Schilde zerstören können. Dafür verbraucht ie Drohne allerdings auch wertvolle Munition, die wir sammeln oder beim Händler besorgen. Dadurch müssen wir das Helferlein nun etwas gezielter einsetzen als früher.

Für besiegte Gegner erhalten wir Tech-Scrap, das ist in The Surge 2 zugleich Währung und Erfahrung.


Ein bisschen online

Einen vollwertigen Multiplayermodus gibt es zwar nicht, im Gegensatz zum ersten The Surge haben es aber zumindest ein paar Online- Komponenten ins Spiel geschafft. So begegnen uns hin und wieder sogenannte Rache-Feinde in den Levels; dahinter verbergen sich gefallene Spieler, die an dieser Stelle gestorben und nun als Gegner wiederauferstanden sind. Diese Typen sind schneller und kräftiger als normale Feinde, liefern dafür aber auch extra viel Tech-Scrap als Belohnung. Zusätzlich dürfen wir die Levels mit Graffiti markieren und diese anschließend mit anderen Spielern in der Gegend teilen – dadurch kann man beispielsweise auf versteckte Beute hinweisen, Geheimgänge hervorheben oder vor einer Gefahr warnen.

Mehr Bosse, mehr Fairness

Das erste The Surge hatte (ohne DLCs) nur fünf große Bosskämpfe zu bieten. Die waren zwar toll inszeniert, für ein Spiel dieser Art ist das aber einfach zu wenig. The Surge 2 soll darum deutlich mehr dicke Brocken liefern, aber auch mehr kleinere Zwischenbosse wird es geben. Beispielsweise sollen wir für eine Gruppe zwielichtiger Kultisten, die sich selbst Hüter des Funkens nennen, einen bestimmten Boss in der Hafengegend jagen. Zwei Stunden später stehen wir vor ihm: Ein fetter Typ hat sich in einer Kapsel eingeschlossen, die auf riesigen synthetischen Beinen durch die Kampfarena stakst. Mit seinen flüssigen und ziemlich unberechenbaren Animationen erinnert uns das Stahlbiest an eine Mischung aus Riesenspinne, Seeungeheuer und den Stridern aus Half-Life 2. Zwei Minuten später liegen wir am Boden, der Lebensbalken leer.

Wie schwer soll The Surge 2 werden? Haben nur Profis eine Chance? Als wir Johannes Bickle und Thorsten Lange von Deck 13 darauf ansprechen, erklären sie, dass der Schwierigkeitsgrad zwar immer fordernd, aber nie unfair sein soll. Schließlich haben die Entwickler auch hierzu viel Feedback erhalten und dabei festgestellt, dass manche Spieler beim ersten The Surge überfordert waren. „Bosse sollen keine Wand sein, die den Spieler aus dem Spiel treibt“ findet Thorsten und erklärt weiter: „Diese Difficulty Spikes [Schwierigkeitsspitzen], die im ersten The Surge dafür sorgten, dass Leute ausgestiegen sind, obwohl sie bis dahin viel Spaß mit dem Spiel hatten, wollen wir vermeiden. Wer einen Boss erreicht, sollte auch in der Lage sein, ihn zu besiegen. Vielleicht wird man dabei zwei, drei Mal scheitern, aber dann sollte es klappen.“

Auch wenn sich natürlich erst im Test zeigen wird, ob Deck 13 all seine Ziele erreicht, setzen die Entwickler zumindest schon mal ein deutliches Signal: Man nimmt das Feedback der Spieler ernst und ist auch bereit, an einigen Grundsätzen des Vorgängers zu rütteln, seine Sperrigkeit (oft als „Dark- Souls-Faktor“ verschrien) an manchen Stellen abzuschwächen, um das Spiel runder zu machen. Wir finden: richtig so! Denn die Maßnahmen zeigen schon in unserer Anspielzeit Wirkung: Wenn das gesamte Spielerlebnis auf dem Niveau der ersten Stunden bleibt, die wir bei Deck 13 ausprobieren konnten, dürfte The Surge 2 tatsächlich eine ganze Ecke besser werden als sein Vorgänger.

FELIX MEINT


„Kluge Detailverbesserungen statt großer Innovationen? Das klingt doch gut!“


Wer nur einen flüchtigen Blick auf The Surge 2 wirft, würde es vermutlich als „more of the same“ in neuer, vielfältiger Stadtkulisse abtun. Doch damit wird man dem Spiel nicht gerecht: Es stimmt zwar, dass in meiner Spielzeit kaum große Innovationen zu sehen waren, doch dafür wirkten sich die vielen Detailverbesserungen umso mehr aus. Gerade wer den ersten Teil gut kennt, dürfte die Neuerungen zu schätzen wissen. Dass die Entwickler nun beispielsweise deutlich mehr Quests und NPCs eingebaut haben, hat mich positiv überrascht. Auch die vielen Anpassungen beim Balancing, in der Energieverwaltung oder beim Implantatesystem machen sich bezahlt. Die ohnehin spaßigen Kämpfe profitieren von der neuen Block-Mechanik, die Drohne hat mehr Wums und die neue Spielwelt lädt zum Entdecken ein. Da merkt man, dass man bei Deck 13 wirklich versucht, das Feedback der Spieler umzusetzen! Alles in allem scheint The Surge 2 zwar kein gigantischer Sprung nach vorne zu werden, doch das muss für mich auch gar nicht sein. Ich hatte nämlich schon mit dem ersten Teil jede Menge Spaß – kein Wunder also, dass mich auch der Nachfolger direkt abgeholt hat. Wenn sich Deck 13 keine gravierenden Schnitzer leistet, könnte The Surge 2 problemlos das bislang beste Spiel der Frankfurter werden. Ich freu mich drauf!